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Wie Nachbarschaft im Trauerfall helfen kann: David Roth erzählt von stiller Unterstützung und Gemeinschaft. Und er erklärt, was das mit dem Strundetalfest am 6. September zu tun hat.

Letzte Woche stand ich mit einem Kollegen vor einem Haus, in dem wir gerade einen Verstorbenen abgeholt hatten. Wir warteten noch auf einige Unterlagen, die uns die Tochter des Verstorbenen mitgeben wollte.

Da kam die Nachbarin aus dem Haus gegenüber zu uns herüber. Nicht neugierig und nicht mit jenem vorsichtigen Gesichtsausdruck, den Menschen manchmal aufsetzen, wenn sie unsicher sind, ob sie etwas sagen dürfen. Sie hatte einen kleinen Einkaufskorb am Arm und sagte einfach:

„Seine Tochter ist oben. Ich habe ihr einen Kaffee gemacht.“

Mehr nicht.

Ich fand das berührend und bemerkenswert. Nicht, weil es spektakulär gewesen wäre, sondern gerade weil es das nicht war. Keine unsichere Beileidsbekundung. Keine Lebensweisheit, die in einem Moment wie diesem schnell zur Phrase werden kann. Nur ein Kaffee. Und offenbar die stille Entscheidung: Diese Frau soll jetzt nicht allein in ihrer Küche sitzen.

Hilfe im Trauerfall beginnt oft mit kleinen Gesten

Als Bestatter erlebe ich häufig, dass Angehörige zunächst glauben, sie müssten alles allein bewältigen: den ersten Anruf machen, Dokumente zusammensuchen, Entscheidungen treffen und die Wohnung im Blick behalten. Dazu kommt der Kühlschrank, der Hund, die Post und die Frage, wer nun eigentlich wen informiert.

Wir als Bestatter helfen, wo wir können. Wir besprechen die nächsten Schritte, organisieren Überführungen, Termine und Formalitäten. Gemeinsam suchen wir nach einer Form für den Abschied, die zum verstorbenen Menschen passt. Manchmal ist das eine große Trauerfeier mit Musik und vielen Gästen. Manchmal eine kleine Runde auf dem Friedhof – mit drei Menschen, einem Foto und wenigen leisen Worten.

Doch manches kann auch ein Bestatter nicht übernehmen. Keine noch so sorgfältig vorbereitete Mappe ersetzt den Menschen, der fragt: „Ich gehe einkaufen, brauchst du etwas?“

Oder, noch besser: der nicht lange fragt, sondern die Mülltonne an die Straße stellt. Weil er weiß, dass es an manchen Tagen bereits eine Leistung ist, die Haustür zu öffnen.

Was gute Nachbarschaft ausmacht

Gemeinschaft ist ein großes Wort. Es klingt ein wenig nach Festrede und Vereinsbanner. In Wirklichkeit ist sie oft erstaunlich unspektakulär.

Sie beginnt damit, dass man den Namen der Nachbarin kennt. Dass man nicht nur weiß, hinter welcher Tür Herr Meier wohnt, sondern auch, dass er seit Wochen nicht mehr gut zu Fuß ist. Dass ein Paket nicht bloß angenommen, sondern bei Gelegenheit mit einem ehrlichen „Wie geht es Ihnen eigentlich?“ vorbeigebracht wird.

Gerade in einem Trauerfall kann diese Art von Nachbarschaft sehr wertvoll sein. Niemand kann einem anderen Menschen den Verlust abnehmen. Das wäre ein falsches Versprechen. Trauer lässt sich nicht reparieren, nicht beschleunigen und erst recht nicht mit einem gut gemeinten Satz lindern.

Aber Menschen können da sein.

Ich habe oft erlebt, wie viel es ausmacht, wenn Freunde und Nachbarn nach einer Beerdigung nicht gleich wieder verschwinden. Wenn sie ein paar Wochen später noch einmal anrufen. Wenn jemand sagt: „Ich gehe sowieso zum Friedhof, soll ich dich mitnehmen?“ Oder wenn sich ein kleiner Kreis bildet, der nicht genau weiß, was richtig ist, aber einfach dableibt.

