Das Bürgerportal hat längst ein Lastenrad in Dienst gestellt. Ob umgerüstete Lastenräder auch für die Stadtreinigung sinnvoll sind war im Umweltausschuss heftig umstritten.

Trotz einer 23 Punkte langen Tagesordnung hat sich der Ausschuss für Infrastruktur, Umwelt, Sicherheit und Ordnung in gut vierstündiger Sitzung am Dienstag immer wieder Zeit genommen für eine gründliche Debatte. Über den Einsatz von Lastenrädern bei der Stadtreinigung oder über die Entsorgung von Windeln. Im Hintergrund stand fast immer die Auseinandersetzung, wie die Stadt schneller klimafreundlich werden könne.

Klimaschutz, nur wie? Die Stadt arbeitet an einem großen Klimaschutzkonzept, aber das Thema taucht in vielen Ausschusssitzungen in ganz profaner Form schon seit Jahren immer wieder auf. Zum Beispiel immer dann, wenn die Stadt Ersatzfahrzeuge für die Feuerwehr, die Müllabfuhr oder Stadtgrün anschaffen muss.

Lastenräder oder synthetische Kraftstoffe

Am Dienstagabend steht im Ausschuss für Infrastruktur, Umwelt, Sicherheit und Ordnung (AIUSO) unter Tagesordnungspunkt 13 der Vorschlag der Stadtverwaltung zur Debatte, für 140.000 Euro zwei neue Kleintransporter mit offener Ladefläche für die Stadtreinigung anzuschaffen, um zwei alte Fahrzeuge zu ersetzen. Der Einsatz von Elektrofahrzeugen sei zwar geprüft worden, doch dafür gebe es zur Zeit keine geeigneten Angebote auf dem Markt, heißt es in der Vorlage, in der die Anforderungen penibel aufgelistet werden.

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Dennoch provozierte der Vorschlag einen Änderungsantrag der Grünen. Sie wollen für die Leerung der Papierkörbe in der Fußgängerzone probeweise zwei Elektro-Lastenräder für insgesamt 34.000 Euro anschaffen – und lösen eine stundenlange Debatte aus.

Umgerüstete Lastenräder seien für den Einsatz in der Innenstadt gut geeignet, das habe ein Modellversuch in Freiburg bereits gezeigt, begründen die Grünen. Für andere Einsätze, wie das Abräumen wilder Müllkippen im Wald seien dagegen weiterhin die konventionellen Kleinlaster mit Pritsche erforderlich.

Hinweis der Redaktion: Wir dokumentieren den Antrag der Grünen weiter unten

Die FDP hat einen weiteren Einwand: trotz vieler Nachfragen habe die Stadtverwaltung keine vollständige Wirtschaftlichkeitsberechnung für den Ankauf vorlegen könne.

Die CDU hält dagegen. Zum einen, weil Lastenräder für die Stadtreinigung und ihre vielfältigen Aufgaben mit zum Teil schweren Gerät eben nicht geeignet seien. Und weil die Elektromobilität längst nicht so grün sei, wie es die Grünen immer darstellten.

Statt dessen, so der Gegenantrag der CDU, sollten beim Kauf der Kleintransporter darauf geachtet werden, dass sie mit dem neuartigen synthetischen Treibstoff betrieben werden könne. Damit sei ein Beitrag zur Klimaneutralität sehr viel schneller zu erreichen.

Die Stadtverwaltung nimmt eine mittlere Position ein: Man könne grundsätzlich testen, ob und wie Lastenräder einsetzbar sind. Schon lange setze die Stadt auf Elektromobilität, derzeit laufe sogar ein Pilotprojekt mit VW, bei dem ein geschlossener Elektro-Transporter aufgeschnitten und zu einem Pritschenwagen umgebaut werden soll. Der werde dann getestet, aber bis man Ergebnisse habe, dauere es mindestens noch zwei Jahre. Auf die Kleinlaster könne man daher jetzt nicht verzichten.

„34.000 Euro auf den Kopf hauen“

Die SPD macht einen Kompromissvorschlag: Die Anschaffung der Kleintransporter solle zunächst vertagt werden, damit die Stadt die Wirtschaftlichkeitsberechnung nacharbeiten können. Die Lastenräder solle man dennoch jetzt anschaffen, und von allen Abteilungen der Verwaltung auf die Verwendbarkeit im Alltag testen lassen.

„34.000 Euro sind ein überschaubarer Betrag, die sollten wir jetzt einfach mal auf den Kopf hauen“, sagt SPD-Mann Andreas Ebert – und hofft auf Zustimmung der CDU.

