Die Kirche St. Laurentius in Bergisch Gladbach. Foto: Thomas Merkenich

Manche Pfarrer segnen Häuser und Autos, aber bei gleichgeschlechtlichen Paaren sagt die Amtskirche „Nein“. Das ist eines von vielen Problemen, die zu steigenden Austrittszahlen aus der Kirche führen. Im Gespräch mit Pfarrern vor Ort in Bergisch Gladbach und der Basisbewegung Maria 2.0 wird klar: Es zieht sich ein tiefer Riss durch die Kirche – zwischen oben und unten.

Die Zahlen der Kirchenaustritte nehmen stetig zu. Eine Übersicht des Amtgsgerichts Bergisch Gladbach zeigt eine steigende Tendenz in den vergangenen fünf Jahren für Bergisch Gladbach, Odenthal, Kürten, Overath und Rösrath:

JahrkatholischevangelischSonstigegesamt
2016524369893
20176123502964
2018*1166
2019996530231549
2020**756393191168
Jan. bis April 20214551541610
*Technische Umstellung, keine Aufschlüsselung
**Im ersten Lockdown wurden für circa acht Wochen von Mitte März bis Mitte Mai 2020 keine Kirchenaustrittserklärungen aufgenommen

Zwar seien die Zahlen aus den zurückliegenden Jahren nicht unbedingt miteinander vergleichbar, heißt es beim Amtsgericht. Denn aufgrund der Pandemie sei man dazu übergegangen, Termine zu vergeben. Dennoch: „Die Situation bei der Terminvergabe lässt vielleicht den Schluss zu, dass die Zahlen ansteigen werden.“

Die Menschen scheinen auf der Flucht vor der Kirche zu sein: Es gibt Wartezeit, um beim Amtsgericht seinen Austritt aus der Kirche zu bekunden – mit allen Rechtsfolgen, die dies mit sich bringt.

Der Trend in Bergisch Gladbach entspricht der Lage in Deutschland. Pro Jahr sind es rund 300.000 Gläubige, die der evangelischen und katholischen Kirche den Rücken zukehren. Tendenz ungebrochen.

Was leisten Kirchen heute

Pfarrer Christoph Bernards

Dabei geben die Kirchen den Menschen eine ganze Menge. Sie liefern den Rahmen für Familienfeste wie Weihnachten oder Ostern. Sie geben in Lebenskrisen Halt, zum Beispiel bei Trauerfällen und Beerdigungen. „Wir gestalten die Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde“, ergänzt der Katholische Pfarrer Christoph Bernards (St. Joseph und St. Antonius). Mit Menschen, die in der Leitung und der zu übernehmenden Verantwortung geschult würden.

Er verweist zudem auf die Unterstützung der Schulen – wenn dies gewünscht sei. Und auf die Trägerschaft der Kitas, die Arbeit in Frauenkreisen, die lokale Bücherei. Dort werde nicht gefragt: „Bist Du katholisch?“ Die Angebote stünden für alle bereit.

Kreisdechant Norbert Hörter betont, dass die Kirche die Glaubenserfahrung erst möglich mache. „Diese Gemeinschaft gibt uns Lebensstärke. In dieser Mitte wächst Handlungskraft und Engagement für die, die Hilfe brauchen“, erklärt er und zitiert Papst Benedikt XVI: „Wer glaubt ist nie allein“, sagte dieser anlässlich seiner Amtseinführung.

Kirche prägt Kultur, Solidarität, Besinnung

Pfarrer Dirk Peters

„Kirche stiftet Gemeinschaft, auch an besonders neuralgischen Punkten“, schildert Pfarrer Dirk Peters. Er ist Subsidiar bei St. Johann Baptist (Refrath) und Schulseelsorger an der Erzbischöflischen Ursulinenschule Köln.

Für ihn sei die Sinnvermittlung wichtig, die Halt durch Rituale gebe. Ehrenamtler würden in Refrath täglich 120 Mahlzeiten an Bedürftige ausgeben. Auch dies sei eine Facette der Kirche.

