Foto: Thomas Merkenich

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Junge Eltern stehen heute unter einem großen Druck, in der Erziehung alles „richtig“ zu machen. Montessori-Pädagogin Maria Kley-Auerswald rät dazu, sich zu entspannen: Wichtiger als etliche Förderangebote sei es, mit dem Kind Zeit zu verbringen, ihm die Möglichkeit zu geben, sich auszuprobieren und seine Interessen zu entwickeln. Hier gibt sie einige Tipps.

Babyschwimmen, Musikzwerge, Pekip, Förderspielzeug für alle Altersstufen… – das Angebot für Babys und Kleinkinder ist endlos. Als frisch gebackene Eltern gewinnt man leicht den Eindruck, dass es verheerend wäre, sein Kind nicht von Tag eins an richtig zu fördern. Ist das wirklich so? Wann und wie macht frühe Förderung Sinn?

Maria Kley-Auerswald

Darüber haben wir mit der Kindheitspädagogin Maria Kley-Auerswald gesprochen. Die 67-Jährige hat 47 Jahre im Montessori-Kinderhaus in Kürten-Dürscheid gearbeitet, davon 42 Jahre als Leiterin. Parallel gibt sie Montessori-Diplomkurse für Lehrerinnen und Erzieher sowie Frühpädagogik-Lehrgänge auf Basis der Montessori-, Fröbel- und Pikler-Pädagogik, an denen seit einiger Zeit immer mehr Väter und Mütter teilnehmen.

Sie sagt: „Junge Eltern sind heutzutage stark verunsichert.“ Sie sind oftmals auf sich allein gestellt, haben keine erweiterte Familie um sich herum. Hinzu kommt ein zunehmender Druck aus der Gesellschaft, schon von klein aufalles richtig zu machen, um später im Leben erfolgreich zu sein. Kley-Auerswald lacht. „Das ist gar nicht möglich – jeder Mensch macht Fehler!“

Kinder wollen sich bilden

Als Maria Montessori zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihr Bildungskonzept entwickelte, etablierte sie damit eine zu der Zeit revolutionäre Ansicht: „Das Kind ist kein leeres Gefäß, das gefüllt werden muss.“ Sie wandte sich damit gegen den vorherrschenden Glauben, Kinder müssten erst von Erwachsenen zu „richtigen“ Menschen geformt werden.

Montessori war überzeugt: Kinder tragen ihre individuelle Persönlichkeit und ihr ganzes Potential bereits in sich. Und sie wollen sich bilden und entfalten. „Schon Kleinkinder wissen, was das Beste für sie ist – das bestätigen inzwischen auch Hirnforscher“, sagt Maria Kley-Auerswald.

Die Rolle der Eltern wird aus dieser Perspektive eine ganz andere: Sie sind, ebenso wie Großeltern oder Pädagogen:innen, Begleiter:innen auf dem Lebensweg der Kinder. Das allerwichtigste dabei: mit dem Kind Zeit zu verbringen. Kley-Auerswald. „Schenken Sie ihm Aufmerksamkeit, beobachten Sie es, hören Sie ihm zu, wenn es Fragen stellt.“

Die eingangs erwähnten Förderspielsachen könne man „getrost wegtun“. Das heißt nicht, dass Kinder keine Spielsachen brauchen. Nur müssen es nicht die als pädagogisch wertvoll angepriesenen, oft sündhaft teuren Spezialprodukte sein. Kinder beschäftigen sich ebenso gern mit einfachen Alltagsgegenständen. Statt der gekauften Rassel tut es auch eine Plastikflasche gefüllt mit Reis oder trockenen Nudeln.

Eine sichere Umgebung, um sich zu entfalten

Fast noch wichtiger als das Spielzeug ist das Umfeld, in dem es den Kindern angeboten wird. In der Montessori-Pädagogik spricht man von einer „vorbereiteten Umgebung“: In einem Raum, in dem das Kind sich altersentsprechend sicher bewegen kann, kann es sich auch frei entfalten.

In so einem Raum lassen Eltern ihr Kind am besten einfach so viel wie möglich selbst machen und beobachten dabei, was es gerade interessiert. „Man kann Kindern Bauklötze geben, und wenn sie anfangen, diese zu zählen, kann man sie darin begleiten und zum Beispiel sagen: Da stehen schon drei aufeinander, wie viele liegen da noch?“, erklärt Kley-Auerswald.

Es sei aber absolut nicht notwendig, das Kind zum Zählen zu animieren oder gar zu drängen. „Kinder kommen irgendwann von alleine und wollen zählen.“ Das größte Problem, findet Kley-Auerswald, ist, wenn Erwachsene Kindern sagen, was sie tun und lassen sollen.

Das heißt natürlich nicht, dass man sich nicht mit dem Kind beschäftigen soll. Es ist sogar sehr sinnvoll, mit ihm zusammen Bücher anzuschauen, gemeinsam zu singen und zu reimen.