Die kommt natürlich nicht. CDU-Vertreter David Bothe hält diese Position der Ampel-Fraktion für „schizophren“, einerseits die Pritschenwagen wegen fehlender Kosten-/Nutzenberechnungen abzulehnen, und gleichzeitig soviel Steuergeld auszugeben. Für etwas, dessen Nutzen gar nicht feststeht.

Es gibt noch viel zu sagen, auf allen Seiten. Die Abstimmungen fallen dann knapp, aber eindeutig aus: Zweimal setzen sich Grüne, SPD und FDP mit 9:8 Stimmen gegen CDU, AfD und Bürgerpartei durch. Die Lastenräder werden gekauft, über die konventionellen Kleinlaster in der nächsten Sitzung wieder debattiert.

Brauchen wir einen Klimaschutzmanager?

Das Thema synthetische Kraftstoffe kommt später noch einmal als CDU-Antrag auf den Tisch; auch hier entspinnt sich noch einmal eine Grundsatzdebatte – mit der erneuten Erkenntnis, dass es ein ganzheitliches Konzept für einen klimafreundlichen städtischen Fuhrpark bedarf. Dieser Antrag wird auf Vorschlag der Verwaltung vertagt.

Der Antrag der AfD, die vakante Stelle des Klimaschutzmangers für zwei Jahre nicht neu zu besetzen (weil überflüssig) findet nur bei der AfD Zustimmung; über die Stelle soll nun im Hauptausschuss beraten werden.

Wohin mit den Windeln

Eine ebenso engagierte Debatte ergibt sich beim Tagesordnungspunkt 15, allerdings mit einer anderen Frontstellung: Aus dem Ausschuss für Anregungen und Beschwerden war ein Bürgerantrag gekommen – wonach Familien mit Neugeborenen kostenlose Müllsäcke für Windeln bekommen.

Ein Ansinnen, das die Stadtverwaltung mit einem Satz ablehnte: Eine kostenlose Entsorgung von Windeln stehe der gerechten Kostenverteilung unter allen Gebührenzahler entgegen.

Eine Ablehnung, gegen die zunächst vor allem die CDU Sturm lief. Wenn es die Stadt mit dem Ziel, familienfreundlich zu sein, ernst meine, dann reiche eine solche Antwort nicht aus. Eine einfaches „geht nicht“ reiche als Antwort auf eine gute Idee nicht aus, sagte CDU-Mann Martin Lucke.

Aus der SPD kommt der Vorschlag, dass sich der Babybesuchsdienst der Stadt der Sache annehmen könne – und statt warmer Worte ein paar Rollen von Müllsäcken für die kostenfreie Entsorgung mitbringen könne.

Die AfD schlägt vor, eine Annahmestelle für Windeln im Wertstoffhof einzurichten. Die Grünen fragen, ob das Windelentsorgungsproblem tatsächlich so groß ist – und mahnen grundsätzliche Abfallvermeidungsstrategien an.

Nach vielen Wortmeldungen formuliert die CDU einen Antrag: die Stadtverwaltung wird beauftragt, ein Konzept für die kostenlose Entsorgung von Windeln (auch für Inkontinenz-Patienten) unter Berücksichtigung der Müllvermeidung zu entwickeln und die Auswirkungen auf den städtischen Haushalt offen zu prüfen.

Der Antrag wird einstimmig angenommen.

Außerdem auf der Tagesordnung:

Waldzustandsbericht: Wie berichtet legten die Förster des Landesbetriebs Wald und Holz sowie des Holzkontors dar, wie schlecht es dem Wald in Bergisch Gladbach gehe; die Fichten sind so gut wie verschwunden, und auch Eichen und Buchen setzt das Klima zu.

Innerhalb der nächsten zwei Wochen solle der Verein „Rettet den heimischen Wald“ gegründet werden, um alle Akteure zu bündeln und private Spenden für eine Aufforstung zu mobilisieren. Darauf setzt auch die Stadtverwaltung große Hoffnungen.

Die Präsentationen der Förster finden Sie im Ratsinfo-System.

Öffentliche Toiletten: Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, eine Bestandsaufnahme über die Zahl und den Zustand öffentlich zugänglicher Toiletten zu machen, als Basis für eine Beratung über die Sanierung und den Bau weiterer Anlagen. Zudem sollen private Einrichtungen ermuntert werden, ihre Toiletten zugänglich zu machen.