Das ist kein professioneller Trost. Es ist etwas Besseres: ehrliche Zugewandtheit.

Das Strundetalfest: Begegnung schafft Gemeinschaft

Ich denke darüber gerade besonders oft nach, weil am 6. September das Strundetalfest vor der Tür steht. An diesem Tag wird aus dem Tal für ein paar Stunden ein Ort, an dem Menschen einander nicht nur begegnen, weil sie zufällig dieselbe Straße benutzen.

Die Geschwindigkeit wird langsamer. Menschen sind zu Fuß unterwegs, mit dem Fahrrad, auf Skates, mit Kindern, Hunden und Sonnenhut, oder mit der festen Überzeugung, dass ein Planwagen für ein paar Stunden ein angemessenes Verkehrsmittel ist.

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Als Vorsitzender von Strundetal e. V. sehe ich einen solchen Tag natürlich auch mit dem Blick des Organisators. Dann sehe ich Menschen aus Vereinen, Initiativen und Unternehmen, die planen, aufbauen, Kabel verlegen und Stände vorbereiten. Und die vermutlich irgendwann feststellen, dass ausgerechnet das eine Verlängerungskabel fehlt, das gestern noch ganz sicher in der Kiste lag.

Auch das gehört zur Gemeinschaft: Kabelbinder, Kaffeekannen, Helferlisten und die Bereitschaft, bei Bedarf noch schnell ein paar Bänke zu schleppen.

Das Entscheidende passiert aber später: wenn Menschen stehen bleiben und ins Gespräch kommen. Wenn alte Bekannte sich wiedersehen. Wenn neue Nachbarn zum ersten Mal merken, dass sie seit zwei Jahren nur durch eine Hecke voneinander getrennt leben.

Das Strundetal wird dadurch nicht plötzlich zu einer heilen Welt. Aber für einen Tag wird sichtbar, was im Alltag leicht übersehen wird: Wir leben nicht bloß nebeneinanderher.

Gemeinschaft trägt auch in schweren Zeiten

Vielleicht liegt darin der Unterschied zwischen einer Ansammlung von Häusern und einer echten Nachbarschaft. Gemeinschaft zeigt sich nicht nur dann, wenn alles leicht ist und die Sonne scheint. Sie zeigt sich vor allem dann, wenn Worte fehlen und Menschen trotzdem bleiben.

Es hilft, wenn diese Gemeinschaft vorher schon geübt wurde: beim gemeinsamen Fest, beim kurzen Gespräch am Stand, beim Lachen über ein verschollenes Verlänberungskabel.

Wer sich kennt, kann einander auch dann begegnen, wenn das Leben schwer wird.

Und manchmal beginnt genau das mit etwas ganz Einfachem: mit einem Kaffee, der vorbeigebracht wird. Oder mit einem gemeinsam verbrachten Tag am 6. September im Strundetal.

Ihr David Roth
Bestattungshaus Pütz-Roth


Das Bestattungshaus Pütz-Roth in Bergisch Gladbach steht für eine neue, persönliche Form der Bestattung, fern von Floskeln und nah am echten Leben.

Hier wird Trauer als kostbare Zeit verstanden, für die es Raum, Rituale und mutige Ideen gibt. Anstelle starrer Abläufe ermöglicht Pütz-Roth individuelle Formen des Abschieds. So wird aus dem letzten Weg kein Tabu, sondern ein bewusst gestalteter Teil des Lebens.

Der Bestatter David Roth lädt in seinem Haus bei einer Reihe von Veranstaltungen und in seinem Podcast Talk about Tod dazu ein, offen über Sterben, Tod und Trauer zu sprechen.

Pütz-Roth: Bestattungen und Trauerbegleitung

Pütz-Roth Bestattungen und Trauerbegleitung oHG
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ist ein renommiertes Bestattungshaus im Raum Köln und Bergisch Gladbach.

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