Die Kirmes fand zuletzt im August 2019 statt, vor der Pandemie. Zu Pfingsten startet sie neu. Auch mit einem Riesenrad, das aber deutlich kleiner ist und hinter dem Bergischen Löwen stehen wird. Archiv-Foto: Thomas Merkenich

Nach zwei sehr harten Jahren für die Schausteller kann Kirmesmacher Burkhardt Unrau einen Erfolg vermelden: Die Kirmes hat überlebt, zur traditionellen Pfingstkirmes werden Konrad-Adenauer-Platz und Forumpark trotz einiger Ausfälle mit Fahrgeschäften gut bestückt sein. Gerade in Zeiten des Kriegs soll es wieder „leuchtende Augen“ bei Klein und Groß geben; ohne Böllerschüsse, aber mit Feuerwerk.

Vor neun Monaten, tief in der Pandemie, hatte Burkhardt Unrau trotzig verkündet: „Pfingsten 2022 werden wir wieder eine Kirmes auf dem Konrad-Adenauer-Platz eröffnen – und wenn ich dafür in den Knast gehe“. Bürgermeister Frank Stein hatte Unrau, dem ehrenamtlichen Geschäftsführer des Schaustellervereins Bergisch Gladbach, zugestimmt. Jetzt können beide gemeinsam Vollzug verkünden: Am 4. Juni wird die 180 Jahre alte Tradition fortgesetzt, die Kirmes auf dem Konrad-Adenauer-Platz eröffnet.

„Wir sind wieder da“, verkündet der Schaustellerverein auch auf den Lebkuchherzen – aber das trifft nicht für alle zu. Drei der Schausteller, die der Kirmes in Bergisch Gladbach lange verbunden waren, seien in der Pandemie Pleite gegangen, drei seien gestorben, ein Unternehmen sei abgebrannt und ein weiteres im Ahrtal im Hochwasser versunken, rekapituliert Unrau. Seine Warnungen, mit den Absagen in der Pandemie drohe diesem Brauchtum insgesamt das Ende, waren nicht unberechtigt.

Pfingstkirmes Bergisch Gladbach
4. bis 7. Juni, Konrad-Adenauer-Platz
u.a. mit folgenden Fahrgeschäften: Frisbee, Route 66, Musik-Express, Break Dance, Familien-Achterbahn, Kettenkarussell, nostalgisches Riesenrad, Schweinchenbahn, Kinderkarussell, Babyflug, Barockflieger.

Aufgrund dieser Ausfälle sei es auch nicht einfach gewesen, alle Plätze auf dem Konrad-Adenauer-Platz, hinter dem Bergischen Löwen und im Forumpark zu füllen, berichtet Unrau weiter. Nach und nach sei es jedoch gelungen, ein rundes Programm von Bekanntem wie dem Autoscooter Route 66 bis zu einem „nagelneuen Nachbau eine historischen Riesenrads“ aufzustellen.

Kirmes als Gemeinschaftswerk: Kirmesorganisator Burkhadt Unrau, Bürgermeister Frank Stein, Ute Unrau und Marco Euler von der Ordnungsbehörde sowie Wir-für-GL-Vorstand Ferdinand Linzenich

Dass es so gekommen sei, sei eine Gemeinschaftsleistung, betont Unrau bei dieser Pressekonferenz noch ausführlicher als sonst. Die Unterstützung u.a. durch den Bundestagsabgeordneten Hermann-Josef Tebroke und Innenminister Herbert Reul habe durch die Krise geholfen, die kontinuierliche Arbeit vieler Hände und Köpfe in der Stadtverwaltung den Neustart erst möglich gemacht.

 Änderungen für Wochenmarkt, Parkflächen und Busverkehr 

Der Stadthausparkplatz wird zum Wohnwagenplatz der Schausteller, der Parkplatz ist vom 30. Mai bis 8. Juni gesperrt.

Die Busspur am Konrad-Adenauer-Platz wird vom 30. Mai bis 8. Juni gesperrt; die Haltestelle Markt kann nicht angefahren werden. Die Ersatzhaltestelle befindet sich in An der Gohrsmühle, am Kreisverkehr.

