Bislang galt auf der Reuterstraße vor dem NCG eine Geschwindigkeitsbeschränkung und ein Überholverbot. Das hat die Stadt nun geändert – und damit die Frage aufgeworfen, welchen Interessen diese Regelung entgegenkommt. Der ADFC bezweifelt, dass die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer und Anwohner berücksichtigt wurde.

Die Reuterstraße im Stadtteil Hebborn ist eine von Fußgängern, Radfahrenden und PKWs gleichermaßen beliebte Straße mit prägender Wohnbebauung, kleinen Geschäften, Rehaklinik und Zugang zu drei Schulen.

Eigentlich eine Straße mit Potential für eine hohe Aufenthaltsqualität. Leider wird selbige stark gestört durch eine sehr hohe Anzahl von Autos, die aus Odenthal und Kürten kommend die Reuterstraße als Schnellweg zur Bergisch Gladbacher Innenstadt nutzen.

Ein wenig gebremst wird der Durchgangsverkehr durch einen 600 m langen Abschnitt mit Tempo 30 Limit, welches aber offensichtlich nur durch die regelmäßig stattfindenden Radarkontrollen durchgesetzt werden kann.

Was hat sich geändert?

Seit Mitte Februar dürften sich aber einige von außerhalb kommende Autofahrer freuen und sich ermuntert fühlen, vermehrt die Reuterstraße als Vorzugsstrecke nach Bergisch Gladbach zu nutzen.

Denn die Zeiten für die Tempo-30-Begrenzung wurden zugunsten des Autoverkehrs gelockert: Seit Februar gilt Tempo 30 generell an Samstagen nicht mehr. Schon ab 17 statt bisher 19 Uhr sind schon wieder 50 km/h erlaubt. Außerdem wurde das bisher für dem PKW-Verkehr geltende Überholverbot aufgehoben.

Wie kam es zu dieser Änderung?

Im August hat die Straßenverkehrsbehörde dankenswerterweise an drei stark belasteten Durchgangsstraßen bei drei bis dato noch unberücksichtigten Schulen „Tempo 30“ angeordnet. Das Tempolimit wurde auf die Tage Montag bis Freitag von 7 bis 17 Uhr begrenzt.

Von dem bisher in unserer Stadt an Schulen praktizierten Zeitschema „täglich – außer Sonntags – von 7 morgens bis 7 Uhr abends“ wurde somit zugunsten des KFZ-Verkehrs abgewichen.

Gleichzeitig wurden – erstmalig im Bergischen Land und ohne Absprache mit den Nachbar-Kommunen – einklappbare Schilder eingeführt, die es ermöglichen sollten, dass Tempolimit in den Schulferien (und an Christi-Himmelfahrt, Fronleichnam und dem Tag der Deutschen Einheit?) aufheben zu können.

Diese Möglichkeit, Tempolimits streng auf die Öffnungszeiten der Schulen zu begrenzen, bietet die VwV zur StVO schon seit 2017. Sie muss aber erfolgen unter Berücksichtigung einer Nach- oder Nebennutzung der Schuleinrichtungen außerhalb der Öffnungszeiten.

Nach- und Nebennutzung sind z.B. Nutzung des Schulgeländes zum Spielen und insbesonder die Nutzung der Sporthallen und Sportstätten am Nachmittag und am frühen Abend durch Kinder, Jugendliche und Vereine. Diesen Ermessenspielraum hat die Straßenverkehrsbehörde in Bergisch Gladbach nicht genutzt aus Angst vor Beschwerden von Autofahrern, trotz gegenteiliger einschlägiger Gerichtsentscheidungen.

Im Falle der Reuterstraße wurden die Nach- und Nebennutzungen der Schuleinrichtungen des Nicolaus Cusanus Gymnasiums, der Realschule Kleefeld und der Hauptschule Kleefeld meines Wissens nicht geprüft oder mit den betroffenen Schulen nicht besprochen.

Außerdem befindet sich in der Mitte des betroffenen Abschnittes eine Reha-Klinik der GfO, die unter die StVO-Kategorie „Krankenhaus“ bzw. „Altenheim“ einzustufen ist, was ebenfalls die Beibehaltung der bisherigen Zeitbeschränkung gerechtfertigt hätte.

Fazit

Insgesamt beschleicht einen das Gefühl, dass in Bergisch Gladbach im Zweifelsfall die Interessen eines flüssigen PKW-Verkehrs meistens stärker berücksichtig werden als die Sicherheitsinteressen von Fußgängern und Radfahrenden und dass Ermessenspielräume nicht genutzt werden.

