Foto: Ursula Völkner

Im Vorfeld des heutigen Holocaust-Gedenktags, dem Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz, hatte das Begegnungscafé Himmel un Ääd Ursula Völkner zu Gast. Sie ist die Enkelin des jüdischen Arztes Dr. Erich Deutsch, der aus Schildgen verschleppt und in Theresienstadt ermordet worden war.

Ursula Völkner lebt in Katterbach und in ihrer Familiengeschichte ist das Schicksal ihres Großvaters Erich Deutsch sehr präsent. Der Arzt und Medizinalrat hatte zuletzt in der Altenberger-Dom-Str. 128 in Schildgen gelebt – bis er 1944 von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde, misshandelt und ermordet.

Mit Blick auf den Gedenktag für die Nazi-Opfer am heutigen Mittwoch hatte das Team des Cafés Himmel un Ääd Frau Völkner zu einem Gespräch gebeten, in der Reihe „Auf dem Sofa mit Margret Grunwald-Nonte“.

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Es wurde ein sehr bewegendes Gespräch, berichtet Grunwald-Nonte: „Meine Gesprächspartnerin sitzt mir erwartungsvoll und etwas nervös gegenüber. Sie wirkt sehr offen, lebendig, ihre Augen strahlen, und sie freut sich auf unser Gespräch. Gerne will sie uns Einblicke in ihre Familiengeschichte geben. Es sind Erinnerungen wie kurze Blitzlichter aus ihrer Kindheit, aus Zeiten des 2. Weltkriegs und der Judenverfolgung, in deren Folge auch ihr Großvater deportiert, misshandelt und ermordet wurde.“ 

Über das tragische Schicksal ihres Großvaters und seiner Familie erfährt Ursula Völkner erst mit 16 Jahren in Auszügen. Ihre Mutter sei noch voller Angst und Sorge gewesen, hat nur wenig darüber sprechen können und sie zum Stillschweigen verpflichtet.

Erst viel später als junge Erwachsene hätte sie von ihrer Mutter, die Halbjüdin war, über die Zeit des Krieges, die Verfolgung der Juden durch die Nazis und die Familiengeschichte mehr erfahren. 

Dr. Deutsch hatte 1903 eine evangelische Frau geheiratet und war zum Christentum konvertiert. Nach Jahren ärztlicher Tätigkeit in Rudow (Berlin) und später Stadtmedizinalrat in Wanne-Eickel durfte er ab 1933 nicht mehr praktizieren. Als ihn die Gestapo aus seiner Villa holte, konnte er sich zunächst noch frei bewegen.

Rückzug ins Private und ins Bergische

Er zog dann zunächst nach Aachen, später nach Ründeroth ins Bergische, wo er noch in kleinem Rahmen Patienten behandelte. Auch das wurde ihm schließlich untersagt, und er kam dann mit seiner Familie nach Schildgen, wo sie vom Obstverkauf aus dem Garten und dem Sekretärinnengehalt der Tochter lebten.

In Schildgen lebte die Familie in einem Haus an der Altenberger-Dom-Str. (in etwa dort, wo heute Kreissparkasse und Edeka-Geschäft stehen). Und dort in der Parkplatzausfahrt erinnert einer der acht Bergisch Gladbacher „Stolpersteinen“ an sein Schicksal.

In Theresienstadt zu Tode geprügelt

1944 wurde er nach Theresienstadt deportiert und ermordet. Nach Augenzeugenberichten wurde Dr. Deutsch am 4. Oktober 1944 auf dem Hof der Kleinen Festung so mit Stöcken und einer Eisenstange geschlagen, dass er am darauf folgenden Tag starb. 

Ursula Völkners Familiengeschichte ist so dicht und voller Erinnerungen, sie weiß gar nicht, wo sie beginnen soll. Manches ist verblasst, anderes noch ganz lebendig – und was davon passt in ein kurzes Interview? 

Rückblickend hat sie ihre Kinder- und Jugendzeit als behütet und weitgehend glücklich erlebt; sie sei sehr geschützt worden. Ursula Völkners Mutter Ilse Edelmann engagierte sich später im Gladbacher Stadtrat für die SPD und verstarb 2010 im hohen Alter von 104 Jahren.

Völkner selbst ist heute – im Alter von 77 Jahren – ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit aktiv. Sie engagiert sich seit 2015 für geflüchtete Familien und einzelne Menschen im Stadtteil Paffrath. Sie strahlt sehr viel Energie und Lebensfreude aus – ist aber über die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen besorgt.

Die Verbreitung von Hass sowie zunehmende rechte Tendenzen (weltweit) bereiten ihr Sorge – vor allem für nachfolgende Generationen, Kinder und Enkelkinder. 

Die gemeinnützige Gesellschaft FAIReinskultur zur Förderung von Fair Play im und durch Sport beteiligt sich an der Initiative „Nie wieder” – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ und macht auf die acht Stolpersteine in Bergisch Gladbach aufmerksam.

Sie erinnern an Harry Freymuth (Hüttenstraße 40), Erna Kahn und Ernst Danzig (Bensberger Straße 188a), Gertrud Stockhausen (Bärbroich 17), Else und Reinhold Joschkowitz (An der Tent 2) Henriette Zimmermann (Ahornweg 9) und Dr. Erich Deutsch (Altenberger-Dom-Straße).

Am Mittwoch um 11:30 Uhr wird die Initiative im Beisein von Ursula Völkner eine Kerze am Stolperstein von Erich Deutsch entzünden.

Um 16.15 Uhr wird der DJK-SSV Ommerborn Sand am den Stolpersteinen in der Bensberger Straße 188a ein Gedenken für Erna Kahn und Ernst Danzig halten.

Himmel un Ääd

Himmel un Ääd ist das ökumenische Begegnungscafé in Schildgen. Sie finden uns auf der Alteberger-Dom-Str. 125

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