Der Blick auf die Wiese von der Straße „Am Fürstenbrünnchen". Sie wird rechts von der Straße „Pützchen" begrenzt, dahinter liegt der Anger.

Kita-Plätze werden in Lückerath und Bensberg dringend gesucht. Daher freute sich das Jugendamt über die Nachricht, ein städtisches Grundstück am Lückerather Anger sei nun doch für einen Kita-Neubau geeignet. Schnell wurde ein Plan entwickelt und dem zuständigen Ausschuss vorgelegt. Dabei hat der Fachbereich jedoch einige Interessenskonflikte unterschätzt.

Intensiv sucht die Stadt seit Jahren nach Grundstücken für neue Kindergärten; alleine in Lückerath, Bensberg, Bockenberg und Kaule fehlen mehr als 150 Plätze. Immer wieder hatte das Jugendamt die städtischen Flächen abklopfen lassen, ohne Erfolg.

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Daher wurde es im Frühjahr überrascht, als das Bauordnungsamt mitteilte, dass auf einem Grundstück an der Kreuzung Am Fürstenbrünnchen / Pützchen eine Bebauung rechtlich möglich sei, berichtete Fachbereichsleiterin Sabine Hellwig am Donnerstag im Jugendhilfeausschuss.

Ein erstes Konzept für die Kita „Am Pützchen“ mit 76 Plätzen in vier Gruppen, die ab dem Kindergartenjahr 2022 / 2023 in Betrieb gehen könnte, war rasch geschrieben – und als Beschlussvorlage für den Ausschuss verschickt worden.

Auf das Grundstück geht die Vorlage nicht weiter ein, beigefügt ist lediglich ein Karten-Ausschnitt, der aus Google Maps herauskopiert worden war.

Die Lenawiese – und der Wildbienenpark

Dennoch war (nicht nur) Ortskennern sofort klar, um welche Wiese es sich handelt: Um die „Lenawiese”, die von der Initiative „Blühendes GL” unter Leitung von Markus Bollen mit großen Aufwand und viel prominenter Unterstützung in einen mehrfach ausgezeichneten Wildbienenpark umgewandelt worden war. Noch im Winter hatte die Initiative mit Hilfe des Lückerather Bürgervereins Wildrosen nachgepflanzt.

Von „Irritationen” sprach im Jugendhilfeausschuss am Donnerstag u.a. die Vorsitzende Mechthild Münzer, die als Lückeratherin des Gelände direkt neben dem Lückerather Anger gut kennt.

Für die Grünen kritisierte Theresia Meinhardt die Informationspolitik der Stadtverwaltung und äußerte Bedenken. Im Flächennutzungsplan-Verfahren sei das Gelände als nicht bebaubar deklariert worden – und jetzt fehle jede Abwägung, wie sich eine Teilversiegelung der Fläche auf das lokale Klima auswirken würde. Ein Erfordernis, zu der sich der Stadtrat mit dem „Climate-Emergency-Beschluss” klar verpflichtet habe.

Schadensbegrenzung

Fachbereichsleiterin Hellwig und Frank Stein, der als Dezernent für den Fachbereich zuständig ist, versuchten, die Wogen zu glätten und offene Fragen zu beantworten.

Bebaut werden solle lediglich ein Streifen der Wiese entlang der Straße „Am Fürstenbrünchen”, bis zur Kreuzung zur Straße „Pützchen”.

Entlang der Straße „Am Fürstenbrünnchen” soll gebaut werden. Links daneben der Anger und die Streuobstwiese.

Dabei handele es sich nach Einschätzung des Bauordnungsamtes um einen Lückenschluss: Das Kita-Gebäude würde die vorhadene Bebauung mit freistehenden Häusern fortsetzen. Dafür sollen 1100 Quadratmeter der 5600 Quadratmeter großen Wiese bebaut werden.

Ein solcher Lückenschluss ist laut §34 Baugesetzbuch auch ohne Bebauungsplan zulässig, wenn sich das Bauprojekt der vorhandenen Bebauung anpasst. Eine Regelung, die bei vielen Projekte der Nachverdichtung in diversen Stadtteilen von privaten Bauherren genutzt wird.

Eine neue Idee aus einer anderen Perspektive

Bislang habe das Bauordnungsamt nur aus der Vogelperspektive des Flächennutzungsplans auf das Grundstück geschaut, erläutert eine Sprecherin der Stadtverwaltung den Hintergrund.

Erst kürzlich sei es bei einer erneuten Prüfung auf die Idee gekommen, nur den Streifen entlang der Straße als Baugrundstück zu prüfen – und sei zu dem positiven Bescheid gekommen.

Die Abwägung: Kinder und/oder Bienen

Stein und Hellwig machten im Ausschuss deutlich, dass der Bau einer dringend benötigten Kita in einer Abwägung deutlich mehr Gewicht habe, als der Erhalt einer Blühwiese.

