Das Kreishaus am Rübezahlwald. Foto: Thomas Merkenich

Die Frist bei der Bearbeitung der Anträge auf Elterngeld hat sich seit dem Frühjahr nicht verringert – sondern beträgt jetzt etwas mehr als vier Monate. Finanzielle Überbrückungshilfen gibt es zwar nicht, aber ein Angebot für echte Notlagen. Und eine Empfehlung für Antragsteller:innen.

Schon im Februar hatten wir über lange Bearbeitungsfristen in der Elterngeldstelle der Kreisverwaltung berichtet – damals hatte der Kreis auf Langzeiterkrankungen von Mitarbeiter:innen verwiesen und eine Einstellungsoffensive angekündigt. Die war auch erfolgreich, doch haben sich in der Zwischenzeit noch mehr Anträge angesammelt.

Die Bearbeitungszeit gehe nun zwar zurück, doch müssen Antragsteller:innen derzeit im Schnitt mit einer Frist von 17 Wochen rechnen, teilt eine Sprecherin der Kreisverwaltung auf Anfrage mit. 700 Anträge müssen aktuell noch bearbeitet werden.

Zwar wird das Elterngeld rückwirkend ausgezahlt, doch gebe es keine Hilfen für Eltern, die Wartezeit durch finanzielle Hilfen zu überbrücken. Eine Kreditgewährung oder andere kurzfristige finanzielle Übergangsleistungen seien zwar geprüft worden – aber aus rechtlichen Gründen oder aufgrund des vorgegebenen IT-Verfahrens des Bundes nicht möglich, so die Sprecherin.

In Notfällen sind schnelle Einzelentscheidungen möglich

Aber: Wenn jemand glaubhaft eine finanzielle Notlage schildere, würden Einzelfallentscheidungen getroffen und die Anträge „in kürzester Zeit abschließend bearbeitet“, sagt die Sprecherin. Daher sei die Bearbeitungszeit von 17 Monaten auch nur ein Richtwert.

Ohnehin sind Elterngeldanträge ein kompliziertes Geschäft, auch im Landesdurchschnitt liege die Bearbeitungszeit bei sechs bis sieben Wochen. Bis 2020 habe der Rheinisch-Bergische Kreis unter dieser Zeit gelegen und es in vier bis fünf Wochen geschafft.

Danach bremsten Quarantäne- und Krankheitsfälle die Bearbeitung massiv aus. Aufgrund der komplexen rechtlichen Materie kann der Kreis kein fachfremdes Personal einsetzen, die Einstellung von neuem Fachpersonal wurde vom allgemeinen Mangel an Fachpersonal belastet.

Elterngeldstelle zu 131 Prozent besetzt

Dennoch, so die Kreisverwaltung, seien inzwischen alle Stellen nachbesetzt. Zudem werden, soweit möglich, Fachkräfte aus anderen Abteilungen zur Unterstützung herangezogen.

Daher sei die Elterngeldstelle im Moment zu 131 Prozent besetzt und baue die Rückstände ab. Mit relativem Erfolg: die Zahl der unbefristeten Anträge sinke seit einigen Wochen kontinuierlich; sie hatte also zwischenzeitlich über fünf Monate gelegen.

Auch die Erreichbarkeit der Elternhotline sei auf jetzt 13 Stunden pro Woche ausgeweitet worden, so dass Eltern jetzt „eine realistische Möglichkeit“ haben, ihre Anliegen auch telefonisch anbringen zu können.

Die Hotline der Elterngeldstelle ist unter 02202 13 62 70 erreichbar, Montag und Mittwoch von 9 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr sowie Donnerstag von 9 bis 12 Uhr. Zudem per Fax (02202 1310 6270) und Mail. Weitere Infos auf der Website.

Verzögerungen ergeben sich u.a. auch durch lange Vorlaufzeiten, wenn Dokumente wie zum Beispiel eine Geburtsurkunde fehlen und neu ausgestellt werden müssen. Alleine das könne bis zu sechs Wochen dauern. Daher weist der Kreis ausdrücklich darauf hin, dass Anträge auch unvollständig eingereicht und die fehlenden Dokumente nachgereicht werden können.

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Redaktion

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3 Kommentare

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  1. Ich warte mittlerweile seit fast 6 Monaten auf mein Elterngeld. Nach mehr als vier Monaten wurde ich das erste Mal benachrichtigt, dass noch ein Schreiben meines Arbeitgebers fehle. Nirgends stand im Vorhinein zu lesen, dass dieses benötigt wird. Ich habe dieses fehlende Schreiben sofort nachgereicht, und nun warte ich immer noch auf mein Geld. Das ist mehr als ärgerlich, zumal jeder der Elterngeld beantragt, ja auch dringend darauf angewiesen ist. Die ersten Monate mit einem Baby sollten meiner Meinung nach so entspannt wie möglich sein. Das ist jedoch kaum möglich, wenn man in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Das muss sich dringend ändern. So kann es nicht bleiben! Dafür habe ich kein Verständnis. Fachkräftemangel hin oder her!

  2. Das hilft leider selbständigen Müttern nicht, die ohnehin schon keine Lohnfortzahlung im Mutterschutz, dafür aber ggf. fortlaufende Kosten im Rahmen der Selbständigkeit haben. Mir wurde auf Nachfrage schnell geholfen und mein Antrag vorgezogen. Fair und sinnvoll ist das so aber sicher nicht.

  3. Lange Bearbeitungszeiten bei Elterngeldanträgen:

    Wird der Antragsteller oder die Familie durch die Nichtzahlung von Elterngeld aufgrund derlangen Bearbeitungszeiten bedürftig, besteht die Möglichkeit einen Antrag auf Leistungen nach dem SGB II (Hartz IV/ab Januar Bürgergeld) zu stellen.
    Das Jobcenter würde dann in diesem Fall in Vorleistung treten.
    Eine Beratung hierzu ist auch bei den offenen Sprechstunden der Jobcenter (siehe Veröffentlichung auf der Homepage des Jobcenters Rhein-Berg) ohne Terminvereinbarung möglich.