Wenn ein geliebter Mensch stirbt, verändert sich auch der Blick auf die kleinsten Dinge: Geräusche, Gerüche und Farben. Was eben noch Alltag war, wird plötzlich zum Zeichen. Und plötzlich steht eine Frage im Raum, die viele verunsichert: Was ziehe ich zur Beerdigung an? Schwarz, bunt oder einfach meine Alltagskleidung? Schwarz spielt dabei eine besondere Rolle. David Roth vom Bestattungshaus Pütz-Roth beschreibt, warum Schwarz als Trauerfarbe immer seltener wird und warum diese Farbe vielleicht mehr mit dem Leben zu tun hat, als wir denken.

Neulich saß ich in einer Trauerfeier, in der es auf den ersten Blick gar keine Trauerfarben mehr gab. Helle Kleider, bunte Hemden, ein weißer Sarg, pastellfarbene Blumen. Es war, als hätte man beschlossen, dem Tod die Farbe zu entziehen, damit er weniger bedrohlich wirkt. Schwarz sah man kaum.

Früher war das anders. Schwarz gehörte fest zur Trauerkultur. Witwen trugen Hüte mit schwarzem Schleier und Handschuhen, Männer schwarze Anzüge, manchmal über Jahre hinweg.

Diese Kleidung sprach eine klare Sprache: Dieser Mensch hat jemanden verloren. Man musste nicht viel erklären, das Schwarz erklärte es für einen. Und oft war die Reaktion der Umgebung eine besondere Form von Rücksicht und Anteilnahme.

Schwarz hat heute oft einen schlechten Ruf. „Schwarzes Schaf, Schwarzer Freitag, Schwarzmalerei, Schwarzarbeit.“ Kaum eine Farbe kommt sprachlich so schlecht weg. Wer sich schwarz ärgert, ärgert sich angeblich fast zu Tode. Schwarz steht für Finsternis, Schatten, Leere, Nichts. Wo es dunkel ist, vermuten wir kein Leben. Wo kein Leben ist, vermuten wir Trauer.

Eine leise Einladung zur Rücksichtnahme

Im Christentum hat man das fein sortiert: Schwarz als Farbe der irdischen Trauer, Grau für das Jüngste Gericht, Weiß für die Auferstehung. Daher auch der Brauch, Verstorbene in ein weißes Totenhemd zu betten, während die Lebenden Schwarz tragen.

Die schwarze Alltagskleidung nach einem Sterbefall – früher oft ein Jahr und länger – war mehr als Konvention. Sie war eine sichtbare Schutzschicht. Wer Schwarz trug, signalisierte: Ich bin verletzlich. Das Umfeld konnte sich darauf einstellen. Es war eine leise Einladung zur Rücksichtnahme.

In diesem Sinne konnte Schwarz etwas sehr Positives haben: Es schuf Verständlichkeit, ohne dass man seine Geschichte jedes Mal ausbreiten musste.

Anwesenheit zählt mehr als jede Kleiderordnung

Darf ich Schwarz tragen, wenn um helle Kleidung gebeten wird? Meine Antwort ist: Ja. Wenn Sie sich in Schwarz wohler fühlen, wenn es sich für Sie stimmig anfühlt, dann ist Schwarz richtig, auch dann, wenn in der Traueranzeige um helle Kleidung gebeten wird.

Und auch umgekehrt gilt: Auch wenn niemand ausdrücklich um helle Kleidung bittet, dürfen Sie natürlich in dezenten, hellen Tönen kommen, wenn Schwarz sich für Sie zu schwer anfühlt.

Schwarz ist längst nicht nur die Farbe der Trauer. In der Bibel heißt es über den Anfang der Welt: „Die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe.“ Dunkelheit steht hier am Anfang.

In anderen Kulturen wird das viel selbstverständlicher so gesehen. In Teilen Afrikas steht Schwarz für den Stolz der Völker und für die Fruchtbarkeit der Erde,  für das, was nährt, trägt und neues Leben ermöglicht. Die gleiche Farbe, eine ganz andere Deutung.

