Die Nelson-Mandela-Gesamtschule. Foto: Thomas Merkenich

Eigentlich sollte es bei der Sondersitzung des Schulausschusses am Dienstag „nur“ um Sanierung oder Neubau der Integrierten Gesamtschule Paffrath (IGP) gehen. Doch nun zeigt sich, dass auch die Nelson-Mandela-Gesamtschule wenigstens saniert, womöglich aber ebenfalls abgerissen werden muss. Im Ausschuss an diesem Dienstag geht es zudem um das AMG, das OHG und das Gymnasium Herkenrath. Ein Überblick.

Die neue Hiobsbotschaft verbirgt sich in einer lapidaren Zeile: „Ergebnisse der Baustoffuntersuchung und Grundsatzbeschluss zur Probesanierung und Mensaerweiterung an der NMG (LP 1-3)“. Doch hinter diesem Punkt auf der Tagesordnung des Ausschusse für Schule und Gebäudewirtschaft (ASG) verbirgt sich ein weiteres Mammutproblem für den Schulbau sowie die Finanzen der Stadt Bergisch Gladbach. Und natürlich auch für die Schüler:innen.

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In der Kurzform: In der Nelson-Mandela-Gesamtschule (NMG) gibt es eine Schadstoffbelastung mit PCB. Um herauszufinden, ob sich dieser Schaden überhaupt sanieren lässt, soll ein kleiner Teil der Schule zur Probe saniert werden. Sollte sich danach herausstellen, dass selbst ein Rückbau des Gebäudes auf die Grundmauern gegen die PCB-Belastung machtlos ist, muss das gesamte Gebäude der ehemaligen Hauptschule Ahornweg abgerissen werden.

Die Stadt schlägt nun vor, einen Teil der Klassen in einen neu zu errichtenden Containerbau zu verlagern. Diese Container könnten im besten Fall später als Erweiterung der Mensa genutzt werden, denn auch die ist an der NMG schon lange viel zu klein.

Auslöser der Aktion sind Fugendichtstoffe, die bereits beim Bau und der Erweiterung des Gebäudes verwendet worden waren. Bei Raumluftmessungen seien jetzt „vereinzelt Überschreitungen des Vorsorgewertes“ festgestellt worden. Eine unmittelbare Gesundheitsgefahr für die Schüler:innen besteht offenbar nicht – das Baurecht schreibe es der Stadt aber vor, die Belastung „mittelfristig“ zu beseitigen.

Perspektive für Erweiterung der Mensa

Die Verwaltung will nun die Schulbau GmbH mit einer Probesanierung in einem Teilbereich mit mehreren Räumen beauftragen. Dazu werde der noch nicht genau bezeichnet Bereich ab dem Sommer bis auf die tragende Konstruktion entkernt. Erst ein Jahr später könne dann eine Erfolgskontrolle durchgeführt und – bei einem positiven Ergebnis – die Räume ab Sommer 2026 wieder aufgebaut werden.

Damit wird bereits die Probesanierung aufwendig und kostspielig: 450.000 Euro kalkuliert die Stadt dafür.

Allerdings will die Stadt diesen Notfall nutzen, um gleichzeitig eine Perspektive für die Erweiterung der seit Jahren zu kleinen Mensa zu schaffen. Sie habe ein Angebot, kurzfristig eine gebrauchte modulare Container-Mensa zu kaufen und relativ rasch am Ahornweg aufzubauen.

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Sanierung der Schulen kann bis zum Jahr 2055 dauern

Nach der allgemeinen Priorisierung legt die Stadtverwaltung jetzt einen groben Zeitplan für die Sanierung von insgesamt 26 Schulen vor. Nach aktuellem Stand würde das 30 Jahre dauern. Der scheidende Bürgermeister Frank Stein zeichnet aber auch einen kostspieligen Weg vor, wie es deutlich schneller gehen könnte. Sofern der künftige Bürgermeister nach der Wahl im Herbst dafür eine Mehrheit im neuen Stadtrat findet.

Zunächst ziehen dann die ausgelagerten Klassen in die Container, später können sie dann als Mensa-Erweiterung genutzt werden. Die Kosten dafür gibt die Stadt in der Beschlussvorlage mit 923.000 Euro an.