Dokumentation: Antrag der Grünen zur Anschaffung von Lastenrädern für die Stadtreinigung:

Die Stadtratsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN beantragt statt der Neuanschaffung zweier weiterer Heckkipperpritschen zu Testzwecken zwei elektrisch betriebene Lastenräder anzuschaffen, die entsprechend den Bedarfen des Abfallwirtschaftsbetriebs/ der Stadtreinigung umgerüstet werden können. Zudem haben die Entsorgungsbetriebe Bergisch Gladbach (EBGL) gerade beschlossen, zu Testzwecken ein elektrisch betriebenes Pritschenfahrzeug anzuschaffen und dieses entsprechend umzurüsten. Diese Testphasen sollen abgewartet werden, bevor neue Fahrzeuge angeschafft werden. 

Begründung: Transportdienstleistungen müssen nicht mehr zwangsläufig mit klassischen Fahrzeugen erbracht werden. Unter anderen Städten hat die Stadt Freiburg ein Pilotprojekt gestartet, das auch für Bergisch Gladbach Vorbild sein kann.

Dort ersetzen sechs elektrisch betriebene Lastenräder ein Pritschenfahrzeug und sparen damit jährlich 2,2 Tonnen CO 2 ein. Sie wurden dafür umgerüstet, damit sie genau für die Reinigungsarbeiten ausgelegt sind. Sie sind überdacht und haben alle notwendigen Reinigungsutensilien an Bord. Mit ihnen kann wesentlich effizienter und zielgerichteter gearbeitet werden. Im Betrieb entstehen deutlich weniger Lärmemissionen im Vergleich zu herkömmlichen Heckkipperpritschen. Durch ihren vorhandenen Laderaum ist es problemlos möglich, den Abfall direkt aufzunehmen. Dabei werden unnötige Wege vermieden. An Übergabeplätzen wird der Abfall dann auf Pritschenfahrzeuge geladen, die in Zukunft ebenfalls elektrisch betrieben werden sollten. 

Ein elektrisch betriebenes Lastenrad kostet ca. € 17.000,-  

Sollten sich diese Erprobungen bewähren, kann daraus ein Gesamtkonzept für eine emissionsfreie Stadtteilreinigung entstehen. 

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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28 Kommentare

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  1. Gut, dass Herr Watzlawek den Grünen-Antrag sogar in Grün noch einmal angelegt hat.
    Mir stellt sich die Frage, ob es beim Antrag der Grünen um ein wissenschaftliches Wissens-Defizit oder um Ideologie geht. Die angeblich „eingesparten 2,2 Tonnen“ CO2 für die Lastenfahrräder entstehen aus unvollständigen Klimabilanzen. Es ist die gleiche CO2-Bilanz-Optimierung wie bei der E-Mobilität:
    Da die 1,5 Grad Temperaturerhöhung eine CO2 Erhöhung um etwa 80 ppm CO2 Zunahme bedeuten, besteht der ehrliche Klimaschutz darin, dass dieses Budget möglichst wenig belastet wird, denn es gibt keine Gutschrift oder einen Return of Investment. CO2 verschwindet in den nächsten 50 Jahren nicht. Die scheinbar klimarettende 3er Koalition unterschlägt wissentlich oder unwissentlich u.a. die realen CO2 Fußabdrücke des deutschen Stroms und die CO2-Fußabdrücke der Herstellung der Infrastruktur. Eine aktuelle Deutsche Bank Studie zeigt auf, dass wir auf die bisherige Weise, keinesfalls die Klimaziele erreichen werden.
    Für diejenigen, die an validierten und ehrlichen Fakten zur Klimafreundlichkeit von E-Fahrzeugen und solche mit fossilen Verbrennungsmotoren interessiert sind, anbei ein aktueller Literatur-Link, der von 171 Wissenschaftlern erarbeitet wurden:
    https://www.c-c-netzwerk.ch/wissenschaftler-kritisieren-rechenfehler-bei-e-autos-teil-2/
    Darüber lesen Sie in iGL, Stadt Anzeiger oder FAZ wenig bis nichts. Warum eigentlich? Es ist doch auch ein wichtiges, regionales oder städtischen Thema.
    Nun muss man wissen, dass Verbrenner mit CO2-verminderten oder -neutralen eFuels betrieben werden können. Der Antrag der CDU ist gestellt, dass die 200 städtischen Fahrzeuge z.B. auf verfügbaren Bio-Sprit umgestellt werden. Mal sehen, wie klimafreundlich die 3er Koalition in der Realität agiert. Denn wie im Fall der Lastenfahrräder belastet der CO2-Fußabdruck der Herstellung der Neufahrzeuge das CO2-Budget und muss angerechnet werden.
    Wer an weiterer Literatur und Fakten interessiert ist, der schreibe bitte dem Arbeitskreis Nachhaltigkeit in der GL-CDU eine Email (über info@wmc-d.de).

