Martin Lucke. Foto: Manfred Esser

Die Fraktion der CDU schlägt vor, dass sich die Stadt Bergisch Gladbach für das NRW-Förderprojekt „Schwammstadt“ bewirbt. Im zuständigen Ausschuss erhielt sie dafür volle Zustimmung. Im Kern geht es darum, bei starkem Regen möglichst viel Wasser aufzunehmen und zu speichern, anstatt es nur abzuleiten, erläutert Martin Lucke.

„Starkregenereignisse oder Hitzeperioden verlangen baldmöglichst effektive wie kluge städtebauliche Gegenmaßnahmen. Deshalb wäre es ratsam, wenn die Verwaltung eine Teilnahme am aktuellen nordrhein-westfälischen ‚Modellprojekt Schwammstadt‘ kurzfristig prüfen würde, das mit Landesmitteln gefördert wird.“ Mit diesen Worten spricht sich der Sprecher der CDU-Fraktion im Ausschuss für Infrastruktur und Umwelt, Sicherheit und Ordnung (AUISO), Martin Lucke, für eine möglichst rasche Test-Teilnahme aus. 

Im Kern gehe es bei diesem Konzept darum, bei anhaltendem Starkregen die Wassermengen an möglichst vielen lokalen Orten innerhalb der Stadt durch offenporige Flächen aufzunehmen und in kleineren Speicher-Anlagen zu sammeln, anstatt die Regenfluten lediglich zu kanalisieren und abzuleiten.

Bei Hitze- und Dürreperioden könne mit dem so an vielen Stellen gespeicherten Wasser durch Verdunstung eine positive Kühlwirkung erreicht werden; zudem sei das aufgefangene Wasser bei anhaltender Trockenheit eine kostengünstige Reserve für anfallende Aufgaben der Bewässerung von städtischen Bäumen und Pflanzen.

„Nicht zuletzt kann hierüber auch die Abwassermenge reduziert werden, deren Beseitigung gerade in Bergisch Gladbach mit seiner speziellen Topologie die Bürgerinnen und Bürger erheblich mit Kosten belastet“, unterstreicht der CDU-Politiker.

Solidarisch und kreativ

Einer Beteiligung der Stadt an dem „Modellprojekt Schwammstadt“ sieht Lucke, der auch CDU-Kandidat für den Wahlbezirk Bergisch Gladbach/Rösrath für die im Mai anstehenden NRW-Landtagswahlen ist, optimistisch entgegen, „weil uns die neuen bedrohlichen Klimaphänomene im Interesse der Bürgerschaft allesamt zum Handeln herausfordern “.

Für ihn sei es erfreulich, „dass dem von mir in der jüngsten AUISO-Sitzung mündlich eingebrachten Antrag der CDU-Fraktion auf Teilnahme an diesem NRW-Projekt alle Fraktionen zugestimmt haben“.

Mit Blick auf die städtebaulichen Veränderungen in dem zu erschließenden Zanders-Areal oder auch die anstehende Schlossstraßen-Sanierung „ist es doch nur richtig, wenn wir uns gegenüber extremen Wetterkatastrophen kreativ aufstellen und entsprechende bauliche Maßnahmen von vornherein einplanen “, appelliert Lucke an solidarische Mitverantwortung. „Die Sitzung des AIUSO hat hier ein ermutigendes Zeichen gesetzt, indem alle Ausschussmitglieder die Sache in den Vordergrund gerückt und zugestimmt haben.“

Schon jetzt gebe es Unternehmen, die sich auf die Projektrealisierung von Schwammstädten, unter Fachleuten auch „Sponge City“ genannt, spezialisierten. Lucke: „Wir haben so viele Möglichkeiten, um die Regenwasserdurchlässigkeit in unseren Städten zu verbessern. Ob nicht versiegelte Pflasterungen, sickerfähige Verkehrsflächen inkl. Geh- und Radwegen, kleinere Regenwasser-Auffangbecken unter oder neben Sportanlagen und Spielflächen, wasseraufnehmende Grüninseln – wir müssen insbesondere unsere Innenstädte unter Nutzung des Regenwassers in lokalen Zwischenspeichern klimafreundlich umgestalten, um Überflutungen zu  vermeiden. “

