Auf der Linie 222 setzt die Wupsi künftig E-Busse ein. Foto Wupsi GmbH

Die Wupsi ersetzt in den kommenden Wochen alle Diesel-Busse auf der Linie 222 zwischen Bergisch Gladbach und Leverkusen-Opladen durch Elektro-Busse. Die auffälligen grünen Fahrzeuge sind zwar teuer, aber leiser, besser für die Luft – und sparen lokal mehrere Hundert Tonnen CO2 pro Jahr ein.

650.000 Kilometer pro Jahr legen die Busse der Linie 222 zwischen den S-Bahnhöfen in Bergisch Gladbach und Opladen pro Jahr zurück, so die Hochrechnung der Wupsi. Und sie stoßen dabei rund 680 Tonnen CO2 aus. Die sollen künftig eingespart werden, denn die Flotte wird in den kommenden Wochen komplett auf moderne Busse mit Elektro-Antrieb umgestellt, teilt die Wupsi mit.

Wie ökologisch die Elektrobusse unter dem Strich sind hängt auch von der Produktion der Batterien und dem verwendeten Strom ab; die Wupsi wirbt mit Ökostrom. Neben dem Klimaschutz mache auch die angestrebte Unabhängigkeit von Energielieferanten wie Russland „eine Abkehr von fossilen Brennstoffen unumgänglich“, sagte Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath bei der Vorstellung der Busse.

Für die Bürger:innen gibt es handfeste Vorteile: die Lärm- und Luftbelastung entlang der Strecke sinkt. Bis zu einem Tempo von 20 km/h senden die Busse aus Sicherheitsgründen ein Warngeräusch aus, damit sie überhaupt wahrgenommen werden. Zudem stehen den Passagieren 32 USB-Steckdosen zur Verfügung.

Für die Umstellung waren umfangreiche Tests und hohe Investitionen erforderlich. „Für eine erfolgreiche Mobilitätswende ist nicht nur die Schaffung neuer Angebote wichtig, sondern auch die Überprüfung und Anpassungen des Angebotes. Die technischen Möglichkeiten erlauben inzwischen den Einsatz von batteriebetriebenen Elektrobussen auch auf längeren Strecken“, sagt Stephan Santelmann, Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises und NVR-Verbandsvorsteher.

Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath; der Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises Stephan Santelmann; wupsi-Geschäftsführer Marc Kretkowski; NVR-Geschäftsführer Michael Vogel

206 Kilometer Reichweite

Die vom Hersteller MAN angegebene Reichweite von mindestens 206 Kilometern bei voller Ladung sei bei den Tests bestätigt worden, berichtet Wupsi-Geschäftsrührer Marc Kretkowski. Die sechs Batterie-Packs mit einer Gesamtkapazität von 480 kWh auf den Dächern der Fahrzeuge benötigen für die Aufladung 2,5 bis 3 Stunden.

Die Wupsi hat daher sowohl Schnelllader als auch normale Ladestationen auf den Betriebshöfen integriert. Sechs E-Busse fahren vom Betriebshof Leverkusen aus, vier starten vom Standort Bergisch Gladbach aus. 

Betriebshof Bergisch Gladbach ertüchtigt

In Bergisch Gladbach musste die Anschlusskapazität durch den Netzbetreiber erhöht werden, elektrische Anlagen ausgebaut und ergänzt werden, zudem wurden auf beiden Betriebshöfen neue Stromleitungen verlegt.

Havarie-Plätze werden in den nächsten Wochen geschaffen und auch ein neues Betriebshofmanagementsystem wird eingeführt. Die Werkstatt wurde ebenfalls umgerüstet und in den nächsten Wochen wird ein neuer Hocharbeitsplatz entstehen, um die Batterien auch von oben warten zu können.

Bund und Land finanzieren Mehrkosten

Die Umstellung auf alternative Antriebe ist teuer, wird aber zu großen Teilen von Bund und Land finanziert. Das Land NRW übernimmt 60 Prozent der Mehrkosten, weitere 20 Prozent das Bundesministerium für Umwelt. Insgesamt liegt die Fördersumme für die zehn Busse und die Anpassung der Infrastruktur bei rund vier Millionen Euro. 

Für die Wupsi, die insgesamt 200 eigene Busse und noch einmal 50 von Subunternehmen im Einsatz hat, ist die Linie 222 der Einstieg in die Elektromobilität. Für 2024 ist der Kauf von weiteren 30 E-Bussen und zehn Wasserstoffbusse geplant, 2025 sind weitere 16 Elektrobusse vorgesehen.

