Fabrik ohne Substanz: Das Zanders-Grundstück gehört der Stadt, Maschinen und Gebäude der Insolvenzverwaltung. Foto: Thomas Merkenich

Nach weiteren langen Verhandlungen ist für die Stadt das Ende der Fahnenstange erreicht: Bürgermeister Frank Stein und der Stadtrat sind überzeugt, dass ein neuer Pachtvertrag für die Papierfabrik nicht zu erreichen ist. Gleichzeitig könne die Stadt den aktuellen, vertragslosen Zustand nicht weiter tolerieren. Wir dokumentieren die Entwicklung in einem Liveblog.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Insolvenzverwalter soll Nutzung des Areals durch Zanders beenden
  • Bürgermeister und Fraktionschefs: Keine Chance für Vertrag
  • SPD: „Rabenschwarzer Jahresbeginn”
  • FDP: „Lösung kann nur vom Investor kommen”
  • Grüne: Chance, Stadtteil komplett neu zu entwickeln
  • CDU: Ratsbeschluss wird umgesetzt
  • Unternehmen, Betriebsrat und Insolvenzverwalter reagieren nicht
  • Die Erklärung der Stadt im Wortlaut

Hinweis der Redaktion: Die Stadt hat sich positioniert, es gibt erste Stellungnahmen, weitere sind angefragt. Dieser Liveblog führt alle Nachrichten in umgekehrt chronologischer Reihenfolge auf.

+ 16:00 Keine Reaktion von Zanders, Betriebsrat, Insolvenzverwalter +

Das Bürgerportal hat die Zanders GmbH, den Betriebsrat und den Insolvenzverwalter um Stellungnahmen gebeten; bislang ohne Resonanz.

+ 15:02 CDU: Ratsbeschluss wird umgesetzt

Nach Ansicht von CDU-Fraktionschef Michael Metten setzt die Verwaltung jetzt nach dem Ablauf der entsprechenden Frist lediglich den Ratsbeschluss vom 15. Dezember um. Der Insolvenzverwalter habe zwar noch die Möglichkeit „kurzfristig einen weiteren Pachtvertrag abzuschließen“. Aber ob das mit Blick auf die wirtschaftliche Situation des Unternehmens Sinn mache müsse der Verwalter selber entscheiden bzw. mit dem Investor erörtern.

+ 14:43 SPD: „Rabenschwarzer Jahresbeginn”  

Klaus Waldschmidt, Fraktionschef der SPD, verlangt vom Investor, „endlich seiner unternehmerischen Verantwortung“ nachzukommen. Ob es dafür und für Einigung mit dem Insolvenzverwalter noch eine Chance geben, vermöge er nicht zu zu beurteilen. 

Das offensichtliche Scheitern sei ein „rabenschwarzer Jahresbeginn“: 400 Menschen würden arbeitslos, vielen der überwiegend älteren ArbeitnehmerInnen drohe Langzeitarbeitslosigkeit und sozialer Abstieg. Auch Handel und Handwerk würden ein Aus von Zanders zu spüren bekommen.

+ 14:12 Grüne: „Chance, einen Stadtteil komplett neu zu entwickeln“

Für die Grünen bedauert Co-Fraktionschef Maik Außendorf, dass trotz allen Anstrengungen seitens der Stadt kein Pachtvertrag abgeschlossen werden konnte – weil Investor und Insolvenzverwalter die einstimmig vom Stadtrat formulierten Voraussetzungen nicht erfüllt haben. Das sein besonders bitter für die MitarbeiterInnen, denen jetzt unmittelbar der Verlust des Arbeitsplatzes drohe.

Mit Blick auf das Zanders-Areal verweisen die Grünen darauf, dass die Stadt nun „die einmalige Chance hat, einen Stadtteil komplett neu zu entwickeln“. Mit einem Mix aus Wohnen, Kultur und Gewerbe unter Aspekten der Nachhaltigkeit und Klimaschutz könne ein besonders lebenswertes Viertel entstehen, in dem langfristig mehr Menschen Arbeit finden als jetzt Arbeitsplätze verloren gehen.