Damit sind die Probleme der Nelson-Mandela-Gesamtschule aber nicht gelöst. Denn bei einem Erfolg der Probesanierung wird womöglich die ganze Schule entsprechend aufwendig saniert werden. Bei einem Misserfolg könnte sogar ein Abriss und Neubau der Schule notwendig werden.

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Wie es mit der IGP weitergeht

Die Integrierte Gesamtschule Paffrath. Foto: Thomas Merkenich

Sanierung oder Neubau, über diese Option ist auch mit Blick auf die erste Gesamtschule der Stadt, die Integrierte Gesamtschule Paffrath (IGP), lange diskutiert worden. In der Sondersitzung des Schulausschusses am Dienstag (17 Uhr, Rathaus Bensberg) liegt nun der zweite Teil einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung vor – und eine knappe Beschlussvorlage der Verwaltung:

1. Der Ausschuss für Schule und Gebäudewirtschaft beschließt auf Grundlage der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie und der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung den Abbruch und Neubau der IGP.

2. Die Verwaltung wird mit der Prüfung der Umsetzbarkeit gemäß Variante 1 (Neubau und Nutzung Bestandsgebäude als Interim) beauftragt.

Im Klartext: Wenn der Ausschuss dem Votum der Verwaltung folgt, wird auf der Wiese am Kombibad eine komplett neue Gesamtschule gebaut. Bis das Gebäude fertig ist, sollen die Schüler:innen weiterhin das alte Gebäude nutzen. Das solange immer wieder repariert werden muss.

Die Argumente für den Abriss: Mit einer Generalsanierung könnten die baulichen, technischen und benutzerspezifischen Anforderungen an eine moderne Schule erstens gar nicht erreicht werden. Zweitens würde das sogar noch sehr viel teurer werden als der Neubau. Und drittens noch länger dauern.

Oder anders ausgedrückt: Mit Blick auf „Kosten, Terminen und Nachhaltigkeit (ökologisch, sozial und ökonomisch) stellt ein Neubau die sinnvollste Variante dar“. Und das, obwohl das Projekt bereits jetzt auf eine Größenordnung von 160 Millionen Euro veranschlagt wird.


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Im nächsten Schritt muss nun allerdings untersucht werden, ob das Nachbargrundstück für den Neubau überhaupt geeignet ist. Zudem schlägt die Stadt vor, einen städtebaulichen Wettbewerb für das gesamte Projekt durchzuführen, einen Generalplaner und schließlich auch einen Generalunternehmer zu beauftragen. Insgesamt, so die Gutachter, werde für die „neue IGP“ ein Zeitraum von neun bis zehn Jahren benötigt.

Neues Klassenhaus für das Otto-Hahn-Gymnasium

Eine erste Visualisierung des geplanten Klassenhauses für das OHG.

Wie 2024 grundsätzlich beschlossen erhält das OHG ein zusätzliches Klassenhaus für die Stufen 5 und 6 – um im bereits modernisierten Hauptgebäude genug Platz für die Rückkehr zu G9 erhalten. Die Gesamtkosten dafür werden jetzt auf 8,3 Millionen Euro veranschlagt. Mit der Fertigstellung wird für das Schuljahr 2026/27 gerechnet.

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Grundsatzbeschluss für Albertus-Magnus-Gymnasium

Das Albertus-Magnus-Gymnasium an der Kaule in Bensberg. Foto: Thomas Merkenich

Auch das AMG soll für G9 erweitert werden. Um schneller voran zu kommen, sollen die Größe und Kosten begrenzt bleiben, um nicht über die Schwelle zu geraten, ab der eine formelle Ausschreibung notwendig wird.

Nach Abstimmung mit der Schule sind in diesem Interimsgebäude zwei Physikräume inkl. Physiksammlung, ein Informatikraum, vier Klassenräume, ein Differenzierungsraum sowie weitere Nebenräume geplant. Als erste Hausnummer werden die Kosten ohne Freianlagen und ohne Risikoaufschlag auf brutto 4,5 Millionen Euro geschätzt.

