Der Fronhof in Paffrath hat seine inneren Werte gründlich verändert: Unter dem erklärungsbedürftigen Namen LM1921 findet man hier jetzt ein modernes Restaurant mit gehobener feiner Küche. Wir haben den Lunch getestet – und in Küche und Service alte Bekannte entdeckt. Soviel vorab: nicht ganz billig, aber preiswert.

Dominik und Vera Eßer hatten das Gasthaus Schwäke fünf Jahre lang mitten durch die Pandemie geführt und zu einer Adresse für Feinschmecker gemacht. Jetzt setzen die beiden in Paffrath noch einmal neu an: der Stil ist fast unverändert, aber moderner und in einem kleineren Rahmen.

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Früher residierte das „Kartoffelhaus“ in dem Fachwerkhaus, das sich in der Kurve gegenüber der Kirche St. Clemens ein wenig versteckt. In den vergangenen fünf Jahren gab es hier griechische Gerichte im „Fronhof am Platz bei Soi“.

Von außen fallen auch jetzt die Veränderungen kaum auf, nur ein neuer Schriftzug: LM1921 steht für die Namen und Geburtsjahre der beiden Eßer-Söhne. Ein modischer Schnickschnack, der uns auf den Tellern wieder begegnen wird, aber nicht weiter stört.

Im offenen Innenraum herrscht nun eine ganz andere Stimmung: Nach wie vor viel Holz und eine große Theke, aber rund zwölf fein eingedeckte Tische, dezente Farbtöne und Deko. Keine steifen Stoffservietten, sondern Papier.

Das steht auch für den Stil des Restaurants insgesamt: von Hausmannskost keine Spur, aber auch kein Sterne-Küche. Wenn auch der Anspruch in die Richtung „Fine Dining“ geht. Als „Fusion aus der modernen deutschen, österreichischen und italienischen Küche“ bezeichnet Küchenchef Dominik Eßer das Programm

Business Lunch mit Überraschungen

Wir haben zunächst das Mittags-Angebot getestet, sozusagen ein Business Lunch. Was uns weniger als eine Stunde Zeit gekostet hat, aber mit einem Espresso, Wasser und Trinkgeld auch fast 40 Euro pro Person.

Die Speisekarte für das Lunch ist schnell erfasst: ein Drei-Gänge-Menü mit je zwei Optionen für Vorspeise und Hauptgang (heute beide Fleisch) für 24 bzw 27 Euro. Daneben nur zwei Einzelgerichte: ein Wiener Schnitzel mit Spargel für 32,50 Euro oder einen Wildkräutersalat mit Rinderfiletspitzen für 25 Euro. Wer vegetarisch glücklich werden will, muss nachfragen – oder sollte auf den Abend warten, siehe unten.

Wir entscheiden uns für das Menü, verzichten aber auf das Dessert (Creme Brulée mit Tahiti Vanille, Erdbeeren, Tonkabohnen-Mascarponeeis) und nehmen lieber beide Vorspeisen.

So kurz nach der Eröffnung ist das Mittagsgeschäft noch ruhig, der aufmerksame Service der Chefin ist flott, aber ohne Eile. Zum warmen Foccacia mit Kräuterquark kommt gleich die erste Vorspeise: Drei Austern, mit Sauce Hollandaise gratiniert, und Zitronen-Gel getippt. Dazu mehr als nur ein paar Blätter Wildkräuter und zwei aromatisch eingelegte und aufgerollte Gurkenscheiben

Ein stimmiger Teller, man schmeckt die salzige Auster noch leicht heraus. Für unseren Geschmack wäre etwas mehr Meer noch besser, aber für Austern-Einsteiger gerade gut.

Als zweite Vorspeise werden Kärntner Semmelknödel serviert – in einer Miniaturversion. Drei zarte Kügelchen erinnern an Kroketten, außen kross, innen wunderbar luftig und aromatisch. Dazu eine großzügige Portion feinen Spinats mit marinierten Champignons.

Bei der Hauptspeise hatten wir uns gegen das Wiener Saftgulasch (mit Spätzle und Spitzpaprika) entschieden, womit sich das Paar am Nachbartisch aber sehr glücklich fühlt.