Der Wochenmarkt zieht in die Fußgängerzone, am Mittwoch, 1. Juni, Samstag, 4. Juni und Mittwoch, 8. Juni.

Immerhin, daran erinnert Frank Stein, ist er als Bürgermeister der eigentliche Veranstalter der Kirmes. Innerhalb der Verwaltung trügen „sehr, sehr viele“ Personen zum Gelingen bei. Aber ohne ein Zugpferd wie Unrau würde es die Kirmes in Bergisch Gladbach womöglich schon lange nicht mehr geben: Seit 42 Jahren füllt er dieses Ehrenamt aus, nachdem sein Vater es 40 Jahre lang inne hatte.

Die Kirmes findet also wieder statt, „nicht trotz, sondern auch wegen des Kriegs in der Ukraine – und soll für leuchtende Augen sorgen“, sagt Unrau. Gerade in schweren Zeiten erfülle die Kirmes einen wichtigen Zweck, könne die Menschen über alle Herkünfte und Schichten hinweg zusammen bringen und für frohe Momente sorgen: „Auszeit vom Alltag, das bedeutet: Balsam für die Seele!“

Begegnungsfest für Flüchtlinge

Auch für Flüchtlinge aus der Ukraine gibt es ein Angebot. In einer Gemeinschaftsaktion mit dem Verein „Wir für Bergisch Gladbach“ und unterstützt von der Linzenich-Gruppe, die in diesem Jahr ihren 40 Geburtstag feiert, findet am Eröffnungstag der Kirmes im Pfarrgarten der Gnadenkirche ein Begegnungsfest statt. Mit einem anschließenden gemeinsamen Besuch auf der Kirmes.

Auch das eine Aktion, die in enger Abstimmung zwischen Stadtverwaltung, Schaustellerverein sowie Kirche und mit Unterstützung lokaler Firmen (neben der Linzenich-Gruppe ist das Quirls dabei) kurzfristig gestemmt wird. Die Anmeldungen für das Begegnungsfest laufen vor allem über die städtischen Sozialarbeiter:innen in den Begegnungszentren und Unterkünften.

Hinweis der Redaktion: Sie können diesen Beitrag auch in Ukrainisch oder anderen Sprachen lesen, nutzen Sie dazu bitte das Auswahlmenü oben links.
Примітка редактора: Ви також можете прочитати цю статтю українською чи іншими мовами за допомогою спадного меню вгорі ліворуч.

Keine Böller, aber Feuerwerk

Die traditionellen Böllerschüsse zur Eröffnung der Pfingstkirmes am Samstag um 12 Uhr fallen in diesem Jahr aus, mit Rücksicht auf die Menschen aus der Ukraine. Das Abschlussfeuerwerk am Dienstagabend werde es aber weiterhin geben, kündigt Unrau an. Denn „eine Kirmes ohne Feuerwerk ist keine Kirmes“.

Eine Entscheidung, die Bürgermeister Stein mitträgt: „Wir wollen etwas Licht in diese schwierige Zeit bringen.“

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

4 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Danke für das schöne Feuerwerk! Unser Baby lässt sich kaum beruhigen und zurück ins Bett bringen. Hat sich wirklich gelohnt die teure Knallerei! Das Geld hätte man auch Flüchtlingen zu Gute kommen lassen können. Hoffentlich hat sich keiner verletzt!

  2. Bukki Unrau: Denn „eine Kirmes ohne Feuerwerk ist keine Kirmes“.

    Muss man das verstehen? Ich würde sagen eine Kirmes ohne Fahrgeschäfte ist keine Kirmes. Und wenn es zum Schluß kein Feuerwerk geben sollte, war es keine Kirmes?

  3. Da hat sich leider der Fehlerteufel eingeschlichen. Denn „eine Kirmes ohne Feuerwehr ist keine Kirmes“.
    Sollte heißen, „eine Kirmes ohne trinkfeste Feuerwehr ist keine Kirmes“.
    Liebe Grüße

    1. Danke für den Hinweis. Sie haben zwar Recht, aber wir haben es etwas anders korrigiert ;-)