  2. Ach ja, der Klimaschutz. Das ist natürlich ein unschlagbares Argument. Dies gläubig vorgetragen schafft natürlich viele Anhänger. Wie kommen sie darauf die CDU oder welche Partei auch immer würden nichts für Klimaschutz tun. Jeder Hausbesitzer ist darauf bedacht das Grün auf seinem Grund und Boden zu pflegen. Die Grünpflege ist keinesfalls eine Domäne von Bündnis 90. Wenn Sie davon nicht überzeugt sind, dann lade ich Sie gerne mal zu einer Tasse Kaffee ein. Soviel Grün haben Sie wohl kaum schon mal auf einem Grundstück gesehen und ich bin kein Grüner.

  3. Diese Fahrzeuge haben einen Motor.

    Und wie kommen Sie darauf, dass es um Einsparungen geht? Hier geht es um aktiven Klimaschutz. Und nebenbei hat die Stadt hier einen Vorbildfunktion. Jahrelang – unter CDU-Regierung wurde hier kaum etwas gemacht. Umso schöner, dass die Ampel nun Projekte auf vielen Ebenen umsetzt.

  4. Ich danke für die Stellungnahmen. Jede Woche kann ich die zuverlässige Arbeit der Stadtbeschäftigten aus dem Fenster beobachten. Für mich ist ein Lastenrad für diese Tätigkeit eine Last. Einsparungen auf dem Buckel dieser Menschen lehne ich ab.

  5. Nochmal zur Klarstellung: Es geht hier nicht um offene Lastenräder, sondern um vierrädrige Gefährte mit Fahrerkabine und Kastenaufbau. Die 2-3 Tage mit Schnee und Glatteis, die es noch gibt, sind zum draußen Arbeiten suboptimal – das ist allerdings völlig unabhängig vom benutzten Fahrzeug.

  6. Die Tage mit Eis, Schnee und Co sind gezählt und an einer Hand abzählbar. Und ein Jahr hat 365 Tage.

    Der Einsatz von E-Bikes hat sich in vielen anderen Metropolen als sinnvoll herausgestellt (wertvolle Erfahrungswerte, auf die somit zurückgegriffen werden kann). Wenn übrigens mal alles zufriert, haben auch die Blechkisten auf der Straße so ihre Probleme. Beste Grüße Brings

  7. Na ja, man kann ja mal den Versuch mit den umgerüsteten E- Bikes versuchen. Nun wäre es sinnvoll, wenn die Grünen in diesem Winter bei Eis, Schnee, Sturm und Hagel selbst einfahren würde. Ich bin gespannt was die Klima Hysterie noch alles mit den infizierten Bürgern zustande bringt. Mein Gott, wir hatten doch bisher den Erfordernissen angepasst ein durchaus brauchbares System. Das ist doch einfach für das städtische Personal unzumutbar. Ich halte das Ganze für einen rücksichtslosen Unsinn.

  8. Was sagen denn die städtischen Mitarbeiter, wenn sie künftig anstatt mit dem Auto ihre Werkzeuge transportieren dies künftig mit dem Fahrrad tun? Und würden die entstehenden Kosten für das Hin- und Herfahren der Mitarbeiter zwischen Einsatzort und Entsorgungsort berechnet? Gibt es einen Regenschutz für die Fahrer?

  9. @Mehmet Schreiner:

    Ein interessantes Zitat – aber ist Ihnen nicht beim Schreiben aufgefallen, dass das so nicht stimmen kann? Plausibilitätsprüfung: In einem Pritschenwagen sitzen idR zwei Personen – sechs Lastenräder benötigen hingegen sechs Fahrer:innen. Welche Verwaltung würde sechs Angestellte bezahlen, wenn zwei dieselbe Arbeit machen könnten? Die Kosten für die Anschaffung sind da geradezu vernachlässigbar.

    Von der Zuladung her mag die Relation stimmen – aber ein Pritschenwagen kann nur an einem Ort sein, während sechs Lastenräder in verschiedenen Stadtteilen gleichzeitig im Einsatz sein können.