Wir bekommen ein ordentliches Stück Lammbraten, sehr zart und im Kern noch ganz wenig rosa, mit einer leichten konzentrierten Jus. Dazu Spuren von eingelegtem Rettich und Tomatentupfer, die den Teller zwar zum Kunstwerk machen, für Puristen aber verzichtbar wären.

Bemerkenswert auch bei diesem Gericht das Gemüse: grüne Böhnchen und gebratener weißer Spargel, beides bissfest und aromatisch.

Damit sind wir wunderbar satt – aber nicht zu sehr, für den restlichen Arbeitstag. 27 Euro sind für dieses Menü ein sehr fairer Preis.

In etwas höheren Regionen bewegt sich die Weinkarte. Glasweise gibt es sechs Weiße, einen Rosé und vier Rote, die für 0,15 Liter zwischen 8,50 und 11,50 Euro kosten. Die Flaschenweine bilden die ganze Bandbreite von 32 bis 199 Euro ab.

Es gibt aber auch ein schlichtes Sprudelwasser aus dem Glas für 2,60 Euro. Auch mit Blick auf die Umwelt vorbildlich.

Abends: Menüs im Baukastensystem

Auch für den Abend setzt Dominik Eßer auf Menüs, dort wird der Österreich-Schwerpunkt noch etwas deutlicher. Allerdings wird kein Gast zu vier-, fünf- oder sechs Gängen genötigt – jeder einzelne Gang ist einzeln bepreist, darf separat bestellt und beliebig kombiniert werden.

Da gibt es dann auch ein „Grünes“ Menü, mit einem Bergischen Onsen Ei (japanische Spezialität,  45 Minuten im Wasserbad gegart) und/oder einem Safran Risotto. Drei Gänge für 35 Euro, alle fünf Gänge für 62,50 Euro.

Das „Moderne“ Menü startet ebenfalls japanisch, mit einem Sashimi Duett und einer Auswahl aus glasierten Kalbstelzen, Skreifilet oder Lamm, alle sechs Gänge kosten hier 88 Euro.

LM 1921 Restaurant

Dellbrücker Str. 295
51469, Bergisch Gladbach-Paffrath
Zufahrt Parkplatz über die Borngasse

Öffnungszeiten:
Lunch: 12 bis 14:30 Uhr
Dinner: 17:30 bis 22 Uhr
Sonntag geschlossen

reservieren@restaurant-lm1921.de
02202 44803
Website

Interessant klingt die „Österreichische Sehnsucht“. Dabei bekommt man für 64 Euro die Semmelknödel (s.o.), Tafelspitz-Brühe, pochiertes Kalbsbein, Wiener Schnitzel im Duo mit knusprigem Tafelspitz und dann noch einen Apfelstrudel mit Eis.

Wie gesagt, jeder Gang hat auch einen eigenen Preis (von 7 bis 33 Euro) und kann quer über die Menüs hinweg kombiniert werden. Mit vier Leuten am Tisch verspricht das einen spannenden Abend – und könnte die Küche bei etwas mehr Betrieb auf die Probe stellen. Wir werden es probieren!


Hinweis der Redaktion: Bei unseren Gastro-Tipps handelt es sich nicht um Reklame, sondern um redaktionelle Texte mit subjektiven Empfehlungen. Wir besuchen die Restaurants ohne Anmeldung und bezahlen die Rechnung selbst. Wenn Sie einen Tipp haben, melden Sie sich gerne. Aber schauen Sie vorher noch mal in unsere Liste:

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Die Restaurants hatten zwar oft „Fronhof“ im Namen, bei dem Gebäude handelt es sich allerdings nicht um den historischen Paffrather Fronhof. Den gibt es nicht mehr, er lag etwa da, wo der Cap Markt nunmehr steht.

  2. Ich weiß nicht ob der Autor in den letzten 5 Jahren einmal in Paffrath war, aber zuletzt war in den Räumlichkeiten das sehr familiäre griechische Restaurant „Fronhof am Platz bei Soi“.
    Das Kartoffelhaus gibt es schon seit Jahren nicht mehr ……

    1. In Paffrath ja, aber nicht im Fronhof. Danke für den Hinweis, wir haben den Text angepasst.