Für Pfarrer Thomas Werner (Evangelische Gnadenkirche Bergisch Gladbach) gehören die beiden großen christlichen Kirchen mit ihren diakonischen Diensten zu den größten Arbeitgebern der Stadt. Er verweist darauf, dass über 90 Prozent der Kirchensteuermittel in den Diakonischen Dienst gehen würden, also nicht in die Verkündung. Dazu gehörten Kitas, Diakonische Dienste (Diakonie und Caritas), Schulen und Krankenhäuser. Darin sieht er einen freiwilligen Solidarbeitrag für die „diakonische Verpflichtung der Gesellschaft.“

Pfarrer Carsten Bierei

Pfarrer Carsten Bierei von der Heilig-Geist-Kirche betont insbesondere den spirituellen Wert der Kirche. „Die Kirche begleitet Menschen von der Geburt bis zum Tod. Das stärkt auf geheimnisvolle Weise“, erklärt er und verweist auf 12 gute Gründe, welche die Evangelische Kirche für eine Mitgliedschaft nennt.

Kirche als prägende Kraft der Kultur, als Ort der Solidarität mit Schwachen, als Bereich für Ruhe und Besinnung werden dort ebenfalls genannt.

Gründe für Austritte

Genügt all dies, um die Menschen in der Kirche zu halten? Offenbar nicht, wie oben genannte Zahlen belegen. Was sind die Gründe?

Carsten Bierei verweist darauf, dass seit den 1950er Jahren immer wieder Menschen aus der Kirche austreten würden. Dies habe mit der zunehmenden Säkularisierung zu tun, die auch andere gesellschaftliche Bereiche erfasse. Zudem mit der Entrichtung der Kirchensteuer. Ein Argument, das alle Pfarrer nennen.

Problematisch sei für die Evangelische Kirche die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals innerhalb der Katholischen Kirche. Hier verweist Bierei auf den Altpräses Rekoswski, der in einem Interview von „ökumenischer Haftungsgemeinschaft“ spricht. Das heißt im Klartext: Wenn die Katholische Kirche massive Probleme hat, treten auch Christen aus der Evangelischen Kirche aus.

Pfarrer Joachem Dehmel

Pfarrer Joachem Dehmel (Evangelische Kirche Zum Heilsbrunnen) sieht das Problem zudem bei jungen Leuten. Wer das erste Geld verdiene und Kirchensteuer zahle, der überlege was sie von der Kirche hätten. Sie erkennen nicht was Kirche Gutes tue. „Ein schlechtes Image, wie aktuell, verschärft die Frage,“ betont Dehmel.

Er erlebe zudem, dass junge Leute austreten würden um zu einer Freikirche zu wechseln. „Ich würde mir wünschen, dass sie bei uns bleiben und ihre Intensität einbringen. Ich brauche die Unterstützung von aktiven glaubenden ChristInnen!“, so der Pfarrer der Kirche zum Heilsbrunnen.

Maria 2.0: Fehlende Lebenswirklichkeit der Kirche
Statement von Bernadette Rüggeberg, Maria 2.0, Köln
„Die Lebenswirklichkeit der Menschen kommt in der Kirche nicht mehr vor. Er äußert sich zum Beispiel im Wunsch gesegnet zu werden. Und diese Lebenswirklichkeit fehlt besonders in den entscheiden Augenblicken: Sei es wenn die Menschen queer sind, geschieden, sich in einem Schwangerschaftskonflikt befinden, Untreue zur Belastung in der Ehe wird.

Genau dann benötigen sie unmittelbaren Beistand und finden ihn nicht, weil die Lehrmeinung dies nicht wiedergibt. Die Lehrmeinung steht über der Lebenswirklichkeit der Menschen.

Dabei ist dies keineswegs biblisch. Jesus hat sich immer an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientiert. Genau daraus hat er doch seinen Zuspruch formuliert.

Glaubwürdigkeitsverlust

Pfarrer Peters sieht das Problem der Austritte weniger in den Pfarreien: „Was ideell vor Ort gewährleistet wird, das wird auch wertgeschätzt.“ Der Austritt erfolge oft ohne Bruch mit dem eigenen Glauben. Vielmehr würden die Menschen einen Glaubwürdigkeitsverlust beklagen. Sie wollten die Repräsentanz der Kirche nicht mehr mit ihrem Geld unterstützen.

Auch der Einbezug der Kirchenmitglieder sei problematisch. Der Pastorale Zukunftsweg – ein Projekt des Erzbistums Köln zur Strukturierung der Pfarreien der Zukunft – würde durch ausgewählte Kleriker und Laien geleitet, die aber kein reräsentatives Querschnittsbild der Erzdiösese seien.

