Foto: Franz Hamm Fotografie

Advent, Advent ein Lichtlein brennt. Und bei Mama und Papa gehen die Lampen aus. Fug und Janina machen sich Gedanken darüber, warum selbst in der besinnlichsten Zeit des Jahres so viel Stresspotenzial in der Familie herrscht.

Eltern haben Stress. Gefühlt alle. Wenn wir mit Eltern sprechen, klagen alle über ähnliche Probleme: Wenig Schlaf, wenig Zeit für sich und mit dem Partner, Probleme mit den Kindern (Gesundheit, Kita, Schule…), Doppelbelastung mit der Arbeit und dann „droht“ noch Weihnachten!

Wir nennen Weihnachten mal provokant eine Bedrohung, weil wir die Familie gerade mit der Stresslupe beleuchten und Weihnachten ohnehin schon aus verschiedenen Gründen Stresspotenzial mitbringt. Dabei soll doch der Advent eine besinnliche, friedliche und freudvolle Zeit sein. Auch für Nicht-Christen.

Warum sind wir so gestresst? War das schon immer so? Sowohl Weihnachtsbräuche als auch Familien haben in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten einen Wandel durchgemacht. 

Die „klassische“ Kleinfamilie, bestehend aus zwei Generationen in einem Haushalt, gibt es zeitgeschichtlich gesehen erst seit Kurzem. Durch die Industrielle Revolution ab Ende des 18. Jahrhunderts lösten sich die Menschen immer mehr von der Landwirtschaft und dem dazu benötigten vererbten Grundbesitz.

Viele zogen in die Städte, um in Fabriken zu arbeiten. Dort gab es nur kleineren Wohnraum und so lebte man eben nur mit Partner*in und Kindern. Vorher lebte man in der traditionellen Großfamilie mit mindestens drei Generationen, den unverheirateten Geschwistern und Angestellten zusammen. Da waren mehr Leute, die sich um die Kinder kümmerten, oder?

Janinas Opa stammt aus einer bergischen Bauernfamilie, die genauso gelebt hat. Er war das jüngste von 13 Kindern. Seine Mutter hatte bestimmt keine Zeit für jedes einzelne Kind. Er hat immer erzählt, wie die Kinder sich gegenseitig beaufsichtigt und erzogen haben.

Gegenseitige Unterstützung – auch über die Familie hinaus

„Um ein Kind groß zu ziehen, braucht man ein ganzes Dorf“ – So in etwa heißt es in einem afrikanischen Sprichwort. Wo genau es herkommt, wissen wir leider nicht. Aber es scheint aus einer sehr vernünftigen Gegend zu kommen, denken wir als geforderte Eltern.

Sich gegenseitig zu unterstützen, kann sehr hilfreich sein. Auch über die Grenzen der eigenen Familie hinaus. Wir haben uns mit benachbarten Familien immerhin eine kleine Struktur aufgebaut. Die Kinder werden zwischen den Häusern zusammengesteckt und in der Not kann man sich gegenseitig helfen. Das beruhigt ungemein.

Hinweis der Redaktion: Diese Kolumne erscheint regelmäßig im Familien-Newsletter von Laura Geyer des Bürgerportals. Hier können ihr euch anmelden, wenn ihr nichts verpassen wollt, „was Familien in GL wissen müssen“.

Außerdem bekommen Janinas Eltern die Ehrennadel als unsere großen Familienhelfer. Wir brauchen schließlich für unsere Konzerte Kinderbetreuung oft am Wochenende. Damit sind wir natürlich ein Sonderfall und haben nochmal besonderes Stresspotenzial.

Besonders in der Weihnachtszeit floriert die Kinderunterhaltung. Wir hatten vor Corona so viele Auftritte im Advent, dass wir die Zeit gar nicht genießen konnten. Weihnachtsmärkte waren für uns Arbeitsplätze und nicht zur Freizeitgestaltung. Das macht auch Spaß, ist aber null besinnlich.

Muss Weihnachten immer Stress bringen?

Für viele sind die Adventswochen keine ruhige und kontemplative Zeit, sondern zusätzlicher Stress. Es gibt Weihnachtsfeiern auf der Arbeit, in der Kita, in der Schule usw., Weihnachtseinkäufe in der Stadt werden zum Kampf, alles muss zum Fest erledigt, eingepackt, geputzt, gekocht und gebacken sein. Und man muss natürlich immer gut drauf sein!

Dass die Art, Weihnachten zu feiern, sich durch Konsum und das Marketing eines koffeinhaltigen Erfrischungsgetränks stark verändert hat, ist wohl bekannt. Interessant finden wir, dass unser ständiger Begleiter seit zwei Jahren mit Namen Corona auch sehr viel Einfluss hatte.

Nicht nur schlechten, finden wir. Wir hatten 2020 den ersten ruhigen Advent und neben den Sorgen um unsere Arbeit hat es auch gutgetan. In diesem Jahr geht es wieder deutlich mehr los mit Konzerten und Veranstaltungen, aber wir wollen uns trotzdem auf die Besinnlichkeit besinnen. 

Den Stress in der Familie kann man nicht einfach verabschieden, aber lasst uns zusammenhalten und uns gegenseitig helfen – eine christliche Tradition, die unserer Meinung nach für alle gut ist. Vielleicht können wir etwas Stress gemeinsam wegsingen mit Glühwein oder Kinderpunsch in euren und Ukulelen in unseren Händen auf dem Weihnachtsmarkt.

Wir wünschen euch allen zum Jahresende eine Zeit für mehr Ruhe, Rückschau und Freude auf das neue Jahr, besinnliche Weihnachten und ein stressarmes neues Jahr!


Hinweis der Redaktion: Fug und Janina sind mit ihrem Konzert „Auweihnachten“ auf dem Weihnachtsmarkt Bergisch Gladbach zu sehen und zu hören, am 3. Dezember und 11. Dezember jeweils um 15 Uhr, Eintritt frei.

Wer uns helfen möchte, Kindeswohl zu unterstützen, kann bei uns den Song als CD kaufen. Oder auch bei der KJA Köln. Die Einnahmen gehen zu 100 % an den Kinder- und Jugendhilfefonds der KJA Köln.

Mehr Infos auf unserer Homepage: www.fug-und-janina.de

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Fug und Janina

Janina Burgmer und Fug Morente Gómez sind Musiker, Entertainer, Schauspieler – und setzen sich als offizielle Botschafter der Katholischen Jugendagentur Köln für Kinderrechte ein. Sie finden Sie auf fug-und-janina.de

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