Von den rund 2.500 Impfdosen für den Rheinisch-Bergischen Kreis sind bislang nur rund ein Viertel eingesetzt worden. Der Grund sind offenbar Abstimmungsprobleme. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) verweist auf fehlende Bedarfsmeldungen der Pflegeheime, die spielen den Ball zurück. Wie viele Impfteams überhaupt im Kreis unterwegs sind, bleibt unklar.

Zwar spricht die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) in einer ersten Zwischenbilanz von Impfungen nach Plan. Im Rheinisch-Bergischen Kreis ist aber deutlich Luft nach oben, bislang wurden nur 25 Prozent der zur Verfügung stehenden Dosen eingesetzt. Damit wird Potential verschenkt, um rasch eine Immunität unter der Bevölkerung aufzubauen. Woran liegt es?

Als Grund gibt die Kassenärztliche Vereinigung u.a. die Bedarfsmeldungen der Pflegeeinrichtungen an: „Wesentlich für die Zahl der erfolgten oder noch zu erfolgenden Impfungen ist nicht allein die einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt zustehende Menge an Impfdosen – das ist eine rein rechnerische Größe”, sagte ein Sprecher der KVNO dem Bürgerportal.

Impfbereitschaft hergestellt?

Entscheidend sei, wie viele Impfdosen von der KV Nordrhein beim NRW-Gesundheitsministerium zu einem bestimmten Termin und für ein bestimmtes Pflegeheim bestellt werden. „Grundlage dafür sind die bei uns eingegangenen Meldungen und Vereinbarungen mit den Senioren- und Pflegeheimen vor Ort”, so der Sprecher weiter.  

Wenn zur Verfügung stehende Mengen nicht umgehend an einzelne Pflegeheime ausgeliefert würden könne dies zudem daran liegen, dass die Heime selbst die organisatorischen Voraussetzungen zur Durchführung der Impfung noch nicht vollständig erfüllt hätten, macht der Sprecher deutlich.

Die KVNO hatte vor dem Impfstart darauf hingewiesen dass der Impfbetrieb nur in jenen Einrichtungen erfolgen werde, welche die entsprechenden Vorkehrungen bereits getroffen hätten.

„Wir sind startklar“

Widerspruch kommt aus einer Pflegeeinrichtung. Man habe den Bedarf an Impfdosen für Dreiviertel der Bewohner und Mitarbeiter an die KVNO gemeldet, erklärt Christina Schulte-Mantel, Einrichtungsleitung der EVK Altenpflege. Die Organisation betreut 160 Bewohner:innen mit 170 Mitarbeitern. 50 Personen werden aufgrund einer durchlebten Corona-Infektion nicht geimpft.

Auch die Organisation vor Ort steht beim EVK: „Mit zwei niedergelassenen Ärzten haben wir eine Durchführung der Impfung in unseren Einrichtungen abgestimmt. Die Anzahl der erforderlichen Impfdosen ist bekannt, die Einverständniserklärungen der Bewohner liegen vor – wir sind also startklar”, betont Schulte-Mantel.

Aber dabei ist es bislang geblieben. „Von der KVNO haben wir seitdem keine weiteren Rückmeldungen erhalten. Es ist auch keine weitere Kontaktaufnahme oder Informationsweitergabe erfolgt. Wünschenswert wäre sicher ein engerer Informationsaustausch und ein schnellerer Beginn des Impfprozesses”, macht die Leiterin der EVK Altenpflege deutlich.

Zahl der Impfteams unbekannt

Neben dem Flaschenhals „Bedarfsmeldung für den Impfstoff” könnte ein weiterer Aspekt für den schleppenden Impfstart verantwortlich sein: Die Zahl der eingesetzten Impfteams. Hierzu macht die KVNO auf Anfrage jedoch keine Angaben:

Die Zahl der Impfteams, die im Rheinisch-Bergischen Kreis unterwegs seien, könne man ad hoc nicht beziffern. In größeren Einrichtungen seien oft mehrere Ärzte plus Helfer im Einsatz, in kleineren nur ein Arzt, sagt ein Sprecher.

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Potential zum Einsatz von zusätzlichen Impfteams ist durchaus vorhanden: Ab dem 8. Januar erreichen NRW wöchentlich 141.000 Impfdosen, davon über 70.000 für den Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Ob die KVNO vor diesem Hintergrund die Zahl der Impfteams erhöht ist jedoch offen. Die Impfungen würden von der Zahl der Bedarfsmeldungen abhängen, genügend Ärzte und Helfer seien vorhanden, heißt es dazu.

Appell für zügiges Impfen

Beim Rheinisch-Bergischen Kreis sind die Anlaufprobleme bekannt: „Wir erleben die KVNO als kompetenten und gut aufgestellten Ansprechpartner und wir sehen das hohe Engagement in den Senioreneinrichtungen, alles zu tun, damit möglichst schnell und reibungslos die Impfprozesse durchgeführt werden können. Wir wissen, dass es über die Feiertage zum Start der Impfungen etwas ‚holprig’ angelaufen ist”, erklärt eine Sprecherin des Krisenstabes.

