Bereits im Februar hatten Eltern über Betreuungsengpässe in der AWO-Kita „Haus der Kinder“ am Ahornsweg geklagt. Die Lage blieb schwierig, vergangene Woche brachte eine überraschende Schließung der Kita das Fass zum Überlaufen. Die Eltern protestieren mit einem Schreiben beim Jugendamt. Das will sich offiziell nicht dazu, Gespräche mit Landesjugendamt und AWO-Geschäftsleitung sollen die Lage beruhigen.

„Unmutsäußerung der katastrophalen Umstände der AWO Einrichtung Haus des Kindes” ist das Schreiben der Eltern an das Jugendamt überschrieben, das dem Bürgerportal vorliegt. 35 Eltern haben den emotional verfassten Brief unterzeichnet. Darin schildern sie den – aus ihrer Sicht – „Ausnahmezustand“ an der Kita im Ahornweg, der seit Beginn der Pandemie anhalte.

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Die Rede ist von zu wenigen Erzieherinnen, die am Limit arbeiten würden um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Die Personalsituation in der Kita scheint schwierig zu sein: Vier Erzieherinnen hätten das Haus im vergangenen Jahr verlassen, seinerzeit ohne Nachbesetzung. Im gleichen Jahr wechselte die Leitung. Im laufenden Jahr sollen es zwei Mitarbeiterinnen sein, die kündigen.

Gruppen mit 18 Kindern würden von Erzieherinnen alleine betreut, unterstützt von Alltagshelfern, heißt es im Schreiben. Dabei würden die Altersgruppen von 0 bis 6 Jahren gemischt, damit zumindest eine Notbetreuung gewährleistet werden könne.

Kinder hätten teilweise vier Wochen die Kita nicht mehr besucht, Berufstätige seien „seit Wochen“ ohne Lohn freigestellt, Erzieherinnen würden in die Krankheit getrieben. Eltern hätten die Einschulung um ein Jahr verschoben, da die Vorschulkinder nicht adäquat vorbereitet seien. Und all dies geschehe ohne Reduzierung der Kita-Beiträge, welche die Eltern an die Stadt zahlen.

Kurzfristige Schließung für denselben Tag

Am 3. Mai sei die Lage eskaliert, schildert eine Mutter. Morgens um 7 Uhr sei die Schließung der Kita bekannt gegeben worden – für denselben Tag. Eltern seien auf dem Weg zur Kita von der Nachricht überrascht worden.

Das bringt für die Eltern das Fass zum Überlaufen, sie setzen ein Schreiben ans Jugendamt auf. „Wir sind der Meinung, die AWO fährt diese Einrichtung bewusst gegen die Wand“, ziehen die Eltern ein Fazit. Eine Kita sei keine Aufbewahrungsstation. Die Forderung: Das Jugendamt möge sich die Einrichtung anschauen und kontrollieren.

Foto: Thomas Merkenich

Einmaliger Fall

Die AWO bedauert die Vorfälle und wolle mit den betroffenen Eltern in den kommenden Tagen „den Dialog verstärken”, erklärt eine Sprecherin auf Anfrage des Bürgerportals.

Auf konkrete Vorwürfe geht die Sprecherin indes nicht ein. „Das Anliegen der Eltern werden wir im Detail und vorrangig mit den Eltern persönlich besprechen”, heißt es. Den Vorwurf, die Kita an die Wand zu fahren oder Mitarbeitende in die Krankheit zu treiben weist die AWO von sich. Die AWO verfüge über strukturierte Verfahren, um Überbelastung anzuzeigen.

Zugleich macht die Sprecherin an dem genannten Beispiel der morgens angekündigten Schließung klar, wie man darauf künftig reagieren wolle. So habe man die Betreuung bereits am Folgetag durch Personal anderer Einrichtungen gewährleisten können. Das wolle man ausbauen und verstärken, damit sich dieser „einmalige” Fall nicht wiederhole.

Kein Kommentar

Mit der Stadt seien vertiefende Gespräche terminiert, um den Mangel an Betreuungsplätzen und Fachkräften zu besprechen. Zugleich betont die AWO, dass die politischen Rahmenbedingungen für Kitas verbessert werden müssten: Bessere Finanzierung, Offensive in der Ausbildung, mehr Möglichkeiten zum qualifizierten Quereinstieg.

Die Stadt will das Schreiben der Eltern auf Anfrage des Bürgerportals nicht kommentieren. Ernst nimmt man die Vorwürfe gleichwohl schon: So soll es ein Treffen zwischen städtischem Jugendamt, Landesjugendamt und der AWO-Geschäftsleitung gegeben haben, um die Lage zu erörtern, teilt das Jugendamt einer betroffenen Mutter mit. Eine Anfrage des Bürgerportals bei der Stadt zu diesem Gespräch läuft.

Die Kita „Haus der Kinder“ befinde sich mittlerweile wieder im Regelbetrieb, berichtet eine Mutter. Auch mit Unterstützung durch Personal aus anderen AWO-Kitas.

war bis Anfang 2024 Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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