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Frühe Förderung bei Auffälligkeiten

Bei der angemessenen Förderung des eigenen Kindes ist Gelassenheit angesagt – aber wie ist die Lage bei Kindern, die sich verzögert oder ungewöhnlich entwickelt? Darüber haben wir mit Elisabeth Völker, Ko-Leiterin der Praxis für integrative Lerntherapie „Lernstudio Bensberg“ gesprochen. Sie erläutert, worauf man achten muss – und wo es im Fall der Fälle Hilfe gibt.

Es ist auch völlig in Ordnung und gut, mit dem Kind in die Musikschule zu gehen und es dort Instrumente ausprobieren zu lassen. Solange es daran Interesse zeigt. Wenn Eltern sagen: Das Kind soll Klavier lernen, weil ich das nie konnte, dann ist das keine sinnvolle Förderung – dann ist das ein Aufdrängen der eigenen Interessen.

„Nehmen Sie Ihr Kind mit in die Küche“

Die beste Schule ist es laut Maria Kley-Auerswald, das Kind am eigenen Leben teilhaben und Dinge ausprobieren zu lassen. In echt – nicht in Form eines Lernspielzeugs. Anstatt eine Spielküche aufzustellen empfiehlt die Pädagogin: „Nehmen Sie Ihr Kind lieber mit in die richtige Küche.“ Ganz kleinen Kindern kann man dort eine Schublade einrichten, die sie ein- und ausräumen können. Stichwort vorbereitete Umgebung.

Wenn Kinder größer werden, wollen sie das tun, was die Eltern tun. Dann kann und soll man sie mit einbeziehen: Kartoffeln schälen, Gemüse schneiden, Plätzchen backen. Einer der Leitsätze der Montessori-Pädagogik lautet: „Hilf mir, es selbst zu tun.“

Mit dem Newsletter „GL Familie“ versorgt Laura Geyer Eltern (und Großeltern) mit allem, was sie hier vor Ort wissen müssen: wichtige Infos, praktische Tipps, Leseempfehlungen und alle Veranstaltungen, die sich an Familien und Kinder richten. Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an!

Viele Eltern trauen sich nicht, dem Kind ein Messer in die Hand zu drücken, lassen es lieber mit einer Holz-Attrappe einen Holz-Apfel schneiden. Mit einer guten Einweisung und natürlich in Begleitung eines Erwachsenen ist es aber viel sinnvoller, das Kind die echten Werkzeuge benutzen zu lassen, sagt Kley-Auerswald. „Trauen Sie Ihrem Kind das ruhig zu!“

Ein Kurs für Eltern

Eine Art von Kurs findet die Pädagogin übrigens sehr sinnvoll: Eltern-Kind-Kurse im ersten Lebensjahr nach Emmi Pikler. Vor allem für die Eltern. Die lernen hier nämlich, ihr Kind seinen eigenen Weg gehen zu lassen, es im freien Spiel zu beobachten und in die Rolle des „sicheren Hafens“ zurückzutreten.

Kley-Auerswald sagt: „Jedes Kind ist anders, aber es entwickelt sich – da können Sie sich drauf verlassen.“ Sie wünscht Eltern mehr Mut und mehr Vertrauen in die Selbstbildungsprozesse ihres Kindes. So können sie es entspannt und fröhlich in seiner Entwicklung begleiten – und einfach das Leben mit Kindern genießen. Nicht zu Unrecht sagt die Säuglingsforscherin Emmi Pikler: „Zufriedene Mütter – zufriedene Babys“.


Fördermöglichkeiten in Bergisch Gladbach

Eine Übersicht über alle Angebote bietet das Familien-Info-Portal.

Eltern-Kind-Kurse finden in den drei Bergisch Gladbacher Familienbildungsstätten statt: in der Katholischen Familienbildungsstätte in der Laurentiusstraße; im FiB –Familienbildungsstätte und Sportverein – in Bensberg; und beim DRK – Deutsches Rotes Kreuz – in Paffrath.

Musikalische Früherziehung und ähnliche Angebote gibt es in der Musikschule.

Für die 0-3 Jährigen unterstützt das Angebot „Gesund von Anfang an“ beim Gesundheitsamt im häuslichen Umfeld, wenn es um besondere Fürsorgeanforderungen des Kleinkindes geht, bei Fragen zu Pflege und Ernährung, Gesundheitsproblemen des Kindes und Fragen zur kindlichen Entwicklung und bei Fragen zur Entwicklung von Fähigkeiten zum Umgang mit dem Kind.

Das Jugendamt bietet Sprachförderung an: Kindern, die keine Kindertageseinrichtung besuchen, wird eine externe Sprachförderung (einmal wöchentlich zwei Stunden) bereitgestellt, nachdem im Rahmen einer Sprachstandserhebung mit vier Jahren festgestellt wurde, dass sie die deutsche Sprache noch nicht altersgemäß beherrschen.

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Laura Geyer

ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

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1 Kommentar

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  1. Auch Eltern müssen erst lernen Eltern zu sein, was bei den einen Kind funktioniert ist für das andere evtl ganz und gar nicht richtig. Versuch und Irrtum geben sich die Hand. Auf jeden Fall sich nicht reinreden lassen, und als Team arbeiten und dann wird das schon.