Claudia Timpner, Intendantin des Theas Theaters, bei einer Performance während des Kultursommers. Fotos: Philipp J. Bösel

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Wissen, was läuft!

Trotz Corona brachte das THEAS in diesem Jahr eine Vielzahl an Produktionen auf die Bühne. Dennoch ist bei den Zuschauerzahlen viel Luft nach oben. Mit welchen neuen Projekten das Theater im kommenden Jahr gegensteuern und den Kulturdialog beleben will, erläutern Intendantin Claudia Timpner und der neue Vorsitzende des Trägervereins, Christoph Overbeck.

Die gute Nachricht vorneweg: „Alle fünf Ensembles am THEAS hatten im vergangenen Jahr Aufführungen, zeigten Präsenz hier im Haus“, freut sich Claudia Timpner. Darunter waren neue Produktionen, aber auch eine Wiederaufnahme des Stücks „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ sowie Produktionen von Kurzfilmen.

Die Intendantin blickt auf ein bewegtes Jahr zurück. Einfach war es nicht: Das THEAS arbeitete auch in 2022 unter den Bedingungen der Pandemie. Immer wieder fielen Schauspieler:innen aus, mussten Produktionen umgeplant werden.

Christoph Overbeck und Claudia Timpner. Foto: Holger Crump

Das Jahr 2022 am THEAS Theater

Gleichwohl – 41 Projekte konnten auf die Bühne gebracht werden, nur fünf Produktionen fielen wegen Corona komplett aus. „Unter dem Strich verzeichneten wir rund 1.500 Besucher“, sagt Overbeck. Zum Vergleich: 2019 kam das THEAS auf 2.000 zahlende Gäste.

„Die Menschen buchen derzeit eher ad hoc und kurz vor den Veranstaltungen“, sagt der Vereinsvorsitzende. Das erschwere die Planung. Allgemein sei zudem eine Unlust zu spüren, für Veranstaltungen außer Haus zu gehen.

Aufführungen der THEAS-Ensembles 2022
Ensemble DéJE-vu mit „BENEFIZ — Jeder rettet einen Afrikaner“ (April)  
THEAS-Ensemble mit „Bitte nicht einsteigen“ (Mai) 
Ensemble All Inklusive GL mit „Olympus“ (Juni) 
Junges Ensemble mit „Lichterfangen“ (September) 
Ensemble Die Gesichter (faces) mit „Lass mich nicht alleine, Tschechow“ (November)  

Neben den ausgefallenen Produktionen drücken zudem organisatorische Dinge auf die Zahlen: In der Pandemie habe man das Theater nur mit 30 Plätzen auf Abstand bestuhlt, aktuell liege man bei 60. „Wir wollen wieder hoch auf Kapazitäten von 80″, schaut der Vereinsvorsitzende nach vorne.

Open Stage, Kindertheater, Musik

Aber auch inhaltlich will das THEAS im kommenden Jahr durchstarten. So gibt es gleich zu Jahresbeginn eine Open Stage, mit der Künstler:innen der Stadt eine offene Bühne geboten wird.

„Mit dem Taschenlampenkonzert von Fug & Janina wollen wir zudem beim Kindertheater neue Akzente setzen“, macht Timpner klar. Passend dazu gibt es Gastspiele des Bensberger Puppenpavillons, der aus technischen Gründen derzeit im THEAS spielt.

Ende Januar steht unter dem Titel „Irgendwo auf der Welt“ eine musikalische Revue auf dem Spielplan, die – wie das geplante Mitsingkonzert von „Müller Geller Grusa“ – die musikalische Facette des THEAS betont.

In Planung ist Ende April die Neuauflage des erfolgreichen Stücks von Heinz-D. Haun über die Liebe seiner Eltern im Zweiten Weltkrieg. Und auch das Projekt „Theater Welten erschaffen“ wird wieder zu sehen sein.

Festival für junges Theater

Spannende Nachrichten für den Sommer: Die neue Spielzeit eröffnet im September 2023 mit einem Festival für junges Theater. „Das ist ein Novum in der Stadt“, freut sich Claudia Timpner. Geplant sind natürlich Theaterstücke und Wiederaufnahmen von Produktionen. Hinzu kommen Kurzfilme, Konzerte der Ensemble-Mitglieder, Parties und ein Theatercafé.

