Am Friedhof in der Schulstraße in Sand soll eine der vier Kitas im Eilverfahren gebaut werden.

In Sachen Kita befindet sich Bergisch Gladbach „auf einem guten Weg“ betonen Bürgermeister Frank Stein und der Beigeordnete Ragnar Migenda. Das geplante Defizit an Kita-Plätzen geht zurück, auch die Zahl der suchenden Familien sinkt. Die Kita Mondsröttchen wird bald fertig, vier weitere Kitas sollen bis Mitte 2025 folgen. Aber Defizite bleiben – und auf die großen strukturellen Probleme hat die Stadt kaum Einfluss.

Die Planungen für das kommende Kita-Jahr sind seit der Einstellung ins Ratsinformationssystem bereits öffentlich, wir hatten berichtet. Jetzt erläuterte die Verwaltungsspitze gemeinsam mit den beiden Fachfrauen Julia Austermühle und Claudia Werker, die Zahlen und Entwicklungen im Detail, mit einem eigenen positiven Dreh – durchaus im Widerspruch zur eigenen Verwaltungsvorlage für den Jugendhilfeausschuss am 7. März.

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„Wir befinden uns auf einem sehr guten Weg“, sagt Bürgermeister Frank Stein. Natürlich gebe es noch zu wenig Kita-Plätze, aber im Vergleich zum Beispiel mit Leverkusen stehe Bergisch Gladbach so schlecht nicht da – und mit den strukturellen Problemen erst recht nicht alleine. Auf den Mangel an Fachkräften (mit den bekannten Rahmenbedingungen Ausbildung, Attraktivität, Tarife) habe die Stadt nur begrenzt Einfluss.

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Keine Entwarnung bei den Kita-Plätzen – im Gegenteil

Die Zahl der Kita-Plätze in Bergisch Gladbach wächst, das Defizit schließt sich perspektivisch. Allerdings nur auf dem Papier – denn die geplanten neuen Kitas sind noch nicht fertig. Zudem wirkt sich der Fachkräftemangel noch stärker als bisher. Daher rechnet die Stadtverwaltung mit weiteren Klagen von Eltern und sieht dringenden Handlungsbedarf.

Auch das Finanzierungsproblem der Kita-Träger könne nur das Land lösen. Immerhin 27 Millionen Euro zahle die Stadt aus dem eigenen Haushalt für die Kitas. Netto, nachdem alle Elternbeiträge und Zuschüsse abgerechnet sind. Wie so oft befinde sich die Kmmune „am Ende der Fahnenstange und muss sehen, wie sie klar kommt“.

Neubau der Kitas kommt voran

Daher konzentriere sich die Verwaltung auf das, was sie beeinflußen könne: die bauliche Infrastruktur. Und auch da, sagt jetzt der Beigeordnete Ragnar Migenda, habe sich die Stadt „auf einen guten Weg gemacht“. Die sehr große Awo-Kita Reiser / Mondsröttchen solle im Sommer endlich fertig gestellt werden und – zunächst mit ein bis zwei Gruppen – rasch in Betrieb gehen.

Zudem seien die Verträge für den Bau von vier Kitas im Rahmen des Sofortprogramms an die Schulbaugesellschaft vergeben worden. Sie sollen, Schritt für Schritt, im kommenden Frühjahr den Betrieb aufnehmen.

Durch die neue, modulare Bauweise aus vorgefertigten Elemente spare man Geld und Zeit, könne besonders nachhaltig und dennoch in hoher Qualität bauen, betont Migenda. Die neuen Kitas mit modernen Arbeitsplätzen seien dann auch bei der Gewinnung von neuen Arbeitskräften ein gutes Argument, hofft der Beigeordnete.

Für Systemwechsel bei der Trägerschaft zu spät

Zum ersten Mal baut die Stadt diese Kitas (über die Schulbau GmbH und einem spezialisierten Berliner Unternehmen als Generalunternehmer) selbst, die Trägerschaft will sie aber nach wie vor nicht übernehmen. Eine Entscheidung für einen solchen Systemwechsel, erläutert Bürgermeister Stein, hätte man vor zehn Jahren treffen müssen, jetzt sei der Zug abgefahren.

