Jessica Häseler leitet die Kita Dreckspatz in Schildgen.

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Jessica Häseler übernimmt im Januar die Leitung der Kindertagesstätte Dreckspatz in Schildgen. Seit eineinhalb Jahren führt sie das Amt bereits kommissarisch aus – also ziemlich genau die ganze Corona-Zeit. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, was die Pandemie mit der Kita, den Erzieher:innen und den Kindern gemacht hat.

Frau Häseler, wie viel Mehrarbeit haben Sie als Kita-Leiterin durch Corona?
Jessica Häseler: Ich merke natürlich einen Unterschied in meiner wöchentlichen Arbeitszeit. Ich muss immer auf dem aktuellen Stand sein und die neuesten Regeln umsetzen. Wenn wir mehrere Corona-Fälle hatten, musste ich mich um Testungen durchs Gesundheitsamt kümmern und die Vorbereitungen dafür treffen.

Das heißt: Eltern informieren, Daten zur Kontaktrückverfolgung sammeln und weitergeben, Termine für die Testungen im 5-Minuten-Rhythmus vereinbaren, das ganze vor Ort organisieren. Das gab es zum Glück nur zweimal.

Wie sieht es mit der emotionalen Belastung aus?
Vor der Impfung war uns allen klar: Wir arbeiten an der Front. Da waren manche Kolleg:innen mehr, manche weniger ängstlich. Ich persönlich fühle mich durch die Impfung sicherer. Aber ich hatte nie Angst, Corona zu bekommen. Ich wollte immer meinen Alltag zurück. Dass es wieder so schön wird wie vorher.

Viele Angebote fielen weg

Was hat sich denn in der Kita verändert?
In erster Linie die Umsetzung des Konzeptes. Wir haben drei Gruppen, und normalerweise arbeiten wir gruppenübergreifend. Mit der strikten Gruppentrennung, die wir anfangs einführen mussten, fielen alle unsere Angebote weg. Im ersten Corona-Jahr hatten wir zum Beispiel eine Englisch-AG, eine Bücher-AG, wir hatten einen Dreckspatz-Chor gegründet. Auch die Ferienfahrt, die Übernachtung, das Eltern-Kind-Teamwochenende fielen weg.

Wie sieht das im Moment aus?
Nach einer vorsichtigen Öffnung haben wir aktuell wegen der hohen Inzidenzen, in Absprache mit den Eltern und im Hinblick auf Weihnachten wieder die Gruppen getrennt. Eine strikte Gruppentrennung heißt auch, dass man das Personal nicht mischen soll. Da muss ich teilweise jonglieren, denn es gibt ja nach wie vor Urlaube und Krankentage, die man kompensieren muss.

Im schlimmsten Fall muss ich auch mal Eltern bitten, ihre Kinder zu Hause zu betreuen oder früher abzuholen. Wir versuchen aber alles, um den Regelbetrieb zu erhalten, damit die Kinder Normalität haben.

Die Kontakte fehlen

Was macht das alles mit den Kindern?
Die Älteren fragen uns nach der Ferienfahrt, nach der Übernachtung. Die 4- bis 5-Jährigen gehen sonst einmal im Jahr zur Bäckerei Pieper, Weckmänner backen. Die Kinder, die das kennen, vermissen das.

Noch gravierender ist aber, dass die meisten Kinder weniger Kontakt zu anderen Kindern haben. Das fängt beim Babyschwimmen an, über die Krabbelgruppe bis hin zu den Älteren, die sich schon mit ihren Freunden verabreden. Die Eltern versuchen, bei ein, zwei Kontakten zu bleiben. Gerade am Anfang von Corona haben sich viele Familien komplett zurückgezogen. Einige haben ihre Kinder auch über die Notbetreuung hinaus lange zu Hause behalten.

Merkt man das im Sozialverhalten?
Absolut. Ein Großteil der Kinder sind mehr auf sich selbst bezogen als auf ihre Freunde, weil die soziale Auseinandersetzung gefehlt hat. Beziehungsweise, weil sie sich nur mit Geschwistern oder Eltern auseinandersetzten. Es fehlte die Vielfalt, die man in der Kita hat. Dadurch zeigen auch mehr Kinder Auffälligkeiten in der Entwicklung.

Was heißt das?
Sie sind nicht auf dem Stand, der ihrem Alter entspricht, etwa was die Körperwahrnehmung oder die Sprache angeht. In der Kita wird der Bewegungsapparat besonders gefördert. Einige Eltern hatten nicht die Kapazitäten, das auszugleichen. Vor allem, als die Spielplätze geschlossen waren. Das merken wir jetzt. Ich wünsche mir von der Politik, dass es mehr Hilfsangebote für die betroffenen Kinder gibt.

Sehr gut informiert

Wie gut haben Sie sich in der Krise von der Politik geleitet gefühlt?
Sehr gut. Wir bekommen regelmäßig Emails aus verschiedenen Richtungen, vom Ministerium, vom Dachverband, von der Stadt. Die Infos kommen eher doppelt als zu wenig.

Gerade zu Beginn ist es natürlich in gewisser Weise ein Hin und Her gewesen – aber dadurch, dass anfangs nicht sicher war, wie überhaupt damit umgegangen werden sollte, war das für mich verständlich.

Und wie lief es mit den Eltern?
Problemlos. Die Kommunikation war immer sehr transparent. Als nur die Eltern ihre Kinder bringen sollten, die wirklich keine andere Möglichkeit hatten, wurde das von niemandem ausgenutzt.

Hat Corona Ihnen auch mal die Lust an der Arbeit genommen?
Das schafft Corona nicht! Ich habe eher noch mehr Motivation. Klar, wir müssen lernen mit Corona zu leben. Aber ich merke schon eine Veränderung zurück in Richtung Normalität.

Diesen Herbst konnten wir auf unser Eltern-Kind-Team-Wochenende fahren. Mit Maske und Abstand, aber wir konnten fahren. Wenn irgendwann mal wieder alles stattfindet wie früher, wenn wir unsere ganze Konzeption wieder leben können, wie wir sie für pädagogisch sinnvoll halten – darauf freue ich mich.

Laura Geyer

ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

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