    @ Rolf Havermann: Es ist ja Ihr gutes Recht, gegen alles und jedes zu sein & jede Veränderung von vornherein abzulehnen. Aber es wäre für die Diskussion hilfreich, wenn Sie sich vorher wenigstens rudimentär informierten. :-)

  10. Mit „wir machen weiter so wie bisher“ kommen wir nicht mehr weiter …. also neue Wege ausprobieren – und bevor man sich über „die Teile“ lächerlich macht, lieber mal anschauen, kurz innehalten und überlegen ob das nicht auch ein durchaus praktikables und erprobenswertes nachhaltiges Projekt werden könnte.
    Ob die Teile nun mehr Fahrrad oder mehr e-Fahrzeug sind, mag Ansichtssache sein. Tatsache ist: sie können beides.
    Und worüber Herr Havermann sich beschwert verstehe ich nicht:
    spricht man von umgebauten Lastenrädern, versucht man die Initiative durch falsche Darstellungen lächerlich zu machen. Merkt man dann, dass sich dahinter doch recht brauchbare Fahrzeuge verbergen, kommt die Kehrtwende und die Grünen werden als Lügner dargestellt, weil die umgebauten Lastenräder E-Fahrzeuge seien. Ja, was denn nun? Zu groß oder zu klein, zu viel oder zu wenig „E“ oder vielleicht doch passend und durchaus innovativ es damit auszuprobieren? Schließlich hat niemand vorgeschlagen, damit direkt auf einen Schlag den gesamten Fuhrpark auszutauschen, sondern gerade mal zwei Loadster/CitKars/Gässleflitzer oder wie immer wir sie hier in GL nennen wollen anzuschaffen.

  11. Aus dem Antrag der Grünen:
    „Dort ersetzen sechs elektrisch betriebene Lastenräder ein Pritschenfahrzeug und sparen damit jährlich 2,2 Tonnen CO 2 ein. “
    6x 17.000 EUR = 102.000 EUR für den Ersatz eines Fahrzeuges, was laut Verwaltung 70.000 EUR (hoch angesetzt) kostet, um 2,2 Tonnen CO2 einzusparen?

    Wo liegt der Preis für die Tonne Co2 aktuell? Bei 50 EUR?
    Vielleicht sollte man die Pritsche kaufen und für die 32.000 EUR für viele Jahre das grüne Gewissen beruhigen.

    Nennt sich greenwashing und funktioniert bei vielen Unternehmen doch hervorragend ;)

  12. Herr Havermann,
    einfach einmal nichts schreiben statt Fehlinformationen zu verbreiten und die Partei der Grünen damit zu verunglimpfen stünden Ihnen gut zu Gesicht.

    In Freiburg sind E-Lastenräder der Firm Citkar im Einsatz. Diese sind als Fahrräder deklariert und werden vom Hersteller selber als Elektro-Lastenräder bezeichnet.

    https://citkar.com/de/citkar-loadster-freiburg

  13. Zumal sich die Frage stellt, ist das Waschen (Ich würde mal sagen mindestens 60 Grad), Waschmittel etc. am Ende viel Umweltfreundlicher als eine gekaufte Pampers.

    Ich weis es nicht, ich fande die Pampers super und jeder der die für die Kinder kaufen möchte soll es tun.

  14. DIE VON MIR GENUTZTEN FORMULIERUNGEN GELTEN UNABHÄNGIG VON DER WORTWAHL FÜR BEIDE GESCHLECHTER UND ANDERE!

    Bergisch Gladbach verfügt augenscheinlich über eine Reihe gebildeter Bürger, deren Kommentare an das Politik Forum Paffrath erinnern, wo stark angeregt wurde, Politik und Verwaltung Bürger an die Seite zu stellen, um sachliche und Arbeitszeitdefizite zu mindern. Allerdings ist auch manchmal der umweltverbrämte Wunsch der Vater des Gedanken.

    Die Idee, Lastenräder anstelle von Kleintransportern für die Entsorgung der städtischen Müllbehälter zu setzen, ist geradezu niedlich und entstammt wohl der Lektüre „Pippi Langstrumpf“. Mich würde auch interessieren, wer solche Drahtesel für € 17.000,00/Stück anbietet, was ich für unverschämt halte. Der Spruch von Herrn Ebert wird ihm auf die Füße fallen – selten unangebracht.

    Die Behauptung der Grünen, in Freiburg würden „umgebaute Lastenräder“ eingesetzt, stimmt nicht. Es sind E-Fahrzeuge mit Fahrerkabine und großem Kofferaufsatz. Die als Lastenräder zu bezeichnen gleicht der Behauptung, die Erde wäre eine Scheibe. Die ganze Begründung des Antrags der Grünen wimmelt von Fehlbeschreibungen, Unterlassungen und Halbwahrheiten. Das ist keine politische Aussage, das ist Wunschdenken im schlimmen Format.