Das soll nicht nur junge Menschen für das Theater interessieren. Sondern das THEAS in den Fokus der lokalen Kulturszene insgesamt rücken, betonen Timpner und Overbeck unisono. „Wir wollen hier eine Anlaufstelle etablieren“, so Timpner, „und den Kulturdialog in der Stadt wieder beleben.“

Hierbei soll auch der THEAS-Tag helfen. Ein Tag der offenen Tür, der Besucher:innen zu Vorstellungen und Gesprächen ins Haus ziehen soll. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

Mehr zum thema

„Und dann beginnen die längsten Minuten, die man sich vorstellen kann“

Im letzten Teil unserer Serie nimmt Eva Birkemeier Sie mit auf die Bühne des Theas-Theaters: Erleben Sie die letzten Wochen, Stunden und Momente vor der Premiere der diesjährigen Produktion des Jungen Ensembles. Lesen Sie, wie das Stück auf der Bühne 90 Minuten alles ist, was für die junge Schauspielerin existiert. Und wie es sich anfühlt, nach 13 Vorstellungen Abschied zu nehmen.

Theater macht Schule

Die Theaterschule, das zweite Standbein desTHEAS, läuft „gut“. Es gab neun Workshops an Schulen.

Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren 2022 in 17 Kursen im THEAS aktiv. Und lernten, wie man sich auf der Bühne sicher und mit Spaß bewegt. Sowohl Kinder als auch Erwachsene.

„Es ist schön die Entwicklung der Kursteilnehmer zu beobachten, die mit zunehmender Kursdauer an Selbstbewusstein gewinnen“, freut sich Overbeck. Das Feedback zu den Dozenten, allesamt echte Schauspieler:innen mit Bühnenerfahrung, sei rundweg positiv.

Im vergangenen Jahr habe man zudem erstmals echte Schauspielkurse für Erwachsene anbieten können. Und auch für die Jüngsten soll es künftig mehr Angebote geben. So denke man über Kurse für jüngere Kinder der dritten und vierten Schulklasse nach – derzeit startet das Angebot ab Klasse fünf.

„Die Anfragen sind da, wir schauen was geht“, sagt Overbeck, der selbst über einen Kurs am THEAS zu seinem ehrenamtlichen Engagement beim THEAS gekommen ist.

Kurzworkshopos und zwei stark nachgefragte, kostenlose Ferienkurse für Kinder sollen auch in 2023 auf dem Plan stehen.

Theas Theater und Theaterschule in der Jakobstraße. Foto: Thomas Merkenich

Zielmarke rote Null

Es steht so einiges auf der Agenda. Dazu gehört aber auch die Bewältigung des Theater-Alltags. „Die Energiekrise trifft uns natürlich, die Aufwendungen für Heizkosten und Strom haben sich verdoppelt“, schildert Christoph Overbeck.

Während Corona sei man mit den Hilfsfonds vergleichsweise gut über die Runden gekommen. Die aktuelle Krise müsse aus eigener Kraft gestemmt werden. Zuwendungen des Trägervereins, Spenden, Förderungen, Eintrittsgelder – aus diesem Mix müsse das Haus finanziert werden.

„Wir streben eine rote Null an“, so die Hoffnungen des Theatermanagers, der mit zunehmender Konkurrenz um Fördergelder zu kämpfen hat. Die Zahl der Antragssteller nehme zu, wohingegen die Fördertöpfe in etwa gleich bleiben würden. Das mache es nicht einfacher.

Christoph Overbeck bei der Performance während des Kultursommers.

„Wir brauchen das Publikum“

„Wichtig für uns sind langfristige Förderungen, um vor allem die Personalkosten planbar tragen zu können“, ergänzt Timpner. Die Projektförderung sei wichtig, setze aber eher punktuelle Akzente. Wirtschaftliche Perspektiven über kurze Zeiträume hinaus seien daher vonnöten.

Und natürlich wieder mehr Theaterbesucher. Applaus ist das Brot des Künstlers, aber nicht nur. „Wir brauchen das Publikum“, unterstreicht Overbeck, der auf steigende Zahlen für ein Plus in der Kasse setzt.

Und gegen eine Neuauflage des Kultursommers – so wie in 2021 und 2022 – hätten die beiden Theatermacher vom THEAS überhaupt nichts einzuwenden.

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Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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