Catrin Rind ist die stellvertretende Leiterin des Familienzentrums St. Marien in Gronau. Foto: Holger Crump

Catrin Rind ist Erzieherin und stellvertretende Einrichtungsleiterin des Katholischen Familienzentrums St. Marien. Im Gespräch erzählt sie, wie die wenigen Kita-Plätze auf sehr viele Bewerbungen verteilt werden und wie man bei der Anmeldung am besten vorgeht. Sie berichtet aus ihrer Arbeit, in der Überbelastung und Unterbezahlungen aufeinandertreffen und so zum Personalmangel beitragen.

„Weil wir zu wenig Fachkraftstunden und Personal haben, können wir statt regulär 80 Kinder nur 64 hier im Haus betreuen“, sagt die Erzieherin Catrin Rind. Eine Gruppe habe zur Hälfte geschlossen werden müssen. Das passt ins aktuelle Bild – 16 weitere Stellen, die auf dem angespannten Markt für Kita-Betreuungsplätze fehlen.

Das Familienzentrum St. Marien in der Trägerschaft der Katholischen Jugendagentur Leverkusen – Rhein-Berg – Oberberg versorgt Kinder im Alter von vier Monaten bis zum Schuleintritt. Das Gebäude an der Mülheimer Straße im Stadtteil Gronau wird seit 1958 als Kita genutzt, wurde 1975 und 1994 jeweils erweitert.

„Wir haben in diesem Jahr Renovierungsarbeiten machen lassen, zum Beispiel wurden die Parkettböden abgeschliffen.“ Im kommenden Jahr sei die Erneuerung der Sanitärbereiche geplant.

Weniger Plätze als theoretisch möglich, eine veraltete Infrastruktur: Das Katholische Familienzentrum St. Marien gehört zu den 69 Einrichtungen in Bergisch Gladbach, die Kinder ab unter einem Jahr bis zum Übergang in der Schule betreuen.

Und die nicht ausreichen, auch hier in Gronau ist die Nachfrage nach Betreuungsplätzen riesig.

Anmeldung über viele Wege

„Pro Jahr bekommen wir eine Vielzahl an Anfragen – es ist noch dreistellig“, sagt Rind. Die Anfragen kämen auf verschiedenen Wegen in der Kita an: „Natürlich über Little Bird, das Meldeportal der Stadt. Dann kommen Interessenten ganz normal in die Kita und füllen Anmeldebögen aus. Schließlich landen Eltern auch über Anfragen beim Jugendamt bei uns.“

Den dreistelligen Anmeldewünschen stünden im Schnitt rund 20 freie Plätze gegenüber, „je nachdem wie viele Vorschulkinder die Kita pro Jahr verlassen.“

Auswahl entlang der Vergaberichtlinien

Wie erfolgt die Vergabe der raren Plätze? „Wir haben Vergaberichtlinien, die mit dem Träger und dem Elternrat beschlossen worden sind. Hierzu gehören zum Beispiel die Berücksichtigung von Geschwisterkindern oder der Familiensituation, die Altersstufe des Kindes oder die gewünschte Stundenzahl“, erläutert die stellvertretende Leiterin der Kita.

Die Religionszugehörigkeit spiele weniger eine Rolle. Eine alleinerziehende Mutter oder ein Geschwisterkind hätten in jedem Falle Vorrang bei der Auswahl.

Mehrere Bewerbungen ratsam

Foto: Holger Crump

Da bleiben viele Familien, die ihr Kind im Katholischen Familienzentrum St. Marien betreuen lassen wollen, auf der Strecke. „Ich glaube es ist ratsam, sich bei mehreren Kitas zu bewerben“, sagt die Erzieherin. Es würden zu viele Plätze fehlen, als dass eine einzige Bewerbung aussicht auf Erfolg hätte.

Wie geht man am besten vor? Catrin Rind empfiehlt zunächst die Anmeldung über Little Bird, man könne sich bei bis zu fünf Einrichtungen anmelden und diese priorisieren. „Die Anmeldungen landen direkt bei uns, wir bearbeiten diese weiter, nehmen sie in unser System Kita Plus auf, versenden Eingangsbestätigungen.“

Empfehlenswert seien aber auch direkte Anmeldungen in den Kitas. Alternativ ein Anruf beim Jugendamt um freie Kapazitäten abzufragen und mit einer Kita verbunden zu werden. „Dort weiß man wann und wo freie Plätze vorhanden sind.“

Sichtbar machen und bleiben

Damit ist es jedoch noch nicht getan. „Ich würde Eltern raten, parallel zu ihrer Bewerbung in den Einrichtungen anzurufen, einen Besuchstermin zu vereinbaren, um dann vor Ort offene Fragen zu klären, sich ein Bild von den Erzieherinnen und Erziehern sowie dem Einrichtungs-Konzept zu machen.“

So bekomme die Anmeldung der Eltern „ein Gesicht“, und man bleibt mit regelmäßigen Gesprächen oder Besuchen bei Sommerfesten „sichtbar“. Es sei einfach auch der Eindruck, der zähle.

