Nina Tackenberg leitet in Elternzeitvertretung die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung Bergisch Gladbach. Foto: Daniel Schubert

Die gemeinsame Sexualität steht bei Paaren mit jungen Kindern häufig ziemlich weit hinten auf der Prioritätenliste. Die Folge ist oft eine klassische Verlangensdynamik, bei der sich die eine Seite unter Druck und die andere zurückgewiesen fühlt. Was dabei hilft, aus diesem Muster auszusteigen und wieder Spaß am Sex in die Partnerschaft zu bringen, erklärt Nina Tackenberg von der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung.

„Wann wir das letzte Mal miteinander geschlafen haben…?“ Viele Paare mit jungen Kindern müssen über diese Frage ein wenig nachdenken. Zwischen den scheinbar nicht enden wollenden Aufgaben in Haushalt, Kinderbetreuung und der jeweiligen Erwerbsarbeit sowie dem Versuch, ein Mindestmaß an freundschaftlichen Kontakten oder Hobbys aufrecht zu erhalten, gerät die gemeinsame Sexualität häufig in den Hintergrund.

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Das liegt oft nicht nur an mangelnder Gelegenheit, sondern auch daran, dass in dieser Lebensphase Konflikte besonders scharf hervortreten. „Elternschaft ist Mangelverwaltung“, schreibt die Paar- und Sexualtherapeutin Monika Röder. Es gibt nichts zu verteilen – keine Zeit, keinen Schlaf, kein Verständnis.

Dem gegenüber steht, dass eine beide Seiten zufrieden stellende Paarsexualität viel Aufmerksamkeit für sich selbst und den anderen erfordert und einen offenen Austausch über die eigenen Bedürfnisse.

Zeichnung und Foto: Nina Tackenberg

Eine Seite will mehr, die andere weniger

In fast jeder Beziehung – unabhängig davon, ob es Kinder gibt oder nicht – ist das Verlangen unterschiedlich stark ausgeprägt, d.h. eine Seite ist verlangensstärker und eine verlangensschwächer. Wie auch bei vielen anderen Beziehungsthemen entwickelt sich über die Zeit meistens ein festes Muster, wer mehr und wer weniger Interesse an Sex in der Partnerschaft hat.

Wird das Thema nicht offen angesprochen, entwickelt sich ganz häufig eine klassische Verlangensdynamik: Eine Seite verspürt Druck, mehr Sexualität zuzulassen als sie möchte, und versucht oft immer mehr, Paarsexualität zu vermeiden. Die andere Seite fühlt sich zurückgewiesen und baut entweder tatsächlich Druck auf oder geht in den enttäuschten Rückzug.

Unabhängig davon, wie häufig es tatsächlich zu Paarsexualität kommt, entsteht jeweils der Eindruck: „Du willst immer Sex“ bzw. „Du willst ja nie.“

„Slow sex“

Der erste Schritt ist für beide Partner:innen einer, der wieder in Richtung Mitte geht. Monika Röder spricht von einem „turn on“ für die verlangensschwächere Seite und einem „cool down“ für die andere.

Für beide ist auf jeden Fall eine Auseinandersetzung mit sich selbst wichtig: Was verbinde ich mit der gemeinsamen Sexualität? Was macht mich an? Was weiß ich alles über meinen eigenen Körper? Bin ich vorwiegend durch die Erregung meines Gegenübers erregt oder bin ich mehr auf mich konzentriert? Geht es mir gerade um einen schnellen Spannungsabbau oder um eine intensive Begegnung mit meinem Partner oder meiner Partnerin?

Falls sich schon vor der Ankunft der Kinder ein Kreislauf aus Erwartungen, Rückzug und Frust durch Ablehnung angedeutet oder entwickelt hat, kann es hilfreich sein, aus den alten Mustern ganz auszusteigen und neue Wege zu gehen: Der gerade im Trend liegende „slow sex“ bietet hier einige Anregungen, um sich achtsam und liebevoll zu begegnen, in sich selbst hineinzuspüren und sich neugierig mit dem anderen Körper zu beschäftigen, ohne eine rasche Vereinigung und einen Orgasmus anzustreben.

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.

Sex ganz oben auf die Prio-Liste setzen

Eine Tatsache bleiben die engen Zeitfenster für Paare mit jungen Kindern. Hier auf spontane Gelegenheiten zu warten, ist oft so gut wie unmöglich. In dem Fall können Verabredungen hilfreich sein.

Junge Eltern sind häufig Meister:innen darin, den Alltag zu organisieren – wenn sie sich erlauben, die Begegnung miteinander mal ganz oben auf die Prioritätenliste zu setzen, können sie Raum schaffen, um sich auch und gerade nach Schwierigkeiten miteinander körperlich neu zu entdecken.

Wer sich weiter mit dem Thema beschäftigen möchte: „Der kleine Sexretter“ von Monika Röder, erschienen im Carl Auer Verlag, ist ein aus meiner Sicht empfehlenswerter Ratgeber, der das Thema Paarsexualität aus verschiedenen Perspektiven mit fachlichen Fakten, Erfahrungswissen aus der therapeutischen Praxis und einer großen Leichtigkeit behandelt.


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

Nina Tackenberg leitet als Elternzeitvertretung die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Bergisch Gladbach. Sie hat einen M.A. in Arbeits- & Organisationspsychologie sowie ein Diplom in Sozialer Arbeit, ist Systemische Coachin (DGSF), Gesundheits- und Krankenpflegerin.

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  1. Sehr guter Artikel.
    Ich bin mit einer Frau zusammengekommen die bereits drei Kinder hatte.
    Sonntags früh wollten wir fxxxen, kamen aber die Kinder und beschlagtnamten den Fernseher.
    Habe ich einen Fernseher gekauft und im Kinderzimmer hingestellt.
    Zusätzlich die Ansage: Lasst uns in Ruhe!
    Nicht einfach, ich bin ja nicht der leibliche Vater, kannte die Kinder erst seit einigen Monaten.
    Drei Jahre ging die Beziehung, die Kinder voll ins Herz geschlossen, Knutschen mich immer noch ab wenn ich sie sehe.

      1. Was war denn da vulgär?
        Dem F-Wort habe ich doch die Tarnkappe übergestülpt.
        Ansonsten rede ich gerne Klartext.

      2. Dafür gibt es genug andere Worte. Die muss man dann auch nicht notdürftig verschleiern. Hier lesen auch Minderjährige, teils Kinder.

      3. Achtjährige Kinder die hier mitlesen sind wahrscheinlich an einer Hand abzuzählen.
        Aber selbst die kennen bereits das F-Wort.
        Ihr Versuch der Moralinsäure-Einspritzung kommt gut 25 Jahre zu spät.

      4. Dass Kinder in diesem Alter das Wort kennen und davon nicht irritiert sind, mag in Ihren Kreisen so sein, das glaube ich Ihnen unbesehen.