Foto: Franz Hamm Fotografie

Fug und Janina hatten sich vorgestellt, im Frühjahr einfach in ein Geschäft zu spazieren, wo das Kind sich einen Schulranzen aussuchen würde. So einfach? Nein! Der Ranzenkauf ist zu einem Event avanciert. Gut oder schlecht? Hier kommt ein Erfahrungsbericht!

Im Februar fragte uns die Mutter eines Nachbarkindes, ob wir schon einen Schulranzen gekauft hätten. Jetzt schon? Es dauert doch noch ein halbes Jahr, bis unser Großer eingeschult wird! Aber nein: Wir erfuhren, dass wir schon spät dran seien und es sonst womöglich keine Auswahl mehr gebe. Schock!

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Wir erhielten die Empfehlung für ein Geschäft in Leverkusen und buchten sofort online einen Termin für die nächste Woche.

Zugegeben: Wir waren fast aufgeregter als unser Sohnemann, als wir pünktlich zur vereinbarten Stunde im Laden erschienen. Es ist ja auch etwas Besonderes, den Schulranzen auszusuchen, den das Kind vermutlich die nächsten vier Jahre mit sich herumtragen wird.

Alpträume von Ninjagos

Zwar hatten wir in den Tagen davor schon leichte Alpträume von Ninjagos und anderen Zeichentrickhelden gehabt, die sich auf Rucksäcken tummeln und zwei Monate später total out sein könnten. Aber die Vorfreude überwog.

Im Ranzengeschäft wurden wir von einer netten, peppig gekleideten Verkäuferin empfangen, die mit ihrer Frage nach unseren Vorstellungen direkt entlarvte, dass wir uns gar nicht über die aktuellen Modelle informiert hatten.

Wir stammelten etwas von „soll dem Kind gut passen und ihm gefallen“, aber da war die fröhliche Verkäuferin schon mit unserem Sohn auf dem Weg zu den Ranzen.

Im Laden war eine strukturierte Hölle los. Es fanden mindestens vier Beratungen gleichzeitig statt. Die Verkäufer:innen lenkten die Kinder mit geübtem Lächeln umeinander herum. Wir waren froh, bei diesem Ansturm frühzeitig einen Termin gebucht zu haben.

Am Preisschild vorbeisehen

Die Verkäuferin erklärte uns und dem Kind kurz und verständlich, worauf es beim Ranzen ankommt. Sie konnte Sohnemann davon überzeugen, erst auf die Passform zu achten, bevor er sich Muster und Farben der Ranzen ansah.

So bekam unser Sohn zunächst einen Ranzen in „Mädchenfarben“ auf, um das Rückengefühl zu testen. Überrumpelt lief er mit einem lila Ranzen einmal durch den Laden. Das Verfahren wurde mit mehreren Ranzenmodellen wiederholt, und der zunächst sehr kleinlaute Sohnemann äußerte selbstbewusst, welcher Ranzen sich am Rücken am besten anfühlte. Was für eine Erleichterung! Er machte mit und schien sogar Spaß zu haben.

Nach einigen Versuchen landeten wir bei einem derzeit allgegenwärtigen, besonders ergonomischen Ranzenmodell und versuchten, die Preisschilder nicht anzusehen. Wir ahnten schon, dass wir wahrscheinlich ordentlich Geld im Geschäft lassen würden.

Die Verkäuferin sprach von sich aus nicht von Preisen, und wir fragten auch nicht. Für uns stand fest, dass wir den besten Ranzen für unser Kind nehmen würden, ohne auf den Preis zu achten. Wir wissen, dass wir damit privilegiert sind. Viele Menschen können es sich nicht leisten, am Preisschild vorbeizusehen.

„Klettis“ und Reflektoren

Nach der Passform ging es an die Auswahl des Aussehens. Wir waren mehr als positiv überrascht, dass die Muster nur aus Farben und nicht aus Merchandising-Figuren bestanden. Mit sogenannten „Klettis“ können an verschiedenen Stellen des Rucksacks allerdings noch Verzierungen angebracht werden.

Sohnemann war zum Glück kurz entschlossen: Er wählte einen dunkelblauen Ranzen mit hellblauem Muster. Wir Eltern wurden nach dem emotional aufreibenden Auswahl-Prozess schnell überzeugt, zusätzlich „Klettis“ und Reflektoren für die Sichtbarkeit zu erwerben.

Zauberspiegel und Erinnerungsbild

Nun wurde wir die getane Entscheidung gefeiert: Sohnemann durfte seinen Ranzen in einem Zauberspiegel betrachten (einem großen Bildschirm, in dem er sich gleichzeitig von vorne und von hinten sehen konnte). Es wurde ein Foto geschossen, direkt ausgedruckt und dem stolzen Kind ausgehändigt.

Danach verließen drei glückliche Menschen den Laden. Glücklich, es geschafft zu haben, dem Kind rechtzeitig einen Ranzen zu kaufen, glücklich, ihn bezahlen zu können, glücklich, stolzer Ranzenbesitzer zu sein. Was für ein Zinnober um eine Tasche.

Fug hatte übrigens als Kind einen unbequemen Lederranzen und Janina einen weißen Ranzen mit bunten Tupfen und rosa Rand – interessant, wieviel Vertrauen ihre Mutter in sie hatte, einen weißen Ranzen zu kaufen.

Haben sich unsere Eltern überhaupt so viele Gedanken gemacht wie wir heute? Alles unterliegt der Evolution: Elternschaft und Schulranzen.

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Janina Burgmer und Fug Morente Gómez sind Musiker, Entertainer, Schauspieler – und setzen sich als offizielle Botschafter der Katholischen Jugendagentur Köln für Kinderrechte ein. Sie finden Sie auf fug-und-janina.de

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