    Kaffeesatz lesen hilft aber auch nicht, wenn da gemutmaßt wird, in 2 Jahren gäbe es „dass“ Angebot für Bergisch Gladbach. Und zu behaupten, alles wäre besser als Verbrennungsmotoren und deswegen eine Umweltbilanz zu bemühen, verkennt die Probleme, die mit den tollen Batterien in den so herbei gewünschten E-Autos vorprogrammiert sind und jede Umweltbilanz beherrschen. Diese Probleme, die wir bisher nicht hatten, mit den Entsorgungsproblemen aller technischen Geräte gleichzusetzen, ist blauäugig und, wenn bewusst gesetzt, polemisch und unsachgemäß. Übrigens laufen so viele Behauptungen in den Kommentaren durcheinander, dass man bitten möchte, nur das zu schreiben, was der Autor wirklich weiß und nicht, was er gehört haben mag.

    Es mag ja Vorteile haben, Mehrfachwindeln zu nutzen. Das kann aber nur von Müttern kommen, die Zeit haben, diese Tücher immer wieder zu waschen und zu bügeln, den Kindern zumuten, auch mal in ihren eigenen Absonderungen zu liegen, oder, um das zu verhindern, alle 2 Stunden aufstehen, um pro forma die Tücher zu wechseln. Man sollte es jeder Mutter überlassen, wie sie ihr Kind behandelt. Außerdem tragen auch viel ältere Erwachsene Windelhosen. Wer wickelt die denn? Die Entsorgung der Kunst-Windeln müsste auch ohne Rückfall in frühere Zeiten gut und umweltfreundlich zu bewerkstelligen sein.

  15. Die Formulierung „…einfach mal auf den Kopf hauen“ ist nicht sehr geschickt gewählt.
    Tatsächlich geht es um ca. 30 Cent pro Einwohner:in – im Vergleich zu anderen städtischen Ausgabenposten ein sehr überschaubarer Betrag für eine Anschaffung, die sich in anderen Städten bereits bewährt.

    @Aurelia – Sehr gute Idee; das wäre etwas für einen Bürger:innenantrag an den Ausschuss für Anregungen und Beschwerden!

    Herr Maus – ich freue mich, dass Sie auf diese Erkenntnis gekommen sind.
    Das entspricht inhaltlich dem, was die Klimabewegung seit vielen Jahren sagt: Wir müssen *jetzt* substantiell reduzieren, statt (nur) über Reduktionsziele für die ferne Zukunft zu streiten. Dazu müssen alle Bereiche auf mögliche Emissions-Minderungen hin untersucht werden, was auch bedeutet, die Sinnhaftigkeit jeder Investition (auch zum jetzigen Zeitpunkt) grundsätzlich zu hinterfragen. Gerade neue Infrastruktur wird üblicherweise für lange Betriebszeiträume geplant, daher sollte zweimal hingeschaut werden, ob sie in einer klimaneutralen Zukunft noch zeitgemäß ist – Stichworte Braunkohle, Gasterminals und -pipelines, Autobahnen.

    Nur einen Punkt sehe ich etwas anders: Das ‚funktionale Optimum‘ von Mobilitätsoptionen ist entscheidend, damit diese von den Nutzer:innen auch angenommen werden. Vor 60 Jahren mag es normal gewesen sein, dass der Bus auf dem Dorf nur ale 2 Stunden fuhr – heute sind die Ansprüche andere, und dem muss auch eine moderne, klimafreundliche Mobilität Rechnung tragen, etwa mit (autonomen?) on-demand-Kleinbussen.

  16. @Klaus Wagner: die Fahrzeuge, die in Freiburg eingesetzt werden und hier wohl zur Disposition stehen, sind tatsächlich „Pedelecs“ und keine reinen e-Kleinstwagen.
    Als erster Kommentar hier (von Herrn Schreiner) findet sich ein Link zu einem (kostenpflichtigen) entsprechenden Artikel. Es handelt sich um den sog. „Loadster“, der bei einer Berliner Firma gefertigt wird.
    Kann / könnte man aber auch erst einmal 4 Wochen mieten / testen, bevor man sie kauft…
    Infos: https://citkar.com/de/

  17. Zunächst ein Kompliment an Herrn Watzlawek, der die fachliche bis ideologische Diskussion im AUISO um den richtigen Weg des Klimaschutzes mit Lastenfahrrädern und/oder CO2-reduzierten Kraftstoffen journalistisch neutral wiedergegeben hat.