Zudem sei es schwer, bei den Wahlen zum Pfarrgemeinderat überhaupt noch gute Kandidaten zu finden. Vor dem Hintergrund der Bewegung Maria 2.0 würden sich vor allem fachlich versierte Christinnen zurückziehen. „Da es geht weniger um die Frage des Geschlechts, sondern um Kompetenz und fachliche Autorität.“

Peters beklagt die fehlende Weiterentwicklung der Kirche: „Die Menschen haben mitunter in die Kirche investiert, sehen aber das sich nichts ändert.“ Kirche tue nichts, um als gesellschaftlicher Player im 21. Jahrhrundert noch Ernst genommen zu werden. „Das ist eine enttäutschte Liebe“, bringt er es auf den Punkt. Und sie führe in der Konsequenz zur Loslösung von der Kirche oder zumindest zu einer großen Distanz.

Kreisdechant Norbert Hörter

Kreisdechant Norbert Hörter verweist bei den Gründen für den Austritt darauf, dass Entfremdung von der Kirche und der Abschied von der so genannten Volkskirche lange bekannte Prozesse seien.

„Wenn sich Menschen schon innerlich von Kirche gelöst haben, dann beschleunigen bestimmte Ereignisse oder Skandale absehbare Kirchenaustritte“, so seine Auffassung. Auch Corona führe dazu, dass vieles neu überdacht werde.

Maria 2.0: Missbrauchsskandal
Statement von Bernadette Rüggeberg, Maria 2.0, Köln
Der Missbrauchsskandal war für viele Menschen der letzte Tropfen, der das Fass in punkto Kirche zum Überlaufen brachte. Der Klerus wendet auf sich nur das Kirchenrecht an. Eine moralische Beurteilung findet nicht statt. Dies wird zudem mit Millionen Euro teuren Gutachten untermauert und letztlich so legitimiert, wie es für das Ansehen der Kirche notwendig erscheint.

Als Entschädigung werden kleine Summen ausgezahlt, jedoch keine Entschuldigungen ausgesprochen, keine Buße getan. All das, was Würdenträger von uns verlangen, leisten sie in diesem menschenunwürdigen Zusammenhang selbst nicht. Hier steht das Regelwerk über dem Menschen. Für diesen menschenunfreundlichen Kontext wollen immer weniger Mensch ihre Steuergelder hergeben.

Umgang mit Missbrauchsskandal

„In 90 Prozent hat der Austritt nichts mit der Arbeit vor Ort zu tun“, meint Pfarrer Bernards. Meist handele es sich um Reibungspunkte mit der Arbeit auf Bistumsebene oder im Vatikan. Zudem würden die Menschen die hierarchischen Strukturen beklagen, da sei nicht immer die Innenansicht gegeben. „Und selbst wer diese hat sagt mitunter: Jetzt reicht es. Wie zum Beispiel beim Missbrauchsskandal, dem Umgang damit und dessen Aufarbeitung.“

Auch in seiner Pfarrei sei es schwierig, gute Ehrenamtler für den Pfarrgemeinderat und die Gremien zu finden, schildert Bernards. Wer es dennoch tue, gerate mittlerweile unter Rechtfertigungsdruck. „Früher war man da stolz drauf. Es gibt eine Spaltung zwischen oben und unten.“

Dabei würden die Probleme der Kirche eine Art „Fernwirkung“ entwickeln. In der Pfarrei selbst könne alles in Ordnung sein. Wenn jedoch wie zum Beispiel im Bistum Limburg die Außendarstellung eines Bischofs aus dem Ruder laufe, würde auch er als Pfarrer in einer Gemeinde die Quittung dafür bekommen.

