Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

Damit die Reise in die Sommerferien für Groß und Klein möglichst unbeschwert und sicher verläuft, gibt Kinderärztin Uta Römer in dieser Ausgabe der „Sprechstunde“ einige nützliche Tipps – von der Reiseapotheke über Impfungen und den richtigen Sonnenschutz bis hin zu Verhaltensregeln im Urlaub.

Eine gut ausgestattete Reiseapotheke kann zu einem entspannten Urlaub beitragen. Hier einige wichtige Bestandteile:

  1. Medikamente gegen Fieber und Schmerzen: Paracetamol oder Ibuprofen in kindgerechter Dosierung sollten am besten immer dabei sein.
  2. Erste-Hilfe-Set: Pflaster, sterile Kompressen, Verbandmaterial, Desinfektionsmittel und eine Pinzette sind unerlässlich.
  3. Mittel gegen Durchfall und Erbrechen: Elektrolytlösungen und Medikamente gegen Übelkeit können bei Magen-Darm-Erkrankungen hilfreich sein – Vorsicht jedoch beim Gebrauch von Vomex, da Überdosierungen gefährlich werden können.
  4. Antihistaminika: Bei allergischen Reaktionen oder Insektenstichen sind Antihistaminika nützlich, z.B. Fenistil-Gel.
  5. Sonnenschutzmittel: Ein hoher Lichtschutzfaktor (mindestens 30, besser 50) schützt die empfindliche Kinderhaut vor Sonnenbrand.
  6. Insektenschutzmittel: Ein geeignetes Repellent schützt vor Mückenstichen, die in manchen Regionen Krankheiten übertragen können.
  7. Individuelle Medikamente: Denken Sie an regelmäßige Medikamente Ihres Kindes, wie z.B. Asthmasprays oder Insulin.

Reiseimpfungen: Vorsorge für den Urlaub

Vor allem bei Fernreisen sollten Sie den Impfstatus Ihrer Kinder überprüfen und gegebenenfalls ergänzen lassen. Einige wichtige Impfungen für Reisen sind:

+ Anzeige +

  1. Hepatitis A und B: Diese Impfungen sind für viele Reiseziele empfehlenswert, da diese Viren über verunreinigtes Wasser und Nahrung übertragen werden können. Besonders in Ländern in Südeuropa, Afrika, Asien und Südamerika ist das Risiko erhöht.
  2. Typhus: Insbesondere bei Reisen nach Südostasien, Indien und in Teile Afrikas ist eine Typhusimpfung sinnvoll.
  3. Gelbfieber: Für einige Länder in Afrika (z.B. Ghana, Nigeria) und Südamerika (z.B. Brasilien, Peru) ist eine Gelbfieberimpfung vorgeschrieben oder empfohlen.
  4. Tollwut: Bei Reisen in Regionen mit erhöhtem Tollwutrisiko, z.B. in ländlichen Gebieten von Asien und Afrika, sollte über eine Tollwutimpfung nachgedacht werden.
  5. Malaria: Eine Malariaprophylaxe kann in Malariagebieten lebensrettend sein. Dies betrifft vor allem tropische und subtropische Regionen in Afrika, Südamerika und Asien.

Über gegebenenfalls empfohlene Reiseimpfungen und wichtige Informationen für Ihr Urlaubsziel können Sie sich auf der Webseite des Tropeninstitut informieren und dies mit Ihrem Kinderarzt/Kinderärztin besprechen.

Sonnenschutzkleidung im Wasser: Sicher baden und planschen

Beim Aufhalten im und am Wasser ist Sonnenschutz besonders wichtig, da die Reflektion der Sonnenstrahlen auf der Wasseroberfläche die UV-Belastung erhöht. Hier einige Tipps:

  1. UV-Schutzkleidung: Spezielle Schwimmanzüge und T-Shirts mit UV-Schutz bieten effektiven Schutz vor Sonnenbrand. Achten Sie auf den angegebenen UV-Schutzfaktor (UPF).
  2. Sonnenhut: Ein Sonnenhut mit breiter Krempe schützt Gesicht, Ohren und Nacken.
  3. Wasserdichte Sonnencreme: Tragen Sie wasserfeste Sonnencreme großzügig auf alle unbedeckten Hautstellen auf und erneuern Sie den Schutz regelmäßig, besonders nach dem Schwimmen oder Abtrocknen.
  4. Sonnenbrille: Eine gute Sonnenbrille schützt die Augen vor UV-Strahlung und sollte ebenfalls beim Baden getragen werden.

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.


