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Seit 44 Jahren spielt er Schlagzeug, seit 30 Jahren ist er Berufsmusiker, und im kommenden Jahr feiert seine Musikschule „Rhythmusfabrik“ in Bergisch Gladbach ihren zehnten Geburtstag. Bodo von Lonski ist erfolgreich als Live-Musiker, Musiklehrer und Macher in einem Business, das viel Eigeninitiative erfordert.

Der Schlüssel für seinen Erfolg liegt lange zurück: „Alle in unserer Familie waren im Blasmusikverein in Königswinter aktiv. Irgendwann fragte mein Vater, ob ich es nicht auch versuchen wolle.“ Und lenkte den siebenjährigen Bodo von Lonski sanft in Richtung Trommel. Die Position war gerade vakant.

Das war dann wohl der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft, es folgten erste Unterrichtsstunden. „Seither brenne ich für das Schlagzeugspiel,“ bekennt von Lonski im Gespräch.

Foto: Thomas Merkenich

Mit dem Mofa zum Unterricht

Den ersten Kick bekam er ein paar Jahre später: Beim Konzert des Blasorchesters auf dem Winzerfest im Heimatort durfte er einen Profi-Musiker ersetzen. Das habe geklappt, und sei für ihn ein Sprung nach vorne gewesen, meint von Lonski.

Mit 15 fing er dann selbst an, Schlagzeugunterricht zu geben. Die ersten drei Schüler habe er über einen Aushang im örtlichen Jugendzentrum gefunden und sei mit dem Mofa zum Unterricht gefahren.

1989, mit 19 Jahren, entschied er sich dann für das Leben als Berufsmusiker – nicht ganz ohne Proteste der Familie. „Wie soll das denn gehen“, fragten die Eltern. „Ich weiß es auch nicht, aber ich will es machen“, so die lapidare Antwort.

Foto: Thomas Merkenich

Einfach anpacken

Das Machen – bei Bodo von Lonski der zentrale Antrieb für viele Projekte, die er anging. „Ich habe viel über das Anpacken gelernt“, sagt er oft. Und zeigt auf die drei Soundkabinen in seiner Musikschule. Da die umliegenden Büros im Gebäude vermietet waren hat er die schallisolierten Räume vor zehn Jahren selbst gebaut. „Dazu habe ich das Internet leergeguckt und dann losgelegt. Vorher konnte ich nur einen Nagel krumm in die Wand schlagen.“

Auch Stationen seiner Musikerkarriere verdankt er dem Machen: So fand er über die Gestaltung von Firmen-Events zum Event-Drumming. Mit eigens konstruierten Instrumenten, einer eigenen Notation, verschiedenen Konzepten zur Anwendung – ob bei Unternehmen oder auf Hochzeiten.

Über den Schlagzeugunterricht für ein adipöses Kind entwickelte er das Athletic Drum Workout. Und ließ sich auch dafür spezielle Instrumente anfertigen. Entwickelte Trainingskonzepte für den „Trommelsport“, wie er es nennt.

Er reüssierte als DJ und bespielte Partys, oft nachdem er vorher mit einer Band vor Ort noch Gala-Musik gespielt hat. Das seien lange Abende gewesen, Schlaf eher Mangelware.

Dann die eigene Musikschule. Corona war für ihn mehr Herausforderung als „Showstopper“. Klar, dass von Lonski das Konzept für den Online-Unterricht seiner Musikschule in optimaler Soundqualität flugs stehen hatte. „Die Schülerinnen und Schüler zogen mit, auch die Lehrerinnen und Lehrer hier an der Musikschule.“

Heute genügten ein paar Handgriffe, und er könne vom Präsenz- in den Distanzunterricht wechseln.

Foto: Thomas Merkenich

„Du kannst ja nichts!“

Anpacken, lernen, weitermachen: Das prägte auch viele Stationen seiner Musikerkarriere. Etwa wenn er in jungen Jahren für einen Gala-Abend gebucht wurde und „vom Blatt spielen“ musste. Und danach anfing, das Notenlesen zu pauken.

