Wenn Kinder oder Jugendliche sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei ihrer Geburt zugewiesen wurde, kann das nicht nur bei den Betroffenen selbst, sondern auch bei deren Familien zu Unsicherheiten und Ängsten führen. Die Beratungsstelle Rubicon möchte Eltern Ängste nehmen und zwischen den Generationen vermitteln.

Nicht immer kommt das Transgender-Thema so früh auf wie in Sammys Fall. Sehr viel häufiger als Kinder im Kita- oder Grundschulalter sind es Jugendliche oder deren Eltern, die sich an die Transberatung von Rubicon e.V. wenden. Ein Team-Mitglied, das aus Gründen des Eigenschutzes namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet, welche Ratschläge Rubicon Eltern mit auf den Weg gibt.

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Eine neue Vertrauensbasis aufbauen: Das Transgender-Thema ist für viele Eltern häufig neu: Sie haben die Veränderung ihres Kindes nicht bemerkt oder die zaghaften Versuche, sich zu offenbaren, nicht mitbekommen. Die Jugendlichen selbst haben sich hingegen oft schon lange damit beschäftig. 

Es gibt nicht nur die eine Möglichkeit und danach kein Zurück mehr: Eltern haben manchmal die Sorge, dass ihr Kind irgendwann feststellt, doch nicht transgender zu sein. Herausfinden kann das Kind es aber nur, wenn es sich ausprobieren darf, lautet der Rubicon-Rat. Einfach abzuwarten, dass sich die Dinge von selbst regeln, ist keine Option, weil es spätestens mit der Pubertät zu schweren Krisen kommen kann.

Die Pubertät begleiten: In der Pubertät können die körperlichen Veränderungen zu einem hohen Leidensdruck führen. Dann ist es besonders wichtig, dass Eltern ihr Kind organisatorisch unterstützen, etwa bei einem Therapieplatz, für den es die Einwilligung der Eltern benötigt. 

Angst-Szenarien entdramatisieren: Wenn Eltern Angst vor Eingriffen haben, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen, versuchen die Rubicon-Mitglieder sie zu beruhigen: Weder bekommen Kinder oder Jugendliche leichtfertig Hormonblocker, noch werden sie überstürzt operiert. Bis dahin vergehen meist mehrere Jahre. 

Kontakt zu Psycholog:innen aufnehmen: Die Wartezeit auf einen Therapieplatz dauert meistens etliche Monate. Kinder- und Jugendpsycholog:innen helfen, Betroffene auf ihrem Weg und ihrer Entscheidung zu begleiten und zu unterstützen. Die psychologische Beratung ist zudem erforderlich, um eine endokrinologische Behandlung mit Pubertätsblockern zu erhalten, wenn das gewünscht ist.

Zeit gewinnen: Durch Pubertätsblocker wird die Pubertät mitsamt den körperlichen Veränderungen hinausgezögert, die Betroffenen und ihre Eltern gewinnen dadurch ein bis zwei Jahre mehr Zeit für die Entscheidung, ob anschließend weitere medizinische Maßnahmen wie eine Hormontherapie oder eine Operation erfolgen.

Entscheidungen nicht blockieren: Die Rubicon-Mitglieder raten Eltern, sich nicht gegen die Entscheidung ihrer Kinder zu stellen und medizinische Interventionen von Vornherein und aus Prinzip abzulehnen. Sätze wie „Wenn du 18 bist, kannst du mit deinem Körper machen, was du willst“ können bei einer 14-jährigen Person zu großer Verzweiflung führen.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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