Auch die Haltestelle Duckterath wird barrierefrei

Die Bahn, der NVR und das Land NRW haben die Bürgerbeteiligung ausgewertet und einen neuen Entwurf für den Ausbau der S 11 vorgelegt. Damit ist klar: alle Stationen werden barrierefrei, Bergisch Gladbach bekommt drei weitere Bahnsteigkanten – und die Strecke wird auch in Thielenbruch zweigleisig. 

Knapp ein Jahr nach Beginn der Bürgerbeteiligung hat das Projektteam, bestehend aus dem Land Nordrhein-Westfalen, Nahverkehr Rheinland (NVR) und Deutsche Bahn, die Vorplanung abgeschlossen. Am Mittwoch veröffentlichte es Details zur sogenannten Vorzugsvariante. Die Anregungen der Bürger seien „so weit wie möglich eingeflossen”.

Zu den größten Änderungen, die auf Bürgerwünsche zurück gehen, gehöre der barrierefreie Umbau weiterer Stationen, die bisher nicht im Projekt enthalten waren. Außerdem sei der geplante Haltepunkt Köln-Kalk West optimiert wird.

Hinweise von Naturschützern, im Bereich des sensiblen Naturschutzgebietes Thielenbrucher, sei ein Verzicht auf eine Zweigleisigkeit möglich, wurden abgelehnt. Um einen sicheren Zehn-Minuten-Takt zwischen Bergisch Gladbach und Köln zu gewährleisten sei ein durchgängiger Ausbau mit zwei Gleisen notwendig, bekräftigt das Projektteam.

Eine Haltung, die vom CDU-Landtagsabgeordenten Rainer Deppe ausdrücklich begrüßt wird. Er weist darauf hin, das die Bahn anbietet, „gemeinsam mit allen Naturfreunden und Behörden einen entsprechenden ökologischen Ausgleich in und um den Thielenbruch zu finden, Kreuzungserleichterungen für Tiere zu schaffen und das Gebiet ökologisch weiter aufzuwerten.“

Auf der Projektwebsite ist zusammengefasst, welche Anregungen der Bürger aufgenommen werden konnten, welche nicht und welche noch geprüft werden. Angesichts der Vielzahl an Wünschen beschränkt sich die Übersicht auf zentrale Themen, die von mehreren Bürgern geäußert wurden.

Die nächsten Planungsschritte schließen sich jetzt nahtlos an, im Februar war bereits eine entsprechende Planungsvereinbarung von Land, NVR und DB für die S11 unterzeichnet worden. Damit stehen 32 Millionen Euro zur Finanzierung der Entwurfs- und Genehmigungsplanung und für das Genehmigungsverfahren zur Verfügung.

Wie lange es bis zur Eröffnung des zweiten Gleises dauert, ist nach wie vor weit offen: „Angaben zu einem möglichen Fertigstellungszeitpunkt sind aktuell nicht möglich”, hieß es in einer Presseerklärung zur 3. Bahnknoten-Konferenz im Februar. Zu Beginn des Planungsprozess Anfang 2018 wurde intern „Ende 2023″ als Zieldatum genannt, öffentlich legt sich in dieser Frage aber niemand fest.

Wir dokumentieren die wichtigsten Änderungen:

Barrierefreie Stationen vom Kölner Hauptbahnhof bis Bergisch Gladbach

Auf vielfachen Wunsch der Bürger verständigten sich das Land Nordrhein-Westfalen, der NVR und die DB darauf, die bestehenden Bahnsteige der Haltepunkte Köln-Holweide, Köln-Dellbrück und den vorhandenen Bahnsteig in Duckterath zusätzlich in das Projekt aufzunehmen und auf 96 Zentimeter Bahnsteighöhe zu erhöhen. Dies ermöglicht den barrierefreien Einstieg in die S-Bahn. Die Maßnahmen werden durch verschiedene Landes-, Bundes- und DB-Programme finanziell gefördert.

In Köln Messe/Deutz werden die Bahnsteige des Schienennahverkehrs („Deutz/hoch“) auf der Ostseite über den sogenannten „KVB-Tunnel“ barrierefrei über Aufzüge mit der U-Bahn verbunden. Auch das Fernverkehrsgleis 12 in Deutz tief erhält barrierefreie Zugänge. Um auch auf der Westseite vom Empfangsgebäude her Komfortverbesserungen zu erzielen, werden dort Rolltreppen geplant.