Diese These unterstützt Norbert Hörter weniger. Nach seiner Auffassung müsse sich die Kirche vor allem vor Ort fragen, was man tun könne damit die Menschen sich besser aufgehoben fühlten. Zudem sollte man die Angebote der Kirche selbstbewusster kommunizieren:

„Bildung und Beratung, Kultur, konkrete Hilfe, Angebote für Kinder und Familien, Erfahrung von Gemeinschaft – in all den kirchlichen Gruppen und Verbänden, am Kirchort selbst und selbstverständlich in den Gottesdiensten. Jede und jeder ist uns willkommen, das ist unsere Haltung.“

Maria 2.0: Fehlender Reformwillen
Statement von Bernadette Rüggeberg, Maria 2.0, Köln
Papst Pius hat im letzten Jahrhundert gesagt: Alle wissen dass die Kirche Bestimmungen, die sie getroffen hat, auch abändern und aufheben kann.
Die Kirche hat sich vom 1. Jahrhundert bis heute immer verändert. Sie hat sich mal mehr und mal weniger der Lebenswirklichkeit der Menschen angepasst. Heute findet dies weniger statt. Dazu gehört auch, dass es für Frauen keine gerechte Teilhabe bei kirchlichen Ämtern gibt sowie die menschenabgewandte Sexualmoral.

Wir sagen daher: Solange es innerhalb der Kirche keine Demokratie gibt, und die Kirche so geringe Selbstheilungskräfte hat, so lange wird sich nichts ändern.
Die Menschen sehen nicht, dass hier ein System auf den Prüfstand gestellt wird. Es wird einfach weitergemacht wie bisher. Man glaubt sich von Gutachten freigekauft zu haben. Dies ist eine erneute Demütigung für Betroffene.

Hoher moralischer Anspruch

Der Wind bläst vor allem den Katholischen Pfarrgemeinden ins Gesicht, der Ursache des Unwetters liegt woanders. Das wird im Gespräch mit den Pfarrern deutlich. Und es ist auch klar, warum es ausgerechnet die Kirche mit solcher Wucht trifft:

„Der Steuerskandal beim DFB führt nicht dazu, dass die Leute aus dem 1. FC Köln austreten. Die Kirche hat jedoch einen besonders hohen moralischen Anspruch“, erläutert Pfarrer Bernards. Den müsse sie auch vorleben. Die Menschen würden sich schon fragen: „Warum soll ich der Kirche noch folgen, wenn sie es selbst nicht schafft ihren Ansprüchen zu genügen.“

Für ihn sei ein Austritt auch immer etwas persönliches, er sei stets betroffen. Und frage sich: „Warum haben wir es als eine Pfarrgemeinde nicht geschafft zu vermitteln: Wir sind eine Kirche wo es sich lohnt zu bleiben?“ Er sei keinem der Austritt böse, könne dies angesichts der genannten Gründe verstehen.

Schreiben der Gemeinde

Wer aus der Kirche in seiner Gemeinde austrete, der erhalte einen Brief von ihm, sagt Bernards. Hierzu hatte er den Formulierungsvorschlag der Bischofskonferenz genutzt. Aber die Menschen würden ihm Antworten: „Danke für den Brief, er bestätigt warum ich ausgetreten bin.“

Denn der Brief enthalte nicht zuletzt die Rechtsfolgen des Austritts: Exkommunikation (Kath. Kirche), kein Empfang der Sakramente mehr, Wegfall von Trauung oder Beerdigung.

Eigentlich typisch Kirche. Drohen statt mitnehmen, erhobener Zeigefinger statt Umarmung. Die Konsequenz: „Wir arbeiten an einem Schreiben der Gemeinde, das wir dem offiziellen Schreiben beilegen“, sagt Christoph Bernards.

Kreisdechant Hörter betont vor allem die Suche nach dem Gespräch mit jenen, die den Kirchenaustritt erwägen. „Nicht alle, die gehen wollen, sind dazu bereit. Andere sind dankbar für die Möglichkeit, ihre Beweggründe offenzulegen.“ Klar sei aber: Die Entscheidung werde respektiert, wer gehen möchte finde immer einen Weg zurück.

Maria 2.0: Spaltung zwischen oben und unten
Statement von Bernadette Rüggeberg, Maria 2.0, Köln
Die Spaltung ist existent. Die Deutungshoheit ist oben angesiedelt. Kirche ist wie eine Messe – einfach priesterzentriert. Dadurch werden millionenfach Ressourcen von Menschen zum Kaffeekochen abgerufen, aber nicht deren Spiritualität, deren Kraft.

Die Hauptaussagen liegen immer in der Hand der Priester. Was könnte es für eine Vielfalt geben, wenn jeden Sonntag unterschiedliche Menschen predigen könnten: Schwule und Lesben, Geschiedene, wer auch immer. Welche Kraft der Lebenserfahrung könnte hier weitergeben werden.