Auch im Alltag kann Schwarz eine positive Bedeutung haben. Schwarz auf Weiß gelten Texte als verbindlich. Niemand wird schwarzsehen, wenn vom „kleinen Schwarzen“ die Rede ist, das Coco Chanel in den 30er-Jahren entworfen hat und das bis heute als Inbegriff von Eleganz gilt. Und einer unserer beliebtesten Glücksbringer trägt ebenfalls Schwarz: der Schornsteinfeger. Wenn er auftaucht, geht es nicht um Unglück, sondern um Glück.

Wer zu einer Trauerfeier eingeladen wird, sollte wissen: Anwesenheit zählt mehr als jede Kleiderordnung. Entscheidender ist, dass Menschen überhaupt kommen. Dass sie sich zeigen, dass sie sich nebeneinander auf die Bank setzen, einander in die Augen schauen, vielleicht eine Hand auf eine Schulter legen, sich umarmen, Erinnerungen teilen.

Ob Menschen heute bei einer Beerdigung Schwarz tragen oder bewusst zu Farben greifen, ist ihre persönliche Entscheidung. Wichtig finde ich nur: Trauer braucht ein Recht auf Sichtbarkeit. Man darf ihr ansehen, dass sie da ist, in der Kleidung, im Gesicht, im ganzen Auftreten.

Es kann unendlich guttun, jemanden anzusprechen, der offensichtlich schwer trägt. Ein leiser Satz, ein kurzer Blick, eine gereichte Hand bedeuten mehr als die korrekt gewählte Farbe der Kleidung.

Auch wenn man in Trauer ist, darf man sich daran erinnern: Farben urteilen nicht. Sie erzählen Geschichten. Schwarz erzählt von Ernst, Tiefe, Ursprung  und manchmal auch von Eleganz und Glück.

David Roth
Bestattungshaus Pütz-Roth


Das Bestattungshaus Pütz-Roth in Bergisch Gladbach steht für eine neue, persönliche Form der Bestattung, fern von Floskeln und nah am echten Leben.

Hier wird Trauer als kostbare Zeit verstanden, für die es Raum, Rituale und mutige Ideen gibt. Anstelle starrer Abläufe ermöglicht Pütz-Roth individuelle Formen des Abschieds. So wird aus dem letzten Weg kein Tabu, sondern ein bewusst gestalteter Teil des Lebens.

Der Bestatter David Roth lädt in seinem Haus bei einer Reihe von Veranstaltungen und in seinem Podcast Talk about Tod dazu ein, offen über Sterben, Tod und Trauer zu sprechen.

Pütz-Roth: Bestattungen und Trauerbegleitung

Pütz-Roth Bestattungen und Trauerbegleitung oHG
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ist ein renommiertes Bestattungshaus im Raum Köln und Bergisch Gladbach.

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  1. Es gab in meiner Kindheit – also vor ungefähr 70 Jahren – den Brauch, dass Männer, die einen Trauerfall in der Familie hatten, eine schwarze Armbinde oder ein schwarzes Band durchs Knopfloch am Revers des Jackets trugen.
    Das hatte mein Onkel versäumt, als seine Mutter (meine Oma) gestorben war. Und als er sich beschwerte, dass jemand so “taktlos” war und ihn fragte, ob es seiner Mutter wieder besser gehe, wies meine Mutter ihn genau darauf hin. “Wenn du . . .,
    so weiß ja keiner was los ist.”
    Es hat sich viel geändert.

    1. Hallo Selbst wir Kinder zuhause 4 sind wir
      1964 als der Vater verstorben war ( noch sehr jung )
      Als Brauch galt eine schwarze Armbinde zu tragen
      Ich fand das mit 7 Jahren sehr schlimm konnte dies nicht einordnen wofür Warum für wie lange musste ich die am rechten Oberarm jeden Morgen bevor es zur Schule ging anziehen
      Konnte garnicht damit umgehen eine schwarze Armbinde /Band anzulegen
      Das ging bestimmt ein halbes Jahr so
      Konkrete Antworten gab es diesbezüglich nie wenn ich fragte warum ich das machen muss