Das Zanders-Areal gehört der Stadt, ein Teil wird für die Papierproduktion genutzt.

Bis Montag hatte die Stadt dem Insolvenzverwalter eine letzte Frist eingeräumt, doch noch für eine Zwischenlösung zur Fortsetzung des Betriebs der Papierfabrik zu sorgen. Der antwortete jetzt mit einem Brief.

Aktualisierung 19.1., 11 Uhr: Insolvenzverwalter Marc d’Avoine hat auf eine Anfrage reagiert, wir haben die neuen Infos im Text unten eingebaut.

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Der Versuch eines Runden Tisches, eine Lösung zur Rettung der Zanders Paper GmbH zu finden, kommt nicht voran. Stadtverwaltung und Stadtrat hatten am 15. Dezember ihre Bedingungen für eine weitere Verpachtung des Grundstücks festgelegt, eine Frist nach der anderen vergeht, ohne dass sich die skandinavischen Investoren oder der Insolvenzverwalter äußern.

Die letzte Sitzung des Runden Tischs in der vergangenen Woche habe nach Einschätzung von Bürgermeister Frank Stein und der Fraktionsvorsitzenden keine Fortschritte erbracht, teilte die Stadt am Montag auf Anfrage des Bürgerportals mit.

Die einzige Option für eine Fortsetzung des Betriebs hänge wie bekannt von Insolvenzverwalter Marc d’Avoine ab, so die Stadt: Nur wenn er (wie bis Ende Oktober 2020) erneut als Zwischenmieter auftrete, sei ein weiterer Übergangspachtvertrag bis Juni 2021 möglich.

Die Voraussetzungen für einen langfristigen Pachtvertrag mit der Stadt habe die Zanders Paper GmbH aus Sicht der Stadt nicht erfüllt, bekräftigt sie erneut. Nachdem das Unternehmen die bis zum 31.12.2020 und dann noch einmal bis zum 11.1.2021 verlängerten Fristen „zur Erfüllung der vom Rat festgelegten Bedingungen für andere Varianten” hatte verstreichen lassen sei „für andere Pachtkonstruktionen kein Raum mehr“.

Im nächsten Schritt hatte die Stadt dem Insolvenzverwalter eine weitere Frist bis gestern (18. Januar) gesetzt: „Die Stadt hat daher mit Schreiben ihres Rechtsanwalts vom 14. Januar den Mediator Dr. Ingo Wolf darüber informiert, dass der Insolvenzverwalter bis zum 18. Januar mitteilen solle, ob er dieses Pachtangebot macht,“ teilte die Stadt mit.

Tatsächlich habe er in einem Schreiben vom 18. Januar an die Stadt Stellung bezogen, sagte d’Avoine am Dienstag dem Bürgerportal. Zum Inhalt verriet er jedoch keine Details; mit dem Bürgermeister sei vereinbart, keine Mitteilungen an die Presse zu geben, solange Termine mit dem Runden Tisch vereinbar seien.

Damit ist das Schicksal von Zanders im Moment weiter offen. Der Insolvenzverwalter hatte zuletzt Anfang Dezember im Gespräch mit dem Bürgerportal öffentlich abgelehnt, das alte Dreiecks-Pachtverhältnis mit Stadt und Zanders wieder aufzunehmen.

Wenn er bei dieser Haltung bleibt, dann machten weitere Besprechungen des Runden Tischs aus Sicht der Stadt keinen Sinn. Statt dessen werde die Umsetzung des Ratsbeschlusses vom 15.12.2020 „weiter fortgeführt“, erklärte sie am Montag.

Was das heißt, hatte die Stadt mehrfach klargestellt: Die schon seit dem 1. November andauernde Nutzung der Flächen ohne Vertrag könne nicht weiter toleriert werden. Daher fordert sie den Insolvenzverwalter auf, „die nachvertragliche Nutzung der im Eigentum der Stadt liegenden Flächen zu beenden”. Im Klartext: den Betrieb der Papierfabrik zu beenden.

Dazu hatte der Insolvenzverwalter bislang keine Neigung zu erkennen gegeben, weder er noch das Unternehmen bzw. die Eigentümer haben sich in den vergangenen Wochen öffentlich geäußert oder auf Presseanfragen geantwortet.

Auch auf die letzte Frist der Stadt hatte der Insolvenzverwalter bis Montagabend nicht reagiert; damit bleibt der Stadt kaum etwas anderes übrig, als selbst mit juristischen Schritten für eine Räumung des Zanders-Geländes zu sorgen und das Ende der Firma Zanders einzuleiten.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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8 Kommentare

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  1. Stimmt was sie sagen liebe Ulrike.
    Mein Mann hat immer gesagt,es ist wie eine Familie auch nach 30 Jahren noch.
    Ich will da nicht weg.
    Dann durfte er vor 2 Jahren gehen und er hat lange gebraucht bis er das hinter sich lassen konnte.

