Im Alltag das Auto durch das Rad ersetzen, dafür wirbt Radel-Star Friedrich Bacmeister. Foto: privat

Beim Stadtradeln sind auch zwei „Radel-Stars“ an den Start gegangen. Mit mehrfacher Botschaft: Sie wollen dazu motivieren, durch die Nutzung des Fahrrad CO2 zu vermeiden, die Umgebung kennen zu lernen und dann auch noch Fitness und gute Laune zu gewinnen. Friedrich Bacmeister, Ko-Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, war einer der „Stars“ und schildert hier seine Erkenntnisse. Dazu gibt es dann noch einen Radlertipp – für eine Tour nach Stammheim.

Dieses Jahr hatte ich mich als Radelstar gemeldet und habe deshalb schon gleich am ersten Tag eine längere Tour ins Bergische, bis nach Thier und Wipperfürth geradelt. Natürlich durfte dabei das Eis-Schlecken in Blecher nicht fehlen.

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Während des Genusses kam ich ins Gespräch mit einem anderen Radler der mit Muskelbike aus Burscheid gekommen war. Er werde sich nicht beim Stadtradeln anmelden, da gewännen ja nur die Extre­misten, die sich drei Wochen Urlaub nehmen und dann (mit speziell hergerichteten Gefährten al la Seifenkiste) tolle Touren durch Europa unternehmen.

Hinweis der Redaktion: Das Bürgerportal steht neben seiner eigenen redaktionellen Arbeit für Vereine, Initiativen, Institutionen und demokratischen Parteien der Stadt als Plattform zur Verfügung. Bei diesem Text handelt es sich um einen Gastbeitrag von Friedrich Bacmeister, Ko-Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat.

Ich musste ihm zustimmen: Stadtradeln sollte – in erster Linie – zur Nutzung der Räder im Alltag anregen.

Wäre da nicht ein Wettbewerb sinnvoll, bei dem jede Besorgung einen „Strecken-Punkt“ bringt, wie es dies Jahr mit der Zählung der Strecken im Stadtradel-System neu eingeführt wurde. Das – zu fördernde – Radeln zur Arbeit / ins Büro könnte man dadurch integrieren, dass Strecken bis 3km ebenfalls einen Punkt bringen, Strecken bis 6 km 2 Punkte, bis 10km 3 Punkte und darüber je 5 km einen weiteren Punkt? 

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Über diese Ideen geriet ich bei der Staffelübergabe für die Rundtour des ADFC durch alle Gemeinden des Rheinisch Bergischen Kreises in eine interessante Diskussion. Als ich die Idee mit der Zählung der Alltagstouren anbrachte, berichtete die Radelstar Sabine Krämer-Cox, die häufig gute Touren von Burscheid aus organisiert, von einem Nachbarn. Der fahre zum Brötchenholen nicht zum nächsten Bäcker, ca. 1km entfernt, sondern nach Witzhelden, je Strecke 8 km, weil ja der Motor erst warm werden muss, sonst verruße er so schnell! (sic!).

Dieser Familie könnte sehr geholfen werden durch Nutzung eines Rades. Andererseits wurde auf den Effekt hingewiesen, dass proportional zur zurückgelegten Strecke CO2 vermieden wird – die Rechnung geht aber nur auf, solange die Strecke sonst per KfZ (oder Flugzeug) zurückge­legt würde – nicht, wenn zum „km-Schrappen“ Strecke gemacht wird, die mensch sonst nicht fahren würde. Zudem zeigt das Beispiel, dass das Vermeiden der ersten km per KfZ am meisten CO2 „spart“.

Bei der Gelegenheit habe ich dann die Autoschlüssel abgegeben, da jeder Radelstar verspricht, in den drei Wochen kein Auto von innen zu sehen.

Unterschiedliche Radeltypen

Was muss nun geschehen, damit mehr Menschen das Rad – häufiger -nutzen? 

Offensichtlich gibt es nicht den und die typische Radler*In, sondern unterschiedliche Typen. Man kann einerseits nach Motivation, Fahrgeschwindigkeit und Sicherheitsempfinden unterscheiden; andererseits nach den Zielen, die mit dem Rad erreicht werden.

