Bernd Kämmerling

Mit kongenialen Beethoven-Adaptionen und -Interpretationen hat Jazzpianist Bernd Kämmerling die Galeriekonzerte 2021/2022 eröffnet. Das Crossover-Jazzkonzert in der Villa Zanders war ein klangliches Vexierspiel und eine musikalische Parforcejagd. Es macht Lust auf weitere Events dieser außergewöhnlichen Konzertreihe, die vom „Haus der Musik“ gestaltet wird.

Ein Aufatmen geht durch die Künstler:innen und Zuschauer:innen – die kunstlose Zeit ohne Konzerte scheint vorüber. Die Live-Musik ist zurück. Und damit nicht zuletzt die fulminante Reihe der Galeriekonzerte in der Villa Zanders. Sie bietet neue und neueste Musik, Jazz und Improvisation. Und lädt bis Juni 2022 noch zu fünf Konzerten ein.

Den Auftakt machte Freitag der Bergisch Gladbacher Jazzpianist Bernd Kämmerling. Er war mit seinem Trio zu Gast und hatte Beethoven-Adaptionen und -Interpretationen im Gepäck, eine Auftragsarbeit des Kreises.

Das Konzert war ursprünglich schon im Rahmen des Beethoven-Jubiläums geplant. Nun konnte die Kooperation mit dem Kulturamt des Rheinisch-Bergischen endlich auf die Bühne.

Keine Klischees

Gemeinsam mit Oliver Lutz (Kontrabass) und Drori Mondlak (Schlagzeug) widmete sich Kämmerling bekannten und unbekannten Werken des Genies aus Bonn. Sowohl großen Orchesterwerken als auch kleinen Klavierstücken.

Mal arbeitete er mit eng umrissenen Motiven, wie aus Beethovens Neunter. Mal gab er den Vorlagen großzügig Raum, wie im Adagio aus der Sonate Op. 13 Pathétique, das ohne Reharmonisation auskam.

Jazz-Adaption klassischer Werke: Wer da an den zuweilen etwas biederen und spröden „Play-Bach“ – Swing eines Jacques Loussier denkt, wurde an diesem Abend angenehm überrascht. Loussier mag das Genre dieser Adaptionen (mit)begründet haben. Kämmerling treibt es indes mit Witz und Raffinesse voran. Er arbeitet das Wesen der klassischen Vorlagen heraus, setzt sie in einen neuen Kontext, ohne dass es nur einen Augenblick fremd oder konstruiert wirkt.

Daraus entwickelt das Trio an diesem Abend frische, überraschende Musik, impulsiven Jazz, der nie maniriert oder klischeehaft daher kommt. Jeder Ton hat seine Berechtigung, Drums und Bass grooven prächtig, aber nicht dominant. Darüber entfalten sich Soli von zeitloser Schönheit.

„Zur Entwicklung der Stücke habe ich mir Klavierauszüge angeschaut, Einspielungen angehört, Motive gesucht die sich für eine Bearbeitung eignen“, erklärt Kämmerling. Dann habe er mit dem Material improvisiert, Grooves sowie Akkorde zur Melodie gesucht. „Die Adaptionen sind meist intuitiv entstanden“, eine einheitliche Vorgehensweise gebe es nicht.

2013/2014 habe er ein ähnliches Projekt für Jazz in Monheim realisiert, mit Werken von Chopin. „Ich kann nicht sagen, ob es nochmals ein Projekt in diese Richtung geben wird“, sagt Kämmerling.

Frische Programme und Ensembles

Ein furioses Auftaktkonzert für die Galeriekonzerte. Deren künstlerische Leitung liegt in den Händen von Andrea Lipstein, Dozentin für Gitarre und Musikpädagogin an der Städtischen Max-Bruch Musikschule.

Sie hat ein spannendes Programm für 2021/2022 entworfen, das viele Entdeckungen bietet. Hinsichtlich der aufgeführten Kompositionen, der Stilrichtungen, der Instrumente.