    Bei der Diskussion lassen wir am besten die Fakten für den optimal einzuschlagenden Weg wirken, die eine bislang politisch und in den Medien wenig beachtete logische Kette darstellt. In der seriösen Wissenschaft ist Nachfolgendes inzwischen ausreichend validiert. Und davon sollte sich unser Handeln in der Stadt ableiten:
    1.) die Begrenzung der Temperaturerhöhung bis 2050 auf möglichst 1,5 Grad C hängt ursächlich von dem CO2-Gehalt 2050 in der Luft ab. Dies ist heute ca 420 ppm (CO2-Anteile pro Million) CO2 und sollte bis 2050 unter 500 ppm bleiben.
    2.) Wir haben daher nur noch ein CO2-Budget von etwa 70 ppm zur Verfügung.
    3.) Entsprechend müssen alle vermeidbaren CO2-Fußabdrücke verhindert werden, da CO2 in dem verbleibenden Zeitraum CO2 nicht wesentlich abgebaut werden kann und es somit KEIN „Return of Investment“ gibt.
    4.) Entsprechend müssen sämtliche CO2-Fußabdrücke im Vergleich bilanziert werden.

    Konklusionen:
    A.) Bei einer erfoderlichen Neuanschaffung von Fahrzeugen MÜSSEN daher, wenn man Klimaschutz ernsthaft und erfolgreich betreiben will, die Gesamtbilanz sämtlicher CO2-Fußabdrücke aufaddiert werden: a) Herstellung, b) Betrieb, c) Recycling UND d) Errichtung neuer Infrastruktur.
    -> Ohne eine solche ehrliche Klimabilanz sollte daher zukünftig keine Entscheidung mehr in den Ausschüssen möglich sein. Ideologie und Meinungen müssen bei dem emminent wichtigen Klimathemen außen vor bleiben.

    B.) Die gleiche wissenschaftliche und CO2-bilanztechnische Ehrlichkeit ist bei der Nutzung vorhandener und neuer Fahrzeuge mit Batterie- Wasserstoff, Brennstoffzellen- oder Verbrennungsmotoren zu leisten:
    -> Neufahrzeuge sind wegen des Herstellungs-CO2-Fußabdrucks möglichst lange zu vermeiden.
    -> Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen sind dabei sekundär; Klimaschutz und CO2-Füßabdrücke sind primäre Kriterien.
    -> neue energieliefernde Infrastruktur ist zu vermeiden. Entgegen der bislang vornehmlich vertretenen politischen und medialen Meinungen, ist dies ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz.

    Die Bewertung des optimalen klimafreundlichen Energieträgers sollte ebenfalls objektiv bewertet werden. Ohne direkt einige hier veröffentlichte Beiträge wegen deren fachlichem Korrekturbedarf anzusprechen, sollten wir die UN-Nachhaltigkeitsriterien beachten, welche die GL-CDU als „Nachhaltige Soziale Marktwirtschaft“ verfolgt:
    1. Priorität: Möglichst umgehend und zunehmend CO2 neutral (der CDU Mobilitätsantrag ist „nur“ ein erster Schritt)
    2. Priorität: Die Energie muss möglichst kostengünstig sein
    3. Priorität: Die Energie soll gerade bei der Mobilität darüber hinaus ein funktionales Optimum bieten.

    Ich freue mich auf eine sachlich Diskussion.
    Mit freundlichen Grüßen
    Wolfgang Maus — Mitglied für die CDU im Ausschuss ASM

  18. Herr Andreas Ebert,
    ich glaube, Sie haben da mit den 34.000 Euro eine unglückliche Formulierung gewählt. Das klingt (wahrscheinlich unbeabsichtigt) nach Freude, endlich mal das Steuergeld der Bergisch Gladbacher rauszuhauen.

    Die Deutsche Rentenversicherung errechnet u. a. auch das Durchschnittseinkommen der Arbeitnehmer:
    „In 2020 beträgt der Durchschnittsverdienst 40.551 Euro (rund 3.379 Euro / mtl.).“

    Vielleicht denken Sie über Ihre Formulierung noch einmal nach.

    Ich meine, man sollte von einem Sozialdemokraten eine etwas bodenständigere Formulierung / Denkweise erwarten dürfen.

  19. E-Cars gibt es schon ab ca 30.000 €. Nur diese batteriebetriebenen drei-o. vierräderige Kleinfahrzeuge machen Sinn für diesen Einsatzzweck. Lastenfahrräder dienten nur der körperlichen Ertüchtigung der Verwaltungsangestellten (auch ein Ziel ?), weil nach Leerung von zwei Papierkörben wieder zur Basis zurückgeradelt werden müsste. Aber 34.000€ für zwei ungeeignete Lastenfahrräder kann man nach SPD-Experten ja einfach einmal „auf den Kopf hauen“. In Freiburg werden für diesen Zweck keine Lastenfahrräder sondern Elektro-Kleinfahrzeuge eingesetzt.

  20. Bergisch Gladbach und Klimaneutral – so etwas wird man wohl nie lesen.
    Wie wäre es Familien mit Neugeborenen zu unterstützen in dem man ihnen eine Förderung bei der Anschaffung von Stoffwindeln in Aussicht stellt? Machen deutschlandweit schon einige Städte….