Sie räumten aber auch ein, dass die Kommunikation nicht glücklich verlaufen sei. Daher schlugen sie vor, den Beschlussvorschlag zu ändern und zunächst eine Runde von Gesprächen mit allen Beteiligten einzuschieben.

Vor allem für die Initiative Blühendes GL und für die Bienen müsse eine Kompensation gefunden werden. Zudem kündigte Stein für die Zeit nach den Sommerferien eine Informationsveranstaltung für die Anwohner an. Und auch die Fragen des Klimaschutzes würden im weiteren Prozess geklärt.

Grundsätzlich zeigten sich damit alle im Jugendhilfeausschuss vertretenen Fraktionen (CDU, SPD, Grüne) einverstanden; auch die Vertreter der freien Träger plädierten für eine Konsenslösung – und einen Kindergarten.

Ein Waldkindergarten statt eines Neubaus?

Für die SPD forderte Brigitte Holz-Schöttler, weitere Alternativen zu prüfen. So wäre das Grundstück ideal für einen weiteren Waldkindergarten mit bis zu 40 Kindern geeignet, der auf Gebäude verzichtet und mit Bauwagen auskomme.

Am Ende der langen Debatte stelle die Verwaltung ihren Beschlussvorschlag zur Abstimmung:

„Der Ausschuss nimmt zur Kenntnis, dass auf dem Grundstück Pützchen/Lückerath nach § 34 BauGB die Errichtung einer Kita zulässig wäre, die zur Bedarfsdeckung im derzeit nicht ausreichend versorgten Bezirk 5, insbesondere der Stadtteile Lückerath / Bensberg / Bockenberg / Kaule, führen würde.

Die Verwaltung wird beauftragt, vor einer vertieften Planung der Kita zunächst Gespräche mit dem Träger des dort angelegten und in der UN-Dekade für biologische Vielfalt ausgezeichneten Wildbienenparks zu führen, um eine gemeinsam getragene Konzeption zu entwickeln, und die zuständigen Gremien über das Ergebnis zu informieren.”

Dem stimmte der Ausschuss einstimmig zu. Die beiden Vertreterinnen der Grünen enthielten sich.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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5 Kommentare

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  1. Wo ist eigentlich das Problem, beide haben doch Platz. Anscheint wissen die Naturschützer nicht warum die Bienenwiese auf die letztmöglichen Bauplätze muss. Fragen Sie doch den Vorsitzenden des Bürgervereins. Der kann es Ihnen sagen. Im übrigen würde ich mir den Einsatz der Grünen im selben Umfang für Kita Plätze für
    Kinder wünschen. Bienen vor Kinder, dass kann doch wohl nicht war sein.

  2. Verraten und verkauft!
    So geht Bürgernähe CDU und Linke halten Kündigung der Lenewiese aufrecht.
    Der gemeinsame Antrag von SPD, FDP und Grüne, die Kündigung zurück zunehmen und gemeinsam mit allen Beteiligten nach einer Lösung zu suchen, wurde abgeschmettert. Schade!

    ##### Hinweis der Redaktion ####

    Mirko Komenda ist Mitglied der SPD-Fraktion und kandidiert erneut für den Stadtrat.

    Am 13. September wird der Stadtrat und der Bürgermeister neu gewählt, der Wahlkampf spiegelt sich auch in unserer Kommentarspalte. Im Sinne der Transparenz kennzeichnen wir die Kommentator:innen, die bei der Wahl antreten oder zu einem Wahlkampfteam gehören – soweit uns bekannt.

  3. Es stimmt mich sehr traurig, dass für die sicherlich notwendige und wünschenswerte Kita ausgerechnet die Lenawiese als Bauplatz ausgewählt wurde. Den Baulückenschluss sehe ich nicht, denn die Bebauung endet ja vor der Wiese. Im Gegenteil: Die Wiese ist im Kontext mit dem Anger zu sehen, zusammen bilden sie eine Grüninsel, die in Zeiten der immer noch zunehmenden Versiegelung von Flächen um so wertvoller ist. Und ausgerechnet ein Vorzeige-Projekt für Wildbienen, mit dem sich die Stadt schmückte, ist jetzt plötzlich wurscht? Vielleicht ist die Idee eines naturnahen Waldkindergartens gar nicht so schlecht. Oder es findet sich doch noch eine andere Lösung.

  4. Ein guter Kompromiss aufgrund der Lage wäre doch ein Waldkindergarten!
    Kinder die einen Waldkindergarten besucht haben, sind schlauer, gesünder und haben ein besseres Sozialverhalten.
    Das belegen viele Studien!

  5. Es ist doch seltsam warum tun wir uns so schwer, wenn es darum geht Kindern Freiräume zu überlassen. Wahrscheinlich würde die Einrichtung eines Schäferhund Vereines weniger Probleme bereiten. Mich stört beides nicht bin aber der Meinung, wenn das Wohl von Kindern gefordert ist hat das Vorrang. Übrigens hat die Kommission welche den Wildblumenpark auszeichnete die Anlage nochmal gesehen.