„Wir haben eine große Gitarrengemeinde, die ich gerne bediene“, schildert Lipstein. Zudem biete die programmatische Überschrift der Konzerte – Neue und Neueste Musik – Gelegenheit für frische Programme und Ensembles, erklärt sie.

Zudem sei stets ein/e Dozent:in der Musikschule im Programm vertreten, in einem Jazz-Konzert, einem Konzert für Neue Musik oder beidem, berichtet Agnes Pohl-Gratkowski, stellvertetende Leiterin der Max Bruch Musikschule.

Diesen Part hat Bernd Kämmerling bereits meisterlich absolviert. Was steht noch auf dem Programm der Galeriekonzerte?

Im Herbst wird das internationale besetzte Cologne Guitar Quartet Stücke aus einer aktuellen CD „Routes“ präsentieren. Das neue Jahr eröffnet mit einer Klangreise durch Osteuropa via Violoncello und Klavier, mit Sonja Asselhofen und Anna Seropian.

Zum Frühjahr des kommenden Jahres steht Avantgard-Jazz des Trios Slowfox auf dem Programm, das preisgekrönte Jazzmusiker in sich vereint. Das Duo Maingold wird mit Saxofon und Harfe die Zuhörer:innen im Mai 2022 in besondere Zeiten entführen.

Den Schlusspunkt setzt dann im Juni 2022 ein Akkordeon Solo-Abend, mit Interpretationen von alter und neuer Musik.

Galeriekonzerte 2021/2022 auf einen Blick

19.11.2021: Routes – Cologne Guitar Quartett, mit Tobias Juchem, Tal Botvinik, Henrique Almeida, Ptolemaios Armaos, Werke u.a. von Vivaldi, Bellinati, Rimskij-Korsakov

28.1.2022: Über das Leben – eine Reise durch Osteuropa, mit Sonja Asselhofen (Violoncello) und Anna Seropian (Klavier), Werke u.a. von Sostakovic, Pärt, Seropian

25.3.2022: After Work: Freedom, Jazz mit dem Ensemble Slowfox, mit Hayden Chisholm (Saxofon), Sebastian Grams (Kontrabass), Philip Zoubek (Klavier), Werke der Künstler

6.5.2022: Besondere Zeiten, Duo Maingold mit Christina Bernard (Saxofon), Lea Maria Löffler (Harfe), Werke u.a. von Saint-Saens, Fauré, Ravin

17.6.2022: Leuchtende Klänge, Krisztian Palagyi (Akkordeon), Werke u.a. von Pärt, Rameau, Schnittke

Alle Konzerte finden statt in der Villa Zanders, Freitags um 20.00 Uhr

Die Konzertreihe gebe es seit etwa 40 Jahren, sagt Pohl-Gratkowski: „Sie ist die letzte der städtisch finanzierten Reihen, die dem „Haus der Musik“ zugeordnet waren und sind. Das „Haus der Musik“ am Langemarckweg 14 ist damit Konzertdirektion und Musikschule unter einem Dach.“

Eine Konzertreihe, organisiert von der städtischen Musikschule. Müssten da die Musikschüler:innen nicht in Scharen zu den Veranstaltungen strömen? „Schüler:innen kommen dann am Freitagabend ins Konzert, wenn sie einen direkten Bezug zu einem der Musiker haben oder das Instrumentarium interessant finden. Das weitere Publikum besteht aus musikinteressierten Menschen aus Bergisch Gladbachs und dem Kreis“, so Pohl-Gratkowski. Und hin und wieder erreiche man auch Publikum aus Köln.

Karten zu 10 Euro mit üblichen Ermäßigungen gibt es an der Theaterkasse Bergischer Löwe Tel. 02202-2946-18 und an der Abendkasse.
Kartenreservierung unter Tel. 02202 250370 (Haus der Musik).
Abonnement aller sechs Konzerte für 50 Euro an der Theaterkasse Bergischer Löwe. Das Abo ist übertragbar.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.