Bürgermeister Frank Stein. Foto: Thomas Merkenich (Archiv)

18 Monate vor der nächsten Kommunalwahl stellt Frank Stein klar: er wird 2025 nicht erneut für das Amt des Bürgermeisters kandidieren. Dafür führt er ausschließlich persönliche familiäre Gründe an – und zählt eine Reihe von Projekten auf, für die er in den kommenden 18 Monaten kämpfen werde.

Bürgermeister Frank Stein hat am Mittwoch angekündigt, bei der Kommunalwahl 2025 „nicht erneut für das Amt des Bürgermeisters“ zu kandidieren. Gründe dafür seien familiärer Natur: Die fortschreitende Autoimmunerkrankung seiner Frau erfordere es von ihm, ihr künftig stärker zur Seite zu stehen.

Stein ist SPD-Mitglied und war 2020 als gemeinsamer Kandidat von SPD, Grünen und FDP bei der Kommunalwahl angetreten – mit Erfolg. Allerdings hatte die FDP Ende 2022 die Ampelkoalition aufgekündigt und opponiert seither gegen die grün-rote Restkoalition und den Bürgermeister. Eine Neuauflage des Dreierbündnisses für die Wahl 2025 gilt daher als ausgeschlossen.

„Meiner Familie etwas zurückgeben“

Stein begründet seinen Rückzug ausführlich. Nachdem seine Frau Martina über fast vier Jahrzehnte seine beruflichen und politischen Ambionen vorbehaltlos unterstützt habe sei es nun „nun an mir, ihr zukünftig stärker als bisher zur Seite zu stehen – mehr als mir das im Amt des Bürgermeisters möglich wäre“, schreibt Stein in seiner Erklärung. Er wolle „den Zeitpunkt nicht verpassen, an dem ich meiner Familie zumindest etwas von der großen Unterstützung aus dieser langen Zeit zurückgeben kann“.

Bürgermeister könne man „entweder ganz oder gar nicht sein.“ Es sei eine „24/7-Aufgabe“, über einen vor vornherein verbindlich feststehenden Zeitraum von fünf Jahren, sagt Stein. Das sei nur möglich, wenn man familiäre und persönliche Dinge permanent zurückstelle. Er werde nächstes Jahr über 25 Jahren als kommunaler Wahlbeamter „unserem Gemeinwesen gedient haben. Das erreichen nicht viele und darauf bin ich stolz.“

Seinen Rückzug erkläre er „schon jetzt, um meinen politischen Freundinnen und Freunden ausreichend Zeit zu geben, eine gute neue Kandidatur für die nächste Wahl vorzubereiten“.

In der verbleibenden Amtszeit, betont Stein, werde er sich „mit ganzem Einsatz und von ganzem Herzen“ für die Stadt einsetzen. Zu den wichtigsten Aufgaben zähle der Schul- und Kitabau, die Zanders-Konversion, der Neubau der Feuerwache 2, der neue Verwaltungsstandort Bensberger Straße, die städtische Wärmeplanung, die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes und der Neubau des Mohnwegbads.

Bedauern und Respekt bei SPD und Grünen

SPD und Grüne reagierten „mit großem Bedauern“ auf die Ankündigung von Stein. Der Entscheidung, mehr Zeit mit seiner erkrankten Ehefrau zu verbringen und die Familie in den Vordergrund zu stellen, gebühre jedoch „tiefsten Respekt“.

Stein habe Bergisch Gladbach entscheidend geprägt und werd es in den verbleibenden anderthalb Jahren weiter tun. SPD und Grüne wollten die neue Situation „in Ruhe in den jeweiligen Parteigremien und im gemeinsamen Koalitionsausschuss diskutieren und analysieren“, erläutern sie in ihrer Mitteilung.

Klar sei jedoch, dass „der erfolgreiche Kurs der letzten Jahre auch über den nächsten Wahltag hinaus, fortgesetzt werden muss“. Einen Rückfall „in alte Zeiten des ambitionslosen Verwaltens“ könne sich die Stadt nicht leisten, betonen SPD und Grüne.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Die FWG zollt Bürgermeister Frank Stein großen Respekt für seine Entscheidung, aus persönlichen, familiären Gründen nicht für eine zweite Amtszeit als Bürgermeister zu kandidieren und dies frühzeitig bekanntzugeben. Wir haben dafür größtes Verständnis.

