Die Stadthäuser liegen an der Schnittstelle zwischen Innenstadt und Zanders-Areal. Foto: Stefan Krill

In einem gemeinsamen Antrag fordern die Fraktionen von CDU, SPD und Grünen, die anstehenden Entscheidungen über die künftige Nutzung der Alten Stadthäuser zunächst auf Eis zu legen. Zunächst müsse ein „Masterplan Innenstadt“ entwickelt werden, der das gesamte Areal vom Zandersgelände bis zur Post, zum Bahnhof und zur Stadtbücherei in den Blick nimmt.

Die Debatte über die künftige Nutzung der Alten Stadthäuser bzw. des Grundstücks zwischen Gohrsmühle und Markt läuft seit Monaten auf Hochtouren – doch jetzt läuft alles auf eine Auszeit hinaus. Vor einer Entscheidung über Abriss oder Umbau fordern die Fraktionen von CDU, SPD und Grünen mit ihrer deutlichen Mehrheit im Stadtrat jetzt eine „übergeordnete, gesamtstädtische Vision“ für den wichtigen Innenstadtbereich ein.

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In einem gemeinsamen Antrag für den Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss am 5. März mahnt die informelle gr0ße Koalition einen Masterplan als „integrierten, strategischen Ansatz“ für die Entwicklung der Innenstadt an. Diese stehe „vor komplexen Herausforderungen und Chancen“.

Daher sollten Einzelentscheidungen – „insbesondere zur Entwicklung der Alten Stadthäuser“ – erst auf Basis dieses Masterplans getroffen werden. Ein solches Gesamtkonzept hatte die CDU bereits im November 2025 verlangt.

Die Stadtverwaltung hatte zuletzt eine rasche Entscheidung und einen weitgehenden Abriss der Stadthäuser präferiert. Nicht zuletzt, um einen längeren Leerstand des weitläufigen Gebäudetraktes zu vermeiden. Der Fachausschuss hatte jedoch auf die Bremse getreten und eine Vorentscheidung über Abriss oder Neunutzung vertagt. Noch im Laufe des Jahres sollen die Teile der Stadtverwaltung, die dort beheimatet sind, mitsamt des Bürgerbüros in das AOK-Gebäude an der Bensberger Straße ziehen.

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Bei der Entscheidung über die alten Stadthäuser geht es nicht nur um Erhalt oder Abriss, sondern um die Gestaltung des zentralen Innenstadt-Bereichs. Das wurde bei der Debatte im Planungsausschuss deutlich, bei dem es trotz grundsätzlicher Differenzen am Ende einen einstimmigen Beschluss gab. In der Frage, wie mit Freiflächen-Solaranlagen umzugehen ist, ging jedoch ein Riss durch den Ausschuss.

Konkret fordern die drei Fraktionen eine weitreichende Fortschreibung und inhaltliche Aktualisierung der Rahmenplanung Innenstadt. Dabei sollen neben den Alten Stadthäusern und dem Zanders-Areal auch das Bahnhofsumfeld, das Postgelände und das Grundstück der Bibliothek im Forum zusammenhängend betrachtet werden.

Foto: Stadt GL

Für den eigentlichen Bereich der Alten Stadthäuser verlangen CDU, SPD und Grüne eine „vertiefende Bearbeitung“, bei der bildliche Darstellungen und Varianten erarbeitet werden. Damit die Optionen für die künftigen städtebaulichen Strukturen im Zusammenhang mit der umgebenden Bebauung deutlich werden.

Darüber hinaus soll geprüft werden, ob und wie der Busverkehr am Marktplatz durch eine Einbahnregelung und eine Verlegung der Haltestelle neu organisiert werden kann.

Eine Stellungnahme zum Antrag von CDU, SPD und Grünen will die Verwaltung erst in der Sitzung am 5. März abgeben. Zuletzt hatte sie 2024 einen „Sachstand und Verknüpfung der städtebaulichen Projekte Stadtmitte und Zanders“ vorgestellt, die 14 Projekte in der Innenstadt umfassen.

