Die Radverkehrsverbände ADFC Rheinberg-Oberberg e.V. und Pro Velo Bergisch Gladbach kritisieren die aktuellen Pläne der Stadtverwaltung, den zweiten Abschnitt der Altenberger-Dom-Str. in Schildgen lediglich im Bestand sanieren zu wollen. Sie sehen vergebene Chancen und schlagen zum Vorteil aller Verkehrsteilnehmenden einen Kompromiss vor.

Ein erster Konzeptentwurf des Planungsbüros MWM für den zweiten Abschnitt der Altenberger-Dom-Str. zwischen Leverkusener und Schlebuscher Straße – vorgestellt im November 2021 – basierte auf einer Radverkehrsführung im Seitenraum.

+ Anzeige +

Die Verknüpfung der vorgesehenen Hochbordradwege mit den vorhandenen Zwei-Richtungsradwegen aus und in Richtung Odenthal und Schlebusch sollte über einen Kreisverkehr erfolgen (s. Entwurfskonzeption – Lageplan).

Die Stadtverwaltung hat im „Ausschuss für Mobilität und Verkehrsflächen“ am 31.5.2022 alternative Vorschläge (s. Ratsinfo-System) präsentiert, die kostengünstiger und schneller realisierbar sind.

Sie beruhen auf einer Sanierung der Fahrbahnfläche überwiegend im Bestand, gefolgt von Markierungsmaßnahmen zur Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn.

Diese Variante soll am 20. Oktober 2022 um 18 Uhr im Rahmen einer Bürgerinformation im Gebäude der Kreishandwerkerschaft in Schildgen vorgestellt werden.

Aktuell gibt es auf diesem Straßenabschnitt bis auf kurze und viel zu schmale Schutzstreifen an der Kreuzung zur Leverkusener Straße keine Radverkehrsinfrastruktur. Die hohe Verkehrsbelastung erfordert allerdings zur Stärkung des Radverkehrs eine sichere, intuitive und durchgängige Radverkehrsführung.

Der ADFC und Pro Velo haben sich intensiv mit den Plänen befasst und zusammen mit einem Vereinsmitglied aus Schildgen eine Ortsbegehung durchgeführt. Dabei sind einige Schwachstellen der städtischen Planung aufgefallen.

Die aktuelle Situation, Höhe Eisdiele mit Falschparkern und gefährlichem Überholmanöver. Foto: ADFC

1. Westliche Seite: (Schlebuscher bis Leverkusener Str.)

Die Stadtverwaltung plant, Bushaltestellen und Knotenpunkte bzw. Einmündungen barrierefrei umzubauen. Der dort befindliche Gehweg ist derzeit in weiten Teilen aber deutlich zu schmal und müsste im Zuge der Barrierefreiheit ebenfalls verbreitert werden. Durchgängig in einer Regelbreite von 3,0 m (inkl. Sicherheitstrennstreifen zur Fahrbahn) sollte auf selbigem dann eine Kennzeichnung zur Nutzung als gemeinsamer Geh- und Radweg vorgesehen werden.

Bergauf erfüllt diese geschützte – da baulich getrennte – Führung die aufgrund der hohen Verkehrsdichte inkl. Schwerlastverkehr besonderen Sicherheitsansprüche der dort eher langsamen Radfahrenden. Gleichzeitig wäre Halten und Parken z.B. von Lieferdiensten am Fahrbahnrand grundsätzlich auf dieser Seite weiterhin möglich.

Beides wäre neben Schutz- oder Radfahrstreifen, wie von der Stadtverwaltung vorgesehen, nicht mehr erlaubt. So profitieren neben Radfahrenden und Fußgänger*innen auch die Anlieger von dieser alternativen Lösung.

2. Östliche Seite: (Leverkusener Str. bis Beginn des heutigen Parkstreifens)

Zur konsequenten Absicherung u.a. des Schulverkehrs zur Concordiaschule wird ab der Voiswinkeler Str. die ursprünglich vorgesehene Einrichtung eines Hochbordradweges eindeutig bevorzugt. Ein entsprechender Umbauaufwand wird an dieser Stelle durch die Stadt aber leider nicht weiterverfolgt.

Daher wird durch die Radverbände die Freigabe des Gehwegs für den Radverkehr vorgeschlagen, damit unsichere Radfahrer*innen und Schüler*innen nicht im Mischverkehr oder auf zu schmalen Schutzstreifen fahren müssen. Dazu muss das Hochbord evtl. abschnittsweise verbreitert werden.