Die größte Sorge der Kirche ist, dass die Bedeutung der Priester abnimmt. Dabei werden wir von Gott gesegnet, nicht von Priestern. Und Gott sagt uns: „Du bist gut so wie Du bist.“

Keine Steuern, kein Austritt?

Wiedereintritte, so der Tenor unter de Pfarrern, finden deutlich seltener statt. Laut Pfarrer Peters habe dies im Fall der Fälle mitunter mit beruflichen oder schulischen Perspektiven zu tun. Selbst der neue Papst habe nicht für einen Zulauf gesorgt, ergänzt Pfarrer Bernards. Dieser habe nur – vorübergehend – die Austrittswelle gebremst.

Gäbe es weniger Austritte, wenn es keine Kirchensteuer gäbe? Für Pfarrer Thomas Werner keine Frage. Auch Pfarrer Peters stimmt dem zu. Er sieht es nüchtern: „Wenn Sie für etwas zahlen, dann soll die Gegenleistung auch passen. Tut sie dies nicht, dann kündige ich.“

Pfarrer Dehmel meint indes: „Ich würde die Kirchensteuer nicht an die Mitgliedschaft koppeln. Die Menschen sollen uns freiwillig geben.“ Die Landeskirche wolle den Menschen die Hürden nehmen, wolle vieles einfacher machen. Er glaube nicht, dass sie damit Erfolg habe. „Wenn Kirche wie die Welt ist, warum soll ich dann noch in die Kirche gehen?“

Segnung selbstverständlich

Pfarrer Bernards berichtet, viele wüssten nicht, dass ein Austritt mit der Exkommunikation aus der Katholische Kirche einhergehe. Er würde es erleben, dass diese Menschen dennoch in den Gottesdienst kämen. „Sie gehen dann sehr respektvoll mit der Situation um“, meint er.

Wenn diese Menschen dennoch die Kommunion erbeten würden, dann würde er diese auch nicht verweigern. „Wenn Gott dem Menschen den Impuls gibt, die Kommunion zu empfangen, dann würde ich mich versündigen wenn ich mich diesem Impuls in den Weg stellen würde“, macht er klar. An dieser Stelle sei ihm sein Gottesverständnis wichtiger. „Gott hat ein weites Herz“, dies sei biblisch auch begründbar.

Gelte dies auch für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare? „Selbstverständlich“, sagt Pfarrer Bernards.

Schreiben Sie uns: Nenne Sie uns Ihre Gründe, warum Sie in der Kirche sind, sich eventuell engagieren. Oder warum Sie ausgetreten sind.
Wir sind gespannt auf Ihre Gedanken: In den Kommentarspalten unter diesem Beitrag, auf Facebook oder per Email unter redaktion@in-gl.de

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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5 Kommentare

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  1. Guten Tag liebe Bürger.
    Ich bin selber Christ (laut Papier kath.) gehe aber seit vielen Jahren in eine Freikirche. Der Text war sehr interessant und beleuchtete einige Gründe.

    Ein großer Teil der Menschen verlassen die Kirchen aus 2 Gründen:

    1. Die Skandale, Affären und das fehlende Anpassen an die moderne Welt.
    2. Sie haben schlechte Erfahrungen mit Kirche oder Priestern gemacht. Vielleicht sind sie sogar verletzt oder enttäuscht.

    Meine Meinung zu folgenden Themen:

    Alle Priester und alle Vertreter der Kirche sind in erster Linie Menschen. Menschen machen Fehler. Auch sehr große und schlimme. Keine Frage.
    Das ist überall so. In Schulen, In Krankenhäusern, Im Fernsehen im Sport.
    Nur wird es in den Medien bei der Kirche immer sehr groß aufgezogen. Generell steht die Kirche hierzulande im Dauerbeschuss. :-(

    In einer bekannten deutschen Fernsehshow sah man sogar ein Video in der die Künstlerin sich über den Glauben lustig gemacht hat und die Insignien wie Kreuz entweihte.
    Man stelle sich nur mal vor wie groß der Aufschrei der Medien wäre würde man sich so über Synagogen oder Moscheen lustig machen.