Oder wenn er von seiner musikalischen Ausbildung an den Musikschulen in Köln und Bonn berichtet: „Du kannst ja noch nichts“, meinten seine Lehrer Sperie Karras, Michael Küttner und Gunnar Plümer unisono, bei denen er das Big Band- und Jazz-Combo-Spiel erlernte.

Anscheinend mit Erfolg – den nach erfolgreichem Besuch der Musikschulen rieten sie ihm von einem zusätztlichen Studium ab. Er könne alles was er brauche, hieß es.

Wozu auch an die Hochschule? Er hatte Schüler, hatte Engagements „zeitweise bei zehn Bands gleichzeitig“. Die Kasse stimmte. Und aus Zeugnissen macht sich Bodo von Lonski, man ahnt es, nicht wirklich viel. „Nach einer Ausbildung am Konservatorium bin ich vielleicht zehnmal gefragt worden, das spielte nie eine Rolle.“

Foto: Thomas Merkenich

Private Musikschule

Nun steuert die Rhythmusfabrik im kommenden Jahr auf ihr zehnjähriges Bestehen zu. Sieben Lehrerinnen und Lehrer unterrichten dort Schlagzeug, Klavier, Gitarre und Gesang. Aus dem Macher Bodo von Lonski ist der Leiter einer privaten Musikschule in Bergisch Gladbach geworden.

Kinder ab sechs Jahren und natürlich junge Menschen und Erwachsene – das Angebot richtet sich an alle. „Die Leute wollen vor allem Musik machen“, so von Lonski. Vorspielkonzerte und Wettbewerbe stehen weniger im Fokus. Wenngleich er auch bereits junge Musiker bis zum Studienbeginn am Konservatorium begleitet hat.

Die Nachfrage sei ungebrochen. Ein Instrument zu lernen sei ein wunderbarer Gegenpol zur digitalen und virtuellen Welt, ist sich von Lonski sicher. Davon könne man sich in einer Probestunde überzeugen.

Foto: Thomas Merkenich

Höhere Motivation

„Beste Bedingungen für Musikunterricht zu schaffen“, darum gehe es ihm in der Rhythmusfabrik. Das schließe auch die Beratung der Musizierenden mit ein: Beim Kauf eines Instrumentes oder auch der Beratung, ob in einer Mietwohnung überhaupt auf dem Schlagzeug geübt werden dürfe.

Gute Bedingungen schaffen – das reicht nach seinen Angaben bis zur Bezahlung seiner Lehrerinnen und Lehrer, die überdurchschnittlich sei. „Sind die Lehrer zufrieden, dann sind es auch die Schüler, und letztlich auch ich!“

Das mache sich auch beim Engagement der Lehrenden bemerkbar: „Die Motivation einer privaten Musikschule ist ungleich höher. Während kommunale Angebote aus dem Haushalt finanziert werden investiere ich meine Einnahmen und muss schauen, dass es läuft.“ Hier sieht von Lonski einen entscheidenden Qualitätsvorteil seines privaten Angebotes.

„Es gibt für jeden Menschen einen Platz in der Welt, für Dich auch“, habe ihm sein erster Schlagzeuglehrer gesagt. Es sei dann zwar ein Haufen Arbeit, aber am Ende zahle es sich aus.

Scheint so, als ob nach zehn Jahren Rhythmusfabrik die Zeit für neue Projekte gekommen ist.

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Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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2 Kommentare

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  1. Lieber Bodo!

    Auf diesem Wege herzlichen Glückwunsch zu dem was Du geschafft hast!

    Wir können Dich uneingeschränkt weiterempfehlen.
    Früher noch ein Geheimtipp aber mittlerweile stadtbekannt.

    Unser Sohn kommt super gerne in Deine Rhythmusfabrik und auch während des Lockdown warst Du immer ein Highlight „in“ unserem Keller!!!!
    Wir freuen uns auf weitere Jahre bei Dir!