In einer amerikanischen Studie für Portland wurde die Neigung zum Radeln unterschieden nach: „Stark & furchtlos“ (1%); „Begeistert & sicher“ (9%); „Interessiert aber besorgt“ (60%) sowie „Unter keinen Umständen“ (33%)

Für Deutschland hat die GIM 2018 eine Studie erstellt:

Die 5 Typen werden wie folgt beschrieben:

Sunday Bike Enthusiasts (= Freizeitradelnde) Diese Gruppe liebt das Naturerlebnis und den Sport mit dem Rad, wohnt relativ häufig im ländlichen Bereich (51% ggü 39% im Durchschnitt), fährt sehr gerne mit dem MTB und ist überdurchschnittlich viel mit dem Auto – auch auf der Anfahrt zum Sport -unterwegs. Trotzdem sehen sie im Radeln einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz.

Bike Refuseniks (= Ablehnende) Sie sind vorwiegend weiblich (2:1) und finden das Rad anstrengend. Radfahren ist zwar ein Naturerlebnis, aber es ist unpraktisch und unsicher und damit kein vollwertiges Verkehrsmittel.

Everyday Bike Troupers (oder auch: Allwetterradler) Sie lieben das Radfahren, weil es günstig, gesund, flexibel und umweltfreundlich ist. Es wird nur dann kein Rad gefahren, wenn etwas zu transportieren, die Strecke zu weit ist oder es zu lange gedauert hätte.

Pragmatic Cyclists (= Wählerisch) Das Rad ist Mittel zum Zweck: es soll von A nach B bringen. Außerdem kann man auch mal Abschalten. Es sollte aber kein schlechtes Wetter sein.

Young Urban Bikers (= Status-Radelnde) Das Rad bringt einen nicht nur gut durch die Stadt, sondern es sieht auch richtig gut aus und ist ein echtes Status-Symbol. Diesen Radlern (ca.20-49 Jahre alt) wird der größte Hebel bei der Mobilitätswende hin zum Rad zugetraut.

Funktional lassen sich vier Zielgruppen identifizieren:

  • PendlerInnen;
  • Kinder und Jugendliche, die zur Schule und zum Sport radeln.
  • Einkaufende und Lastenräder
  • Freizeitradelnde

Zwischen diesen Zielgruppen und den Radel-Typen gibt es Zusammenhänge. Unter den Pendler*Inn­en sind viele Allwetter-RadlerInnen (aber auch Status-Radelnde), die möglichst schnell an ihrem Arbeitsplatz oder zuhause ankommen möchten und deshalb die durchgehende, meist große Straße bevorzugen. Meist haben sie wenig Angst vor dem Autoverkehr, da sie sich auf dem Rad sicher fühlen. Für diese müssen Rad-Schnell-Wege geschaffen werden – vor Ort nach Köln.

Sichere Routen für Kinder

Der Weg zur Schule – und zum Sport in der Halle nebendran – muss sicher sein, damit die Eltern ihre Kinder alleine losschicken können. Das stärkt deren Selbstvertrauen, sie übernehmen für sich Verantwortung. Zudem erhöht der Weg durch die frische Luft die Konzentrationsfähigkeit (und die Fähigkeit, still zu sitzen). Deshalb ist es gut, dass hier in Bergisch Gladbach das Projekt „Rad macht Schule“ Schritt für Schritt auf alle (weiterführenden) Schulen erstreckt wird.

Für die Kids sind sichere Nebenrouten zu entwickeln. Müssen die Kids Hauptstraßen nutzen, so sind Hochbord Radwege angezeigt, wie es jetzt auf der Altenberger-Dom-Straße geplant ist.

Wenn es um Einkäufe und KiTas geht, so unterziehen sich dieser Aufgabe vorwiegend Mütter, zuneh­mend auch Väter, aber auch Rentner. Diese transportieren Lasten und fahren ein geringeres Tempo – laut einer Untersuchung von Prof. Pez von der Leuphana-Universität etwa 13 kmh; mit Pedelec etwa 17kmh – und haben ein deutlich höheres Sicherheitsbedürfnis; sie stören sich stark an Lärm und Gestank. Folglich suchen diese ebenso wie die Schulkinder ruhige Nebenrouten – gerne auch Wege und Durchgänge, die Autos nicht nutzen können.

Da das Freizeitradeln raus in die Natur führt, ist es für die innerstädtische Routenplanung von nachrangiger Bedeutung – und Kreisaufgabe. Allerdings muss sichergestellt werden, dass die Wege rein und raus aus der Stadt als Radschönrouten den Ansprüchen an Ruhe und Spaß / Entspannung genügen (Begriff v. Prof. Pez) – das könnte dann auch die Neigung, das Rad zunächst per PkW in die Natur zu transportieren, vermindern.