+ 13:55 FDP: Lösung kann nur vom Investor kommen

Nach Ansicht von Jörg Krell, Fraktionschef der FDP, ist es für die Liberale Fraktion im Rat nicht denkbar, dass die Stadt einen weiteren finanziellen Sanierungsbeitrag leistet. 

Eine Lösung könne nur vom Investor kommen: „Man kann ein sanierungsbedürftiges Unternehmen nicht übernehmen, wenn man nicht bereit ist, eine substanzielle Investition einzubringen“, sagt Krell. 

Für die Verantwortlichen der Stadt gebe es einen Zeitpunkt, nach vorne zu schauen. Mittelfristig bestünde die Chance, auf dem Zanders-Areal deutlich mehr Arbeitsplätze zu schaffen als die rund 300, die es aktuell in der Papierfabrik noch gebe.

+ 13:00 Was die Erklärung der Stadt aussagt +

Niemand will das letzte Wort über das Schicksal der Zanders Paper GmbH sprechen und die Verantwortung für die verbliebenen bis zu 400 Arbeitsplätze auf sich nehmen. Nach dem Ultimatum des Stadtrats vom 15. Dezember und sechs weiteren Verhandlungsrunden vor und nach Silvester sieht Bürgermeister Frank Stein aber jetzt keinen Spielraum mehr. Darin wird er von allen Fraktionschefs im Rat über alle Lager hinweg unterstützt.

In einer Pressemitteilung konstatiert die Stadt jetzt, dass es weder zu einem langfristigen noch zur einem weiteren kurzfristigen Pachtvertrag kommen kann, der einen Weiterbetrieb des Unternehmens erlauben würde:

„Nach einer weiteren Verhandlungsrunde, die am 6. Januar 2021 unter allen Beteiligten geführt wurde, steht fest, dass es trotz der ausdrücklich erklärten Bereitschaft der Stadt hierzu nicht zu einem bis zum 30. Juni 2021 befristeten Pachtvertrag mit der Zanders Paper GmbH bzw. einem anderen Unternehmen der Jool-Gruppe kommen wird.”

Grund dafür sei, dass sich Investor (die schwedische Jool Gruppe um Tom Olander) und Insolvenzverwalter (der alten Zanders GmbH in Auflösung) nicht auf die Konditionen für eine weitere Nutzung der Maschinen und Anlagen haben einigen können.

Die Fortführung des Geschäftsbetriebs scheitere daran, „dass zwischen Investor und Insolvenzverwaltung eine materielle Einigung nicht gefunden werden kann“, sagt Stein ausdrücklich. 

Hintergrund: Nach der Insolvenz 2018 hatten die skandinavischen Investoren zwar das Unternehmen Zanders gekauft, das gesamte Grundstück befindet sich aber im Eigentum der Stadt, die Maschinen und Anlagen gehören den Gläubigern, die durch den Insolvenzverwalter Marc d’Avoiné vertreten werden.

Vom grundsätzlich und schon lange gefordertem Gutachten, dass Zanders mittelfristig überlebensfähig ist, ist in der Erklärung keine Rede mehr. Offenbar war die Stadt bereit, zugunsten eines weiteren lebensverlängernden kurzfristigen Pachtvertrags nun doch darauf zu verzichten.

Über einen solchen Pachtvertrag für das Grundstück und die Höhe der Pacht habe man immerhin eine mündliche Vereinbarung mit dem Investor erzielt. Ohne eine entsprechende Einigung über die Nutzung der Maschinen ist das jedoch wertlos.