    So entstehen bei vielen Menschen Vorurteile gegenüber Gläubigen und gegenüber Priestern. Sehr schlimme Vorurteile die oft sogar zu Hass führen. Feindbilder werden aufgebaut.
    ABER:

    Jesus hat uns gelehrt den Feind zu lieben. (z.B. Bergpredigt, Feldrede usw.)
    Wir sollen Sünde aufdecken und die Sünde verurteilen.
    Aber den Menschen dahinter sollen wir lieben. Genau wie jeden anderen.
    Und in meinen Augen sollte es auch keine Demokratie in der Kirche geben. Sondern eine Theokratie.
    Jesus ist das Haupt der Gemeinde. Und wir sollten uns von Ihm leiten lassen.

    Wir sollten also nicht darauf sagen was die moderne Welt sagt. sie ändert sich immer und ist überall auf der Welt anders.

    Für mich hat es Klick gemacht, als Ich die Bibel im Neuen Testament gelesen habe. Ich möchte niemanden einen Vorwurf machen aber nach 15 Jahren Schule und Kommunionsunterricht und Firmunterricht habe Ich so gut wie nichts über den Christlichen Glauben erfahren.

    Bis Ich irgentwann die Bibel selber gelesen habe und dazu gebetet habe.
    Und wenn du die Bibel liest und Jesus in deinem Leben groß wird dann wird alles andere Klein
    Wenn Ihr erfahren wollt was Christliche Werte sind empfehle ich z.B. Matthäus Kapitel 5 bis Kapitel 7

    Die Kirche sollte nicht das bieten was die moderne Welt möchte. Denn unsere Heimat ist Wo Anders.
    Und unsere Werte kommen von Gott.

    Ich mache mal ein Gegenbeispiel:
    -Die modernen Medien erschaffen immer Feindbilder. (mal ist es die Afd, die Corona-Leugner, die Linken, die Reichen oder einzelne Personen)
    -Die moderne Welt ist immer leistungsorientiert. wir werden nach schulnoten sortiert, nach Schulen und Nach Berufen usw.

    Das ist alles irdisch. In einer Kirche sind wir alles Brüder und Schwestern. Und Gott unser Himmlicher Vater.
    Die Gemeinschaft der Kinder Gottes ist wichtig und kann sehr gut tun.
    Genauso wie das Wort Gottes und der Besuch einer Kirche.

    Wir sind Alles andere als Perfekt. Aber das bist du auch nicht. In meiner Kirche ist Jeder Mensch Herzlich willkommen.
    (ob schwarz,weiß, links, rechts, grün, Corona-Leugner, Handwerker, Student, Arbeitsloser, Politiker oder Anwalt, Deutscher oder Nicht, Reich oder Arm, Mann oder Frau, Kind, Gläubig wie Ungläubig bla bla …..Hauptsache Mensch)

    Ich für meinen Teil passe mich nicht der Welt und deren Werten an. Sondern möchte Jesus ähnlicher werden. die wahre Liebe die nichts irdische trennen kann.

    Jesus und sein Wort ist und bleibt Ewig.

    Frieden und Segen sei mit Euch

    Fabian Bosbach (Pseudonym aus Respekt einer anderen Person), Ihr könnt mich aber auch gerne in Echt treffen.

  2. Das heutige Bild der katholischen Kirche zeigt ein Desaster. In hunderten von Jahren wurden die eigenen Regeln und Gesetze missachtet, in früheren Jahrhunderten gab man sich der Völlerei hin, es wurde gehurt und gemordet, dass es krachte, zu lange gab es keine Macht, die den vor allem auf hohen Stühlen sitzenden Klerikalen Einhalt geboten hätte. Diese Selbstverständlichkeit, mit denen Päpste, Kardinäle, Bischöfe bis hinunter zu den einfachen Geistlichen machen konnten, was sie wollten, um selbst in unseren Zeiten vor der Ermordung eines Papstes nicht einzuhalten.

    Heutzutage geht die Arroganz und Ignoranz dieser Institution bzw. ihrer Helfer so weit, dass Dinge geschehen, vor denen man sich voller Ekel abwendet und aus niedrigsten Beweggründen diese Taten – eigene und die anderer – vertuscht werden. Es geht um Macht, um Geld, um die Erhaltung einer bestimmten Schicht in der Kath. Kirche, damit weiterhin allein nach deren Gusto in jeder Hinsicht verfahren werden kann.