Dabei müsste man nur die VwV zur StVO Zu den §§ 39 bis 43 verinnerlichen und nach dem ersten Satz auch den zweiten Satz beherzigen:

Die Flüssigkeit des Verkehrs ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten. Dabei geht die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer der Flüssigkeit des Verkehrs vor.“

Bernhard Beckermann

ist Vorstandsmitglied und verkehrpolitischer Sprecher im ADFC Kreisverband RheinBerg-Oberberg

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6 Kommentare

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  1. @Jutta Dunkel
    …is mein voller Ernst. Wenn hier die Jugend aufschreien würde, könnte ich es verstehen. Aber es sind mal wieder die Rentner, die meinen es würde sich alles um sie drehen. So beobachte ich es jeden Tag im Strassenverkehr, wie rücksichtslos und gefährdent sich die benannte Gruppe auf ihren 3000 € EBikes
    verhält. Ein weiteres Beispiel für das unsolidarische Verhalten unserer älteren Mitbürger.
    Bei schönem Wetter die Autofahrer vom EBike aus beschimpfen und bei schlechtem Wetter aus der Nobelkarosse die Radfahrer weghupen.

  2. Nicht erstmalig im bergischen Land …..

    “Gleichzeitig wurden – erstmalig im Bergischen Land und ohne Absprache mit den Nachbar-Kommunen – einklappbare Schilder eingeführt”

    Einklappbare Tempo 30 Schilder gibt es auch in Kürten-Bechen an der B506
    vom Kreisverkehr bis zu Maria-Rost Strasse.

    Manfred aus Kürten

  3. Die einfachsten Regeln sind nicht immer, aber oft die besten.
    Aus “werktags 7 bis 19 Uhr” wird “Mo – Fr 7 bis 17 Uhr” – und wer weiß, wie es mit Schulferien und Feiertagen aussieht. Welcher Fahrer, welche Fahrerin soll sich das alles merken? Wer dort häufiger entlangfährt, hat sich an die bisherigen Zeiten gewöhnt und liest sicher nicht jeden Tag auf dem Schild nach, ob sich vielleicht etwas geändert hat.

    Besser sind klare, verständliche Regeln: Hier ist eine Schule, deshalb 30 fahren!
    Noch besser wäre es, innerorts generell Tempo 30 einzuführen, wie es in vielen Straßen ohnehin schon gilt. Schluss mit dem Flickenteppich aus 50er- und 30er-Straßen, Tempo-30-Zonen, temporären Beschränkungen! Weniger Stress, weniger Lärm, weniger Schilderwald – und wesentlich langsamer wird der Verkehr dadurch auch nicht; vielerorts sind 30 km/h tagsüber sowieso nicht zu schaffen.

  4. dem ist nichts hinzuzufügen, außer DAS IST SCHRECKLICH!
    “… beschleicht einen das Gefühl, dass in Bergisch Gladbach im Zweifelsfall die Interessen eines flüssigen PKW-Verkehrs meistens stärker berücksichtig werden als die Sicherheitsinteressen von Fußgängern und Radfahrenden und dass Ermessenspielräume nicht genutzt werden.
    Dabei müsste man nur die VwV zur StVO Zu den §§ 39 bis 43 verinnerlichen und … auch den zweiten Satz beherzigen:
    „Die Flüssigkeit des Verkehrs ist … zu erhalten. Dabei geht die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer der Flüssigkeit des Verkehrs vor.“
    und mein Kommentar zu “rued”: Ihr Kommentar ist sicherlich ironisch gemeint, er hört sich erschreckenderweise nicht nach Menschlichkeit im Straßenverkehr an …

  5. …..ich finde es super. Bergisch Gladbach ist nunmal keine Fahrradstdt. Vernünftig wäre endlich einen Schnellweg von Kürten nach Gladbach und von Gladbach nach Köln zu ermöglichen und nicht unseren “EBike Rentern” freie Bahn für Ihre höchstgefährlichen Gleichgewichtsübungen in der engen Stadt zu geben.
    Schönes WE

  6. Diese Massnahme ist vollkommen unverständlich und rücksichtslos gegenüber Schüler und Radfahrer. Die Reuterstrasse ist wichtige Verbindung für Radfahrer aus dem Raum Oberhebborn in die Innenstadt. Auch Schüler benutzen dies Verbindung stark. In Richtung Hebborn ist wenigstens ein, wenn auch zu enger Radweg vorhanden. Richtung Innenstadt schwenkt der Radweg unvermittelt in Höhe des NCG auf die Straße. Dort hat es ja auch schon einen schweren Unfall gegeben. Im Grunde müsste die Reuterstrasse sogar zur Fahrradstraße umgewidmet werden, was ja einen angemessenen und angepassten Autoverkehr und den Busverkehr nicht ausschließt. Aber offensichtlich hat die Stadtverwaltung keine Ambitionen den vorletzten in Ranking der fahrradfreundlichen Städte in Deutschland zu verlassen.