Fotos: Kidical Mass Bergisch Gladbach

Mit einer Fahrraddemo haben am Sonntag in Schildgen viele Kinder und ihre Eltern mehr Platz und Sicherheit im Straßenverkehr eingefordert. Dabei erlebten die Kinder, was Meinungsfreiheit und Demonstrationsrecht bedeuten. Lokale Politiker hörten zu.

Ungewohntes Bild am Sonntagnachmittag im Schildgener Zentrum: Dort, wo sich zu Stoßzeiten Autos aneinanderreihen und nur langsam vorankommen, rollten auf einmal hunderte Fahrräder in Richtung Paffrath, darunter auch viele Kinder. An den Rädern hingen bunte Luftballons, fröhliche Musik und lautes Klingeln waren zu hören, manche hatten selbstgemalte Schilder mit Sprüchen wie „Ich will sicher zur Schule“ oder „Macht uns Platz, sonst gibt’s Rabatz“ dabei.

Unter dem Motto „Uns gehört die Straße“ machten sie im Rahmen einer Fahrrad-Demo darauf aufmerksam, dass nicht nur der Autoverkehr, sondern auch die schwächsten Verkehrsteilnehmenden ein Recht darauf haben, sich sicher und selbstständig im öffentlichen Raum zu bewegen.

Die Polizei hatte für die 2. „Kidical Mass“ in Schildgen einen Abschnitt der Altenberger-Dom-Straße und die Kempener Straße bis Paffrath gesperrt. Vor der Grundschule Katterbach hielt die Gruppe an, um mit Straßenkreide ihre Botschaften auf die Fahrbahn zu schreiben und zu malen.

Viele Kinder erlebten dabei zum ersten Mal, was Meinungsfreiheit und Demonstrationsrecht bedeuten. „Ich finde es richtig gut, dass man hier auch mal seine Meinung sagen darf. Und es ist ein schönes Gefühl, dass man damit nicht allein ist.“, sagte die 7-jährige Siri aus Bergisch Gladbach.

Forderungen an Bund, Land und Stadt

Die Demonstration war Teil eines Aktionswochenendes, an dem in über 200 Städten in Deutschland und 14 weiteren Ländern insgesamt 40.000 Teilnehmende für ein kinder- und fahrradfreundliches Straßenverkehrsrecht demonstrierten, etwa 350 davon in Schildgen und 200 am Vortag in Rösrath.

Die Forderungen der Organisatoren richten sich sowohl an Bundes- und Landespolitik als auch an Städte und Gemeinden. Sie umfassen insbesondere gut geschützte, breite Radwege; temporäre Kfz-Durchfahrtverbote vor Schulen; sowie Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen innerorts.

Auch einige Vertreter aus Politik und Verwaltung radelten mit und brachten damit ihre Unterstützung zum Ausdruck: Von den Grünen nahmen Dezernent Ragnar Migenda und der Bundestagsabgeordnete Maik Außendorf teil.

Ragnar Migenda, Maik Außendorf und Frank Stein. Foto: Kidical Mass Bergisch Gladbach

Bürgermeister Frank Stein (SPD) kam ebenfalls zum Abschluss der Demonstration ans Kombibad Paffrath, um sich die Forderungen anzuhören. Er bedankte sich bei den Organisatoren und vielen Teilnehmenden für ihr Engagement, verwies auf erste Schritte zur Verbesserung der Fahrrad-Infrastruktur in Bergisch Gladbach wie beispielsweise die Öffnung der Laurentiusstraße und versprach für die Zukunft weitere Maßnahmen.

Kidical Mass GL

Die Kidical Mass Bergisch Gladbach ist eine private Initiative mit Unterstützung des ADFC Rheinberg-Oberberg. Das deutsche Kidical Mass Aktionsbündnis besteht aus über 250 lokalen Organisationen und Initiativen und wird von großen Organisationen bundesweit unterstützt: ADFC, Kinderhilfswerk, Greenpeace,...

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

7 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Wenn man hier so liest, wie gefährlich Radfahren auf Bergisch Gladbachs Straßen ist, müsste man es als verantwortlicher Verwaltungsbeauftragter eigentlich sofort verbieten. Zumindest am Ortseingang von Schildgen, scheinbar das Mordor für Zweiradfahrer, sollten Schilder mit der Aufschrift „Fahrradfahren gefährdet die Gesundheit – Absteigen und schieben“ aufgestellt werden. Daneben noch eine rückwärtslaufende Uhr (15 – 20 Jahre), die anzeigt, bis wann voraussichtlich mit einer Lösung zu rechnen ist.

  2. „KIDICALL MASS“ !?, niemand kommt mehr ohne Anglizissmen aus. Wenn’s denn hilft, was ich allerdings bezweifele.