Im Bereich der Eisdiele müssen Rad- und Fußverkehr zwingend durch geeignete Maßnahmen wie z.B. Poller vor regelwidrigem und gefährdendem Gehwegparken geschützt werden. Schneller Radverkehr soll auf der Fahrbahn im Mischverkehr – also vor bzw. hinter dem KFZ-Verkehr und nicht auf Schutzstreifen eng daneben – mit Fahrradpiktogrammen auf der Fahrbahn fahren.

3. Östliche Seite: (heutiger Parkstreifen bis Schlebuscher Str.)

Auf Höhe der alten Tankstelle könnte eine zusätzliche Querungshilfe für den Fußverkehr und am Beginn des heutigen Parkstreifens eine Lade- bzw. Lieferzone eingerichtet werden. Im Anschluss dann der auch von der Stadtverwaltung unter Entfall der PKW-Stellplätze vorgeschlagene Radfahrstreifen, der durchgängig bis zum Knotenpunkt an der Schlebuscher Straße geführt wird.

Hier muss aufgrund des Gefälles und der dadurch resultierenden höheren Rad-Geschwindigkeit der Rad- vom Fußverkehr getrennt und eine Regelbreite von 2,0 m (statt der geplanten Breite von 1,85 m) für den Radfahrstreifen berücksichtigt werden. Zum Schutz vor widerrechtlich abgestellten Fahrzeugen ist zusätzlich eine Protektionsmaßnahme mit Sichtzeichen, Leitschwellen oder Pollern notwendig.

4. Knoten Schlebuscher Straße

An der Ausführung als Kreisverkehr sollte festgehalten werden. Die derzeitige Planung der Stadtverwaltung missachtet die Notwendigkeit eines zusammenhängenden Radwegenetzes im Hinblick auf die 2-Richtungsradwege nach Odenthal und Schlebusch.

Zusätzlich ist eine verkehrsverlagernde Wirkung der Knotenumgestaltung zum Kreisverkehr auf die Schlebuscher zur Entlastung der Leverkusener Str. zu erwarten.

Vorteile im Überblick

  • barrierefreier Ausbau von Gehwegen
  • baulich getrennter Schutzraum für bergauf langsam fahrende Radfahrer*innen
  • Möglichkeit zum Halten und Parken auf der Westseite und Ladezone
  • Schutzstreifen – u.a. eine Gefährdung durch zu enges Überholen – werden vermieden
  • Radfahrer sind auf dem kurzen Stück zwischen Voiswinkeler Str. und Concordiaweg im Mischverkehr sicherer als auf Schutzstreifen
  • sicherheitsbedürftige Radfahrer können durch das Angebot „Radverkehr frei“ auch Gehweg nutzen
  • Entschärfung neuralgischer Abschnitt im Bereich der Eisdiele
  • Falschparken auf Radfahrstreifen und dadurch Gefährdung von Radfahrenden wird durch geeignete Protektion verhindert
  • hohe Akzeptanz der Radverkehrsanlage hinsichtlich subjektivem Sicherheitsempfinden
  • Trennung von Rad- und Fußverkehr bergab wegen hoher Geschwindigkeiten
  • Kreisverkehr bietet intuitiven Anschluss an das bestehende Radnetz
  • mögliche Entlastung der Leverkusener Str. durch Kreisverkehr Schlebuscher Str.

Das Alternativ-Konzept der Fahrradverbände bietet eine Option, die neben den Bedürfnissen der Radfahrenden auch Nutzungsinteressen des Fuß- und Schulverkehrs sowie der Anlieger besser berücksichtigt und dennoch weniger aufwendig ist als ein Vollumbau.

Aufgrund der notwendigen Nachhaltigkeit der Maßnahmen halten ADFC und Pro Velo die im Vergleich zum Verwaltungsentwurf höheren Investitionen und den u.U. längeren Realisierungszeitraum für gerechtfertigt. Sie fordern die einmalige Chance hinsichtlich der aufgezeigten Verbesserungen nicht ungenutzt zu lassen.

image_pdfPDFimage_printDrucken

ADFC

Der ADFC ist ein Verband von RadlerInnen, die das Ziel verfolgen, den Verkehr fahrrad- und fußgängerfreundlicher zu gestalten. Neben seinem Engagement für eine umweltbewusste und damit nachhaltige Mobilität berät der ADFC in allen Fragen rund ums Fahrrad. Eine Vielzahl von geführten Radtouren läßt...