Im Ergebnis wird damit die S11 vom Kölner Hauptbahnhof bis Bergisch Gladbach durchgehend barrierefrei zugänglich sein. Die konkrete Ausstattung der Bahnsteige wird im weiteren Verlauf der Planung geklärt.

Die Trasse durch den Thielenbruch. Foto: Archiv

Zweigleisiger Ausbau im Thielenbruch

Nach dem Ausbau der S 11 soll der S-Bahn-Takt von bisher 20 auf 10 Minuten verkürzt werden. Die Projektpartner stehen bei der Suche von guten, verträglichen Planungsalternativen in engem Austausch mit Naturschutzverbänden und –vereinen, da die Bahnstrecke zwischen Köln-Dellbrück und Bergisch Gladbach durch das Naturschutzgebiet Thielenbruch führt.

Die Umweltschützer bringen wichtige Anregungen zum Erhalt des Naturschutzgebietes ein. Viele Bürger setzen sich hingegen sehr intensiv für den zweigleisigen Ausbau ein, um die S 11 in Zukunft pünktlicher und zuverlässiger zu machen.

Die Untersuchungen aus der Vorplanung stützen die Notwendigkeit eines zweigleisigen Ausbaus, um den 10-Minuten-Takt bis Bergisch Gladbach zuverlässig realisieren zu können. Die Vorzugsvariante enthält deshalb eine durchgehend zweigleisige Trasse, die mit Blick auf einen möglichst geringen Flächenverbrauch geplant ist.

Im Thielenbruch wurden zusätzliche Maßnahmen im Sinne des Naturschutzes in die Vorzugsvariante aufgenommen. Dazu gehören Durchlässe für verschiedene Tierarten an der Strecke und ein Grundwassermonitoring bereits im Vorfeld möglicher Baumaßnahmen. Weitere Anregungen von Naturschutzverbänden zu möglichen Ausgleichsmaßnahmen für den Flächenbedarf beim Ausbau werden derzeit noch geprüft.

Ein Bahnhof mit vier Gleisen – Variante 1 für den Ausbau in Gladbach. Hellblau ist das geplante Stadthaus eingezeichnet

Bahnhof Bergisch Gladbach

Die Vorzugsvariante sieht den Bau von drei zusätzlichen Bahnsteigkanten im Bahnhof Bergisch Gladbach vor. Viele Kommentare der Bürger bezogen sich auf Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der S11. Mit den zusätzlichen Gleisen und Bahnsteigen ist bei einem 10-Minuten-Takt ausreichend Platz für die benötigten Fahrzeuge gegeben. Zudem steht zukünftig für die Wende in Bergisch Gladbach mehr Zeit zur Verfügung. Damit wird die S 11 insgesamt auch zuverlässiger, Verspätungen können abgebaut werden.

Das Umfeld des Bahnhofs in Bergisch Gladbach wird sich aber nicht nur durch den Umbau und die Erweiterung des S-Bahnhofs verändern, sondern auch durch den geplanten Neubau eines Stadthauses auf dem nordwestlich des Bahnhofs gelegenen Grundstückes. Die Planungen der Stadt Bergisch Gladbach sind dafür angelaufen und werden eng mit den Planungen der Deutschen Bahn abgestimmt.

Verlegung des Bahnsteigzugangs Köln-Kalk West

Zur Erschließung des neuen Stadtquartiers auf dem ehemaligen Gelände der Chemischen Fabrik Kalk ist die neue Station Kalk West geplant. Auf Höhe des Odysseums soll ein 150 Meter langer Mittelbahnsteig entstehen. Ursprünglich sahen die Planer der DB einen Zugang zum Bahnsteig über die Straße des 17. Juni vor, weil auf diese Weise die gesamte Station auf DB-Grund liegen würde.

Im Beteiligungsprozess merkten die Bürger übereinstimmend kritisch die Lage der Bahnsteigzugänge an der Hauptverkehrsstraße an, die abseits der Laufwege im Viertel liegt. Daraufhin verständigten sich die DB und die Stadt Köln, die Zugänge zur Station nach Süden zu verlegen, auf teilweise städtischen Grund. Von der Wohnbebauung zur S-Bahn-Station sind die Laufwege dadurch deutlich kürzer.

