Foto: Evelyn Barth

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Nachdem das 25jährige Jubiläum der Uraufführung von Gerd J. Pohls „Faust – Geschichte einer Höllenfahrt“ im vergangenen Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen ist, zeigt der Puppenspieler die selten aufgeführte Inszenierung nun im Rahmen des Bergisch Gladbacher Kultursommers. Auf der Dachterrasse des Bergischen Löwen.

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Am Mittwoch, den 8. September 2021 um 20:30 Uhr zeigt Puppenspieler Gerd J. Pohl im Rahmen des Bergisch Gladbacher Kultursommers ein seltenes Puppenspiel für erwachsenes Publikum: „Faust – Geschichte einer Höllenfahrt“. 

Gestützt von zuverlässigen schriftlichen Quellen dürfen wir mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass etwa von 1480 bis 1540 ein Johannes Georg Faust gelebt hat, ein studierter Mediziner und Theologe, der sich jedoch auch durch seine Kenntnisse der Astrologie und Alchimie bekannt gemacht hat.

Auf seinen Reisen kreuz und quer durch Deutschland – seine Spuren finden wir unter anderem in Wittenberg, Erfurt, Ingolstadt, Bamberg und Nürnberg – unterhielt er seine Zeitgenossen durch allerlei gewagte philosophische Spekulationen und verblüffende Zauberkunststücke; eine gefährliche Freizeitbeschäftigung in der Zeit der lodernden Scheiterhaufen, deretwegen er aus mehreren Städten ausgewiesen wurde.

Um 1540 starb dieser historische Faust vermutlich eines gewaltsamen Todes durch Neider oder andere Feinde. Zeitgenössische Berichte sagen indessen, Faust sei eines Nachts – um Mitternacht – „vom Teufel höchstselbst erwürgt und in die ewige Verdammnis geholt worden“.

Es ist nicht verwunderlich, dass eine Gestalt wie Faust, die schon zu Lebzeiten von Geheimnissen und Gerüchten umwoben war, bereits kurz nach ihrem Tod Anlass zu einer großangelegten Legendenbildung war. Im Volksbewusstsein wurde er schnell zum Zauberertypus schlechthin, und schon bald kursierten die ersten, noch in lateinischer Sprache abgefassten Faust-Anekdoten.

Es folgten zahllose Faust-Theaterstücke, von denen „Faust – der Tragödie erster Teil“ von Johann Wolfgang von Goethe natürlich mit Abstand die bekanntesten ist.

Selbstverständlich wurden auch die alten Puppenspieler, deren Betätigungsfeld im 18. und 19. Jahrhundert vor allem die Jahrmärkte und Wirtshaussäle waren, auf den Faust-Stoff aufmerksam und führten die Geschichte mit ihren Marionetten und Handpuppen auf. Bis heute gehören Puppenspiele von Doktor Faust zum Repertoire vieler renommierter Puppenspieler.

Und auch Bergisch Gladbachs Puppenspieler Gerd J. Pohl hat seine eigene Faust-Fassung im Programm. Dabei lehnt er sich an den Handlungsstrang des Bonner Germanisten Karl Simrock von 1846 an, jedoch gibt Pohl die alte Geschichte in seinen eigenen Worten wieder, geht recht frei mit dem überlieferten Figurenensemble um und verzichtet gänzlich auf Versdichtung, ohne dabei den volkstümlichen Charakter zu verletzen.

Das Ergebnis ist ein freches und stellenweise leicht frivoles Puppenspektakel, gewürzt mit reichlich Kasperwitz und einem unübersehbaren Augenzwinkern.

Nachdem das 25jährige Jubiläum der Uraufführung von Pohls „Faust – Geschichte einer Höllenfahrt“ im vergangenen Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen ist, zeigt er die selten aufgeführte Inszenierung nun als besonderen Leckerbissen im Rahmen des Bergisch Gladbacher Kultursommers. 

Und auch der Ort der Veranstaltung ist ein ungewöhnlicher: die Dachterrasse des Bürgerhauses Bergischer Löwe, Konrad-Adenauer-Platz, Bergisch Gladbach. Bei unsicherem Wetter findet die Vorstellung natürlich in einem der Säle statt.

Der Eintritt ist frei, Anmeldungen unter 02202 / 294 618 jedoch unbedingt erforderlich.

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Gerd J. Pohl

*21.10.1970. Puppenspieler, Schauspieler, Autor, Regisseur und Rezitator. Seit 2009 Intendant des Theaters im Puppenpavillon in Bergisch Gladbach (Bensberg). Rheinisch-katholisch, Nichtraucher, Kölschtrinker.

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