Verhaltensregeln: Sicher und gesund im Urlaub

Neben der richtigen Ausrüstung sind auch einige Verhaltensregeln wichtig, um gesundheitliche Risiken im Urlaub zu minimieren:

  1. „Cook it, peel it, or leave it“: Diese Regel besagt, dass Lebensmittel entweder gekocht, geschält oder ganz vermieden werden sollten, um Magen-Darm-Erkrankungen vorzubeugen. Vermeiden Sie rohe Speisen, ungeschältes Obst und Gemüse, Salate sowie Leitungswasser in Ländern mit unsicheren Hygienestandards, wie beispielsweise in Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas.
  2. Hygiene: Achten Sie auf regelmäßiges Händewaschen, besonders vor den Mahlzeiten und nach dem Toilettengang. Desinfektionstücher oder -gel sind praktische Begleiter.
  3. Sicheres Baden: Informieren Sie sich über die Sicherheit der Badegewässer. In manchen Regionen können gefährliche Strömungen oder Meeresbewohner wie Quallen eine Gefahr darstellen.
  4. Insektenschutz: In Regionen mit hohem Insektenaufkommen, insbesondere mit Risiko der Verbreitung von Krankheiten wie Dengue-Fieber, Zika-Virus und Malaria sollten Insektenschutzmittel regelmäßig angewendet, möglichst lange Kleidung getragen und Moskitonetze über den Betten angebracht werden.
  5. Sonnenschutz: Vermeiden Sie die Mittagssonne und suchen Sie schattige Plätze auf. Besonders zwischen 11 und 15 Uhr ist die UV-Strahlung am stärksten. Achten Sie auf ausreichendes Trinken!
  6. Notfallkontakte: Notieren Sie sich am besten vor dem Urlaub wichtige Notfallnummern und die Adresse der nächsten medizinischen Einrichtung am Urlaubsort, um für den Notfall eine Ansprechstelle zu haben.

Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie eine wunderbare Reise und unvergessliche Erlebnisse!

Ihre Dr. med. Uta Römer und das gesamte Praxisteam

Weitere Informationen zum Thema finden Sie u.a. auf Kinderärzte-im-Netz, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, dem Tropeninstitut und dem Robert Koch-Institut. Hier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

Weitere Beiträge des Familienrats

Wie wir in Konflikten wieder „runterkommen“

Angriff, Flucht oder Erstarrung: Was tun, wenn unser Körper mit einem Überlebensprogramm reagiert, obwohl es eigentlich nur darum geht, dass der Partner mal wieder den Müll nicht rausgebracht hat? Susanne Hucklenbroich-Ley von der Evangelischen Beratungsstelle Bensberg erklärt ganz konkret, was in Konfliktsituationen in uns passiert – und wie wir wieder ins Denken und Handeln kommen…

Sprechstunde: Wie Kinder im Sommer sicher Sport treiben

Seit Wochen sind die Temperaturen hoch, teilweise über 30 Grad. Viele Eltern fragen sich: Sollte mein Kind bei dieser Hitze draußen Sport machen, oder ist das gefährlich? Die gute Nachricht vorweg: Bewegung im Sommer ist möglich und gesund, wenn ein paar einfache Regeln beachtet werden. Welche das sind, erklärt Kinder- und Jugendärztin Dr. med Uta…

Sprechstunde: Schlüsselnährstoff Vitamin B12

Vitamin B12 gilt oft als reines „Veganer-Thema“. Tatsächlich kann ein Mangel aber auch Kinder betreffen, die grundsätzlich Fisch, Milchprodukte, Eier oder Fleisch essen. Wie entsteht ein Mangel, woran erkennt man ihn, und wann ist eine Ergänzung sinnvoll? Dr. Uta Römer klärt die wichtigsten Fragen.

Sprechstunde: Schutz vor Dengue-Fieber?

Die Sommerferien rücken näher, und mit ihnen die Reisepläne. Wer vorhat, in tropische oder subtropische Länder zu reisen, hat vermutlich schon einmal das Stichwort „Dengue-Fieber” gehört. Seit 2023 gibt es in Deutschland einen neuen Impfstoff dagegen. Die Empfehlungen rund um diese Impfung sind allerdings komplex. Dr. med Uta Römer klärt die wichtigsten Fakten.

Die drei Ebenen einer Partnerschaft

Was trägt eine Partnerschaft langfristig – auch über die erste Verliebtheit hinaus? Ein Modell von Holger Kuntze beschreibt drei Ebenen für eine gelingende Beziehung: Leidenschaft, Gemeinschaft und Freundschaft. Franziska Hock von der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung erklärt, welche Ebene häufig vernachlässigt wird – und wie man ihr mehr Raum geben kann.

Sprechstunde: Magen-Darm bei Kindern

Wenn ein Kind plötzlich erbricht, Durchfall bekommt und schlapp auf dem Sofa liegt, ist die Unsicherheit oft groß. Viele Eltern fragen sich dann: Soll ich etwas gegen die Übelkeit geben? Braucht mein Kind ein Medikament gegen den Durchfall? Muss ich sofort zum Arzt? Dr. med Uta Römer erklärt, was es jetzt zu beachten gilt.

Something went wrong. Please refresh the page and/or try again.

Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.