Radtourenvorschlag: zum Schlosspark in Stammheim

Zum Ende möchte ich noch eine Radeltour zum und entlang des Rheins vorstellen, die ich in den letzten Jahren als Abendtour geradelt bin – sie kann aber auch als Halbtagstour mit Besichtigung der Skulpturen im Schlosspark und Einkehr im Flittarder Eiscafe (Evergerstraße/ Ecke Paulinenhofstr) geradelt werden. 

Ich beginne am Kombibad Paffrath (und hoffe, dass Ihr/Sie bis dahin findet),  von dort durch den Wald nach Dünnwald gradaus bis über den Bahnübergang, dann 2. Straße links und dann halbrechts Oderweg folgen bis zur Bahnlinie, zum Überqueren müßt Ihr erst zurück und dann U-turn über die Brücke.

Nach wenigen hundert Metern links in  Am Flachsrosterweg unter der Autobahn in die Bruder-Klaus-Siedlung, dort südlich (Berner Str, Buscher Weg entlang des Zubringers) bis zum Eisenbahntunnel, den Ihr nutzt, immer weiter gradeaus bis zum Clevischen Ring, den Ihr überquert und dann Am Faulbach zum Rheinufer durchstoßt. 

Dann am Rheinufer flußabwärts/ nordöstlich bis zum Schloßpark.

(Nach Rast/Besichtigung) Weiter auf dem Rheindeich. Wenn rechts Beach- und Sportplatz zu sehen sind und dahinter die Siedlung Flittard, runter vom Deich rechts ab (übern Parkplatz) in die Hubertus­straße. Mit kurzem rechts-links seid ihr in der Evergerstraße. Dort linker Hand kurz vor den Schienen befindet sich das Eis-Cafe.

Rückfahrt dann weiter, die Straße heißt dann Roggendorfstraße. Über die Ampel geradeaus und über die Bahn, am Ende der Rampe dann wieder einen U-turn links, um 50m neben der ICE-Strecke herzu­fahren – die Straße dreht dann rechts durch Feld und Golfplatz. Weiter geradeaus unter der Autobahn und dann über die 2. Bahnstrecke, am Ende wieder rechts in den weißen Mönch. Am Ende links auf den Dünnwalder Kommunalweg, und durch Dünnwald und den Wald wieder zum Kombibad Paffrath.

Ist Ko-Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Er wohnt seit über 20 Jahren in Hebborn und ist noch ein wenig als Rechtsanwalt tätig, zudem radelt er fast zu jedem Termin (bei Bahnfahrten mittels Faltrad) und spielt Cello. Seit seiner Jugend ist er an politischen Entwicklungen interessiert;...

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  1. Interessante Gedanken, Herr Bacmeister. Wenn Sie nur nicht so langweilig und unstrukturiert formuliert worden wären. Das soll keine Beleidigung sein sondern ein Hinweis, dass ich mir echt Mühe geben musste „dranzubleiben“.

    Leider finde ich auch beim zweiten, mühsamen durchkauen des Beitrages nichts was irgendwie inspiriert, anregt oder auf irgendeinen Grund schließen lässt, warum Sie diesen Beitrag geschrieben haben. Wenn ihre Ambition, die Steigerung des Radverkehrs in dieser Stadt ist, hätten Sie möglicherweise als Co-Fraktionschef Einfluss auf die neue Gestaltung der Paffrather Straße nehmen können.

    So wie sie jetzt gerade gestaltet wird , bleibt sie ein Alptraum für Radfahrende. Nix mit Umstieg auf Fahrrad. So werden wohl auch in Gladbach viele Menschen lieber acht Kilometer mit dem Auto als auch nur einen einzigen mit dem Fahrrad zurücklegen. Was leider für die gesamte Fahrradwegestruktur – falls überhaupt vorhanden – gilt.

    Leider ist auch perspektivisch keine Besserung in Sicht, Radfahren bleibt in Gladbach lebensgefährlich und wird auch in Zukunft kaum Menschen zum Umstieg auf das Rad bewegen.

    Sie können also ihrer Kategorisierung von Radfahrenden noch folgende Typen hinzufügen:

    1. Die Wartenden. Die, die hoffen das sich am irgendwann irgendetwas für Radfahrende verbessert um dann endlich sicher Radfahren zu können. Sie wissen schon: der Umwelt wegen.

    2. Die Nögler. Die, denen es nicht schnell genug geht um endlich einen sinngebenden Beitrag zum Umweltschutz beizutragen und endlich sicher mit dem Rad fahren zu können.