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

6 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Unter Punkt 1 beschreibt Herr Havermann die Situation richtig! Um es klar wieder zu geben: Die überwiegende Anzahl der Radfahrenden ist (leider) rücksichtslos gegenüber zu Fuß gehenden.

    Um den Bedürfnissen der Radfahrenden endlich gerecht zu werden, sollten Autofahrten einschließlich Lieferverkehr verboten werden und nicht Radfahrende verpflichtet werden ihre Wohnung/ihr Haus nicht mehr zu verlassen. So ist gewährleistet, dass für Radfahrende immer und überall Platz genug ist.

    Sie können dann ungehindert durch ehemalige Fußgängerzonen rasen, die früheren Bürgersteige sind frei von Umherlaufenden und die Straßen breit genug um nebeneinander gemütlich zu radeln – es wird also keine Radfahrender in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt (Polemik Ende).

    1. Das grundsätzliche Problem ist die Aufteilung des (innerstädtisch naturgemäß begrenzten) Verkehrsraums: 90% davon wird bisher den Kraftfahrzeugen gegeben. Dass es da auf den verbleibenden ca. 10% zu Konflikten zwischen Rad- und Fußverkehr kommt, kann kaum überraschen.

      Wenn dem nicht-motorisierten Verkehr mehr Platz eingeräumt wird, löst sich das Problem in Wohlgefallen auf. Tief schlucken: Ja, das bedeutet, dass Autos ihren „natürlichen“ Vorrang verlieren und nunmehr gleichberechtigt neben anderen Verkehrsarten stehen sollen!

      Ein parkendes Auto benötigt rund 12 Quadratmeter (inkl. Abstand), und das nicht selten im öffentlichen Straßenraum. Für dieses (mit Steuergeld bezahlte) Privileg gibt es keine Rechtfertigung – dieser Platz sollte für Alle nutzbar sein, z.B. in Form von Parks, Geh- und Radwegen.

  2. 1) Westliche Seite:
    Wenn die Herrschaften der beiden Fahrrad-Vereine alle Radfahrer disziplinieren könnten, wäre das eine Lösung. Da dies aber nach den Erfahrungen mit dem Radverkehrs kaum möglich erscheint, sind Unfälle vorprogrammiert. Nun kann man anführen, dass Unfälle mit Autos schlimmer ausfallen können als mit Fahrrädern, stimmt, aber müssen die deshalb vorprogarmmiert werden?

    2) Östliche Seite.
    Gleiches Problem. Dass parkende Autos auf Rad- und Gehwegen unbedingt verhindert werden müssen, ist unabänderlich. Die Vorschläge dazu bevorzugen aber – wie sollte es auch anders sein – nur die Radfahrer. Auch hier wieder für unausweichlich nfolgende Unfälle.

    „bietet eine Option, die neben den Bedürfnissen der Radfahrenden auch Nutzungsinteressen des Fuß- und Schulverkehrs (sind Fußgänger andere Menschen als Schulfußgänger?) sowie der Anlieger (sicher nicht die der Händler) besser berücksichtigt“. Hallo, gibt es auch Autofahrer, fallen die wieder hinten runter, müssen die nun die 50-jährige Tatenlosigkeit der Stadt hinsichtlich Verkehrsplanung immer noch alleine ausbanden?

    Warum kann man nicht die Radfahrer im Chaosbereich der Altenberger Dom Str. von der Kempener Str. über den Odenthaler Marktweg und „Am Schilde“ zur Karl-Giesenstr. und weiter über „Im Aehlemmar“ und dem kleinen Weg auf die Voiswinkler Str. und umgekehrt leiten? Ist das ein zu großer Umweg, stört es die Anrainer zu sehr und ist deshalb unpopulär?

    Da wird man nie müde zu nerinneren, dass es 3 Gruppen von Verkehrsteilnehmern gibt, auch wenn die Drahtesel-Fraktion das imer zu vergessen scheint.

    1. Sehr geehrter Herr Havermann,
      zu Punkt 1: damit Unfälle zwischen FußgängerInnen und RadfahrerInnen möglichst vermieden werden, muss das vorhandene Hochbord deutlich verbreitert werden.

