Die Grundschule in Sand. Foto (Symbolbild): Thomas Merkenich

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Zu Beginn der Pandemie wurden Quarantäne-Maßnahmen oft als zu drastisch empfunden, jetzt sieht das anders aus. Einige Eltern würden bei einer Infektion in der Schule lieber die ganze Klasse in Quarantäne sehen, doch es trifft nur positiv getestete Kinder. Einige Familien halten ihre gesunden Kinder trotz Schulpflicht gar zuhause – mit Duldung der Schule. An den Kitas sorgen sich Betreuer und Eltern wegen der laschen Test-Situation. Eine Lösung könnte sich 2022 abzeichnen.

„Wir sind richtig wütend“, schimpft die Mutter eines Grundschulkindes am Telefon. Über zwei Wochen hinweg summierten sich die Corona-Infektionen in der Klasse ihres Kindes auf knapp zehn positive Fälle. Alle zwei bis drei Tage kamen neue Fälle hinzu.„Durch die Wartezeit auf die Ergebnisse der Pool-Tests wurde der Schulalltag immer wieder unterbrochen“, berichtet sie.

Das Gesundheitsamt sandte immer nur die betroffenen Kinder in Quarantäne. Mehr und mehr Eltern hatten daher Sorge, dass sich ihr Kind anstecken würde. Die Folge: Fast die Hälfte der Familien ließ ihre negativ getesteten Kinder zuhause. Und verstieß damit gegen die Schulpflicht. Die Schulleitung ging kulant damit um.

„Es wäre besser gewesen, alle Kinder für ein oder zwei Wochen komplett in Quarantäne zu schicken, anstatt mit einem Flickenteppich zu reagieren“, sagt die betroffene Mutter.

Kein Foto aus dem Chemielabor, sondern Schulalltag in Pandemiezeiten: Testvorbereitung an der Otto-Hahn Realschule

Oberbergische Kreis mit strikterer Regelung

So wird es zumindest im Oberbergischen Kreis gehandhabt. In einem aktuellen Hinweis des Gesundheitsamtes vom 1. Dezember 2021 werden klare Regeln für das Corona-Management an Grund- und Förderschulen aufgestellt: „Bei drei oder mehr positiven Fällen in einer Klasse geht die gesamte Klasse in Quarantäne.“

Der (von Corona besonders stark betroffene) Nachbarkreis geht hier rigider vor als der Rheinisch-Bergische Kreis. Das ist möglich, denn das Land NRW lässt den Gesundheitsämtern bei den Quarantäneregelungen an den Schulen relativ freie Hand.

Per Erlass vom 3. Dezember 2021 wurden die Behörden angewiesen, „dass im Falle einer PCR-bestätigten SARS-CoV-2-Infektion bei einer Person im Klassen- oder Kursverband, (…) die Anordnung einer Absonderung in der Regel für den nachweislich infizierten Fall erfolgen soll“, erklärt ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums (MAGS).

Weitere Quarantänemaßnahmen, also Quarantäne für Sitznachbarn oder ähnliches, seien mit „Augenmaß“ zu treffen, abhängig zum Beispiel von der Lüftungssituation vor Ort. „Die zuständige Gesundheitsbehörde trifft die jeweils erforderlichen Maßnahmen.“

Klassenquarantäne ist Einzelfallentscheidung

Der Rheinisch-Bergische fährt hier anscheinend eine andere Linie als der Oberbergische, wie das genannte Beispiel der Grundschule zeigt. „Ob eine Klasse in Quarantäne gesandt wird, ist stets eine Einzelfallentscheidung“, erklärt eine Sprecherin. Mit in die Bewertung einfließen würden Aspekte wie der zeitliche Ablauf, Einhaltung der AHA-L Regeln etc.

Knapp zehn Infektionsfälle in zwei Wochen scheinen für die Quarantäne einer ganzen Klasse also nicht auszureichen. Wenige Kilometer weiter, im Oberbergischen, jedoch schon. Das sorgt für Kopfschütteln bei den betroffenen Eltern.

Pooltests an Kitas im Gespräch

Auch in den Kitas wächst das Unverständnis in punkto Pandemie-Management. In der Kritik stehen Organisation und Art der Tests.

Die Kinder würden auf freiwilliger Basis getestet, zuhause, durch die Eltern. Das mache es wesentlich schwerer, infizierte Kinder herauszufiltern, heißt es bei einer Kita-Leitung. Wichtig sei es nun, endlich einen verbindlichen Pooltest in den Kitas einzuführen, unter Aufsicht der Erzieher:innen vor Ort.

„Eine Einführung von Pooltests sollte sinnvollerweise kreisweit erfolgen“, erklärt eine Sprecherin des Kreises dazu. Nur so könne einheitlich verfahren werden. Dies sei in Großstädten wie Köln oder Bonn leichter machbar als in einem Flächenkreis mit verschiedenen Trägern.

