Diese Eiche wurde gefällt, um die Garage dahinter zugänglich zu machen. Foto: privat

Am Dienstag tagt zum ersten Mal seit vier Monaten ein Fachausschuss des Stadtrats, es geht um Infrastruktur, Sicherheit, Ordnung – und vor allem um die Umwelt. So stellt die Stadt ihre Planung für eine Überarbeitung der Baumschutzsatzung vor und informiert über Blühwiesen. Zwei Förster berichten, wie es um den Wald in Bergisch Gladbach steht. Zudem geht es um den Klimaschutzmanager, der ersetzt werden muss.

Aus Sorge vor weiteren Corona-Infektionen hatten die jeweiligen Vorsitzenden im März und April die Sitzungen aller Fachausschüsse abgesagt, an diesem Dienstag beginnt mit dem Ausschuss für Infrastruktur, Umwelt, Sicherheit und Ordnung (AIUSO) ein neuer Sitzungszyklus, bis zur Ratssitzung am 1. Juli stehen elf Termin auf dem Sitzungskalender.

Die Verwaltung war in der Zwischenzeit nicht untätig, das zeigt schon ein Blick auf die Tagesordnung des AIUSO. Es geht mal wieder um das Abwasserbeseitigungskonzept, um die „Entlastung der Kläranlage durch die Auffindung und Beseitigung von Fremd- und Fehleinleitungen mittels verteilter Temperaturmessung“, um die Sauberkeit in der Fußgängerzone  – und immer wieder um das Schwerpunktthema des Ampelbündnisses, der Umwelt.

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Auf dem Weg zum Baumschutz 2.1

So soll die erst im Oktober neu in Kraft gesetzte Baumschutzsatzung rasch gründlich überarbeitet werden; unter dem Titel BSS 2.1 strebt Christian Nollen, der sehr aktive Leiter der städtischen Abteilung Stadtgrün, einen Prozess mit breiter Bürgerbeteiligung an.

Zwar sei der Zeitplan schon in der ersten Jahreshälfte aus dem Ruder gelaufen, aber noch in diesem Jahr soll der „Zielfindungsprozess“ innerhalb der Verwaltung und gemeinsam mit dem Stadtrat abgeschlossen sein. Der Beteiligungsprozess sollte noch in diesem Jahr anlaufen, aber das erscheint inzwischen fraglich.

Zur Verzögerung habe auch beigetragen, so steht es in Nollens Vorlage, dass die Baumschutzsatzung 2.0 vom Oktober 2020 trotz einiger Defizit wirkt: Statt sich um strategische Vorarbeiten kümmern zu können mussten Nollens Mitarbeiter Bäume retten. Zudem hatte Bürgermeister Frank Stein nach der Fällung einer mächtigen Eiche in der Thorner Straße die Rettung ortsbildprägender Bäume zur Chefsache erklärt.

Auch die Satzung 2.0 verzeichnet Erfolge, auch wenn über gerettete Bäume selten berichtet wird, betont Nollen in der Vorlage: „Ein gemeinsam mit den Eigentümern erhaltener Baum ist ein Erfolg und er – der Baum – ist auch weiterhin im Stadtbild sichtbar und stadtökologisch wirksam. Dieser Erfolg ist jedoch nicht auf gleiche Weise wahrnehmbar, wie ein plötzlich gefällter Baum.“

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Bei Bauvorhaben könnten „bei umsichtigerer Planung oder leichten Anpassungen“ viele Bäume erhalten werden, ohne das Eigentum oder die Baumgesundheit unangemessen zu beeinträchtigen.

Immerhin seien zwischen Oktober 2020 und Februar 2021 135 Anträge auf Baumfällungen gestellt worden. Davon seien 16 abgelehnt und fünf nach Beratungen durch Stadtgrün zurück gezogen worden. In 15 Fällen wurden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Die gesamte Vorlage zur Baumschutzsatzung mit vielen Detailsinfos finden Sie hier.