Der Regionalverkehr Köln (RVK) setzt bereits Wasserstoffbusse in Rhein-Berg ein und will in Moitzfeld einen „Grünen Mobilhof“ bauen, mit einer Wasserstofftankstelle und der Produktion von grünem Wasserstoff.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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6 Kommentare

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  1. 680t p.a.

    Rechnen wir mit 75 EUR/t.

    Das sind 51.000€ p.a. die man mit Zertifikatekauf und Verfall ebenfalls sparen könnte.

    Mit 5 Mio könnte man also 100 Jahre mit fossilen Bussen weiterfahren

    Das ist übertrieben und nur als Orientierungsgröße, da natürlich der Preis für Konventionelle abgezogen werden muss. Aber selbst bei 10-15 Nutzungsjahren könnte man die nächste Generation noch fossil fahren.

    Aber Geld kann ja zum Glück gedruckt werden oder kommt vom Steuerzahler.

    1. „Mit 5 Mio könnte man also 100 Jahre mit fossilen Bussen weiterfahren“

      Wenn man gerade nicht mit fossilem Antrieb weiterfahren möchte, ist natürlich eine Berechnung äußerst hilfreich, wie lange man es trotzdem tun könnte.

      Dass Klimaschutz Geld kosten kann, ist eine Binsenweisheit. Da die Klimafolgen deutlich teurer werden, ist das aber gut angelegt (außer natürlich für diejenigen, die den menschengemachten Klimawandel für eine Verschwörungstheorie halten). Denn diese Kosten kommen auch auf die Allgemeinheit zu.

      Mal ganz abgesehen von der Lärmminderung und der Abgasreduzierung ist das also eine kluge Investition. Ein wenig Geld kommt übrigens auch wieder herein: Halter von Elektrofahrzeugen und Betreiber von Ladepunkten können jährlich Emissionsrechte verkaufen (seit diesem Jahr auch Privatleute).

      1. Ob man Emissionrechte kauft und verfallen lässt, um den eigenen Ausstoß zu kompensieren oder nichts ausstößt und Rechte verkauft, die dann ein anderer ausstößt hat im Endeffekt den gleichen Effekt, nämlich keinen.

        Klimaschutz darf Geld kosten? Na, dann ran an die Reaktivierung der Kernenergie, die angeblich ach so teuer sei. Aber wir aktivieren ja lieber wieder die Kohlekraftwerke.

      2. Natürlich hat das einen Effekt, nämlich die Lenkungswirkung durch die Kosten. Jeweils derjenige, der für Emissionen zahlen muss, wird die Zahlungen und damit die Emissionen vermeiden wollen.

        Aber mir scheint, dass Sie die ganze Klimadebatte ohnehin eher als Belästigung empfinden.

      3. Ah, jetzt schieben wir den Kontrahenten in die Klimaleugner-Ecke ;)
        Keine Sorge, ich nehme das Thema ernst, würde das Thema aber anders angehen als aktuell in DE.

        Die Lenkungswirkung ist aktuell noch nicht da, oder warum gibt es so viele greenwashing Firmen mit irgendwelchen Baumpflanzaktionen in den hintersten Ecken.
        Für 5 Mio hätte man mit fossiler Betankung sowie Zertifikateverfall sogar mehr einsparen können als mit ein paar Bussen, wo die Co2-Produktion nur an den Kraftwerksstandort verschoben wird.

      4. Wenn Sie den Vorwurf des Klimaleugnertums hineininterpretieren wollen, mag Ihnen das etwas bringen, mir ist es gleichgültig.

        Wenn Sie die Lenkungswirkung des Emissionshandels mithilfe von anekdotischen Belegen abstreiten, stellen Sie sich allerdings gegen die wissenschaftliche Betrachtung der Ökonomie. Sehen Sie sich nur einmal die hier https://de.wikipedia.org/wiki/Emissionsrechtehandel#Bewertung zitierten Quellen an. (Der Text selbst ist kein Beleg, da die WP nicht zitierfähig ist, die verwendeten Quellen sind es dagegen schon).

        Wenn Sie die Einschätzung/Projektion des Umweltbundesamtes interessiert, können Sie die hier nachlesen: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/5750/publikationen/2021-03-19_cc_33-2020_klimaschutzprogramm_2030_der_bundesregierung.pdf

        Und in besonders einfachen Worten sagt die Heinrich-Böll-Stiftung etwas dazu:
        https://www.boell.de/de/2022/01/17/zehn-dinge-ueber-co2-bepreisung

        Ach ja, die FAZ, die Ihnen vermutlich näher steht als die H.-Böll-Stiftung, stellte schon 2009 fest, dass der Emissionshandel seine Lenkungswirkung entfaltet:
        https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/energie-und-klimaschutz-der-emissionshandel-zeigt-erstmals-wirkung-1758252.html