Keine Park&Ride-Anlage in Kalk-West

Zur Frage von Park&Ride-Stellplätzen an der neuen Station Kalk West gingen die Meinungen der Bürger auseinander. Manche sahen eine große Chance darin, direkt an einer Haupteinfallstraße Richtung Innenstadt Umsteigemöglichkeiten vom Auto zur S-Bahn zu schaffen. Andere befürchteten dagegen, dass der PKW-Verkehr im Viertel durch eine Park&Ride-Anlage deutlich zunehmen würde.

Die Stadt Köln schloss sich der Meinung der skeptischen Bürger an: Der Umstieg vom Auto zur S-Bahn soll am Rand der Stadt erfolgen und nicht im Zentrum des rechtsrheinischen Köln. Zusätzlicher Autoverkehr im Stadtteil soll vermieden werden, Park & Ride-Plätze würden diesem Ziel zuwiderlaufen. Stattdessen befürwortet die Stadt Köln auch Kalk in Bezug auf Mobilstationen zu untersuchen, um verschiedene Verkehrsträger zu kombinieren. Denkbar sind zum Beispiel eine Fahrradstation, Ladestationen für Elektroautos und E-Bikes sowie Sharing-Angebote. Wann und wo Mobilstationen in Kalk und den anderen Bezirken von Köln eingerichtet werden könnten, erarbeitet die Stadt Köln derzeit.

Reaktionen der Beteiligten

Im Frühjahr 2018 gingen im Online-Dialog über 300 Rückmeldungen ein und mehr als 600 Besucher kamen zu den beiden Infomessen in Köln und Bergisch Gladbach, die vom „Bündnis für Mobilität“ des Verkehrsministeriums NRW finanziell unterstützt worden sind. „Unser Dank geht an alle Bürger, die sich beteiligt haben. Ihre Kommentare und Anregungen haben wertvolle Erkenntnisse gebracht. An vielen Stellen können wir dadurch die Planung optimieren“, sagt Dr. Norbert Reinkober, Geschäftsführer des NVR. „Die neue, ausgebaute S 11 wird dadurch attraktiver für die Fahrgäste und zugleich verträglicher für die Anwohner.“

„Wir investieren in frühzeitige Bürgerbeteiligung“, sagte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst. „Das ist gut angelegtes Geld. So treiben wir den Ausbau der Linie S 11 voran und sorgen für Tempo.“

„Unsere Planer haben die unterschiedlichen Bürgerwünsche in den letzten Monaten intensiv auf ihre Machbarkeit hin geprüft und die Vorschläge aufgenommen, die sich beim Ausbau der S11 umsetzen lassen“, erklärt Bernd Köppel, Leiter Großprojekte West der DB Netz AG. „Hilfreich ist außerdem, dass wir an vielen Stellen die Zustimmung der Bürger erhalten haben und wissen: Wir liegen hier richtig“, so Köppel weiter. Die Vorzugsvariante gibt allerdings noch nicht exakt den späteren Bauplan wieder. Sie bildet den aktuellen Zwischenstand ab und wird in den kommenden Planungsphasen laufend weiter ergänzt und verfeinert, zum Beispiel mit den Ergebnissen von weiteren Studien und Detailuntersuchungen.

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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1 Kommentar

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  1. Wenn ich schon Einschränkungen wegen der Baustelle in Bergisch Gladbach (Schienenersatzverkehr) in Kauf nehmen muss, dann sollte dieser wenigstens so fahren, wie die S-Bahn kommt und nicht nur alle halbe Stunde. Im übrigen sollten während der Bauphase wenigstens die S-Bahnen pünktlich sein. Aber selbst das schafft die Bahn nicht. Diese Informationen bekommt der Fahrgast erst, wenn er in der Bahn sitzt oder gerade in Dellbrück einsteigen will. 10-Minutentakt ist ein hohes Ziel der Bahn, aber wenn schon Baustellen eingetichtet werden, dann sollte die Organisation für die Fahrgäste auch perfekt sein. Und dies kann man zur Zeit nicht behaupten. Ausserdem könnten die Fahrpläne mit den Ändrungen der Fahrzeiten grösser gedruckt werden. Für Leute mit verminderter Sehkraft ist das eine Zumutung.