      Da die Strecke bergauf führt, hält sich die Geschwindigkeit der RadfahrerInnen in Grenzen. Das genau führt aber auf der Fahrbahn zu „vorprogrammierten“ Gefahrensituationen.

      zu Punkt 2: wie soll das Parken auf Geh- und Radwegen, denn Ihrer Meinung nach verhindert werden? Von allein geschieht es offensichtlich nicht, wie man immer wieder auf Höhe der Eisdiele (zu Öffnungszeiten) bewundern kann.
      zum Punkt „Umleiten“: die von Ihnen vorgeschlagene Umleitung des Radverkehres bringt an dieser Stelle überhaupt nichts, denn wir sprechen vom Abschnitt Leverkusener Straße bis Schlebuscher Straße.

      zum Punkt „alle berücksichtigen“: die vorgeschlagenen Veränderungen bringen auch den AutofahrerInnen und FußgängerInnen Vorteile:

      – wenn die RadfahrerInnen nicht mehr auf der Fahrbahn bergauf kriechen sondern auf dem Hochbord fahren, entfällt der Sicherheitsabstand von 1,5m
      – neben einem Schutzstreifen ist das Halten und Parken verboten. Das dürfte für PostkundInnen und -lieferfahrzeuge schwierig werden. Neben einem Hochbord ist dies möglich.
      – die Fahrweise bergab auf einem Fahrradstreifen schützt in hohem Maße die FußgängerInnen.

      Ich finde die Vorschläge der Fahrradverbände sind eine deutliche Verbesserung gegenüber der städtischen Pläne und sogar gegenüber der Pläne des Planungsbüros, das keine Ladezone auf Höhe der Post und auch keine Querungshilfe eingeplant hatte.

    2. Herr Havermann, ich bin Anrainer im genannten Bereich, den die Radfahrer als Umfahrung des Chaosbereichs nutzen sollen. Radverkehr stört mich nicht.

      Typischerweise produzieren aber die zwei fotografierten Gehwegparker vor Eis Pol im Bereich der Altenberger Dom Str. einen wesentlichen Teil der Probleme für die Radfahrer und Fußgänger.

      Und genau die Radfahrer sollen das Problem der Autofahrer lösen?

    3. Herr Havermann,
      Zu1) bergauf wäre ein breiter Radfahrstreifen sicher besser, allerdings reicht der Platz dafür nicht aus. Vorteile hier aber: breitere Gehweg für Fußgänger (dann Barrierefreiheit), Schutz vor KFZ (Radfahrer) und als Autofahrer kann man Radfahrer bequem überholen, und hängt nicht dahinter, bis Dich im Gegenverkehr eine Lücke auftut. Bei genauerem Hinsehen also eine Verbesserung für ALLE Verkehrsgruppen.

      Bei einer Hauptverkehrsstraße ohne Radwege ist der Vorschlag keine „Bevorzugung“ des Radverkehrs, sondern ein kleiner Schritt in Richtung Gleichberechtigung!

      Eine (an Einfahrten unterbrochen) Leitschwelle (wie in Odenthal hinter dem ersten Kreisel) auf der Mittellinie zwischen Eisdiele und Concordiastraße würde das halbseitige Parken auf dem Gehweg verhindern und gleichzeitig den Radverkehr vor gefährlichen Überholmanövern schützen. Gleichzeitig trauen sich dann vermutlich mehr Radfahrer auf die Fahrbahn und der Fußgänger hat mehr Ruhe. Ob allerdings die Fahrbahn auch für Kinder gut geeignet ist, steht auf einem anderen Blatt. Daher ist eine Freigabe des Gehweg (in annähernd Schrittgeschwindigkeit!) eine gute zusätzliche Option.

      Es geht im Übrigen hier NICHT um den Abschnitt Kempener bis Voiswinkeler Straße. Ihr Umleitungsvorschlag funktioniert aus mehreren Sichtweisen nicht.
      – Es gibt Ziele im Umgeleiteten Bereich, daher ist dort dennoch ein Radweg erforderlich.
      – Ihre Strecke ist sehr verwinkelt, deutlich länger und benötigt erheblich mehr Zeit. Zusätzlich stellen die dort teils am Fahrbahnrand abgestellten PKW ein Risiko dar und zwingen bei Gegenverkehr zum Anhalten. Also auch bei nur einem der Punkte keine geeignete „Radhauptverbindung“.