Auf einen Kaffee mit der Inklusion“ haben der Inklusionsbeirat der Stadt gemeinsam mit InBeCo und dem Begegnungscafé Grenzenlos geladen. Im Fokus standen Information und Austausch über zentrale Probleme der Inklusion. Deutlich wurde aber auch: Konzepte entwickeln alleine genügt nicht mehr. „Einfach mal machen“ ist das Credo der Aktiven, die mehr Angebote fordern.

Der Konrad-Adenauer-Platz wurde am Freitag zum Dreh- und Angelpunkt der Inklusion. Zum Internationalen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung hatte der Inklusionsbeirat zum Austausch geladen. Zusammen mit dem inklusiven Begegnungscafé Grenzenlos und InBeCo, der Servicestelle für Inklusion in der Freizeit.

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Inklusion, das ist das gleichberechtige Miteinander von Menschen in einer Gesellschaft. Die schrankenfreie Teilhabe an deren Angeboten, egal ob mit oder ohne Behinderung. „Alle können bei allem teilhaben“, bringt es Marlene Schmich von der InBeCo auf den Punkt, „jeder kann überall dabei sein!“

Illustration des Themas Inklusion, Quelle: Flyer des Inklusionstages/Aktion Mensch

„Es hakt überall“

Das ist leider nicht selbstverständlich. Barrierefreiheit im ÖPNV und im öffentlichen Raum, Wohnraumangebot für Menschen mit Behinderung, Zugang zu Kultur und Bildung sowie inklusive Freizeitangebote – das gehört zu den Themen, die in den Gesprächen auf dem eigens für den Aktionstag auf dem Marktplatz aufgestellten roten Sofa thematisiert werden.

„Es hakt überall”, fasst Monika Hiller zusammen. Die Beauftrage der Stadt für Menschen mit Behinderung spricht vor Ort mit den Menschen, erfährt von den Problemen in punkto Barrierefreiheit. Etwa bei dem Loch im Asphalt auf dem Marktplatz – eine Stolperfalle. „Für viele bedeutet Barrierefreiheit, eine Stufe am Eingang eines Gebäudes zu beseitigen.” Dabei gehe es um weitaus mehr. Leichte Sprache, oder mehr kulturelle Angebote.

Wichtig sei auch die Wahrnehmung: „Menschen mit Behinderung werden oft nicht für voll genommen,“ sagte Hiller. Hier gelte es im Bewusstsein der Gesellschaft anzusetzen.

Monika Hiller ist Inklusionsbeauftragte der Stadt Bergisch Gladbach. Foto: Thomas Merkenich

UN-Konvention entlarvend

Monika Hiller verweist auf die UN-Behindertenrechtskonvention, welche diese Perspektive entlarve. Ein Abkommen, dem Deutschland 2009 beigetreten ist und das Förderung und Schutz der Mennschenrechte für Menschen mit Behinderung vorsieht.

„Es ist traurig dass es diese Konvention überhaupt geben muss”, sagt sie, dass der Geltungsbereich der Menschenrechte für behinderte Menschen nochmals eigens erwähnt werden müsse. Den grundsätzlich würden die Menschenrechte doch für alle gelten.

„Wir wollen mit dieser Aktion hier sichtbar werden, ins Gespräch kommen“, verweist Sonja Schumacher vom Grenzenlos auf den Aspekt der Entstigmatisierung, der für sie zentral ist. Gemeinsam mit Katharina Kaul von der InBeCo geht sie an diesem Tag auf Passanten auf dem Marktplatz zu, unterhält sich mit Menschen – mit und ohne Behinderung.

Pavo Ivkovic alias „Djangonaut” hat zentrale Themen des Inklusions-Aktionstages auf dem Konrad-Adenauer-Platz per Graphic Recording zusammengefasst

Endlich mehr machen

Sie sind ein Stück weit ungeduldig in punkto Inklusion geworden, wollen mehr Dynamik: „Konzepte schreiben genügt nicht mehr, einfach mal anfangen”, sagt Kaul. Zumal Menschen mit Behinderung mittlerweile resigniert hätten, ergänzt Schumacher.

Sie fühlten sich nicht Ernst genommen, die Lebenswelten von Menschen mit und ohne Behinderung würden immer weiter auseinander driften. Beide Seiten müssten sich wieder verstärkt aufeinander zubewegen.

„Das können wir nicht leisten” – ein Statement das beide nach eigenen Angaben zu oft hören würden, wenn es um den Einstieg in die Inklusion geht. Für beide scheint der Punkt überschritten, an dem sich die Gesellschaft mit einfachen Ausreden um Teilhabemöglichkeiten für Menschen mit Behinderung drückten.

„Einfach mal machen, Begegnungen schaffen”, ist immer wieder zu hören. Es müssten ja nicht direkt umfassende Angebote realisiert werden. Wie das funktionieren kann, zeigt das Begegnungscafé mit einem Ausstellungsprojekt, das an diesem Wochenende eröffnet wird.

war bis Anfang 2024 Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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