Daher wird die Stadt die Trägerschaft für die vier Sofort-Kitas wie üblich ausschreiben; und dafür gebe es auch ein Interesses. Nur im allerschlimmsten Fall, dass sich kein Träger finde, müsse die Stadt selbst einspringen, obwohl sie dafür gar keine Verwaltungsstrukturen hat, sagt Stein.

Die Kita-Ausbaupläne im Detail

Sofortkita Innenstadt

An der Jakobstraße hinter dem Bahnhof in der Innenstadt ist die alten Flüchtlingsunterkünfte abgerissen worden Auf dem 3800 qm großen Grundstück wird eine vierzügige Kita mit rund 70 Plätzen gebaut, später ist dort auch ein Spielplatz vorgesehen. Fertigstellung ist für Juni 2025 geplant.

Sofortkita Schildgen „Nittumer Weg“

Am Nittumer Weg in Schildgen liegt ein städtisches Grundstück mit 940 qm, das zur Zeit als Parkplatz genutzt wird. Hier entsteht eine dreizügige Kita mit rund 50 Plätzen; die Parkplätze fallen weg, ein Teil der Fläche wird entsiegelt. Fertigstellung: 1. Quartal 2026

Sofortkita Sand

An der Schulstraße in Sand, neben dem Friedhof und hinter dem Schotterparkplatz, wird eine Wiese bebaut, die als Reservefläche für den Friedhof vorgesehen war. Das Grundstück mit 1700 qm reicht ebenfalls für eine vierzügige Kita mit weiteren 70 Plätzen. Geplante Fertigstellung: März 2025

Sofortkita Lena-Wiese / Am Fürstenbrünnchen

Für den Bau einer Kita am Rand der Bienen- und Blumenwiese am Lückerather Anger an der Straße „Am Fürstenbrünnchen“ hatte es schon 2020 einen Beschluss gegeben, der nach der Kommunalwahl zurückgestellt worden war. Im September 2023 setzte die CDU durch, diesen Standort ebenfalls im Sofort-Kita-Programm voran zu treiben. Derzeit geplante Fertigstellung: Herbst 2025

Weitere Sofortkita (noch offen)

Der Standort einer möglichen weiteren Sofortkita ist noch offen, ein Grundstück im Bereich Moitzfeld / Bensberg / Lückerath werde geprüft, hatte die Stadt im Juni 2023 erklärt.

AWO-Kita Mondsröttchen / Am Reiser (Bensberg/ Kaule)

Die vierzügigen Kita Mondsröttchen mit 90 Plätzen befindet sich bereits in Bau und soll laut Planung ab dem 1.8.2024 schrittweise in Betrieb gehen. 

Kita auf dem Carpark-Gelände (Lückerath)

Auf dem ehemaligen Areal der belgischen Armee an der Bensberger Straße in Lückerath soll nun doch eine große Kita gebaut werden, auf der Grünfläche zwischen Flüchtlingsunterkunft und dem Seniorenwohnheim. Dazu müssen zunächst der Flächennutzungs- und der Bebauungsplan geändert werden.

Kita mit Kompetenzzentrum Autismusspektrum-Störungen (Hebborn)

Diese Kita, ebenfalls von der AWO betrieben, soll auf dem brachliegenden Grundstück gegenüber der Grundschule Hebborn an der Odenthaler Straße entstehen, die Ausschreibung steht bevor.

Kita Weig-Gelände (Zanders-Areal)

Pläne für eine Grundschule und Kita auf dem Gelände der ehemaligen Weig-Kartonagenfabrik am Rande des Zanders Areals an der Cederwaldstraße parallel zu einer Grundschule 21 haben sich inzwischen zerschlagen, weil das Gebiet hochwassergefährdet ist.

Für die lange zeit umstrittene vierte Kita am Fürstenbrünnchen in Heidkamp (auch als Lenawiese bekannt) werde es auf jeden Fall Bedarf geben, sagen Stein und Migenda. Diese Kita werde ja anstelle der zunächst geplanten Einrichtung auf dem sogenannten Carpark-Gelände gebaut, zudem sei sie so zentral gelegen, dass sie auch angrenzende Stadtteile bedienen könne.

Mit dem Bau der vier Kitas im Sofortprogramm sei die Stadt aber noch nicht am Ende angelangt, sagt Migenda. Die Verwaltung habe noch einen oder zwei „Pfeile im Köcher“. Sprich: Grundstücke, die für weitere Kitas geeignet sein könnten.

