Wie wichtig der Aufbau einer stabilen Beziehung für die Jugendsozialarbeit ist, wurde in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses deutlich: Verschiedene Akteure gaben einen anschaulichen Einblick in ihre Arbeit. Außerdem ging es um eine Randstundenbetreuung in Heidkamp, freie Plätze in der Kindertagespflege und die Frage, ob die neuen Kitas noch gebraucht werden.

Rundum gelungen war das Jugendfestival „Beat’n’Ball“ aus Sicht der Verwaltung: Etwa 300 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene haben am Samstag im Gleispark auf dem Zandersgelände trotz Hitze gefeiert, berichtet Simone Engelberth im Jugendhilfeausschuss (JHA) am Mittwochabend. 

„Stand uP“ heißt ein Projekt der niederschwelligen Jugendsozialarbeit, das die GL Service gGmbH seit 2009 durchführt – und das sehr erfolgreich, wie Projektverantwortliche den Ausschussmitgliedern berichten. Junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren werden dabei unterstützt, eine schulische oder berufliche Perspektive zu entwickeln. 

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Häufig haben die jungen Menschen die Schule abgebrochen, psychische und soziale Probleme, Suchtprobleme, Schulden, keinen festen Wohnsitz oder sind straffällig geworden. Meistens treffen mehrere der Probleme auf einmal zusammen. 

Zeitaufwendiger Beziehungsaufbau

Ziel des Projekts ist es, zunächst eine stabile Beziehung und Vertrauen aufzubauen, um lebenspraktische Unterstützung, Beratung und Hilfe überhaupt leisten zu können. Dafür ist engmaschige und intensive Betreuung nötig. 

Wie langwierig dieser Weg sein kann, veranschaulichen die Projektverantwortlichen an einem eindrücklichen Fallbeispiel: Ein junger Mann, der schon in frühester Kindheit Gewalt erfahren hat, gemobbt und selbst gewalttätig wurde, verschiedene Süchte entwickelte und wohnungslos war, ist seit 2019 bei „Stand uP“ angedockt. Inzwischen hat er Haupt- und Realschulabschluss nachgeholt und absolviert nun seit zwei Jahren eine Ausbildung. 

Zwei sozialpädagogische Fachkräfte sind insgesamt 41 Arbeitsstunden pro Woche im Projekt tätig. Im Jahr 2025 haben sie insgesamt 41 Teilnehmer:innen begleitet. Zehn haben sie in schulische Angebote vermittelt, drei in eine Ausbildung, zwei in eine Arbeitsstelle, sechs waren bei der Wohnungssuche erfolgreich. 

Die anschließende Diskussion der Ausschussmitglieder betont die Wichtigkeit dieser Arbeit. Das Fazit: Der Bedarf ist groß und wächst, die finanziellen Mittel hingegen nicht. 

Hilfe beim Start in den Beruf

Das wird auch bei der Vorstellung der Jugendberatung des AWO Kreisverbands Rhein-Oberberg mit Sitz in Bergisch Gladbach deutlich: Die Mitarbeiter:innen unterstützen Jugendliche und junge Erwachsene beim Übergang von der Schule ins Berufsleben.

Das Angebot reichtet sich an Menschen zwischen 15 und 27 Jahren aus Bergisch Gladbach, Kürten, Odenthal und Rösrath, deren Integration in die Arbeitswelt gefährdet ist – etwa aufgrund von Sucht, psychischen Erkrankungen oder Sprachproblemen.

Im Jahr 2025 haben die Mitarbeiter:innen insgesamt 963 Personen beraten, davon 220 in individuellen Beratungsterminen und 743 bei Projekten in Schulen. Die Arbeit steht unter dem Motto: „Wer junge Menschen stärkt, verhindert, dass Probleme stark werden.“

Randstundenbetreuung in Heidkamp

Einstimmig beschließt der JHA die Kostenübernahme einer neu konzipierten Randstundenbetreuung an der GGS Heidkamp in Kooperation mit der Kreativitätsschule in Höhe von knapp 19.000 Euro.

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Ab dem kommenden Schuljahr haben Erstklässler einen Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung. Doch der Mangel an OGS-Plätzen in Bergisch Gladbach bleibt auf hohem Niveau. Besonders groß ist der Engpass in Moitzfeld. Hier fehlen nicht nur Dutzende Betreuungsplätze für höhere Klassen, sondern auch etliche I-Dötzchen gehen leer aus.

Vorlage im Ratsinformationssystem

Freie Plätze in der Kindertagespflege

Jennifer Hohnrath von der IG Kindertagespflege gibt einen Einblick in die „dramatische Situation“ ihrer Berufsgruppe aufgrund der gesunkenen Geburtenzahlen: Aktuell gibt es stadtweit noch 31 freie Plätze in der Kindertagespflege, viele ihrer Kolleg:innen hören zum Sommer auf. „Es geht um unsere Existez“, so Hohnrath. 

Zugleich gebe es in Kitas einen Überhang an Plätzen für Kinder, die älter sind als drei Jahre und würden neue Kitas gebaut. Hohnrath bittet die Verwaltung um Unterstützung und „kreative Lösungen“.

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Der Kindertagespflege fehlen die Kinder

Dutzende freie Plätze vermeldet die Kindertagespflege in Bergisch Gladbach für das kommende Betreuungsjahr. Während aktuell noch neue Kitas gebaut werden, ist die Zahl der Geburten kontinuierlich gesunken. Und plötzlich gibt es mehr Plätze als Kleinkinder. Das wirkt sich auf die Betreuungslandschaft aus.

Fachbereichsleiterin Claudia Werker betont die Bedeutung der Kindertagespflege für die Betreuungslandschaft in Bergisch Gladbach. „Es wird auch weiterhin ein Wunsch- und Wahlrecht für Eltern. Aber wir können die finanziellen Rahmenbedingungen nicht ändern.“ Die Diskussion über kreative Lösungsansätze verweist sie in die Planungsgruppe Kindertagesbetreuung.

Die neuen Kitas, die derzeit noch fertiggestellt und gebaut würden, „werden wir nicht stoppen. Dann hätten wir viel Geld in den Sand gesetzt“, so Werker. Damit erteilt sie dem Vorschlag der AfD, die Kitas umzuwidmen, etwa in dringender benötigte Förderschulen, eine Abfuhr.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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