Der Körper von Kindern und Jugendlichen reagiert oft anders auf ein Medikament als der eines Erwachsenen. Manchmal sind auch Pulver oder Tropfen besser als Tabletten. Und immer häufiger ist ein Medikament für Kinder nicht erhältlich. In solchen Fällen hilft die „Rezeptur“ – die Direktherstellung in der Apotheke.

Von Astrid Baldauf und Markus Kerckhoff

Der Weg, den ein Medikament bis zur Versorgung eines Patienten zurücklegt ist lang. Von 5.000 bis zu 10.000 potenziellen Arzneistoffen schafft es im Schnitt nur ein fertiges Medikament in die Regale der Apotheken. Dazu durchlaufen die zukünftigen Medikamente zahlreiche Studien und Entwicklungsphasen und müssen sich einem streng kontrollierten und strukturierten Anmeldeverfahren unterziehen. Das ist für unser aller Gesundheit richtig und notwendig. Dieser Prozess, den ein Medikament bis zur Marktzulassung durchläuft, kann bis zu 10 Jahre in Anspruch nehmen.

Erprobungen von Medikamenten wurden viele Jahre lang nur an jungen, gesunden Erwachsenen durchgeführt, die sich freiwillig gemeldet hatten. Diese langjährige Suche nach neuen Wirkstoffen gegen bestimmte Krankheiten oder Beschwerden hat also eine Patientengruppe völlig außer Acht gelassen: Kinder und Jugendliche. Für deren Behandlung wurde dann einfach die empfohlene Dosis für Erwachsene verringert.

Seit 2007 müssen Medikamente in der EU, die für Kinder zugelassen werden sollen, in ihrer Studien-Phase auch an Minderjährigen getestet werden. Darüber entscheidet eine eigene Expertengruppe der europäischen Arzneimittelagentur EMA, das Paediatric Committee.

Das ist insofern angebracht, da die Körper von Kindern und Jugendlichen oft anders auf ein Medikament reagieren als die von Erwachsenen. Auch hinsichtlich der Darreichungsform sind viele Medikamente, die für den Einsatz bei Kindern und Jugendlichen verschrieben werden, nicht geeignet. Hier wären etwa Tropfen, ein Pulver oder die Herstellung einer Suspension, anstelle von Tabletten, die geschluckt werden müssen, angebracht. Es kommt vor, dass ein benötigtes Medikament nicht für Kinder erhältlich ist.

Rezeptur ermöglicht individuelle Lösungen

Genau hier kommt die Direktherstellung einer Apotheke (die Rezeptur) zum Einsatz. In der Rezeptur werden Rezepturarzneimittel hergestellt. Das sind Arzneimittel, die in der Apotheke im Einzelfall aufgrund einer ärztlichen Verschreibung oder auf sonstige Anforderung einer einzelnen Person hergestellt werden.

In der Rezeptur einer Apotheke darf nur pharmazeutisch ausgebildetes Personal, also Apotheker oder Pharmazeutisch-Technische Assistenten, arbeiten. Die Rezeptur unserer Apotheke arbeitet mit zahlreichen Fachärzten, Hospizen und Kliniken in Bergisch Gladbach Hand in Hand.

Regelmäßig wiederkehrende Rezepturen, sogenannte Defekturen, werden bei uns ebenso wie individuelle Rezepturen für die einmalige Behandlung eines bestimmten Krankheitsbildes hergestellt.

Ein besonderes Augenmerk legen wir auf die Herstellung von Arzneimitteln für Kinder. Die Notwendigkeit ergibt sich, da viele Arzneimittel, die auch für Kinder Anwendung finden sollen, nicht in der notwendigen Dosierung auf dem Markt erhältlich sind.

Wichtige Versorgungslücke schließen

So haben wir z.B. extra kleine Kapselgrößen im Einsatz, in die die exakte Menge des Wirkstoffs gegeben werden kann, der für das jeweilige Kind notwendig ist. Das erfordert ein hohes Maß an Expertise und Genauigkeit. Dafür besprechen wir die Möglichkeiten der Darreichungsform (Kapseln, Lösung, Zäpfchen, etc.) der Medikamente mit den Eltern und dem behandelnden Arzt. Das ist jeweils von der Art und Schwere der Erkrankung und den individuellen Fähigkeiten des Kindes abhängig.

Keinem zweijährigen Herzpatienten kann das Schlucken großer Kapseln zugemutet werden und die Eltern fühlen sich häufig mit der Verabreichung und richtigen Dosierung von Medikamenten überfordert. Für solche Fälle befüllen wir in unserer Rezeptur Kapseln, deren Inhalt dann von den Eltern entnommen werden kann und dem Kind beispielsweise in Flüssigkeit oder Nahrung aufgelöst verabreicht wird.

Um unserem Versorgungsauftrag für Groß und Klein gerecht zu werden, ist es uns ein besonderes Anliegen, diese Versorgungslücke zu schließen. Unser Ziel ist dabei immer, eine geeignete Darreichungsform zu finden oder sie notfalls zu entwickeln, damit das Arzneimittel wirkungsvoll verabreicht werden kann. So konnten wir in den letzten Jahren bereits vielen kleinen Patienten dabei helfen, ihre Erkrankung zu behandeln.

Wenn Sie Fragen zu diesem oder anderen Themen, die Ihre Versorgung mit Arzneimitteln betreffen haben, können Sie sich gerne bei uns melden.

Mit besten Grüßen und bleiben Sie gesund,

Ihre Astrid Baldauf und Markus Kerckhoff mit dem Team der Schloss Apotheke


Gender-Hinweis: Wir verwenden das generische Maskulinum. Die maskuline Form bezieht sämtliche Geschlechter mit ein. Ganz gleich welcher Herkunft, Religion oder welchen Geschlechts – bei uns steht der Mensch im Vordergrund.

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Hintergrund: Die Schlossapotheke

Über 60 Mitarbeiter sind an drei Standorten in Bergisch Gladbach für die Schloss Apotheke tätig. Dazu zählen die öffentlichen Apotheken im Kaufland und in Bensberg sowie die Verwaltung, die Logistik und die Lagerhaltung an der Ernst-Reuter-Straße in Bensberg Frankenforst. Ein Schwerpunkt der Schloss Apotheke liegt auf der Impfstoffversorgung. Mit einem eigens entwickelten Logistiksystem für thermosensible Impfstoffe sorgt die Schloss Apotheke für eine lückenlose Einhaltung der Kühlkette bis zum Endverbraucher. Mehr Informationen dazu finden Sie unter kühlkette.de. Darüber hinaus gehört die Online Apotheke apo.de seit über 15 Jahren zum Unternehmen und versorgt Kunden in ganz Deutschland mit Arzneimitteln.

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Markus Kerckhoff hatte die Schloss Apotheke in Bensberg vor mehr als 30 Jahren von seinem Vater übernommen und kräftig ausgebaut. Seit 2024 leitet er sie gemeinsam mit Astrid Baldauf. Die Schloss Apotheke legt besonders großen Wert auf die persönliche Beratung.

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