    Die Zusammenarbeit zwischen Frank Stein und der FWG-Fraktion ist nicht nur aufgrund der volatilen Mehrheitsverhältnisse im Rat in den letzten Monaten intensiver geworden.

    Wir stimmen mit dem Bürgermeister überein, dass in diesen Zeiten gerade auf kommunaler Ebene trotz politisch unterschiedlicher Meinungen Kompromisse gesucht werden müssen. Dies ist beim verabschiedeten Klimaschutzkonzept und auch beim beschlossenen Haushalt 24/25 auch dank der Unterstützung von Frank Stein gelungen.

    Wenn die Kommunen zukünftig mit notwendigem Spielraum Entscheidungen im Sinne Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt fällen wollen, sind gesundes Selbstbewusstsein und konstruktive Zusammenarbeit der Fraktionen weiterhin erforderlich.

  2. Beste Nachricht für GL seit 30 Jahren. Dieser Mann hat für mich Inkompetenz, Besserwisserei, Stillstand verkörpert. Eines hat er mit seiner Amtszeit erreicht – vergessen wird man seinen Namen in der Geschichte Bergisch Gladbachs definitiv nicht.

    1. Stillstand kann man nicht vorwerfen. Besserwisserei? Wo das denn? Inkompetenz? Beispiele.

      1. Der Verzicht auf die Kandidatur ist eine gut begründete ehrenwerte Entscheidung, die ich aber bedaure. Die kritischen Kommentare über seine Amtszeit kann ich nicht nachvollziehen. Mag sein, dass vieles Wünschenswerte nicht erreicht wurde. Aber Herr Stein hatte ein schweres Erbe angetreten.

        M.E. hat er die Erstarrung aufgelöst. Aber es war offensichtlich ein mühsamer Kampf, die etablierten Kreise in dieser Stadt für neue Entwicklungen zu begeistern. Auch war nicht zu erkennen, dass er von der Verwaltung mit kreativen Ideen unterstützt wurde. Die Amtszeit war zu kurz um die anstehenden Aufgaben zu lösen

    2. Zur Versachlichung haben wir in den Beitrag ein paar Links auf Beiträge eingefügt, die sich mit Frank Steins Halbzeitbilanz befassen, aus der eigenen und der entgegengesetzten Perspektive.

  3. Sehr schade! Die Gründe sind jedoch komplett nachvollziehbar. Und der Zeitpunkt ist ebenfalls gut gewählt, so kann er die letzten 18 Monate mit vollem Elan weitermachen. Bis hierhin kann man ihm wenig vorwerfen, er hat sehr viel angestoßen und Verbesserungen auf den Weg gebracht. Es ist wie mit der Ampel im Bund. 16 Jahre CDU muss man erstmal mit vielen auch unpopulären Reformen, die wiederum erstmal greifen müssen, angehen.

    Mit der Entscheidung ist aber auch irgendwie fast schon klar, dass es wieder die CDU schaffen wird… Keine tollen Aussichten!

      1. @Drucker: Gibt oder gab es in Bergisch Gladbach eine Richtlinienkompetenz für eine Fraktion oder meinen Sie die Möglichkeit des Stadtrats, der Verwaltung Richtlinien zur Erledigung der laufenden Verwaltung vorzugeben? Bei letzterem läge die Richtlinienkompetenz dann aber bei dem gesamten Gremium.

    1. Ja, er hat viel auf den Weg gebracht.
      Nur in Sachen Mobilitätswende ist aus meiner Sicht das Wort „Gescheitert“ noch beschönigend.
      Leider ein Thema für das folgende Generationen die Zeche bezahlen müssen.