Man habe auch gewisses Verständnis dafür, denn es gehe ja nicht nur um den Impfvorgang an sich, sondern auch um die Vorbereitung. „Wir gehen davon aus und wünschen es uns auch, dass es mit dem Impfen in den Senioreneinrichtungen nunmehr zügig weitergehen wird”, so der Appell aus dem Kreishaus.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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4 Kommentare

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  1. viele Menschen warten auf die Möglichkeit sich impfen zu lassen, warten darauf, dass die Impfzentren endlich öffnen! Und was passiert? Es wird Zeit vertrödeln mit Unstimmigkeiten in Verbindung mit Altenheimen! Dort weiß man seit Wochen was ansteht, warum sind nicht längst alle Vorbereitungen abgeschlossen?

  2. Eine Woche nach Impfstart schon von Scheitern zu sprechen ist ganz sicher unangebracht. Es zeigt sich , dass sowohl bei der Impfstoffbeschaffung wie bei der Vorausplanung der Impfung aus den verschiedensten Gründen Fehler gemacht wurden. Man hat die Impfung der Heimbewohner aus nachvollziehbaren Gründen auf höchste Priorität gesetzt. Derzeit hapert es aber wohl an entsprechenden zuverlässigen Absprachen zwischen den Heimen und der ausführenden KVN bzw. immer noch an mangelnder eindeutiger Information für die Heime. Geöffnete Impfdosen dieses extrem empfindlichen Impfstoffes müssen ja sofort verimpft werden und können nicht weiter transportiert oder eingelagert werden. Außerdem können nicht beliebige Anzahl (5-6er Einheiten) verimpft werden. Deshalb ist die Logistik und Vorplanung hier besonders anspruchsvoll, damit keine wertvollen Impfdosen verworfen werden müssen. Deshalb fände ich eine pragmatischere Vorgehensweise sinnvoller um den vorhandenen Impfstoff möglichst schnell einzusetzen. Die eingerichteten stationären Impfzentren könnten schon seit Weihnachten impfen wenn Impfstoff zur Verfügung stünde. Wenn Heime und KVN nicht rechtzeitig zuverlässige Planung sicherstellen können sollte man in den Impfzentren parallel beginnen impfwilliges medizinisches Personal zu impfen das mit Coronapatienten Kontakt hat. Die Logistik wird sich ja in ein paar Wochen entspannen wenn einfacher zu handhabende Impfstoffe von Moderna und AstraZeneca zur Verfügung stehen und für Heimbewohner macht es keinen Unterschied ob sie derzeit aus organisatorischen Gründen oder aus Impfstoffmangel auf eine Impfung warten müssen.

  3. Hallo Bensberger,

    ich kann diese Erfahrung nur bestätigen. “Unser” Heim berichtete gestern, dass vermutlich in der nächsten Woche geimpft werden kann. Die Heime werden nur schleppend informiert. Weitere in BGL beheimatete Heime sind schon geimpft.

    Die Politik, aus meiner Sicht der BMG, machen keinen guten Job, feiert sich aber in den Medien ständig selber. Die Entwicklung und fehlende Versorgung mit Schutzmaterial und jetzt fehlenden Impfungen hätte der BMG vorhersehen müssen.

    Fehlanzeige, ein wirkliches Politikversagen!!

  4. Ein Familienmitglied, das in einem Pflegeheim in Bergisch Gladbach beschäftigt ist, hat mir erzählt, dass die Beschäftigten erst seit Ende Dezember mitteilen konnten bzw. sollten, ob sie geimpft werden möchten. Kein Wunder, dass man da nicht direkt am 27.12. eine Bestellung mit exakter Menge an benötigtem Impfstoff abgeben konnte.

    Von mir gibt es dafür keine Kritik an den örtlichen Altersheimen. Es war doch absehbar, dass die Frist zwischen der Impfpriorisierung, die auch von Studienergebnissen abhängig war, und dem Beginn der Impfungen zu knapp war, um das vernünftig zu organsieren. Erschwerend kommt ja hinzu, dass man aufgrund des empfindlichen Imstoffes nicht einfach zu viel an einzelne Standorte liefern möchte, da man den knappen aber dann vor Ort überschüssigen Impfstoff nicht nachher wegkippen möchte.

    Insgesamt fehlen mir in der Pandemie von der Politik vorgefertigte Szenarien, mit denen man kurzfristig, aber nicht überhastet auf verschiedene Situationen reagieren kann. Man hätte ja z.B. die grundsätzliche Impfbereitschaft schon ab November (ab dann war der Erfolg von BioNTec/Pfizer absehbar) abfragen können und im Anschluss nur eine kurze Nachfrage aufgrund der spezifischen Ergebnisse der Studien durchführen können. Ich hoffe für uns alle, dass uns diese Versäumnisse und Verzögerungen nicht auf die Füße fallen.