Aber auch die Dosis sei wichtig. Penetranz in der Bewerberphase sei nicht ratsam.

Catrin Rind. Foto: Holger Crump

Zahnloser Tiger

Und wenn es dennoch nicht klappt? „Den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz können Eltern natürlich geltend machen. Wenn man Glück hat, dann ist in der Stadt passend zur Altersstufe ein Platz frei. Das kann aber dann in einem völlig anderen Stadtteil sein,“ erklärt Rind.

Wer dann nicht mobil sei, der habe ein Problem. Insofern sei der Rechtsanspruch ein stückweit ein zahnloser Tiger. Hinzu käme, dass die Eltern bei dieser Form der Zuweisung die Einrichtung nicht unbedingt vorher kennen würden, „auch nicht das Personal oder das pädagogische Konzept.“

Anmeldung frühzeitig

Die Entscheidung der Kita über die Aufnahme von Kindern falle in ihrer Einrichtung in der Regel um den Jahreswechsel herum. „80 Prozent der Eltern melden ihr Kind daher Ende Sommer oder Anfang Herbst für eine Aufnahme im Folgejahr an.“

„Nur ein kleiner Teil der Eltern melde die Kinder sehr früh an, für einen Betreuungsbedarf der erst in einigen Jahren eintrete. Es sollte aber zumindest ein Geburtsdatum vorhanden sein“, schmunzelt Rind. Während der Schwangerschaft ein Kind anzumelden sei schwierig.

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Einen echten Vorteil habe man durch eine frühzeitige Anmeldung nicht unbedingt, außer dass man dann keine wichtigen Termine oder Deadlines verpasst. „Wenn man sich früh anmeldet, dann befindet sich das Kind bereits im System. Es ist aber gleichwohl ratsam, sich zwischendurch immer wieder zu melden.“

Mehr Personal nötig

Was muss getan werden, damit der Engpass bei den Kita-Plätzen behoben wird?

„Mehr Einrichtungen zu bauen macht zunächst einmal Sinn. Er bringt aber nichts, wenn der Arbeitsmarkt für Erzieherinnen und Erzieher leergefegt ist. Und der ist leer“, konstatiert Catrin Rind.

Der Beruf habe nicht zuletzt in der Pandemie an Attraktivität verloren, da er angesichts der Anforderungen von Wirtschaft und Gesellschaft immer komplexer werde.

Und auch weil sich das Rollenbild in der Familie gewandelt habe. Von der stundenweisen Betreuung sei man mittlerweile in den Einrichtungen nahezu bei einer Rundum-Betreuung gelandet.

Catrin Rind und Sabine Sistig, Presse Katholische Jugendagentur Leverkusen, Rhein-Berg, Oberberg, Foto: Holger Crump

Überlastung und Unterbezahlung

„In unserem Konzept hier in der Kita steht: Wir arbeiten Familien-ergänzend. Oft ist es aber Familien-ersetzend,“ sagt die Erzieherin. Vieles, was zuhause nicht mehr geleistet würde, müsse die Kita auffangen. Hinzu käme ein hoher Dokumentations- und Kommunikationsaufwand.

„Offen gesprochen: Das steht im deutlichen Missverhältnis zur Bezahlung. Das Gehalt müsste dringend angepasst werden, um den Beruf attraktiver zu machen“, fordert Rind. Dabei hätten es die Beschäftigten der Katholischen Jugendagentur noch ganz gut, weil nach kirchlichem Tarif bezahlt wird.

Das Gehalt sei natürlich auch bei der Ausbildung ein Thema, die fünf Jahre umfasse. Die werde je nach Ausbildungsweg – bis auf das Anerkennungsjahr – nicht vergütet.

„Unser Bildungsniveau entspricht einem Bachelor, das Prestige ist aber ein ganz anders“, bilanziert die stellvertretende Leiterin des Familienzentrums. „Und ich halte nicht nur acht Stunden die Bastelschere!“

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Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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