  21. @Mehmet Schreiner

    Überschüssiger EE-Strom sollte zur Herstellung von Wasserstoff genutzt werden – für Anwendungen, die sich nicht oder nur sehr schwer elektrifizieren lassen, etwa die Stahl- und die Düngerproduktion.

    Um Autos und LKW zu betanken, reicht die Strommenge bei weitem nicht, daher ist das keine irgendwie realistische Perspektive. Auch nicht für eine Übergangszeit: Der Austausch der PKW-Flotte geht wesentlich schneller als der Aufbau einer e-fuels-Produktion in der nötigen Größenordnung. Und wenn dieser Übergang vorbei ist, was sollte dann mit den gerade gebauten Großanlagen passieren?

    E-fuels sind sinnvoll für bestimmte kleine Nischen, wo es auf Kosten bzw. Effizienz nicht so ankommt – etwa Rettungshubschrauber oder Notstromaggregate. Für den Massenmarkt sind sie genauso ungeeignet wie Agrosprit oder Brennstoffzelle.

    Länger als der Austausch der Autoflotte dürfte der der heutigen Gasheizungen dauern. Sollte es also tatsächlich EE-Strom im Überfluss geben, würde damit wohl neben Wasserstoff auch Methan produziert, um Erdgas zu ersetzen.

  22. @ U. Kleinert,

    synthetische Kraftstoffe lohnen als Übergang.
    Anstatt den überschüssigen Strom an die Nachbarn zu verschenken können wir diesen dafür teilweise nutzen.

    Der große Vorteil ist aber die vorhandene Infrastruktur und die 50.000.000 zugelassenen Fahrzeuge.

    CO2-neutraler Kraftstoff ist für die Übergangsphase die beste Lösung.
    Langfristig könnte man hier mit Kernenergie und EE eine perfekte CO2-neutrale Mischung hinbekommen, die den Bürger nicht drangsaliert.
    Oder meinen Sie, dass innerhalb von ein paar Jahren alle Autos sowie LKW ausgetauscht werden und die Autobahnen mit Oberleitungen versehen sind?

    Was ist mit ausländischen LKW für den Warentransport oder Urlaubsreisenden.

    Einen Vorteil haben E-Autos aber, sie werden nur selten für den Ostblock geklaut.

  23. Weiß nicht wo das Problem ist, jeder Familie bis das Kind 12 oder 24 Monate alt ist jeden Monat eine Restmülltüte zur Verfügung zu stellen.

  24. In einigen Kommunen gibt es einen Abfallgebühren-Zuschuss, wenn man statt Wegwerfwindeln zu benutzen stoffwickelt. Vielleicht wäre das ein Anreiz. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, nein, es ist nicht kompliziert und nein, es ist nicht eklig.

  25. Ergänzung: Was die CDU über ‚klimafreundliche Mobilität‘ erzählt, ist einfach nur zum Fremdschämen.
    Synthetische Kraftstoffe sind extrem energieintensiv, brauchen etwa 5x soviel Strom wie batterieelektrische Antriebe – sie sind nur dort eine Option, wo Batterie oder Oberleitung nicht in Frage kommen (z.B. Rettungshubschrauber). Dass auch Batterien und e-Motoren Rohstoffe benötigen, deren Abbau die Umwelt schädigt, ist zwar richtig, aber das gilt für jedes technische Gerät – und unterm Strich ist es deutlich weniger als bei Verbrennern.

  26. „Zur Zeit“ gebe es keine geeigneten Angebote auf dem Markt – das kann sich sehr schnell ändern, so eifrig wie derzeit alle Hersteller in die Umstellung auf e-Antriebe investieren. Die Stadt täte gut daran, noch 1-2 Jahre mit den vorhandenen Fahrzeugen zu arbeiten in der Erwartung, dass es dann ‚geeignete Angebote‘ geben wird. Vieles lässt sich auch mit e-Lastenrädern machen – wenngleich nicht alles, das ist klar.

    Die Diskussion über ‚Windelberge‘ wundert mich etwas. Werden tatsächlich heute noch so viele Einwegwindeln benutzt? Wir sind doch nicht mehr in den 60ern, als Müll und Umweltzerstörung kein Thema waren…

  27. Also für den Spruch:
    „34.000 Euro sind ein überschaubarer Betrag, die sollten wir jetzt einfach mal auf den Kopf hauen.“
    Sollte man den Herrn zurechtweisen. Das sind nicht Gelder, die vom Himmel fallen. Bitte versucht mindestens so zu tun, als würdet Ihr mit Steuergelder Verantwortungsvoll umgehen.