Nach vier Generationen hat sich Andreas Niedenhof entschieden, die alteingesessene Fleischerei zu schließen. Ein Entschluss, der nich leicht fiel und immer höheren Auflagen und verschärften wirtschaftlichen Bedingungen geschuldet ist. Das Refrather Familienunternehmen mit seinen hausgemachten Spezialitäten fehlt vielen.

„Die Entscheidung, das Familienunternehmen Fleischerei Niedenhof (Refrath, Dolmanstraße 1 – 3) nach 116 Jahren Geschäftstätigkeit zum 31. Dezember 2020 zu schließen, ist uns nicht leicht gefallen“ sagt Andreas Niedenhof. Er habe sich vor allem aufgrund der sich in den letzten Jahren immer mehr verschärfenden wirtschaftlichen Bedingungen schweren Herzens dazu entschlossen, Schluss zu machen.

Andreas Niedenhof führte das Unternehmen in der vierten Generation. „Mir fehlt schon was“, sagt der Fleischermeister und ausgebildeter Industriekaufmann im Gespräch. Er erinnert an die hausgemachten Spezialitäten, Fleisch- und Wurstwaren wie die Traditions-Leberwurst, gewürzt nach einer Rezeptur des Urgroßvaters, der das Unternehmen 1904 gründete.

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Etwa 1940 kreierte „Der Meester“ das ganz spezielle Leberwurst-Rezept, das in all den Jahren Gaumenfreuden bereitete. Fehlen dürfte der Kundschaft auch der feine Partyservice, die traditionell zubereiteten Suppen/Eintöpfe, Braten, Wurstplatten und hausgemachten Salate. Ebenso die leckere, mehrfach prämierte Fleischwurst die vom Deutschen Fleischerverband mit einem Pokal und der Note “Gold“ ausgezeichnet wurde.

Andreas Niedenhof – Fleischerei Niedenhof Refrath

Unterstützung bei der meisterlichen Produktion erhielt Sohn Andreas lange Jahre von Vater Theo. Dieser hatte den Betrieb 1966 übernommen und führte ihn bis zum 31.12.1999.

Im Jahr 2021 wird der Senior 80 Jahre alt. Er will kürzer treten und begrüßt es, dass der Sohn ihn rund um die Verwaltungsaufgaben entlastet, die das Geschäftshaus mit verschiedenen Ladenflächen mit sich bringt. Nach der kompletten Renovierung der Fleischerei-Flächen wird das Ladenlokal vermietet. Ob es wieder eine Metzgerei sein wird, die einzieht, ist offen.

Der Einstieg in die kaufmännische Ebene fällt Andreas Niedenhof leicht. Denn Verwaltungsaufwand war rund um die Metzgerei ein sattes Thema. Immer wieder höhere Auflagen, erweiterte Dokumentationspflichten, Kassenauflagen und Verwaltungsebenen steigerten die Bürozeiten und wirkten sich negativ auf die zur Verfügung stehende wichtige Produktionszeit aus.

In den attraktiven Neubau, der auf dem Grundstück des Gründerhauses errichtet worden war, zog das Unternehmen 1982 um. Damals war der Vater in das rege Refrather Vereinsleben aktiv eingebunden.

Er wurde zweimal Schützenkönig und in Folge als „Ehrenkaiser“ gefeiert. Das Ehepaar Ute und Theo Niedenhof erinnert sich heute begeistert an die Zeiten, wo sich „fast alle“ montags beim Refrather Schützenfeste im Festzelt trafen.

Die Unternehmenschronik

Die Metzgerei Niedenhof wurde 1904 von Theodor Niedenhof (1. Generation) gegründet. Zunächst war der Firmensitz in einem neu erbauten Haus am Siebenmorgen 1.

Der Betrieb wurde vom Gründer an den Sohn Konrad übergeben. Nach dessen Einberufung zum Militär an Bruder Theodor (2. Generation).

Am 1.1.1966 übernahmen Ute und Theo Niedenhof die Fleischerei (3. Generation).

Seit dem 1. Januar 2000 leitete Andreas Niedenhof den Familienbetrieb (4. Generation), der am 31.12.2020 nach 116 Jahren den Betrieb einstellte.

Der Begriff „Niedenhof“ geht zurück auf das althochdeutsche „nida“, was so viel wie „unten bzw. nieder“ bedeutet.1586 wird Peter im Niedenhove in Aufzeichnungen als Pächter des Refrather Hofgutes Niedenhof erwähnt, dass dort stand, wo man heute das Gasthaus „Refrather Mühle“ entdeckt: Adresse Niedenhof 1.

Helga Niekammer

ist freiberufliche Journalistin (Text und Bild), weitere Berichte und Fotos finden Sie auf bensberg-im-blick.de.

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3 Kommentare

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  1. Wenn der Umsatz stimmen würde, könnte man vermutlich auch die bürokratischen Aufgaben leichter schultern (vieles davon dient ja auch dem Verbraucherschutz und kommt uns allen zugute).

    Was solchen handwerklich arbeitenden Betrieben letztlich das Genick bricht, sind die Kunden, die lieber die verpackten Wurstscheiben oder das Grillfleisch in Folie oder sonstige Lebensmittel bei Aldi/Lidl/Penny kaufen, weil die Sachen dort ein wenig billiger sind. Auf Qualität wird da schnell mal gepfiffen, und wie die Tiere gehalten wurden, ist erst recht egal.

    Das ist der Grund, warum vor Jahren schon Hans-Dieter Kürten seine Metzgerei schließen musste, warum die Bäckerei Becker (Vürfels) schon einige Jahre dicht ist, warum die Bäckerei Eilers keinen handwerklichen Nachfolger gefunden hat. Fleisch und Wurstwaren kauft man offenbar lieber beim Discounter, Brot und Brötchen auch da oder in reinen Filialverkaufsstellen, die sich entweder beliefern lassen oder nur noch Teig-Rohlinge fertigbacken.

    In Refrath haben wir jetzt noch einen einzigen Metzger (und das ist ein Glücksfall, denn z.B. im gesamten Kölner Stadtgebiet existieren nur noch 34 Metzgereien). Wenn der eines Tages auch einmal weg sein sollte, können sich viele Refrather, die bei solchen Gelegenheiten laute Klaglieder anstimmen, gerne auch mal an die eigene Nase fassen. Denn ein Betrieb, der von den „Sparfüchsen“ gemieden wird, kann auch ohne jede Bürokratie nicht überleben.

  2. Refrath ist hässlich und laut geworden!Ein Auto na h dem anderen schiebt sich durch die Stadt und Nachts denkst du, die Urlaubsbomber fliegen direkt durch dein Schlafzimmer.Traditionsbetriebe werden Kaputt bürokrastisiert und ein hässlicher Neubau mit Steingarten nach dem anderen entsteht.Ins Bergische kann man auch nicht ziehen; es sei denn man liebt zum Fluglärm noch den Motorradlärm dazu…

  3. Es ist wieder tüpisch.
    Scheiss bürokratie.
    da werden mal eben über 100 jahre in den sack gehauen .das schöne refrath .ist nichts mehr wert. Die hauptsache ist .bauen.bauen.bauen .wenn das dorf voll ist .ist es voll.sollen die leute doch ins berg.ziehen.
    Überall .nur noch hässliche viereckige weisse kästen.
    da kann man schon überlegen .nach über70 jahren ins ausland zu ziehen