Der Gleispark bietet - als einer der wenigen Orte in GL - Möglichkeiten für Sport, Spiel und Begegnung. Foto: Redaktion

2204 Kinder und Jugendliche aus Bergisch Gladbach haben sich an einer Befragung der Stadt beteiligt. Die Antworten liefern Einblicke in ihr Freizeitverhalten und zeigen, woran es ihnen mangelt. Am liebsten sind junge Menschen zu Hause oder verbringen Zeit mit Freunden. Das hängt auch mit fehlenden Angeboten zusammen.

Wie geht es Kindern und Jugendlichen in Bergisch Gladbach? Wie bewerten sie die Freizeitangebote in der Stadt? Was wünschen sie sich? Fragen wie diese hat die Stadt jungen Menschen gestellt. Die Ergebnisse der Kinder- und Jugendbefragung wurden jetzt im Jugendhilfeausschuss vorgestellt. Ziel der Befragung ist es, Bedürfnisse und Bedarfe von Kindern und Jugendlichen zu erfragen und sie einzubeziehen. Die Erkenntnisse sollen in den neuen Kinder- und Jugendförderplan einfließen, erläuterte die Verwaltung im Ausschuss.

Wie lief die Befragung ab? 

Zwischen dem 28. Januar bis zum 6. März befragte die Stadt Kinder und Jugendliche, die in Bergisch Gladbach eine Schule oder in diesem Zeitraum das Jobcenter besuchten. Der Einladungslink zur Umfrage wurde über die Schulen an die Eltern weitergeleitet, die diesen ihren Kindern zur Verfügung stellten.

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Der Fragebogen wurde in zwei Fassungen angeboten: einer ausführlichen Fassung in Standardsprache und einer kürzeren Fassung in Leichter Sprache. Die Daten wurden anschließend durch das Institut Reiß und Hommerich ausgewertet. 

Wer hat mitgemacht?

Insgesamt nahmen 2204 Kinder und Jugendliche teil. 1941 füllten den Fragebogen in Standardsprache aus, 263 den in Leichter Sprache. 50 Prozent sind weiblich, 49 Prozent männlich, 1 Prozent divers. Das Durchschnittsalter liegt bei 12 Jahren. Fünf Prozent der Befragten gibt an, eine Beeinträchtigung oder Behinderung zu haben. 

48 Prozent der Teilnehmer:innen besuchen ein Gymnasium, 28 Prozent eine Grundschule, 15 Prozent eine Gesamt- oder Waldorfschule und 9 Prozent eine Realschule. Eine Förderschule, Hauptschule oder ein Berufskolleg besuchen nur einzelne Befragte.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

Sehr kurz zusammengefasst: Die Mehrheit bewertet Bergisch Gladbach grundsätzlich positiv, aber vor allem den Jugendlichen fehlt es an Freizeitangeboten und Aufenthaltsorten.

Sie äußern den Wunsch nach frei zugänglichen Orten im öffentlichen Raum, an denen sie sich treffen, aufhalten, bewegen und einfach sein können, ohne das Gefühl zu haben, zu stören oder konsumieren zu müssen.

Was auffällt: Mit steigendem Alter nimmt die Zufriedenheit stetig ab. 

So verhält es sich auch bei der Bewertung der vorhandenen Freizeitangebote und Aufenthaltsorte, die eine große Mehrheit als nicht ausreichend bewertet, nämlich 43 bzw. 54 Prozent.

Bei den Jugendlichen ab 16 Jahren sind es bei den Freizeitangeboten 49 Prozent und bei den Aufenthaltsorten 65 Prozent, die ein negatives Urteil fällen. 

Wie gestalten Kinder und Jugendliche ihre Freizeit?

Die abgefragte Palette an Freizeitbeschäftigten ist breit, zeigt aber deutliche Lieblingsbeschäftigungen: Dreiviertel der Befragten verbringen am liebsten Zeit mit Freund:innen und Sport. Jeweils rund die Hälfte hört gern Musik, schaut Filme oder Serien und verbringt Zeit mit der Familie. Bücher lesen, Chillen und Gaming nennen jeweils rund 30 Prozent. (Mehrfachnennungen waren möglich.)

Kinder und Jugendliche gestalten ihre Freizeit aktiv und vielfältig. Allerdings findet vieles davon im privaten, selbstorganisierten Rahmen oder digital statt.

Das liegt möglicherweise auch daran, dass es nicht immer die passenden Angebote gibt: So sagen 41 Prozent der Teilnehmer:innen, dass sie sich für Hobbys oder Aktivitäten – insbesondere aus dem Bereich Sport – interessieren, diesen aber nicht nachgehen. Weil sie keine Zeit haben, die Angebote zu weit entfernt oder schwer zu erreichen sind, Informationen dazu fehlen, keine Plätze frei oder die Kosten zu hoch sind. 

Von den befragten Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigung geben 16 Prozent an, nicht an Freizeitangeboten teilnehmen zu können, weil diese nicht barrierefrei sind. 

Wo verbringen Kinder und Jugendliche ihre Freizeit?

Am liebsten verbringen Kinder und Jugendliche ihre Freizeit zu Hause (89 Prozent) oder bei Freund:innen (71 Prozent). 43 Prozent nennen Sportvereine als beliebten Aufenthaltsort, 37 Prozent Park/ Natur/ Wald, 35 Prozent Schwimmbad.

Dicht beieinander folgen Kino (26), Internet (24), Innenstadt (23), Bolz-/Fußball-/Basketballplatz (22) und Spielplatz (20 Prozent). Jugendzentrum nennen gerade einmal 5 Prozent.