      1. Die schlechteste Entscheidung in Sachen Mobilität in GL war es, sich nicht an der Instandhaltung der Linie G (Heute Linie 3) zu beteiligen und diese in Thielenbruch enden zu lassen. Ansonsten hätte GL heute eine weitere Anbindung nach Köln und mehr Resilienz gegenüber der Pannen DB. Man stelle sich vor man kann mal eben zur KVB wechseln wenn die S11 wieder nicht fährt.
        Wegen solcher Politik der späten 1950er haben wir Pendler heute kaum oder keine Alternativen zum Individualverkehr.
        Eine gute Busanbindung mit Direktfahrten nach Thielenbruch zu Stoßzeiten gibt es aber immer noch nicht, das hat aber auch Lutz Urbach seit 2009 nicht auf die Kette bekommen…
        Auch ist niemanden in den 20 Jahren Diskussion über ein zweites Bahngleis gelungen eine kreative oder pragmatische Lösung zu finden.
        Z.B. eine autonome Hochbahn/Hängebahn über der bestehenden Trasse bis nach Dellbrück oder zwei autonome Bahnen im Pendelverkehr auf dem bestehenden Gleis, die am Bahnhof Duckterath aufeinander warten und dort aneinander vorbeifahren.
        Dann muss man zwar in Dellbrück umsteigen, spart sich aber die ganzen Verfahrung um die Erweiterung der Trasse und muss nur den Bahnhof Duckterath auf einen mittleren Bahnsteig umbauen, was sowieso nötig ist.

  4. Mein Respekt gilt seiner persönlichen Entscheidung.
    Nicht noch einmal zu kandidieren eröffnet allerdings auch die Chance, in Zukunft einen Bürgermeister oder Bürgermeisterin zu haben, der /die die im Wahlkampf gemachten Versprechen, die dringend notwendige Mobilitätswende und den Radverkehr zu forcieren, auch einhält. Das was bisher umgesetzt und auch für die Zukunft noch geplant ist, ist m.E. nach eher eine Vollkatastrophe. Diese ambitionslose verwalten der Mobilitätswende fällt uns sicherlich irgendwann auf unser Füße oder auf die Füße unserer Kinder und Enkel.

    1. Nun, wie soll man eine Autostadt in zwei Jahren komplett umkrempeln? Es ist unmöglich. Zumal herrscht Fachkräftemangel im entscheidenden Bereich der Verwaltung. Wenn man sich ein bisschen mit der Thematik beschäftigt, dann merkt man auch, dass er schon sehr viel angestoßen hat. Wesentlich mehr als im letzten Jahrzehnt insgesamt. Es sind tolle Projekte auf der Agenda, die hoffentlich auch umgesetzt werden, wenn die CDU wieder federführend ist.

      1. Die Frage, die man sich stellen sollte ist nicht, wie man die Stadt in zwei Jahren umkrempeln soll, sondern warum man sie umkrempeln sollte und welche Folgen das Umkrempeln für die Stadt und die Bürger mit sich bringt.

      2. Wenn man sich an den langjährigen Versäumnissen orientiert, gebe ich ihnen recht. Allerdings ist die SPD daran ja nicht unbeteiligt. Aber wenn der Anspruch der ist, nicht schlechter zu sein als der Vorgänger, sollte man vielleicht einen anderen Karriereweg einschlagen – was ja nun auch passiert.
        Tolle Projekte? Dann wüsste ich gerne mal welche das sind?
        Vollscheitern an der L. – Straße?
        Aktueller Umbau Paffrather Straße?
        Geplante Fahrradstrassen?
        Sicherer Schulweg per Fahrrad?
        u.s.w.
        Keine (!) der Maßnahmen holt irgendeinen Menschen aus dem Auto auf das Fahrrad.
        Das nenn ich: Gescheitert!
        Alle Projekte, ob aktuell oder geplant, alle orientieren sich an folgenden Parametern:
        1. Autofahrern nicht weh tun
        2. Keine Kosten zu verursachen
        Da ist noch nicht mal so etwas wie eine Vision für eine Mobilitätswende erkennbar.
        Wenn das vernünftige zukunftsorientierte Politik ist, dann sieht es nicht gut aus für diese Stadt.

    2. Nun, Sie scheinen ja absolut dafür qualifiziert zu sein.
      Also los, der Weg steht Ihnen offen.

      1. Die Entscheidung von Herrn Stein hat meinen vollen Respekt.
        “Ambitionslose Zeit der CDU/SPD-Koalition” ist allerdings ein Eigentor der SPD, trifft sie sich doch selbst damit. Als (alters- und wohnortbedingt mit Hügeln) Nichtmehradfahrer suche ich nach großen Erfolgen der jetzigen Grünen/SPD-Koalition und finde nicht viel. Ambitioniert bestimmt, aber vor allem ideologisch, dauernde Rücknahmen von (teuren und vielfach gegen den Willen vieler Bürger) Plänen. Auch nicht prickelnd. Lösung ab 2025? Keine Ahnung.