Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

Die Erdnussallergie zählt zu den häufigsten und potenziell schwerwiegendsten Nahrungsmittelallergien im Kindesalter. Bereits kleinste Mengen können bei betroffenen Kindern starke Reaktionen hervorrufen. In dieser Sprechstunde gibt Kinderärztin Dr. med Uta Römer einen Überblick über Ursachen, Symptome, Diagnose, Therapie – und Präventionsmöglichkeiten.

Was ist eine Erdnussallergie überhaupt? Sie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Eiweiße in der Erdnuss. Sie gehört zu den Allergien vom Soforttyp (Typ I), bei denen die Symptome meist innerhalb von Minuten nach dem Kontakt auftreten.

Erdnüsse sind botanisch gesehen Hülsenfrüchte. Das bedeutet, dass Kreuzreaktionen mit anderen Hülsenfrüchten wie Soja oder Linsen möglich sind, aber selten.

Obwohl Erdnüsse botanisch zu den Hülsenfrüchten gehören, zeigen Studien, dass 25 bis 50 Prozent der Erdnussallergiker zusätzlich auf Baumnüsse wie Walnüsse, Cashews, Haselnüsse oder Mandeln allergisch reagieren. Diese Kreuzreaktionen sind individuell unterschiedlich und sollten durch spezifische Tests abgeklärt werden.

Wie äußert sich eine Erdnussallergie?

Die Symptome können sehr unterschiedlich sein und reichen von milden Beschwerden bis hin zu lebensbedrohlichen Reaktionen:​

  • Haut: Juckreiz, Rötungen, Nesselsucht​
  • Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall​
  • Atemwege: Niesen, Husten, Atemnot, Asthmaanfälle​
  • Kreislauf: Blutdruckabfall, Schwindel, Bewusstlosigkeit​

In schweren Fällen kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen, der sofortige medizinische Hilfe erfordert. ​

Wie wird eine Erdnussallergie diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt in mehreren Schritten:​

  1. Anamnese: Ein ausführliches Gespräch über die Symptome und deren Zusammenhang mit dem Verzehr von Erdnüssen.​
  2. Hauttest (Pricktest): Hierbei werden kleine Mengen des Allergens auf die Haut aufgebracht, um eine Reaktion zu beobachten.​
  3. Bluttest: Messung von spezifischen IgE-Antikörpern gegen Erdnussproteine.​
  4. Oraler Provokationstest: Unter ärztlicher Aufsicht wird das Allergen in steigenden Dosen verabreicht, um die Reaktion zu beobachten.​

Wichtig ist, dass diese Tests nur von Fachpersonal durchgeführt werden sollten, da es zu schweren Reaktionen kommen kann!


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Wie wird eine Erdnussallergie behandelt?

Derzeit gibt es keine Heilung für die Erdnussallergie, aber verschiedene Maßnahmen können helfen:​

  • Meidung: Strikte Vermeidung von Erdnüssen und erdnusshaltigen Produkten.​
  • Notfallset: Tragen eines Sets mit Adrenalin-Autoinjektor, Antihistaminikum und Kortikosteroiden.
  • Orale Immuntherapie (OIT): Bei Kindern ab 4 Jahren kann eine schrittweise Gewöhnung an das Allergen unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. ​Bei der OIT wird das Immunsystem durch die tägliche Gabe steigender Mengen von Erdnussprotein an das Allergen gewöhnt, was die Schwelle für allergische Reaktionen, also die Menge an Erdnüssen, die verzehrt werden kann, bevor eine allergische Reaktion auftritt, erhöht. ​
  • Pflastertherapie: Für Kinder unter 4 Jahren gibt es Studien zur Anwendung von Pflastern mit Erdnussprotein, die vielversprechende Ergebnisse zeigen. ​

Kann man einer Erdnussallergie vorbeugen?

Aktuelle Studien zeigen, dass eine frühe Einführung von Erdnussprodukten in die Beikost das Risiko einer Allergie deutlich senken kann:​

  • Kinder mit erhöhtem Risiko (z. B. mit Ekzemen): Einführung ab dem 4. Lebensmonat.​
  • Kinder ohne erhöhtes Risiko: Einführung ab dem 6. Lebensmonat.​

Dabei sollten erdnusshaltige Lebensmittel in altersgerechter Form (z. B. Erdnussbutter) gegeben werden. Ganze Erdnüsse sind aufgrund der Erstickungsgefahr ungeeignet.

Was sollten Eltern beachten?

  • Etiketten lesen: Immer die Zutatenliste von Lebensmitteln prüfen, da Erdnüsse oft versteckt enthalten sind.
  • Kommunikation: Lehrer, Betreuer und andere Bezugspersonen über die Allergie informieren
  • Notfallplan: Einen klaren Plan für den Umgang mit allergischen Reaktionen haben und das Kind entsprechend schulen.​

Fazit

Die Erdnussallergie ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die das Leben von Kindern und ihren Familien stark beeinflussen kann. Mit dem richtigen Wissen, Vorsichtsmaßnahmen und medizinischer Betreuung können betroffene Kinder jedoch ein sicheres und erfülltes Leben führen.​

Ihre Dr. med. Uta Römer und das Praxisteam

Weitere Informationen finden Sie auf Kinderärzte-im-Netz, Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB), Allergieinformationsdienst. Hier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


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Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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