Foto: Michael Wittassek

Spaziergänge gehören von Anfang an zum ForumGronau – und sie bringen auch für Alteingesessene immer wieder Überraschungen. Dieses Mal stand eine Wanderung in eine warme Sommerdämmerung auf dem Programm. Das Wetter war dann zwar grau und nass, aber den Abend prägte jedoch wogendes Grün, eine Auswahl von Abendgedichten und die Kobolde der Nacht.

Das ForumGronau ist ein Zusammenschluss engagierter Bürger*innen im Stadtteil Gronau. Sie treffen sich seit über einem Jahr, weil sie Freude daran haben, ihr direktes Wohnumfeld zu verbessern, Menschen zusammen zu bringen und Projekte zu planen, politisch wirksam zu sein. Manche kannten sich bereits vorher, andere kamen (und kommen) neu dazu.

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Doch schnell lernt man sich besser kennen – spinnt gemeinsam eine Vision (Bundesgartenschau in Gronau? Wirklich???) entdeckt gemeinsame Ziele (Tempo 30! Unbedingt!!!)  bietet Kulturprogramme im eigenen Wohnzimmer an und präsentiert auf öffentlichen Rundgängen den eigenen Stadtteil in neuem Licht. Das verbindet ….   

Ein wunderbarer Plan

So wurde – wie bereits im letzten Jahr erfolgreich durchgeführt – auch in diesem Jahr ein Spaziergang erdacht: Eine Wanderung in der Dämmerung sollte es werden, an einem warmen Sommerabend. Kluge Mit-Bürger*rinnen waren gefunden, Flora und Fauna zu erläutern, man hoffte, vielleicht ein paar zauberhafte Glühwürmchen aufzuspüren und Fledermäuse zu belauschen. Bei mildem Mondlicht unter einer alten Eiche sollten Nachtgedichte in den Abendhimmel steigen, ein wunderbarer Plan!

Hinweis der Redaktion: Das Bürgerportal und die Solidarconsult gGmbH hatten das Strategische Entwicklungskonzept Gronau mit einem eigenen ForumGronau begleitet, das bereits eine Vision der Bürger:innen für ihren Stadtteil erarbeitet hat und nun eigenständig weiterarbeitet. Dabei ist auch eine Schwerpunktseite für Gronau entstanden.

Nun, der Termin nahte und mit ihm kamen leider Kälte und Regen. 

Nix mit lauem Sommerabend, es war grau und nass – würde überhaupt jemand kommen?

Entsprechend unsicher erschienen wir an unserem Treffpunkt (S-Bahn Duckterath), Regenjacke, Schal, feste Schuhe. Doch wider Erwartens stellten sich immer mehr Interessierte ein, bestens ausgestattet mit Regenkleidung, aber vor allem mit Neugier und guter Laune. Das Wetter wurde auch besser, also konnte es nun doch losgehen! 

Michael Wittassek begrüßte die Gruppe und erläuterte den Weg und stellte die Beteiligten vor.

Foto: Michael Wittassek

Wildpflanzen am S-Bahnhof

Es begann mit einer Fülle von Wildpflanzen im direkten S-Bahn-Umfeld, wunderbar erklärt vom Landschaftsplaner Manfred Hanf. All diese Namen: Beifuß, Schafgarbe, Spitzwegerich, wilde Möhre und Berufskraut! Wer kannte denn das vorher? Und vieles sei durchaus giftig, so der Experte, wenn auch – wie so oft – erst die Menge den Ausschlag gibt.

Die Gruppe wanderte interessiert durch wogendes Grün, diskutierte, fragte, entdeckte. Wurde ganz am Rande auch auf ein Stück Stadtgeschichte aufmerksam: Eine Hinweistafel direkt neben dem Parkplatz in Duckterath weist auf das ehemalige Fußballfeld der „Roten Teufel“ vom Kradepohl hin und zeugt von grandiosen Erfogen des SV Bergisch Gladbach 09 in den 1950er Jahren, einige konnten sich erinnern.

Aber weiter gings in Richtung Gierather Wald, vorbei an Discountern, Kita, Tennisplätzen, Bauhof. Überall wogende Pflanzen – Ergebnis von Regen und Wärme der vergangenen Wochen. Und wieder neue Arten: drüsiges Springkraut, japanischer Knöterich, Jakobs-Greiskraut und Mäusegerste, es quoll aus allen Ritzen, selbst zwischen Bürgersteigen, Straßen und Mauern.