    Das völlig weltfremde Festhalten am Zölibat – Ursache vieler Missbräuche – die hinterwäldlerische Weigerung, Frauen in geweihte Ämter zu holen – sie heißen immer noch alle Eva – die Einstellung Roms zur Mafia, mit all dem muss die kath. Kirche enden, sonst verliert sie ihren Führungsanspruch bei den Gläubigen.

  3. Ich bleibe, weil ich miterleben möchte, wie es weitergeht. Weil ich mich berufen fühle, meine Fähigkeiten, meinen Glauben, mein Engagement zu teilen und mitzuteilen. Ob ich bleibe oder nicht, würde ich nie von anderen Menschen, die hohe Ämter innehaben, abhängig machen. Das wäre nur eine ganz persönliche Entscheidung. Und doch sind es die Menschen in meinem kirchlichen Umfeld, die eine wertschätzende gemeinsame Arbeit mitmachen. Die vieles möglich machen. Wir können miteinander beten und auch heftig diskutieren, lachen und voneinander lernen und hoffentlich bald auch wieder singen. Und es lohnt sich doch, in Gremien wie dem Pfarrgemeinderat mitzuarbeiten. Jedes Mitglied bringt sich soviel ein, wie er/sie möchte. Man braucht keine Vorkenntnisse, sie schaden aber auch nicht. Ich bin schon sehr gespannt auf den Herbst, wenn ein Teil der Mitglieder neu gewählt werden kann oder wenn neue dazukommen.

  4. Warum treten die Menschen aus der Kirche aus. Weil die Institution keine Hilfestellung für die Menschen bereit hält.

    Nehmen wir ein Beispiel: früher war es vollkommen klar, dass bei Tod oder größeren Problemen im Rahmen der Seelsorge den Menschen bei zu zu stehen.

    Seit den 90er Jahren hat die Seelsorge immer mehr abgenommen, die Priester wollen diese schwere Aufgabe nicht mehr übernehmen. Sie verschanzen sich hinter Verwaltungsaufgaben.

    Diese Tätigkeiten könnten wunderbar von Laien verantwortungsvoll übernommen werden. Es wäre wieder Raum und Zeit für die Seelsorge, die eigentliche Aufgabe der Priester. Das aber fehlt heute und darum fühlen sich die Gläubigen allein gelassen und suchen diesen Beistand andernorts und sehen die Kirche und das Bodenpersonal Gottes als überflüssig an und kehren dieser Institution den Rücken.

    Die Kirche ist eine Dienstleistungsinsitution die ihren Aufgaben und Auftrag aus der Bibel heraus nicht mehr gerecht wird. Das führt zur Abwendung, hinzu kommt die Unglaubwürdigkeit ihrer Vertreter, was ich von den Gläubigen verlange, muss ich als Vertreter dieser Kirche vorleben. Nur so kann Nachfolge entstehen.

  5. Vielleicht sollte ich vorwegschicken, dass ich an keinen dieser menschengemachten und bestimmt nicht zufällig weitestgehend männlichen Vertreter der Spezies Gott glaube.
    Fast alle Gläubigen mit denen ich rede beteuern, ihre Religiosität beziehe sich ja auf den Glauben an sich oder die sog. heiligen Bücher und nicht auf die Institution Kirche. Immerhin ein Fortschritt. Es gab Zeiten, da wäre man für diese Differenzierung auf einem Scheiterhaufen gelandet.

    Für viele ist Religion eine Art Dienstleistung zur Ausschmückung mehr oder weniger freudiger Ereignisse. Diese Dienstleistungen hat man gelegentlich auch als Nichtgläubiger zu ertragen, z.B. bei Taufen, bei denen allen Ernstes diesem winzigen, gerade erst ins Leben getretene Wesen eine Erbsünde aufgeschwatzt wird oder bei Begräbnissen, die ich für den Verstorbenen oft als Beleidigung empfinde, weil sein Leben auf ein paar hohle Phrasen reduziert wird. Ich weiß, dass es rühmliche Ausnahmen gibt.