    100 Jahre Auto, 10 Jahre Fahrrad, wer das Mittel hat, Autofahrer aufs Fahrrad zu bringen, sollte das schnellstens verraten. Die Stadt hat sicher keinen Plan. Und mein bester Tip wäre: Alle 3 Verkehrsteilneghmer-Gruppen an einen Tisch und alle Problem auf denselben. Das Schreien nach besseren Radwegen und die ultimative Aufforderung an Autofahrer, die auch mit Fahrrad zu nutzen, sonnst . . . bringt wenig bis nichts.

    Richtig erkannt, Frau Breideneichen, und das schon seit 100 Jahren. Wie schnell, meinen Sie, können so eingefahrene Praktiken geändert werden, wenn immer nur die Autofahrer, die lediglich das jahrzehntealte Angebot nutzten, beschimpft und für die Probleme verantwortlich gemacht werden?

    Und wer widmet sich der Aufgabe, bestimmten Gruppen von Fahrradfahrern die Verkehrsgesetze nahzubringen? Man hört immer nur von den bösen Autofahrern. Radfahrer, die über Fußgängerüberwege, auf denen sie im Sattel nichts zu suchen haben, ohne Rücksicht auf Fußgänger rasen, die scheinbar farbenblind sind, weil rote Ampel ignoriert werden, die zu zweit oder dritt nebeneinanderfahren, auf Straßen oder Radwegen (solche mit Rennrädern!) und der Dinge mehr werden scheinbar von allen, die der Stadt in ihrem Fahrrad-Weg folgen, als gegeben hingenommen.

    Wenn nicht, wie schon oft erwähnt, alle 3 Gruppen von Verkehrsteilnehmern gleicberechtigt behandelt werden, kommen wir zu keinem Konsenz!

    1. 100 Jahre Auto stimmen für Deutschland (glücklicherweise) nicht, Sie meinen wohl die USA? Das Auto wird in Deutschland in dieser Form als Massenverkehrsmittel erst seit etwa 60 Jahren gepäppelt. Das Fahrrad selbst ist etwa so alt wie das Auto. Es gibt in Deutschland mehr Fahrräder (gut 80 Millionen) als Autos (gut 50 Millionen).

  3. Was bin ich froh, dass wir jetzt Stadtpolitiker haben, die wissen, was die (Fahrrad)Glocke geschlagen hat. Es wird endlich mit Blick auf umwelt-, klima- und menschengerchte Verkehrspolitik in Gladbach keine Symbolpolitik (z.B. Pseudoradwege, um Landesmittel zu kassieren) mehr gemacht. Wenn in der Landespolitik dann auch noch der Groschen fällt, bleiben kaum noch Wünsche offen.

    1. Glocke hin oder her… Ihre Worte der HOFFNUNG in der Parteipolitiker und vor allem Stadtverwaltung Ohr. Taten sehe ich noch nicht viele…aber nachdem Jahrzehnte GAR NICHTS fahrrad-und fussgängerfreundliches in „unserer“ Stadt geschehen ist, warten wir „gerne“ noch einige Monate.

  4. Ja! Der öffentliche Raum ist ja bekanntlich für alle da. Wer in Bergisch Gladbach Fahrrad fährt merkt allerdings schnell, dass das der Straßenverkehr hier vornehmlich auf die Autofahrer ausgerichtet ist.

    Jedes Mal, wenn ich aufs Rad umsteige, habe ich zahlreiche Situationen, die mich zweifeln lassen, meine Kinder überhaupt jemals wieder mit dem Rad fahren zu lassen.

    Drei Dinge würden aus meiner Sicht sofort -insbesondere für die Schulwege- helfen:

    – KfZ, die auf dem Gehweg oder Fahrradweg abgestellt sind, gehören abgeschleppt. Ebenso solche, die die Sicht (der Kinder oder auf die Kinder) versperren.

    – Die rechten Fahrbahnseiten sind vieler Orts eine Buckelpiste mit Schlaglöchern. Als Radfahrer muss man ein Mountainbike haben oder mittig der Fahrbahn fahren, was zu Unmut (verständlich) oder noch mehr gefährlichen Überholmanövern führt.

    Zu guter Letzt: mal aufs Rad umsteigen und die Perspektive wechseln hilft ungemein für gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme. Das Wetter ist prima, heute gibt es wenig Ausreden!

    1. Vielen DANK! Der letzte Tipp ist der Beste: mal aufs Rad umsteigen und die Perspektive wechseln hilft ungemein für gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme.

      Viele Autofahrer können sich nicht vorstellen, wie es ist, als RadfahrerIn durch GL zu fahren. Auch wenn es eng ist denke ich oft, gerne können Sie mich überholen – mit ihrem Fahrrad!