Das Haus der Musik am Langemarkweg. Foto: Thomas Merkenich

Die konkreten Folgen der Sparbeschlüsse des Stadtrats zeigen sich erst nach und nach. Auch die Musikschule kann frei werdende Stellen zunächst nicht neu besetzen. Elternvertretung und Förderverein sehen die musikalische Bildung und auch die Orchester gefährdet. Daher bitten sie in einem offenen Brief um eine Ausnahme für die Musikschule.

Jede Stelle, die innerhalb der Stadtverwaltung und ihrer Einrichtung frei wird, darf erst nach sechs Monaten neu besetzt werden. Diese Wiederbesetzungssperre gehört zu den Maßnahmen, die der Stadtrat im Sommer beschlossen hatte, um eine Überschuldung der Stadt zu vermeiden.

Davon ausgenommen sind nur die Bereiche Straße, Zanders und Schule – kulturelle Einrichtungen wie die Max-Bruch-Musikschule gehören nicht dazu. Dort werden, das berichten jetzt Elternvertretung und Förderverein in einem offenen Brief an Stadtrat und Verwaltung, in der nächsten Zeit wichtige Stellen frei.

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Weil die entsprechenden Lehrkräfte in den Ruhestand gehen, betreffe das die Fächer Querflöte und Violine/Bratsche sowie das Projekt Jekits (Jedem Kind ein Instrument). Da das Fach Querflöte nur durch eine einzige Person besetzt sei, bedeutet die Wiederbesetzungssperre, dass dieses Fach „komplett wegbricht“. Im Bereich Bratsche gehen gar die beiden vorhandenen Lehrkräfte in den Ruhestand.

Orchester nicht mehr spielfähig

Die Folgen gingen aber über die Fachbereiche hinaus: Wenn ganze Instrumentalfächer wegfielen, könnten die bestehenden Ensembles und Orchester nicht mehr adäquat besetzt werden. Damit, so der Offene Brief, seien sie nicht mehr spielfähig.

Die Musikschule biete Kindern und Jugendlichen Zugang zu musikalischer Bildung, fördere soziale Kompetenzen und trage maßgeblich zur Lebensqualität in Bergisch Gladbach bei, argumentieren Elternvertretung und Förderverein.

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Geldnot: Erste Grausamkeiten treffen die Musikschule

Die Stadt hat sich ein striktes Finanzkorsett verordnet: Wenn neue Ausgaben unausweichlich sind muss an anderer Stelle gespart werden. Das trifft jetzt die Musikschule, die alle Honorarkräfte einstellen muss. Die zusätzlichen Ausgaben sollen durch höhere Gebühren und eine Einschränkung des Angebots finanziert werden. Auch das Bergische Museum kämpft um jeden Euro, die Sportflächen der Stadt schrumpfen. Zudem gibt es zwei Personalien.

Sie habe jedoch bereits durch die Umsetzung des „Herrenberg-Urteils“ 2024 massive Sparmaßnahmen hinnehmen müssen, ihre Kapazitäten würden ohnehin schon erheblich eingeschränkt. Daher, so der Appell, dürften die Leistungen der Musikschule nicht den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen – das hätte „fatale Auswirkungen auf das kulturelle Angebot und musikalische Leben der Stadt“.

Konkret fordern die Unterzeichner:innen für die Max-Bruch-Musikschule eine Ausnahmegenehmigung vom Wiedereinstellungsstopp, wenn Fachlehrkräfte in den Ruhestand gehen.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Was für eine bittere Entwicklung.

    Schon wie in Leverkusen scheint auch den Verantwortlichen in Stadt Bergisch Gladbach nicht klar, was die Musikschule für Kinder und Jugendliche neben der instrumental und musikalischen Erziehung leistet. Gerade die Arbeit im Ensemble fördert die soziale Entwicklung.

    Erneut wie beim Jugendtreff oder dem Schulmobilitätsmanagement eine Einsparmaßnahme, die die Kinder- und Jugendarbeit massiv einschränkt.

    1. Hallo Michael Funcke, ich sehe es gerad umgekehrt. Den Verantwortlichen ist klar, dass Schulden machen den Kindern und Jugendlichen nicht mehr zuzumuten ist. Schließlich müssen sie dafür irgendwann mal aufkommen, und dann werden die finanziellen Spielräume vermutlich noch geringer sein.

  2. Guten Tag, ich frage mich, ob die Kommentierenden einen Überblick über die Aktivitäten der Musikschule haben und/oder selber einmal in einem Orchester/Ensemble gespielt haben. Der Musikunterricht und besonders die Orchester und Ensembles sind eine unglaublich tolle Möglichkeit, Kinder und Jugendliche zu fördern.

    Das ist etwas ganz anderes als im eigenen Kämmerlein unterrichtet zu werden.

    Aus meiner Sicht ist dies auch kein Einzelinteresse. Jedes Kind sollte die Möglichkeit haben, ein Instrument zu lernen. Ein wichtiger Baustein dafür sind die Einführungskurse der Musikschule.

    1. Nein, keinen “Überblick”. Aber kann man nicht die paar Monate überstehen, indem man die Kinder in der Zwischenzeit in Gesang oder an einem zweiten Instrument ausbildet? Die Schule wird ja nicht geschlossen.

      Einfach mal improvisieren.

      M.E. gibt es viel Schlimmeres was zufällig komplett hätte wegfallen können.

  3. So hat jede Gruppe ihre Einzelinteressen. Wer wählt eigentlich die Elternvertretung der Musikschule? Gibt es einen Brandbrief wegen der Einschränkungen beim Ausbau der Schulstraßen? Ich finde es eher kritisch, dass der dezentrale Musikunterricht auf dem Prüfstand steht. Es droht hier eine Elterntaxizunahme an der Musikschule.

  4. So kann und wird dann jeder Betroffene (Musik, Sport, Kultur) für sich wünschen, dass die Sparmaßnahmen einen selbst nicht betreffen. Aber wo soll die Stadt denn dann anfangen und wo aufhören?
    Es heißt überall, wir dürfen den nachfolgenden Generationen nicht immer mehr Schulden aufbürden. Nun fordern die Eltern aber gerade das mit dem Brief, denn die Musikschule wird durch die Stadt (und somit die Bürger) über Schulden finanziert. Eine Alternative wären höhere Kindergartenbeiträge, höhere Parkgebühren, höhere Grundsteuer. Mir fällt maximal ein, an den Zweigstellen der Bürgerbüros zu sparen und diese zu schließen.

    1. Ein Vorschlag: Der Stadtrat könnte und sollte beschließen, dass keine weiteren Grundstücke entlang des Bahndamms per Vorkaufsrecht mehr gekauft werden. Das Projekt ist tot, es will nur kein Politiker der Sargträger sein. Man sollte beispielsweise keinen Parkplatz eines für den Stadtteil notwenigen Supermarktes (Frankenforster Str.) auf Schulden für ein unsinniges und unrealistisches Projekt kaufen, wie Ende 2023 geschehen. Alleine durch den Verzicht auf diese Transaktion hätte ein Musiklehrer bzw. eine Musiklehrerin mehrere Jahre bezahlt werden können.

      [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]