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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Der Bauturbo ist beschlossen. Warum gilt er nicht für die Alten Stadthäuser?

    Der Rat der Stadt Bergisch Gladbach hat sich klar positioniert:

    Der Wohnungsbau-Turbo soll genutzt werden.
    – Innenentwicklung vor Außenentwicklung.
    – Bestand vor Neubau.
    – Versiegelte Flächen vor neuen Baugebieten.
    So steht es in den beschlossenen Grundsatzzielen zur Anwendung des Bauturbos.
    Doch wenn wir ehrlich sind, stellt sich eine einfache Frage:
    Wenn der Bauturbo nicht bei den Alten Stadthäusern angewendet wird – wo dann?

    Ein Idealtyp für den Bauturbo
    Die Alten Stadthäuser sind:
    – ein bestehendes Gebäude
    – vollständig erschlossen
    – im Innenbereich gelegen
    – ohne neue Versiegelung
    – Teil einer politisch beschlossenen Rahmenplanung

    Genau das sind die Fälle, für die der Bauturbo gedacht ist.
    – Keine neue Baufläche.
    – Kein Eingriff in den Außenbereich.
    – Keine schleichende Hinterlandbebauung.
    – Kein Gewerbegebiet, das „kippt“.
    Sondern:
    Bestandsumnutzung für Wohnraum.

    Was wollen wir eigentlich?

    Der Wohnungsmarkt ist angespannt.
    Familien suchen Wohnraum.
    Ältere Menschen suchen passende Wohnungen im Zentrum.
    Gleichzeitig steht ein großes Bestandsgebäude (sehr bald) leer und wird nicht wohnwirtschaftlich genutzt.

    Der Bauturbo wurde eingeführt, um solche Blockaden zu lösen. Er ermöglicht Befreiungen und beschleunigte Verfahren – natürlich nur mit Zustimmung der Stadt.

    Diese Zustimmung ist eine politische Entscheidung.

    Innenentwicklung ernst nehmen
    In den städtebaulichen Grundsatzzielen heißt es ausdrücklich:
    – Nachverdichtung im Bestand wird bevorzugt.
    – Bereits versiegelte Flächen sollen genutzt werden.
    – Außenbereichsausweitung ist zu vermeiden.

    Die Alten Stadthäuser erfüllen all diese Kriterien.
    Wer hier zögert, stellt nicht das Projekt in Frage –
    sondern die eigene Beschlusslage.

    Die eigentliche Frage
    Bergisch Gladbach hat den Bauturbo beschlossen.

    Jetzt geht es um Glaubwürdigkeit.
    Wollen wir ihn nur als theoretisches Instrument führen –
    oder dort einsetzen, wo er städtebaulich sinnvoll, ökologisch verantwortbar und sozial wirksam ist?

    Die Alten Stadthäuser sind kein Grenzfall.
    Sie sind ein M u s t e r f a l l.

    Der Bauturbo wurde gemacht für Innenentwicklung im Bestand.
    Genau das sind die Alten Stadthäuser.
    Die Entscheidung liegt bei Politik und Verwaltung.
    Und sie ist eine Frage des Willens.

    Danke!

  2. Erfreulich ist (immer/meistens) wenn die Parteien der DEMOKRATISCHEN Mitte solidarisch Miteinander sind und sich nicht wie Feinde behandeln (im Gegensatz zB zu Söders populistisches Grünen-Bashing)

  3. Der Antrag folgt einem klassischen integrierten Innenstadtansatz.
    Er enthält drei typische Instrumente moderner Stadtentwicklung:
    • Masterplan als strategischer Rahmen
    • Szenario-Planung
    • Verknüpfung mehrerer Schlüsselareale
    Diese Vorgehensweise entspricht gängigen Verfahren in Transformationsstädten, in denen mehrere zentrale Flächen gleichzeitig in Entwicklung sind. Durch ein bereits extern beauftragtes Planungsbüro für die Entwicklungsplanung des Zandersgeländes gibt es mögliche Konflikte
    • Zwei parallele Planungslogiken
    • unterschiedliche Szenarien
    • widersprüchliche Nutzungsvorschläge
    • zusätzliche Abstimmungsrunden

    Das führt typischerweise zu:
    • Zeitverzug
    • höheren Planungskosten
    • politischen Konflikten über „richtige“ Leitbilder

    Fachlicher Grundsatz bei internationalen Stadtentwicklern:

    In großen Transformationsprojekten gilt: Das Schlüsselareal definiert die Gesamtlogik der Innenstadt, nicht umgekehrt.