    Was ist denn die Substanz des Glaubens? Für mich der Versuch, dem eigentlich sinnlosen Leben einen Sinn zu geben, der darin besteht, einen „Himmel“ zu erfinden, in dem die Einen das ewige Leben auf rosa Wolken und die Anderen reichlich Jungfrauen zur Selbstbedienung finden. Und natürlich Angst. Die Angst, für seine Sünden in der Hölle zu landen.
    Es ist sicher auch die Sehnsucht nach Spiritualität, die viele in der Kirche aber auch in esoterischem Hokuspokus finden.

    Interessant dabei, dass die Kirchen Sektenbeauftrage haben. Es stellt sich die Frage, ab welcher Größe eine Sekte zur Kirche wird und wie in der Vergangenheit Sektierer wie Jesus oder Luther bekämpft wurden und wie aus den Sekten Kirchen wurden. In der Regel durch gewalttätige Herrscher, die in blutigen Schlachten ihre jeweilige Religion durchsetzten. Oder wie der gute Henry zur Legitimation seiner Vielweiberei eine eigene Kirche gründete.

    Glaube ist also einmal das Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit des Lebens, insbesondere des Sterbens, beruht aber immer auch auf der Geschichte der Institution Kirche. So zu tun, als glaube man an etwas Universelles, irdischen Bedingungen Entzogenes, verleugnet unsere Verankerung in der Geschichte.
    Jemand, der an das Neue Testament glaubt, muss sich im Klaren sein, dass die Überlieferungen teilweise krass widersprüchlich sind, teilweise erst nach Jahrhunderten fixiert und andere Quellen bewusst unterdrückt wurden.

    Religionen sind von Menschen gemacht, von Menschen gewaltsam verbreitet und durchgesetzt und von Menschen für andere Menschen formuliert worden.
    Das was heute als Religion erscheint, ist das Produkt jahrhunderte- oder gar jahrtausendelanger Beeinflussung und Interpretation von Machtinhabern.

    Für viele ist Religion auch einfach Tradition. Man wird hineingeboren, gewöhnt sich an Rituale und ist religiös, weil es schon immer so war.
    Die Bindungen an Religion sind deshalb sehr unterschiedlich.

    So wie Religion bis heute immer gleichzusetzen war mit der Abwehr von Aufklärung und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, entfernten sich die Gläubigen von dogmatischen Festsetzungen oder bauten sie in ihren Glauben als eben nicht veränderbar ein. Wenn es ganz kritisch wurde, konnte z.B. die Katholische Kirche mal eben erklären, dass Päpste in grundsätzlichen Fragen unfehlbar seien. Ende der Diskussion.

    Mit fortschreitender Zeit und zunehmenden Skandalen melden sich immer mehr Stimmen, die Reformen verlangen. Z.B. die Frauen. Insbesondere die Katholische Kirche aber auch der Islam sind Männerkirchen. Vom männlichen Gott über männliches Personal bis hin zu kleinkarierten, von Machophantasien beflügelten Verhaltensregeln für Frauen, werden diese gerade mal für Karitatives oder im Zeichen des Priestermangels als dienstbare Geister in der Kirche geduldet. Zur Zeit ist nicht zu erkennen, dass sich eine Perspektive zum Besseren entwickelt, was viele katholische Frauen zum Ausstieg motiviert.
    Die Rolle der Frauen im Islam ist ein Thema, das diesen Rahmen sprengen würde, Entwicklungsbedarf gibt es dort allemal.

    Und schließlich der Missbrauchsskandal. Die katholische Kirche weigert sich standhaft, Zusammenhänge zu sehen zwischen Zwangszölibat und sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Sie hat Missbrauch zugelassen, wo er offensichtlich war, hat Täter aus der Schusslinie genommen und an anderer Stelle weitermachen lassen, hat rechtsstaatliche Ermittlungen verhindert und geschwiegen. Und sie mutet den Gläubigen zu, Täter und Mittäter heute noch als Autoritäten anzuerkennen und ihren scheinheiligen Versuchen der Reinwaschung zu glauben.
    Ob sich die Entwicklung in Richtung Reform bewegt, wage ich zu bezweifeln.

    Meine persönliche Hoffnung ist allerdings, dass Menschen Religionen als das erkennen, was sie sind. Menschengemacht und dazu benutzt, Macht zu erlangen und zu erhalten. Und mit Geschichten von Himmel und Hölle existenzielle Ängste zu schüren. Wer diese Ängste hinter sich lässt, braucht keine Religion.