    Er hat die Familie Zanders schon persönlich bewirtet früher.
    Die würden sich wirklich im Grab umdrehen wenn sie wüssten was da wieder mal passiert

  2. Es ist eine große Schande diese Zeilen zu lesen, denn ich habe 1983 im Oktober bei Zanders angefangen zu arbeiten. Acht Jahre habe ich dort immer gerne gearbeitet und war glücklich in der Cromulux, denn es war nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern eine große Familie für mich und viele andere Kolleginnen und Kollegen. Nie habe ich mehr einen solch super Arbeitsplatz gefunden, wie beim Zanders. Dort schrieb man Zusammenhalt noch GROSS, im Gegensatz zu heute. Mir blutet das Herz solche Zeilen zu lesen, denn Zanders gehört zu Bergisch Gladbach wie der Kölner Dom zu Köln.
    Maria Zanders würde sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüsste was mit ihrem Werk seit Jahren passiert und wie es immer mehr von Menschen mit Füssen getreten wird und zerstört.
    Was ich in den letzten Jahren über Zanders schon alles gelesen habe, tut nur noch weh.
    Und das ein Insolvenzverwalter noch nicht mal in der Lage ist, die letzten Arbeitsplätze zu retten, kann ich mit normalem Menschenverstand nicht mehr nachvollziehen. Armer Zanders, das hast du nicht verdient.

  3. Jetzt hat das Drama ein Ende.
    Ich frage mich nur, warum Zanders noch vor drei Tagen Stellenausschreibungen gemacht hat?
    Wir suchen Auszubildende.
    ICH wünsche allen Zandrianern das so viel Glück haben wie wir bei einer neuen beruflichen Herausforderung einen neuen Arbeitsplatz zu finden.
    Das gilt allerdings nicht für die oberen und dem Betriebsrat.
    Ich denke diese Herren haben ihr Schäfchen im trockenen.

  4. “die skandinavischen _Investoren_”
    Ich kann es nicht mehr hören. Nix Investoren, Heuschrecken sind das, und so sollten sie genannt werden. Wie lange noch will sich die Stadt von denen an der Nase herumführen lassen?
    Wie bitter das für die restlichen Beschäftigten auch sein mag, ein sofortiger Rausschmiß ist die einzige, verbleibende Lösung. Besser ein Ende mit Schrecken als …

  5. Zustimmung zu Rolf Havermann. Es war immer meine Sorge, dass die Stadt sich erpressen lässt und nach dem Salami-Prinzip immer noch ein paar Zuschüsse gewährt, und noch ein paar, und nochmal…

    Es ist schlecht für die Beschäftigten und die Stadt, wenn Zanders schließt, keine Frage. Aber wenn es keine Möglichkeit gibt, das Unternehmen wirtschaftlich zu betreiben, dann ist dieser Schritt unausweichlich. Wir sollten nach vorn schauen und uns überlegen, was auf dieser zentralen Fläche (mit teils tollen alten Industriegebäuden) entstehen kann: Eine plötzlich doppelt so große Innenstadt, vielfältige Gewerbe-, Wohn-, Kultur-, Bildungs- und weitere Nutzungen – das ist auch eine einmalige Chance für unsere Stadt!

  6. Es sollte nicht vergessen werden, dass die SPD vor der Wahl noch schnell einen Pachtvertrag abschließen wollte.
    Der neue BM hat sich (wie aus informierten Kreisen zu hören war) aus der Diskussion herausgehalten.
    Für die Aktion müsste ein Herr Waldschmidt eigentlich den Posten räumen und fähigem Personal Platz machen.

  7. Was für ein Drama für die Noch-Beschäftigten bei Zanders. Jahrelange Hoffnung wird nun doch zerschlagen – augenscheinlich durch einen unfähigen Konkursverwalter und eine mittelarme Heuschrecke. Was mag im Kopf des Betriebsrats-Vorsitzenden vorgegangen sein, wenn er dem KSTA (gestern veröffentlicht) in die Feder diktiert, man werde alles tun, Zanders nicht untergehen zu lassen. Seine ständigen Durchhalteparolen waren m.E. nur Unterstützung für Olander, so lange wie möglich auf dem Rücken der Belegschaft an Zanders festhalten zu können, um die Stadt doch irgendwann erpressen zu können. Das haben sich die beiden involvierten Bürgermeister Gott sei Dank nicht bieten lassen und nun hat die Stadt die Reißleine gezogen. Ein einstmals rühmliches Kapitel der Stadtgeschichte findet nun ein unrühmliches Ende. Dank den Mitarbeitern, die so lange ausgehalten haben.

  8. Never ending story…

    Die Stadt hat nun wirklich ALLES getan, um die Arbeitsplätze irgendwie zu retten. Das hat nicht funktioniert. Jetzt beendet das Kapitel endlich… Ich kann es auch ehrlich gesagt nicht mehr lesen. Diese Hängepartie seit Jahren.

    Mit gutem Konzept können auf der riesigen Fläche weitaus mehr Arbeitsplätze entstehen… Das sollte man jetzt aktiv angehen.