Es fällt auf: Beliebte Aufenthaltsorte liegen im privaten Raum. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass geeignete Orte im öffentlichen Raum fehlen.

Und es passt zu den Wünschen und Botschaften, die die Kinder und Jugendlichen frei an die Stadt formulieren konnten (es gab also keine vorgegebenen Antwortmöglichkeiten). 77 Prozent der Befragten nutzten diese Möglichkeit.

Was wünschen sich Kinder und Jugendliche?

Mit weitem Abstand (35 Prozent) liegen frei zugängliche Orte für Sport und Bewegung vorne, etwa Fußball- und Basketballplätze, Skatepark oder freie Flächen zum Rad fahren/ Inline Skaten/ Rollschuh laufen. Diese sollten ohne Vereinsmitgliedschaft oder Kosten verbunden sein. 15 Prozent wünschen sich Orte, an denen sie sich mit Gleichaltrigen treffen und aufhalten können.

In dem Zusammenhang wird häufig der Wunsch nach Orten geäußert, an denen man „einfach sein“ könne, ohne dass Erwachsene sich gestört fühlten oder sich einmischen. 

(Anmerkung: Der Gleispark auf Zanders war zur Zeit der Befragung noch nicht geöffnet)

11 Prozent haben Wünsche in Bezug auf Spielplätze. Teils gibt es aus Sicht der Befragten nicht genug oder zu wenig abwechslungsreiche Spielplätze, die auch für Jugendliche noch interessant sind. 9 Prozent der Wünsche beziehen sich auf das Thema Verkehr – etwa mehr und bessere Radwege sowie eine Verbesserung des ÖPNV. 

Bemerkenswert: 7 Prozent bedanken sich oder äußern Lob dafür, dass sie zu Wort kommen und gefragt werden.

Was machen Kinder und Jugendliche im Internet?

Das Internet ist fester Bestandteil des Alltags junger Menschen. Es ist ein wichtiger Raum für Austausch, Orientierung und Freizeit. Ihre Internetzeit verbringen sie vor allem mit Telefonieren und Chatten, Gaming, Lernen, Social Media. Wichtige Themen sind Musik/ Videos/ Filme, Unterhaltung, Gaming, Social Media und Sport/ Fitness. 

Nach ihren Wünschen für Online-Angebote speziell für Jugendliche in Bergisch Gladbach gefragt, nennen meisten Befragten Online-Spiele/ Online-Turniere sowie digitale Workshops und Kurse. Jeweils rund ein Viertel interessiert sich für eine App aller Jugendzentren sowie einen Veranstaltungskalender und Informationen über bestehende Angebote. 

Bei den offenen Antworten geben etliche Befragte an, dass sie sich keine virtuellen Angebote wünschen, sondern mehr reale Treffpunkte und Aufenthaltsorte.

Was treibt Kinder und Jugendliche noch um?

Nach den Themen gefragt, die ihnen wichtig sind und welche ihnen Sorgen bereiten, fällt auf: Die Befragten beschreiben ihr unmittelbares persönliches Umfeld (Freundschaften/ Beziehungen sowie Familie /Zuhause) als vergleichsweise wenig sorgenbelastet. Gesellschaftliche Krisen und soziale Belastungen hingegen – Klimakrise, Kriege, Diskriminierung, Mobbing, Einsamkeit – lösen Sorgen aus. 

Das Thema Schule/ Ausbildung/ Noten wiederum ist der überwiegenden Mehrheit wichtig, bereitet aber zugleich auch vielen Sorgen.

Insgesamt machen sich Mädchen häufiger Sorgen als Jungen. Und mit steigendem Alter nehmen auch die Sorgen zu. 

Was folgt aus den Ergebnissen?

Kritik gab es im Ausschuss an der Methodik der Befragung, insbesondere daran, dass der Zugang per Mail und über die Schulen erst an die Eltern und von diesen an die Kinder und Jugendlichen weitergeleitet wurde.

Das typische Klientel der Jugendzentren werde durch die Umfrage kaum repräsentiert, kritisiert Martin Schäfer, Vertreter des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) und Geschäftsführer der Katholischen Jugendagentur Leverkusen, Rheinberg und Oberberg (KJA). An der Befragung habe eine große Gruppe teilgenommen, „die wir mit unseren Angeboten der offenen Kinder- und Jugendhilfe nicht erreichen“.

Damit deutet er darauf hin, dass bei den Jugendlichen die Gymnasial-Schüler:innen überrepräsentiert waren, die Jugendlichen in Real- und Hauptschule oder Berufskolleg dagegen kaum erreicht wurden.

Fachbereichsleiterin Claudia Werker betont, dass es sich zwar nicht um eine repräsentative Studie handele, die Befragung aber dennoch wichtige Ergebnisse und Erkenntnisse liefere. Zwei weitere Erhebungen, darunter Interviews in Jugendzentren, würden weitere beisteuern. Die Verwaltung kündigt an, gemeinsam mit den Trägern zu überlegen, wie auch diese in den Kinder- und Jugendförderplan und in die Politik einfließen können. 

„Jugendliche brauchen Orte, wo sie sein dürfen. Wir müssen uns darum kümmern, dass es sie gibt“, sagt Walter Paduch (Grüne). „Der Gleispark ist ein gelungenes Beispiel für einen Ort, an dem Jugendliche sich wertgeschätzt fühlen“, sagt Manuela Muth, Leiterin des Jugendzentrums Cross. Die Befragung zeige einmal mehr: „Es bräuchte noch zwei oder drei mehr solcher Orte.“ 

Eine Kurzfassung der Ergebnisse der Befragung steht im Ratsinformationssystem.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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