    Bedeutet im konkreten Fall:
    • Zanders ist die dominante Entwicklungsfläche
    • Innenstadtflächen sind funktional nachgeordnet

    Ein Masterplan Innenstadt ohne klare Hierarchie zur Zanders-Planung birgt daher strukturelle Risiken.
    Der Antrag sieht vor, dass der Masterplan vor einer Marktinteressensabfrage zu den Stadthäusern erstellt werden soll.
    Das bedeutet:
    • zusätzliche Planungsphase
    • Verzögerung konkreter Projekte
    • Risiko sinkender Investorenbereitschaft
    Das Risiko eines Meta-Masterplanes ist in vielen Städten durch spezielle Muster bekannt:
    • Rahmenplan
    • Masterplan
    • Update
    • Szenarienprozess
    • Vertiefung
    • erneute Anpassung

    Der Antrag sieht:
    • Fortschreibung der Rahmenplanung
    • Szenarien
    • Masterplan
    • vertiefte Planung Stadthäuser

    Das kann zu einem Planungskreislauf ohne Realisierung führen, wenn keine klaren Umsetzungsprioritäten festgelegt werden. Dies gilt es auf jeden Fall zu verhindern!

  4. Natürlich….. Aufschieben ist das Motto aller Altparteien….
    Ich denke vielleicht doch noch einen Barbershop oder Döner, tun der Stadt gut.

    Ich bewundere den Mut von Ralf’s Frittebud und wünsche ihm jedweden Erfolg.

    Vielleicht schafft es ja der Brunnen vor dem Rathaus sich selbst zu reparieren, die Stadt schafft es ja nicht.

    Zum Schluss können Besucher, den innerstädtischen Müllberg am Hang der Mariengrotte bewundern, zu erreichen über die Treppe hinter dem Rathaus und dem Gasthof zum Bock. Drogen sind dort auch käuflich zu erwerben.

    Man kann also erkennen….das anpacken besser als aufschieben wäre, wenn ein wirkliches Interesse daran besteht die Innenstadt wieder aktraktiver zu gestalten.

  5. Gesamtplanung ja – aber sozial und bezahlbar

    Ja, eine Gesamtbetrachtung ist richtig. Stückwerk hatten wir in Bergisch Gladbach jahrzehntelang genug – und genau deshalb fehlen heute auch bezahlbare Wohnungen in der Stadt und besonders in der Stadtmitte. Aber eine „Vision“ darf kein Deckmantel für die Vertagung von Wohnungsbau auf den Nimmerleinstag sein, so wie wir es gerade „Auf Zanders“ erleben.

    Wenn neu geplant wird, dann bitte integriert: Gewerbe, Bildung und vor allem Wohnen. Und beim Wohnen gilt: Bezahlbar zuerst – und nicht wieder mit Priorität 0815 ganz hinten, nach dem Motto „nicht so wichtig“. Luxuswohnungen gibt es in Bergisch Gladbach schon genug. Was fehlt, sind Wohnungen für Menschen mit normalem Einkommen – für Ältere, die barrierearm wohnen wollen, und für junge Menschen, die künftig am Zanders-Areal lernen sollen.

    Die Stadt muss ihre eigenen Flächen nutzen, um dauerhaft bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – nicht, um Investorenrenditen zu sichern und Spekulanten zu fütten. Das ist hier möglich, ohne die Interessen des Gewerbes und eine moderne Entwicklung einzuschränken. Im Gegenteil: Mehr Wohnraum würde die Stadtmitte beleben.

