Der Stadthaus-Ausschuss hat der Stadt einstimmig das Mandat erteilt, mit den Eigentümern der RheinBerg Passage einen Mietvertrag zu verhandeln – um dort Stadtbücherei und große Teile der Verwaltung unterzubringen. Gleichzeitig wird klar, dass die Raumkonzepte nach der Pandemie ganz neu gedacht werden muss – mobile Arbeit und Digitalisierung.

Die inzwischen nicht mehr ganz neue Idee aus der Stadtverwaltung, das neue Stadthaus nicht in Form eines Neubaus am S-Bahnhof zu realisieren, sondern auf die bestehende benachbarte RheinBerg Passage aufzustocken, stößt über alle Parteigrenzen hinweg auf Zustimmung. Der Grundsatzbeschluss, den Weg für Verhandlungen mit den Eigentümern der Immobilie frei zu machen, wurde einstimmig gefasst, nur die AfD enthielt sich im Stadthausausschuss.

Gleichzeitig wurden einige Ergänzungen, zum Teil aus der Verwaltung, zum Teil von der Ampelkoalition und zum Teil von der CDU, ebenso einmütig mit beschlossen. Diese Ergänzungen machen deutlich, dass bei der Entwicklung der großen verfügbaren Grundstücke in der Innenstadt alles mit allem verwoben ist.

So soll das Kopf-Grundstück an der S-Bahn, das bislang für das Stadthaus vorgesehen war, nach einer Intervention der Ampelkoalition nicht einfach „verhökert“ werden. Statt dessen soll die Stadt das Areal an den Gleisen über einen Erbpachtvertrag nur für 30 Jahren an einen Investor vergeben. Und auch erst dann, wenn klar ist, ob sich das Stadthaus auf dem Einkaufszentrum tatsächlich realisieren lässt – und rechnet.

Auf eine vergleichende Wirtschaftlichkeitsberechnung bestand die CDU. Immerhin gehe es hier um Mietzahlungen von mehr als zwei Millionen in Euro im Jahr.

Und auch die beiden Grundstücke zwischen Konrad-Adenauer-Platz und Gohrsmühle, auf denen derzeit die beiden alten maroden Stadthäuser stehen, sollen in die städtebauliche Gesamtplanung einbezogen werden – als „Brückenkopf“ zum Zanders-Gelände.

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Digitalisierung ist das Oberthema

Die Planungen für das neue Stadthaus auf der RheinBerg Passage stehen noch ganz am Anfang – und unter völlig neuen Prämissen. Die Digitalisierung, die bislang nur ein wichtiger Seitenaspekt war, rückt in den Mittelpunkt. Und eng damit verbunden ist die Neudefinition der Arbeitswelt auch in der Verwaltung: die Pandemie hatte klar gemacht, dass in Zukunft deutlich weniger Büros und Schreibtische nötig sein werden.

Die Digitalisierung sei das Oberthema, da müsse sich die Immobile einfügen, betont Bürgermeister Frank Stein. Daher werde der „Digitalisierungsdezernent“ Thore Eggert auch für das Stadthausprojekt zuständig sein.

Stein zeigte sich sehr optimistisch, unter diesen Prämissen mit der Aufstockung der RheinBerg Passage ausreichend Raum zu erhalten, um die Verwaltung gut unterzubringen; die Stadtbücherei und ein möglicher Zuwachs mit eingerechnet.

Die RheinBerg Passage vom Busbahnhof aus gesehen. Der Platz links am Kopf der Gleise steht nun für eine andere Nutzung zur Verfügung. Foto: Thomas Merkenich

„New Work“ fordert Mentalitätswechsel

Dabei zeichnet sich schon jetzt ab, dass sich die Arbeitswelt grundsätzlich wandeln werden: Homeoffice und flexible Arbeitsplätze werden zur Tagesordnung. Ein externer Berater hielt dazu einen langen Vortrag (Neue Arbeitswelten in einer zukunftsorientierten Verwaltung), und räumte ein, dass für „New Work“ ein Mentalitätswechsel erforderlich sei: statt „mein Büro“ soll es künftig „unser Bereich“ heißen.

Genau darüber, berichtete Stein, habe die Verwaltungsspitze bereits mit den Akteuren und auch der Personalvertretung geredet – und es bestehe Konsens, dass man die Chancen der neuen Arbeitswelt nutzen wolle.

Dokumentation:

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. Es geht bei diesen Überlegungen garnicht um ein neues Stadthaus, sondern ausschließlich darum Zeit zu gewinnen für die Planungen auf dem Zanders-Grundstück. So kann das Architekturbüro für dort schön Ideen sammeln und dann ein Gesamtkonzept vorlegen.
    Und die städtischen Bediensteten werden hingehalten und immer auf die Planungen verwiesen. Die jetzigen Azubis werden noch in den alten Gebäuden bis zur Rente sitzen.
    Warum denkt die Politik nicht mal darüber nach, den Parkplatz an den bisherigen Stadthäusern zu überbauen. Und Zug um Zug werden dann die alten Gebäude saniert oder abgerissen und dann wird neu auf den Flächen gebaut.

  2. das ist ein pragmatischer Ansatz mit der Rhein-Berg-Gallerie. Allerdings aus baulicher Sicht ziemlicher Unfug. die Gebäudegeometrie ist gar nicht bürotauglich.
    Heutige Bürogebäude sind lichtdurchflutet und brauchen wenig künstliches Licht. Beste Grundlage für das Arbeiten. Dieser Klotz ist (zumindest aktuell) völlig dunkel ohne elektrische Hilfe…
    Also einmal komplett entkernen und sich auf die zu Tage tretenden Schadstoffe eines Betongebäudes freuen. Schauen wir mal, ob der Eigentümer das so gedacht hat und welche Zusatzmiete durch Umbau auf die Stadt dann zukommt.
    Einfach und selber bauen halte ich für einen Öffentlichen Träger günstiger und nachhaltiger.