Immerhin: Mit Blick auf Pooltests an Kitas fänden derzeit Überlegungen statt, macht die Kreissprecherin klar.

Unzureichende Quarantäneregelungen

Auch die Quarantäneregelungen bereitet den Betreuern in den Kitas Sorge. So seien Kinder trotz infizierter Geschwister weiter in die Kita geschickt worden. Erst nach Rücksprache mit den Behören hätte es hier eine Kehrtwende gegeben, berichten Kita-Beschäftigte im Gespräch mit dem Bürgerportal.

Auf Unverständnis stößt auch die Regelung, Kinder aus infizierten Haushalten nach fünf Tagen „freizutesten“. „Da sehen wir Kinder in der Kita, die sich zuhause mit einem infizierten Geschwisterkind ein Zimmer teilen“, berichtet der Leiter einer Einrichtung dem Bürgerportal.

Wüsste man von den Corona-Fällen zuhause, könnte man zumindest verstärkt auf Symptome achten. Aber auch diese Information erreiche die Kitas nicht, so die Lageschilderung. Das mache den Kampf gegen Corona nicht einfacher.

Der Kreis verweist wiederum auf die Testverordnung: Eine Quarantäne könne bei negativem Testergebnis nach fünf Tagen aufgehoben werden. Dann sei keine Ansteckungsgefahr mehr gegeben. „Schärfere Quarantänemaßnahmen werden stets in jedem Einzelfall geprüft, müssen jedoch gegen das Recht auf Teilhabe der Kinder abgewogen werden,“ so die offizielle Haltung.

Derweil sitzen entnervte Eltern mit Kindern zuhause, ob mit oder ohne Coronafall in der Familie: Gefangen zwischen Erlassen, Verordnungen, dem Betreuungsdruck und der Angst, eine Infektion ins Haus zu schleppen. Mit allen Folgen: Für die Gesundheit, aber auch für das anstehende Weihnachtsfest.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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3 Kommentare

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  1. Volle Zustimmung @Lena Müller. Die Kollateralschäden für unsere Kinder sind zwischenzeitlich enorm. Finden aber leider hier und auch an Schulen wenig bis gar keine Plattform. Jeder spricht nur noch vom Virus. Andere Gesundheitsaspekte vor allem bei den Kindern bleiben außen vor. Über Angst (sogar Panik) kann man tatsächlich nicht streiten. Nach fast 24 Monaten Pandemie können wir aber denke ich festhalten, dass die Corona-Horrorszenarien für Kinder a la „Durchseuchung“ etc. Nicht eingetreten sind. Auch bei Long Covid hat sich herausgestellt, dass auch Kinder Symptome aufweisen, die nie infiziert waren. Die Long Lockdown Symptome bei unseren Kindern sind m. E. verheerender.

  2. Der Bericht ist mal wieder sehr einseitig.
    Am lautesten rufen momentan anscheinend die, die Angst haben.
    Über Angst kann man nicht streiten, aber wie verheerend eine (in der Vergangenheit oft übervorsichtige) 14-tägige Quarantäne für Familien und Kinder ist wird nicht benannt.
    Es gibt sicher Familien die Quarantäne, obwohl alle gesund sind, als nötig und richtig ansehen.
    Bei anderen Familien löst dies Ängste und Schwierigkeiten aus, Gründe hier liegen evtl auch an Wohnungsgröße, Temperament etc.
    Langwierige Auswirkungen kommen nicht nur vom Virus.

    Ich begrüße die „laschen“ Regeln sehr. Ich finde gut, wenn die Eltern die sich Quarantäne wünschen, diese freiweillig zu Hause vollziehen können. Jedem wie es gut tut. Vorsorge sollte durch „testen“ und nicht „einsperren“ passieren.

    Zum Virus, dieser hat sich trotz aller Unkenrufe bisher für gesunde Kinder als nicht gefährlich gezeigt. Bei jeder Variante gibt es Anfangs die gleiche Schlagzeile:
    Endlich (Ironie) eine Variante besonders gefährlich für Kinder.
    Bewahrheitet hat sich dies nie. Warum also weiter diese Quarantäne Forderungen, ich verstehe es nicht.

  3. Es ist Psychoterror für Familien! Ich möchte nicht das mein Kind sich mit diesem unberechenbaren Virus infiziert das Langzeitfolgen verursacht! Aber das Kind wird per Präsenzpflicht in die Schule gezwungen, und da mit Quarantäne so umgegangen wird, sie quasi nicht mehr vorhanden ist, ist das eine Zwangsinfektion für Kinder! Darüber spricht keiner! Warum Eigentlich? Eine Impfpflicht wird heiß diskutiert! Jeder Erwachsene kann sich schützen, er könnte sogar den Job kündigen wenn die Ansteckungsgefahr dort zu groß erscheint, das Kind jedoch hat keine Wahl!