Die Eigenschaften eines Schwammes seien das richtige Bild: „Der Schwamm kann Wasser aufnehmen und wieder abgeben. Dass sollten unsere Innenstädte auch können.“

Bewerbung als Modellkommune

In ihrem aus zeitlichen Gründen mündlich eingebrachten Antrag fragt die CDU-Fraktion an, ob der Verwaltung das NRW-Schwammstadt-Projekt bereits bekannt gewesen sei und, falls ja, ob eine Beteiligung der Stadt Bergisch Gladbach geplant ist.

Bei einer Verneinung beantragt die CDU-Fraktion, eine Bewerbung als Modellkommune für den Schwammstadt-Test mit dem Ziel zu prüfen, möglichst schnell die erforderlichen Unterlagen einzureichen. 

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5 Kommentare

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  1. Hallo,

    das Projekt hört sich richtig gut an. Ich hoffe, dass GL sich bewirbt.
    ABER, kann man nicht parallel beschließen,
    dass die Steingärten verboten bzw. auf ein Mindestmaß verkleinert werden.
    Dass Parkplätze nicht komplett versiegelt, sondern diese Lochsteine verwendet werden müssen.
    Dass Garagen ein Gründach erhalten müssen.
    Ich denke, es gibt noch viele andere kleine Lösungen, die nicht an eine Bewerbung bzw. Teilnahme an diesem Projekt gebunden sind. Durch ein Projekt erhält die Stadt Geld, aber vielleicht finden sich auch ein paar Bürger, die in ein regionales Projekt (zweckgebunden) spenden würden…
    Bekommt der Neubau der Grundschule in Bensberg z.B. ein Gründach? So etwas könnte man doch an Neubauten koppeln.

  2. @ Georg Meierlücke: Primär geht es um das Ziel, mit Starkregenereignissen und Hitzperioden besser umzugehen. Prinzip der sog. Schwammstadt ist es, dass bei Starkregen unversiegelte Flächen und Wasserspeicher das Regenwasser aufnehmen und während Hitzeperioden zur Kühlung wieder abgeben. Durch die Aufnahme des Wassers wie ein Schwamm wird zudem die Kanalisation im Zeitpunkt des Starkregens entlastet, mit dem Ziel Überschwemmungen zu verhindern. Private Zisternen als Wasserspeicher kämen also als ein Baustein eines Gesamtkonzepts in Betracht. Die Nutzung als Grauwassers würde dem Prinzip nicht ganz entsprechen, da es ja später in den Kanal eingeleitet würde. Insgesamt müsste dies aber bei einem Praxistest umfassend beleuchtet werden, da die Regenwassernutzung in jedem Fall ressourcenschonend ist. Ebenso zu pürfen wären außerdem vor allem mögliche rechtliche (sog. Anschluss- und Benutzungszwang) und technische Hürden (z.B. die Funktionsfähigkeit des Mischwasserkanals).

  3. Bei der Wasserversorgung sollte man grundsätzlich einmal an den Einstieg in eine Kreislaufwirtschaft denken. Fände es zB interessant, wenn irgendeine Kommune einmal den Nutzen eines parallel verlegten Wasserversorgungsnetzes für Brauchwasser prüfen würde. Für Toilettenspülungen, Gartenbewässerung usw würde die Qualität des geklärten und aufbereiteten (evtl. gechlorten oder ozonisierten) Abwassers doch vollkommen genügen. Das könnte dann auch mit Regenwasser aus Rückhaltereservoiren verschnitten werden. Damit ließe sich ca 1/3 des Trinkwasserbedarfes einsparen.

  4. Würde das bedeuten, dass auch private Zisternen und Grauwassernutzung gern gesehen und vllt sogar unterstützt und gefördert würde? Oder gehört das nicht dazu?