Die ebenfalls bereits geplanten Kitas auf dem Zanders- sowie Wachendorff-Gelände müssten den Bedarf abdecken, der durch die Wohnbebauung dieser beiden Areale entstehen werden – seien also Zukunftsmusik.

Komplizierte Berechnungen

Julia Austermühle, die Fachplanerin für die Kitas, erläutert noch einmal das komplizierte Zahlenwerk – mit dem die Stadt versucht, den tatsächlichen Bedarf an Kita-Plätzen im nächsten Jahr zu erfassen, beim Land anzumelden und auch in der Realität abzudecken. Im Gegensatz zum Vorjahr seien die Zahl der Kinder auf Basis neuer Daten der Bevölkerungsstatistik gesenkt, die Betreuungsquoten aber erhöht worden.

Im Ergebnis gebe es bei den (geplanten) Plätzen für die Kinder über alle Altersgruppen hinweg nur noch ein geringes Defizit von 36 Plätzen. Und das, obwohl die Stadt bei der Berechnung der Plätze für Kinder mit erhöhtem Betreuungsbedarf, großzügig rechne. „Unsere Pläne sind ganz bewusst nicht auf Kante genäht“, betont Migenda.

In der Realität sieht es dann nicht ganz so gut aus. Weil eben die neuen Kitas erst im Laufe des kommenden Jahres fertig werden, weil Angebot und Nachfrage sowohl in den unterschiedlichen Altersgruppen als auch in den Stadtteilen nicht zusammen passen. (Details gehen aus der Anlage 1 hervor, siehe Dokumentation unten).

Daher rechnet die Stadt durchaus mit weiteren Klagen von Eltern, denen sie keinen Kita-Platz in Wohnort-Nähe anbieten könne, räumt Migenda ein. Nachdem eine Klage im vergangenen Jahr zurückgezogen wurde seien derzeit nur zwei weitere Klagen anhängig, und auch hier gebe es Hoffnung, möglichst bald Plätze bieten zu können. Daher rechne er in den nächsten Monaten nicht mit einer Klagewelle.

Bleibt am Ende die Frage, wieweit die Realität der Planung entspricht. Mit Blick auf den gegenwärtigen Stand, im laufenden Kita-Jahr, sieht die Planerin Austermühle eine leichte Entspannung. Alles in allem gebe es zur Zeit rund 300 Familien, die entweder noch keinen Platz für ihr Kind haben, demnächst nach Bergisch Gladbach ziehen und deshalb einen Platz suchten oder aber bereits einen Platz haben, aber einen anderen suchten. Das seien unter dem Strich etwas weniger als ein Jahr zuvor.

Dokumentation

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    bezüglich des Neubaus einer Kita auf der Lenawiese ist es für mich leider unverständlich, das dieser Platz dafür in Frage kommt. Eine Zufahrt ist von der Saaler Str. her möglich. Es gibt keinen Gehweg, schlechte Beleuchtung bei Dunkelheit, kaum jemand hält sich an die 30 kmh. Die Straße wird oft als “Abkürzung” benutzt, wenn auf der Bensberger Str. mal wieder Stau ist.
    Der Zustand der Straße lässt zu wünschen übrig…. Und dann sollen noch mehr Autos hier fahren?Gerne würde ich Ihnen Fotos vom Zustand der Strasse schicken, Sie können sich aber auch gern selbst überzeugen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Simone Bufe

    1. Sehr geehrte Frau Bufe, die problematische Verkehrssituation ist bekannt und wird seit Jahren kontrovers diskutiert, ein Meinungsbild der Fraktionen im Stadtrat finden Sie zum Beispiel hier;

      https://in-gl.de/2023/06/14/zu-kurz-gesprungen-gruene-lehnen-kita-auf-lenawiese-ab/
      https://in-gl.de/2023/08/18/3-1-cdu-setzt-aufnahme-der-lena-wiese-ins-kita-sofortprogramm-durch/

      Und hier alle Beiträge zur Lenawiese:

      https://in-gl.de/schlagwort/lenawiese/

      PS. Bitte veröffentlichen Sie hier keine personenbezogenen Daten; ihre Anschrift und Telefonnummer haben wir gelöscht.