    Klar ist aber auch: Mit der neuen informellen großen Koalition aus CDU, Grünen und SPD wird es für solche Vorschläge für bezahlbaren Wohnraum deutlich schwerer. Diese Mehrheit kann andere Ansätze und Pläne für neue bezahlbare Wohnungen bequem in die Ecke stellen und mit anderen Prioritäten gegen soziale Interessen „durchregieren“. Die Träume von einem sozial-ökologischen-linken Bündnis für Bergisch Gladbach sind damit erst einmal verschüttet.

    Am „Masterplan Stadtmitte“ wird sich zeigen, wer wirklich soziale Stadtentwicklung und mehr bezahlbaren Wohnraum will – und wer nur groß plant, aber klein oder wieder nicht liefert.

    Leider fehlt im Antrag jede ernsthafte Bürgerbeteiligung. Gerade das wäre aber der richtige Anfang. Statt wieder alte Konzepte aus der Schublade zu ziehen, die vor allem in Straßen, vielen Parkplätzen, Büros und Verkaufsflächen denken, sollten die Bürgerinnen und Bürger von Anfang an einbezogen werden. Innenstadtentwicklung geht alle an. Deshalb müssen sich die Menschen entschieden einmischen und Beteiligung laut einfordern – sonst wird erneut über ihre Köpfe hinweg entschieden.

    Tomás M. Santillán
    Mitglied des Stadtrats Die Linke

  6. Ja nee, is klar “Masterplan Innenstadt” ;-) wann bitte, und von wem soll der denn kommen, oder anders gefragt, warum gibt’s den noch immer nicht?

    Vielleicht weil in dieser Stadt die phantastischen, zahlreichen, empathischen Vorschläge aus der Bürgerschaft von Politik und Verwaltung allenfalls als Leserbriefe gewertet werden ?

    Wir haben hier alle ein Recht auf Stadt und es wird Zeit dass wir es nutzen.

    Wir hatten vor einigen Jahren diesen Ideenwettbewerb für den Turbokreisel (also dieser Schriftenkringel mit Beleuchtung ist dann dabei rausgekommen, unser Vorschlag wurde leider überstimmt), das war ja schon eine richtige Bürgersache; so etwas sollten wir auch mit der „übergeordnete(n), gesamtstädtische(n) Vision“ für den (ach so) wichtigen Innenstadtbereich machen.

    Da können (sollten !!) auch gerne “Zugereiste” und “Geringverdiener” mitmachen, also ganz fair nach dem demoskopischem Bild.

    Auch dieses Gehabe auf Zanders verstehe ich nicht: Eine aufgegebene Industriebrache gehört “zwischengenutzt”, damit Leben entsteht. Warum sollen wir x mal x Jahre warten bis sich die Herrschaften über ein gesamtstädtisches Konzept geeinigt haben ?

    1. Ein “Masterplan” hätte schon etwas, wir können noch weniger es gebrauchen, wenn alle paar Jahre die Parteilandschaft sich in BGL ändert und alles wieder umgeworfen wird.

      Anderseits, es drückt wirklich im Schuh und es wäre zu hoffen, dass das Tempo bei den Schulen auch auf die Innenstadt übertragen wird.

  7. „Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt“ (Laotze). Dieses Hin und Her lässt den lange diskutierten und wiederholt korrigierten Flächennutzungsplan schon vergessen, äh in der Schublade verschwinden. Vom zweiten S-Bahn-Gleis, seit zig Jahren wiederholt thematisiert, mit allen Ideen für Brücken etc. wollen wir nicht mehr reden, man plant ja noch.

    Die Aufkäufe der Stadt von der Familie von Siemens, die Fläche der ehemaligen Firma Steinhaus, mal sehen was noch so kommt und mit einplant werden sollte, teils schon ist. Wachendorff? Volberg? Was kommt noch? Und was fehlt dann oder ist doppelt? Hoffentlich gibt es genug Fahrradstraßen …