Am Wochenenden und außerhalb der Praxiszeiten müssen Eltern mit ihrem kranken Kind nach Köln oder Leverkusen fahren. Foto: Pixabay

In Bergisch Gladbach gibt es drei Krankenhäuser, aber keinen ärztlichen Notdienst für Kinder. Erwachsene können außerhalb der regulären Praxiszeiten die Notdienstpraxis am EVK aufsuchen, wenn sie schnell medizinische Hilfe benötigen. Mit kranken Kleinkindern müssen Eltern weitere Wege in Kauf nehmen.

Wenn ein Kind am Wochenende oder spätabends plötzlich hohes Fieber oder starke Schmerzen hat, können die Eltern es zum kinderärztlichen Notdienst bringen. In Köln stehen ihnen außerhalb der regulären Praxiszeiten gleich drei kinderärztliche Notdienstpraxen zur Wahl: am Krankenhaus Porz, an der Uniklinik in Lindenthal und an der Kinderklinik Amsterdamer Straße in Riehl.

In Bergisch Gladbach sowie im gesamten Rheinisch-Bergischen Kreis hingegen gibt es keinen kinderärztlichen Notdienst. Eltern müssen mit ihrem Kind aus Kürten, Odenthal oder Bergisch Gladbach müssen nach Köln, Leverkusen, Solingen oder Gummersbach fahren.

Für eine Mutter aus Bergisch Gladbach ist das ein „Missstand“, der sie „mit Sorge und Unverständnis“ erfüllt, wie sie dem Bürgerportal gegenüber sagt. Es sei für sie nicht nachvollziehbar, warum in einer Stadt dieser Größe „keine Basis-Notfallversorgung für Kinder sichergestellt werden kann“, etwa in Form einer Portalpraxis an einem der Krankenhäuser. 

Notdienst für Erwachsene

So ist es bei Erwachsenen geregelt: Wenn diese außerhalb der Sprechstundenzeiten ein akutes, aber nicht lebensbedrohliches gesundheitliches Problem haben, können sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst nutzen.

Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) ist es, die ambulante Versorgung der Bürger:innen in der Region sicherzustellen. Dazu gehört auch die Organisation eines ärztlichen Notdienstes außerhalb der Praxiszeiten.

Hintergrund: Notdienstpraxen im Bezirk Nordrhein

Insgesamt gibt es im Bezirk Nordrhein (der die Regierungsbezirke Köln und Düsseldorf umfasst) 85 Notdienstpraxen zur Verfügung: Neben 53 allgemein-medizinischen gibt es 24 kinder- und jugendärztliche Notdienstpraxen sowie drei für HNO und vier augenärztliche. Laut KVNO erreichen 90 Prozent der Bevölkerung des Bezirks „innerhalb von etwa 15 Minuten Fahrtzeit mit dem PKW die nächstliegende Notdienstpraxis“.

In Bergisch Gladbach gibt es eine solche Notdienstpraxis am Evangelischen Krankenhaus (EVK). Diese behandelt auch (ältere) Kinder, mehr dazu weiter unten.

Mehr zum Thema

Notdienstpraxis der KV öffnet auf dem Quirlsberg

Die allgemeine Notdienstpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) ist vom Marien-Krankenhaus zum Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach umgezogen. Sie ist jeden Abend geöffnet, an Samstagen, Sonntagen und Feiertage auch tagsüber.

Ohne Auto wird es mit Kindern schwierig

Bei Kindern fehlt diese wohnortnahe Notfallversorgung, kritisiert die Mutter. Eltern seien in solchen Situationen entweder auf ein Auto angewiesen oder müssten eine teure Taxifahrt in Anspruch nehmen. Eine unter Umständen lange Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln bezeichnet die Mutter bei akuten Erkrankungen oder Schmerzen als „unzumutbar“. 

Es sei ihrer Meinung nach auch keine Lösung, in solchen Fällen einen Rettungswagen zu rufen, sozusagen als „Ersatz-Taxi“. Denn diese würden dann möglicherweise für lebensbedrohliche Fälle fehlen.

Kindernotdienst ist „freiwilliges Zusatzangebot“

Auf Nachfrage des Bürgerportals erklärt die zuständige KVNO, dass fachärztliche Notdienste (Kindermedizin, HNO, Augen) „eine Art freiwilliges Zusatzangebot“ der KV und der Fachärzte seien. Im Rahmen des gesetzlichen Sicherstellungsauftrags, den die Kassenärztlichen Vereinigungen umsetzen, müsse flächendeckend lediglich ein allgemeiner ärztlicher Notdienst angeboten werden.

Für Bergisch Gladbach und den Rheinisch-Bergischen Kreis ist dieser am EVK angesiedelt. Ende 2025 ist die Notdienstpraxis der KVNO vom Marien-Krankenhaus zum EVK umgezogen. 

Zusätzlich zum allgemeinen Notdienst hat die KVNO nach eigener Aussage in den vergangenen Jahren zahlreiche Notdienstpraxen für Kinder, Augen- und HNO-Fälle etabliert, um zu den Notdienstzeiten eine fachärztliche Akutversorgung zu gewährleisten.

Keine Kinderklinik in GL

Diese Praxen seien aber immer an Kliniken angedockt, in denen es auch eine entsprechende stationäre Fachabteilung gebe. In dringenden Fällen seien benötigte Fachärzt:innen sowie spezifische Ausstattung direkt im oder neben dem Krankenhaus schnell erreichbar. 

Die Krankenhäuser in Bergisch Gladbach haben allerdings keine Kinderfachabteilung, wie die KVNO erläutert. Daher seien die Kinder-Notdienstpraxen etwa an das Klinikum Leverkusen, die Uniklinik Köln, das Krankenhaus Porz, die Kinderklinik Amsterdamer Straße oder das städtische Klinikum Solingen angesiedelt.

Laut KVNO werden die rund 30 niedergelassenen Kinder- und Jugendärzt:innen aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis je nach geografischer Lage ihrer Praxis in diesen jeweiligen KV-Notdienstpraxen eingeteilt. (Eine Übersicht aller Notdienstpraxen der KVNO gibt es hier)

Mit älteren Kindern in die Notdienstpraxis am EVK

Die KVNO weist darauf hin, dass Eltern aus Bergisch Gladbach mit ihren erkrankten Kindern auch in die Notdienstpraxis am EVK gehen können. Bei Kindern etwa ab dem Grundschulalter werde das auch häufig gemacht.

Bei Kleinkindern und Neugeborenen sei es aber gegebenenfalls sinnvoller, einen Kinderarzt bzw. eine spezielle Kinder-Notdienstpraxis auszusuchen.

Kostenlose Videosprechstunde

Alternativ bietet die KVNO kostenlose Videosprechstunden an: Eltern könnten so von zu Hause aus digital „eine erste pädiatrische Fachmeinung“ erhalten und möglicherweise die Fahrt in eine Notdienstpraxis und die Wartezeit dort vermeiden. Geeignete Behandlungen könnten über die Videosprechstunde besprochen und bei Bedarf ein elektronisches Rezept ausgestellt werden. 

Der Kindernotdienst per Videosprechstunde ist am Wochenende und an Feiertagen jeweils von 10 bis 22 Uhr zu erreichen. Weitere Informationen und Zugang zur Videosprechstunde: kvno.de/kinder

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.