Foto: Markus Bollen

Ein auffälliger Herr mit Hut

Dann bog die Gruppe fröhlich plaudernd ab in ein Wohngebiet, ein kleiner Platz wurde sichtbar, eine knorrige Eiche, eine Holzbank. Ein auffällig gekleideter Herr mit Hut und einem großen Buch machte sich bereit: Es war der bekannte Theatermacher Hein Haun, ebenfalls ein Gronauer.

Er präsentierte, akzentuiert vorgetragen, eine Lesung von Abendgedichten unterschiedlicher Art: von Eichendorff, Matthias Claudius, Heinz Erhardt, Axel Hacke – die Zuhörer*innen waren gefesselt, man lachte, war gerührt. Und applaudierte begeistert nach dem letzten Akt, einem theatralisch aufgeführten Stück aus Lewis Carrolls „Alice hinter den Spiegeln“, toll.

Foto: Michael Wittassek

Die Kobolde der Nacht

Inzwischen wurde es wirklich dunkel, man erreichte den Wald. Hier übernahm die Biologin Katja Barthold. Mit einem kleinen Gerät stand sie auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Thielenbruch und Bergisch Gladbach und suchte den Himmel nach Fledermäusen ab. Die Tiere orientierten sich mit Ultraschallfrequenzen – für Menschen unhörbar, erläuterte sie. Das mitgebrachte Gerät wandele diese in hörbare Laute um.

Kurz danach war es soweit: es knatterte und knarzte, Geräusche wie ein Reißverschluss ertönten. Man staunte, sah und hörte die jagenden „Kobolde der Nacht“ mit ihren zackigen Flugbewegungen. Frau Bartold hatte auf alle Fragen der Umstehenden eine Antwort, gab Auskunft über die unterschiedlichen Arten, die möglichen Aufenthaltsorte und eventuelle Feinde. Ein ganz eigener Kosmos tat sich auf.

Foto: Michael Wittassek

Inzwischen war es fast 23 Uhr geworden und das Abenteuer kam zu seinem Ende.

Voll neuer Erfahrungen, spannender Informationen und interessanter Kontakte traten die Besucher*innen den Heimweg an.

Ein allgemeines Dankeschön erfolgte in Richtung der Organisatoren und Ausführenden. Alle wollen unbedingt beim nächsten Mal wiederkommen und informiert werden über neue Aktivitäten im ForumGronau – so geht Bürgerbeteiligung!

war als Architektin Mitarbeiterin der städtischen Bauverwaltung und istehrenamtliche Vorsitzende des mitein-anders e.V. zur Förderung neuer Wohnformen. Der Verein will das Thema des alten- und behindertengerechten Wohnens mit jungen Familien fördern und Interessierte zu Projekten und Projekte zu Investoren...

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  1. Man hat dann wohl die Augen nur auf die Pflanzen gerichtet, und nicht auf die Illegalen Müllabladestellen im Gierather Wald. Und auf den Unrat der über all im Viertel abgestellt wird .Das sind Dinge die beseitigt werden müssen,alles andere sind Träumereien .

    1. Lieber Herr Klein,
      sich und anderen von Zeit zu Zeit die Wunder der Natur näher zu bringen, führt oftmals zur stärkeren Achtung von Flora und Fauna. Natürlich beteiligen sich regelmäßig auch viele Gronauer•innen an Entmüllungsaktionen in ihrem Stadtteil.
      Und Ihnen wünsche ich geradezu einige Träumereien, das verhilft zu mehr Lebensfreude und Kreativität.

    2. Darf man also nur einen verbitterten Tunnelblick auf das Schlechte richten? Und ehe nicht alles picobello wie geleckt aussieht, ist es untersagt, auch die Natur wahrzunehmen? Das wäre ein ganz schön trauriges Dasein.

  2. Eine tolle Aktion ! Vielen DANK für die Organisation!
    Das könnte man in anderen Stadtteilen auch machen!
    Schön war die Kombination von Wissensvermittlung im Bereich der Biologie und der Kunstgenuss durch den gekonnten Vortrag von Gedichten – fast hätte es noch Musik gegeben! Ausserdem kamen wir an Ecken, die ich alleine nie gefunden hätte! Jedenfalls so ein Spaziergang ist zur Nachahmung sehr zu empfehlen!