Aktive und Unterstützer von „Blühendes GL“ legen mit Hilfe der Bethe-Stiftung eine Blühwiese an. Foto. Thomas Merkenich

Mehr blühende Wiesen

Die Anlage weiterer Wildblumenwiesen auf städtischem Grund ist ein weiteres zentrales Anliegen von Stadtgrün – um einen Beitrag gegen den Artenschwund bei Insekten zu leisten. Viele geplante Maßnahmen könnten jetzt endlich umgesetzt werden, weil die zusätzlichen Stellen im Bereich Stadtklimaveränderung jetzt besetzt werden konnten.

Hintergrund: Klimaschutzmanager abgängig. Der erst im Oktober angetretene Klimaschutzmanager Alexander Woywode hat die Stadtverwaltung schon wieder verlassen. „Aus privaten Gründen“, erklärt die Stadt auf Anfrage. Die Stelle soll nach Angaben des neuen Umweltdezernenten Ragnar Migenda so schnell wie möglich neu besetzt werden, um die Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes rasch voran zu treiben. Für die Ausschusssitzung liegt zwar ein Antrag der AfD vor, diese Stelle zwei Jahre lang nicht neu zu besetzen, aber das ist wohl nur eine Randnotiz.

Dabei nehme Stadtgrün auch Rücksicht auf andere Nutzungen, und auf das sogenannte Pflegebild. Die artenreichen Wiesengesellschaften, so die Vorlage, „werden so angelegt, dass die Stadtökologie gefördert wird, ohne aber die bisherigen und zukünftigen Nutzungsweisen der öffentlichen Grünflächen einzuschränken.“ Liegewiesen, Bewe- gungsflächen, Flächen mit gestalterischem Anspruch oder häufig frequentierte Flächen bleiben Rasenflächen.

Bereits im vergangenen Jahr wurden im neuen Bensberger Stadtgarten Blumenwiesen angelegt, auf einer Fläche von 3.500 Quadratmeter – das sind umgerechnet ca. 275 PKW-Stellplätze. Auch beim geplanten Mehrgenerationenpark in Refrath wird es Blühwiesen geben.

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Für dieses Frühjahr standen weitere 17 Flächen mit einer Größe von insgesamt 13.500 Quadratmetern zur Umwandlung an, mit Hilfe einer speziellen Samenmischung namens „Bergisches Blütenmeer‘. Dazu gehören u.a. im Herrmann-Löns-Viertel eine Fläche von 3.000 Qudratmetern, in Kooperation mit der Initiative ‚Blühendes GL‘ des Bienenzuchtvereins, sowie eine Wiese am Mühlenteich in Herrenstunden.

Die gesamte Vorlage mit vielen grundlegenden Infos zum Thema Blühwiesen finden Sie hier.

Unübersehbar: Die Folgen der Klimaveränderung im heimischen Wald. Foto: Klaus Hansen

Wie es unserem Wald geht

Deutlich weniger erfreulich werden aller Voraussicht nach zwei Vorträge der Förster Raik Gröning (Landesbetrieb Wald und Holz NRW) und Nils Horn (Holzkontor Rhein-Berg-Siegerland) zum Zustand des Waldes in Bergisch Gladbach.

Immerhin 21 Prozent der 3217 Hektar Wald auf dem nur 8.300 Hektar großen Stadtgebiets waren Fichten – von denen nur noch wenig übrig ist. Aber auch den Eichen und Buchen geht es offenbar nicht gut.

Eine Vorlage, die bereits im Ratsinfosystem abrufbar ist, lässt wenig Zweifel daran, dass darfür der Klimawandel und der davon begünstigte Borkenkäfer verantwortlich sind.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Lassen wir uns überraschen, was die Stadt in Zukunft zum Thema Biodiversität machen wird. Jede Blüte zählt ! Wir helfen allen, die etwas tun wollen, mit autochthonem Saatgut und bienenfreundlichen Pflanzen. http://www.bluehendes-GL.de