Bürgermeister Frank Stein. Foto: Thomas Merkenich

Die Verantwortung trage nicht die Stadt, sondern allein der Investor, stellt Stein klar:

„Die Stadt Bergisch Gladbach hat vor gut zwei Jahren mit dem kreditfinanzierten Ankauf der Zanders-Produktionsflächen in Millionenhöhe erst die Grundlage dafür geschaffen, dass die Firma Zanders überhaupt weiterhin in Bergisch Gladbach Papier produzieren kann. Aber die sich daraus ergebenden unternehmerischen Herausforderungen muss der Investor – und zwar mit eigenen finanziellen Mitteln – bewältigen.”

Die Konsequenzen sind für die Stadt eindeutig: Die schon seit dem 1. November Nutzung der Flächen ohne Vertrag „kann nicht weiter toleriert werden“. Daher fordert sie den Insolvenzverwalter auf, „die nachvertragliche Nutzung der im Eigentum der Stadt liegenden Flächen zu beenden”.

Im Klartext: Zanders soll den Betrieb einstellen.

Ein letzter Ausweg? Die Stadt geht jedoch nicht soweit, jetzt das Zanders-Gelände abzusperren und keine Mitarbeiter mehr in den Betrieb zu lassen. Stein hatte bei der letzten Verhandlungsrunde am Mittwoch sogar zugesagt, für weitere Gespräch am 14. Januar zur Verfügung zu stehen. Die Hoffnung, dass sich bis dahin etwas bewegt, tendiert aber offenbar gegen Null.

11:38 Stadt veröffentlicht Erklärung von Bürgermeister und Fraktionschefs +

In einer Pressemitteilung gibt die Stadtverwaltung im Namen von Bürgermeister Frank Stein und den Fraktionschefs im Stadtrat folgende Erklärung ab:

„Zu den in den letzten Wochen geführten Verhandlungen zum Thema Pachtvertrag mit der Zanders Paper GmbH nehmen Bürgermeister Frank Stein und die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats gemeinsam wie folgt Stellung:

Auch unter der Moderation des ehemaligen Innenministers des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Ingo Wolf (FDP), konnte nicht erreicht werden, dass die vom Rat am 15. Dezember 2020 im Interesse der Stadt beschlossenen Bedingungen für einen befristeten Pachtvertrag erfüllt werden. Nach einer weiteren Verhandlungsrunde, die am 6. Januar 2021 unter allen Beteiligten geführt wurde, steht fest, dass es trotz der ausdrücklich erklärten Bereitschaft der Stadt hierzu nicht zu einem bis zum 30. Juni 2021 befristeten Pachtvertrag mit der Zanders Paper GmbH bzw. einem anderen Unternehmen der Jool-Gruppe kommen wird.

Zwischen der Stadt und dem Investor konnte zwar in mündlichen Absprachen Einigkeit über die Vertragspartner des Pachtvertrages und die Höhe der Pacht erreicht werden. Die aber darüber hinaus nach dem Ratsbeschluss vom 15. Dezember 2021 zwingend notwendige Zusage der Insolvenzverwaltung, die zur Insolvenzmasse der Zanders GmbH iL gehörenden Maschinen und Produktionsmittel verbindlich bis zum 30. Juni 2021 zur Verfügung zu stellen, liegt demgegenüber unverändert nicht vor. Die hierzu erforderliche Einigung zwischen Insolvenzverwaltung und Investor über diese Transaktion ist nicht zustande gekommen.

„Die Stadt Bergisch Gladbach hat vor gut zwei Jahren mit dem kreditfinanzierten Ankauf der Zanders-Produktionsflächen in Millionenhöhe erst die Grundlage dafür geschaffen, dass die Firma Zanders überhaupt weiterhin in Bergisch Gladbach Papier produzieren kann. Aber die sich daraus ergebenden unternehmerischen Herausforderungen muss der Investor – und zwar mit eigenen finanziellen Mitteln – bewältigen“, erklärt Bürgermeister Frank Stein.