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Ausbau des Schulzentrums Herkenrath

Das Schulzentrum Herkenrath. Foto: Thomas Merkenich

In Herkenrath wurde inzwischen eine Bedarfsprüfung und eine Machbarkeitsprüfung für die G9-Rückkehr des Gymnasiums durch die Schulbau GmbH abgeschlossen. Dabei wurde auch nach einem möglichen Standort gesucht – und immerhin eine Fläche auf dem Schulgelände gefunden.

Zunächst soll das Gymnasium Räume der Realschule erhalten, um den G9-Mehrbedarf abdecken zu können. Dafür bekommt die Realschule einen Erweiterungsbau, der direkt an deren Schulhof angrenzt. Eine Lösung, die von beiden Schulen begrüßt wird.

Der Erweiterungsbau soll möglichst im Herbst 2026 in Betrieb genommen werden. Der Kostenrahmen für Planung sowie für den Bau des Klassenhauses liegt bei insgesamt 5,6 Millionen Euro.

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Anmeldeverfahren der weiterführenden Schulen

Auch die umstrittenen Änderungen beim Anmeldeverfahren für die weiterführenden Schulen stehen noch einmal auf der Tagesordnung des ASG. Nachdem das Verfahren für das kommende Schuljahr abgeschlossen wurde, sieht sich die Stadtverwaltung in der Haltung bestätigt, dass sich das neue Verfahren bewährt. Wir hatten bereits berichtet:

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Wie es mit der Anmeldung für weiterführende Schulen weitergeht

Soll es doch wieder ein vorgezogenes Verfahren für die Gesamtschulen geben? Oder soll die Anmeldung für alle Schulformen gleichzeitig stattfinden? Nach dem Streit in diesem Jahr muss darüber jetzt der Schulausschuss entscheiden. Die Verwaltung bewertet das neu eingeführte Prozedere rückblickend als erfolgreich – auch, weil es weniger Ablehnungen als im Vorjahr gab. Allerdings gab es auch weniger Schüler:innen.

Der Ausschuss für Schule und Gebäudewirtschaft tagt am Dienstag, 6.5., ab 17 Uhr im Rathaus Bensberg in öffentlicher Sitzung. Hier finden Sie die gesamte Tagesordnung.


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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

    Dreißig Jahre der verschlafenen Schulsanierungen durch die Stadt rächen sich jetzt…

    Hinsichtlich der Planungen für das OHG stellen sich mir Fragen: In der Beschlussvorlage steht u.a. folgender Satz: “In Anbetracht der zukünftigen baulichen Entwicklung des Schulzentrums wird das neue Klassenhaus so platziert, dass eine weitere bauliche Entwicklung des Schulzentrums ermöglicht wird.”
    Sind damit die in den Plänen genannten “Blöcke E und F” gemeint? Was bleibt denn nach einer Schüler-Generation mit Containern auf den (früher) für Kinder und Jugendliche öffentlich zugänglichen Sportanlagen später davon noch übrig?

    Das jetzt geplante Gebäude verdrängt einen ehemaligen Basketballplatz. Block F wäre das erste Fußballfeld, Block E die Startbahnen für den Weitsprung.

    Zur Erinnerung: Viele beklagen, dass Kinder und Jugendliche heute zu viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, Sportplätze werden aber trotzdem immer weniger. Früher gab es an der Saaler Mühle den großen Fußballplatz (damals noch mit Asche, dafür aber ohne Vereinsmitgliedschaft außerhalb des Spielbetriebs für jeden zugänglich, heute nur mit Vereinsmitgliedschaft), zwei Gummi-Bolzplätze für Fußball, einen Gummiplatz für Basketball, Weitsprungbahnen und eine Sprintbahn. Alles frei zugänglich und auch entsprechend frequentiert. Heute ist davon wenig bis nichts mehr nutzbar und es sieht nicht nach einer Besserung in der Zukunft aus.

    Was wird denn aus dem (für Herbst 2024 zur Fertigstellung) geplanten Skatepark mit kleinem Spielfeld für Fußball und Basketball auf der anderen Seite der Schule, der eine kleine Alternative bieten könnte? Seit dem Protest der Frankenforster sind die Stadt und die Schulbaugesellschaft auffällig still geworden. Bleibt diese Stille bis nach den Kommunalwahlen bestehen und dann wird das Projekt beerdigt?