Foto: Pixabay

Knapp ein Jahr ist die Selbsthilfekontaktstelle im Rheinisch-Bergischen Kreis nun aktiv. Hier finden Menschen die eine Selbsthilfegruppe gründen wollen, wertvolle Beratung. Nach der Eröffnung neuer Büros an der Odenthaler Straße sollen die Räume bald für Gruppentreffen genutzt werden. Erstmals können auch Selbsthilfeinitiativen zu sozialen Themen dank der Unterstützung durch den Kreis gefördert werden.

Der Kreis hat in die Selbsthilfe investiert. Seit Jahresbeginn gibt es eine eigene Selbsthilfekontaktstelle im Rheinisch-Bergischen Kreis, betrieben vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.

+ Anzeige +

Vorher gab es lediglich ein Selbsthilfebüro mit je einer Beraterin und Sachbearbeiterin. Die neue Kontaktstelle ist mit zwei Fachkräften personell besser ausgestattet. Im September hat die Kontaktstelle zudem neue Büros an der Odenthaler Straße bezogen.

Möglich wurde all dies durch eine Erhöhung der Zuschüsse durch den Kreis.

Selbsthilfe-Kontaktstelle Rheinisch-Bergischer Kreis
Odenthaler Str. 19, 51465 Bergisch Gladbach
Telefon: (0 22 02) 936 89 21
Mail: selbsthilfe-rbk@paritaet-nrw.org
Internet: www.selbsthilfe-bergisches-land.de
Sprechzeiten: Montag 14 bis 16.30 Uhr, Mittwoch 9 bis 12.30 Uhr, Donnerstag 9 bis 12.30 Uhr und nach Vereinbarung
Ansprechpartnerinnen: Nicole Stein, Vera Kaselofsky, Angela Orth

Beratungsbedarf nach wie vor hoch

Nicole Stein von der Selbsthilfekontaktstelle, Foto: Holger Crump

„Die Anfragen zur Selbsthilfe sind nach wie vor auf hohem Niveau“, zieht Nicole Stein von der Kontaktstelle jetzt ein erstes Resümee. Zudem verzeichne man durch die Lage im Ärztehaus nahe der Innenstadt mehr Laufkundschaft, was nicht zuletzt zu spontanen Gesprächen rund um die Selbsthilfe führe.

Aktuell seien einige Gruppengründungen im Gespräch oder in konkreter Vorvereitung: So gehe es um Migräne, in Wermelskirchen könnte sich ein Angebot zu Multipler Sklerose entwickeln, in Untereschbach werde ein Angebot zu Binge Eating (immer wiederkehrende Essanfälle) vorbereitet. In Burscheid wolle sich eine Gruppe zum Thema Sucht in Verbindung mit anderen psychischen Erkrankungen gründen.

Meetingraum steht bereit

Neben der Beratung zur Gruppengründung kann die Selbsthilfekontaktstelle demnächst auch konkret Unterstützung in der Infrastruktur anbieten. Denn gute Räume zu attraktiven Konditionen sind rar in der Stadt.

Vera Kaselofsky, Foto: Holger Crump

„Wir warten derzeit noch auf den Einbau von Schlössern für ein Zugangssystem mit Chips. Sobald dies vorhanden sind können Selbsthilfegruppen auch den Meetingraum hier in unseren Büros nutzen“, erklärt Vera Kaselofsky, die seit Mai 2022 die Kontaktstelle als Fachkraft unterstützt.

Neben passendem Mobilar für Gruppentreffen stehen abschließbare Schränke für Arbeitsmaterial bereit. WC und Teeküche ergänzen die Ausstattung. „Interessierte Gruppen können sich gerne bei uns melden“, so Kaselofsky.

Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe
In den Räumen der Selbsthilfekontaktstelle befindet sich auch das Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe. Pflegende Angehörige erhalten hier Informationen und bei Bedarf eine Vermittlung in Selbsthilfegruppen.
Ansprechpartnerin: Meike Harbeke
Sprechzeiten: Dienstags 9 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung
Adresse: Odenthaler Str. 19, 51465 Bergisch Gladbach
02202 93 68 930, 0173 214 92 21
Email: pflegeselbsthilfe-rbk@paritaet-nrw.org

Soziale Selbsthilfe möglich

Auch inhaltlich weitet die Kontaktstelle ihr Angebot aus. So können künftig Selbsthilfegruppen unterstützt werden, die sich um soziale Belange kümmern. „Einsamkeit und Trennung, Singles mit Kinderwunsch, alleinerziehend Menschen, Insolvenz, Harz IV-Bezug – bei diesen Themen können wir nunmehr Gruppengründungen unterstützen“, macht Stein deutlich.

Dies war bislang nicht möglich. Die Krankenkassen unterstützen lediglich die Selbsthilfe bei krankheitsbezogenen Themen wie Schwerhörigkeit, Adipositas oder Krebs. Mit Pauschal- und Projektmitteln zur Arbeit vor Ort, die bei den Kassen beantragt werden.

Soziale Themen fielen da bislang durchs Raster. Um aber auch soziale Selbsthilfe zu ermöglichen, stellt der Kreis nunmehr 10.000 Euro pro Jahr bereit. „Damit können wir uns breiter aufstellen und noch mehr Selbsthilfegruppen unterstützen“, freut sich Kaselofsky.

Nicht zuletzt da die Grenze zwischen gesundheitsbezogener und sozialbezogener Selbsthilfe nicht immer eindeutig ist. So sei Einsamkeit zum Beispiel keine Krankheit, könne aber durchaus Folgen wie Depression oder ähnliches nach sich ziehen.

image_pdfPDFimage_printDrucken

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.