Die Fraktionsvorsitzenden Dr. Michael Metten (CDU), Theresia Meinhardt und Maik Außendorf (BÜNDNIS 90/Die Grünen), Klaus W. Waldschmidt (SPD), Jörg Krell (FDP), Dr. Benno Nuding (Freie Wählergemeinschaft) sowie Frank Samirae (Bürgerpartei GL) unterstützen ihn bei dieser Aussage.

„Die vielstündigen Verhandlungen Ende Dezember 2020 und in den ersten Januarwoche haben eindeutig gezeigt, dass die Fortführung des Geschäftsbetriebs nicht an der fehlenden Bereitschaft der Stadt zum Abschluss eines befristeten Pachtvertrages scheitert, sondern daran, dass zwischen Investor und Insolvenzverwaltung eine materielle Einigung nicht gefunden werden kann“, so Frank Stein weiter. „Allen Beteiligten ist seit Wochen bekannt gewesen, an welche Voraussetzungen die Stadt ihre Bereitschaft zum Abschluss des Pachtvertrages, schon aus rechtlichen Gründen, knüpfen musste und geknüpft hat.“

Die Stadt bestätigt ausdrücklich ihre Bereitschaft, die bis zum 31. Oktober 2020 praktizierte Verpachtung der Flächen an die Insolvenzverwaltung kurzfristig wieder aufzunehmen. Da dies jedoch abgelehnt wurde, wird nun der Insolvenzverwalter in Umsetzung des Ratsbeschlusses vom 15. Dezember 2020 aufgefordert, die nachvertragliche Nutzung der im Eigentum der Stadt liegenden Flächen zu beenden.

Die jetzt schon seit dem 1. November 2020 stattfindende vertragslose Nutzung der Flächen kann nicht weiter toleriert werden.”

Die Auseinandersetzung um die Rettung von Zanders zieht sich seit einige Jahren hin, hier können Sie alles nachlesen:

Eine unendliche Geschichte

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. Es ist eine Schande und ein weiterer Beweis, dass es Olander nicht um den Erhalt von ZANDERS geht. Daraus lassen sich mehrere Schlüsse ziehen:
    – Der Mann und seine Gruppe sind Pleite. Darauf weißt schon das Angebot hin, die
    Pacht bis Juni “BAR” zu zahlen. Das machen nur Typen, die nichts mehr über
    Bankkonten abwickeln können.
    – Der Mann und seine Gruppe hatten nie vor, ZANDERS weiter zu bringen sondern
    waren lediglich am Verkauf des Unternehmens, der Patente und der Maschinen
    interessiert.
    – Der Mann und seine Gruppe wollten nur an den Verkäufen von ZANDERS guten
    Ansätzen partizipieren und hofften, dies mit Unterstützung von Betriebsrat und
    Insolvenzverwalter – der müsste übrigens aus dem Verkehr gezogen werden – so lange wie möglich fortzusetzen.

    Wie hier auf übelste Weise mit den Hoffnungen und Gefühlen der Mitarbeiter geschah, ist höchst verwerflich. Olander und Konsorten müssten geächtet werden, aber das ist wohl nur ein frommer Wunsch. Mit der Weigerung der Stadt, auf die missen Tricks Olanders einzugehen, gibt die Sache für diese Seite wohl ein glimpfliches Ende.

  2. Gibt es absolut keine andere Möglichkeit die Arbeitsplätze bei Zanders zu retten. Gäbe es eine Möglichkeit mit den Inhabern der Firma Krüger und kompetenten Fachleuten aus der Papierindustrie den weiteren Betrieb von Zanders zu sichern. Es geht immerhin um 400 Arbeitsplätze. Ich bin zwar kein Wirtschaftsfachmann, doch habe ich mir schon lange Zeit Gedanken gemacht, welche Möglichkeiten es gibt ohne die Heuschrecke Ollander den Betrieb zu retten. Bitte nicht über mich herfallen. Ich habe nur als CDA Mitglied an die Mitarbeiter und ihre Familien gedacht.