    3. Die Enttäuschten. Die, die die Umwelt schützen wollen und gehofft hatten das sich politischer Wandel unter Beteiligung der Grünen irgend etwas für Radfahrende verbessert um endlich sicher Radfahren zu können.

    4. … Die, die einfach nur sicher und ohne Gefährdung mit dem Raf fahren wollen. Warum auch immer.

    1. Sehr geehrter Herr Wegmann, es freut mich, dass meine Gedanken Sie zu einer – wenn auch enttäuschten – Antwort inspiriert haben. Auch Ihre Enttäuschung wegen der Laurentiusstr. verstehe ich.

      Aber enttäuschend ist auch die Reaktion der “Zivilgesellschaft”, bzw,. der Teile, die sich geäußert haben – aufgeputscht durch ein Flugblatt der CDU wurde bei dem Verkehrsversuch die junge Verwaltungsmitarbeiterin so beschimpft, dass die Stadt zum Schutz ihr Telefon vom Netz genommen hat. Die Bürger, die die Idee Fahrradstraße gut fanden, hingegen haben weitgehend geschwiegen.

      Der Verkehrsversuch war schlecht geplant? – ich stimme Ihnen voll zu! (einen Verbesserungsvorschlag hat man mit persönlich ausgeredet): bei Verkehrsfragen redet die örtliche Straßenverkehrsbehörde im Benehmen mit der Kreispolizei mit (die Politik kann diesen keine Weisungen erteilen). Und die Leiterin der Ordnungsbehörde wollte dort unbedingt eine Person haben, die sich jetzt als entscheidungsscheu und wenig belastbar (seit Monaten krank) erweist.

      Last but not least: wir wollen (und müssen) auch an andere Verkehrsteilnehmer denken, insbesondere Fußgänger, Alte und Menschen mit handycap. Und für diese bringt die Sanierung erhebliche Vorteile, auch potentielle Gefahrenpunkte (Ecke vor dem Bock) wurden entschärft – die neue Decke sollte auch für die Radler*innen das Fahrgefühl deutlich verbessern.

      Wenn Sie mehr wollen als sich bei den derzeitigen Ratsverhältnissen umsetzen läßt, müssen Sie uns in der nächsten Ratsperiode ein deutlicheres Mandat (ohne bremsende Partner) geben – zu den Überlegungen im Hintergrund sprechen Sie mich (oder Kolleg*innen) gerne persönlich an.

      1. Lieber Herr Bacmeister, danke für ihre Reaktion – aber richtig lesen hilft ungemein.

        Denn: Auch wenn ich wahrscheinlich der Einzige in dieser Stadt bin: Die Laurentiusstrasse ist mir vollkommen gleichgültig!

        In kritisierte in meinem Kommentar den aktuellen Umbau der PAFFRATHER Straße zu einem Alptraum für Radfahrende. Und ich erklärte die bittere Erkenntnis, dass es offensichtlich kein Interesse an einer zukunftsorientierten Radpoltik gibt – weder in der Verwaltung noch irgendwo auf der politischer Ebene.

        Ansonsten würde wohl niemand auf den Gedanken kommen, eine Hauptverkehrsachse der Stadt so unverschämt Radfahrunfreundlich zu bauen. Dieser Umbau manifestiert den Alptraum für Jahrzehnte, und die Grünen feiern sich dieses Ergebnis auch noch. Alles nur noch traurig.

  2. Nun, Herr Bacmeister, ich darf mal zusammenfassen:

    – Das Klima muss besser geschützt werden, nicht mehr nur Antrieb für die Grünen.
    – Dazu sollte so viel MIV von der Straße, sehr schwer.
    – Viele neue Radwege müssen entstehen, alte marode saniert werden.
    – Dazu müssen Radschnellwege kommen, der Pendler wegen.
    – Die Stadt will bedeutend mehr Zuzüge.
    – Dazu müssen Wohngebäude errichtet werden, möglichst bezahlbare.
    – Dafür müssten Wiesen und Wald verschwinden, auch einige Kaltluftzonen.
    – Die Stadt braucht Geld, um den jahrzehntelangen Versäumissen beizukommen.
    – Der junge FNP soll mit neuen Gewerbegebieten vollgepflastert werden.
    – Ein Klimakonzept soll die heißen Temperaturen aus der Stadt jagen.

    Viele dieser Vorhaben widersprechen sich, zu viele Köche verderben den Brei, es geht kaum noch um Fakten sondern weitgehend um Proporz und wirkliche FAchleute vermisst man – in Verwaltung und Politik.