Am Sonntag, dem 15.8.2010,  soll die „Not- und Interessengemeinschaft der Bergische Diakonie Aprath Geschädigten“ (vorläufiger Name) gegründet werden. Das Gründungstreffen beginnt um 15 Uhr  im Bürgerzentrum Altenberger Hof, Mauenheimer Str. 92, in 50733 Köln Nippes.

In dem Aufruf zur Gründungsversammlung heißt es unter anderem:

“Wir, einige ehemaligen Heimkinder des Erziehungsheimes „Gut an der Linde“ (1951 bis 1973) in Bensberg – Moitzfeld haben uns vor gut drei Monaten mit Fragen, Akteneinsichtsersuchen und Entschädigungsforderungen (25 EUR pro Tag), an den Heimträger, die Firma „Bergische Diakonie Aprath GmbH“, gewandt.

Die Bundesregierung, die Kirchenleitungen, das Diakonische Werk usw. empfehlen den damaligen Heimträgern, den ehemaligen Heimkindern bei der Aufarbeitung ihrer Heimjugend jede Unterstützung, insbesondere Akteneinsicht, zu geben, was bisher unter Hinweis auf eine erst zu erstellende „wissenschaftliche Untersuchung“ von der Diakonie Aprath abgelehnt wurde. Auskünfte sind von dort nur schwer und hinhaltend zu bekommen. Jetzt teilt uns der Vorstand, Herr Pfarrer Peter Iwand, mit, dass wir doch Akteneinsicht usw. bekommen. Unsere Personenakten sollen aber spurlos verschwunden sein, so dass wir nur allgemein Heimakten einsehen können?

Weitere Informationen:
Alle Berichte über die Missbrauchsfälle in Moitzfeld
Rechercheauftrag: Moitzfelder Abgründe, Beitrag vom 21.5.2010
Missbrauch in Moitzfeld, Beitrag vom 27.4.2010
Bergische Diakonie Aprath
Heimkinder-Forum, Startseite

Das Erziehungsheim „Gut an der Linde“, von uns als Fürsorgehölle empfunden, war geprägt von pädagogisch widersinnigen, schädigenden, die Menschenrechte verletzenden Erziehungsmethoden, wie sie in den Nachkriegsjahren in vielen Kinderheimen, zumeist in kirchlicher Trägerschaft, zum Geschäftsmodell gehörten. Wir, die dort zwangsweise lebenden Kinder, wurden willkürlich von Gruppe zu Gruppe oder Heim zu Heim umgepackt und hatten keine kontinuierlichen Erziehungspersonen. So erzieht man keine Kinder. Wir waren die Leidtragenden uns sind es durch nachteilige Prägung und Traumatisierung bis heute.

Die Kinder- und Jugendjahre dort war von wenig Zuwendung, sozialer Abschottung, Gefühlskälte, sexuellem Missbrauch, Zwangsarbeit, Prügel, Gewalt, Kriminalität, Fernhalten von Bildung, großen Gruppen, der Hackordnung, ständigen Verlegungen, unqualifizierten wechselnden Erziehern, Einheitsbehandlung und Armut geprägt.

Offensichtlich war das „Gut an der Linde“ damals nicht die einzige Stätte psychischer und physischer Kindesmisshandlung der Diakonie Aprath. Es haben uns, nachdem die Presse bundesweit darüber berichtete, auch aus ihren anderen Heimen, zum Beispiel dem benachbarten Jungen- und Mädchenheimheim am Platzerhöhenweg, haarsträubende Berichte von Ehemaligen erreicht. Gewalt, sexueller Missbrauch, Vergewaltigungen, Zwangsarbeit, psychischer und physischer Druck und den Willen brechende Erziehungsmethoden gehörten da offensichtlich auch zum Geschäftsmodell. Als das Geschäft mit der „Ware“ Heimkind, um die sich die Heimträger damals bei den Jugendämtern einen Konkurrenzkampf lieferten, Anfang der siebziger Jahre unrentabel wurde, weil es zunehmend auf gesellschaftliche Kritik stieß und Heimkinder und Erzieher rebellierten und reihenweise abhauten und von der Diakonie Aprath kaum noch Heimkinder akquiriert werden konnten, hat man das Heim geschlossen. Wir haben von damals Zeitungsberichte, Bauaufsichtsberichte, Polizeiberichte, Behördenberichte usw., die chaosartige Zustände, ein völlig verwahrlostes Heim, sexuellen Missbrauch, Kriminalität und Gewalt belegen. Der damalige Heimleiter, Axel Trappe, nach jetzt schriftlicher Angabe seiner Aufgabe nicht gewachsen, zog für sich „die Notbremse“ und kündigte.

Was aus den Heimkindern wurde, hat die Diakonie nie interessiert. Offensichtlich hat man geglaubt man könne sich, wie bei der Verstrickung in die NS Verbrechen, auch dieses Problems durch totschweigen entledigen, aber selbst der Bundestag ist inzwischen der Überzeugung, dass die damalige Heimerziehung die umfangreichste organisierte Menschenrechtsverletzung der Nachkriegsjahre war und hat mit einstimmigem Beschluss die Aufarbeitung durch den runden Tisch Heimerziehung in Berlin beschlossen. Es hat sich also etwas getan und geändert.

Auch wir ehemaligen Heimkinder aus „Gut an der Linde“ konnten uns über Internet finden und uns der bergischen Diakonie Aprath GmbH mit Fragen und Forderungen in Erinnerung bringen. Damit hat sie nach so vielen Jahren der Ruhe in Sachen Heimerziehung und Vermehrung des Vermögens, der Umsatz liegt bei ca. fünfzig Millionen Euro jährlich, der auch zu Lasten unserer psychischen und physischen Gesundheit erwirtschaftet wurde, sicher nicht gerechnet.

Leider mussten wir in den letzten Monaten aber realisieren, dass wir als Einzelpersonen bei der Diakonie wenig erreichen können. Wir stehen dem milliardenschweren Machtapparat der Diakonien, Kirchen und politischem Lobbyisten gegenüber. Deshalb haben wir abgesprochen, mit anderen Betroffenen eine Interessengemeinschaft, die gegebenenfalls zum eingetragenen Verein gewandelt werden kann, zu gründen. Die Mitarbeiter der Diakonie haben damals dafür gesorgt, dass man mit dem Finger auf uns zeigte und wir Heimkinder Geächtete und Stigmatisierte waren, heute zeigen wir mit dem Finger auf sie und ihre Rechtnachfolger und fordern Aufklärung, Rechenschaft und Entschädigung.

Unsere Einladung richtet sich natürlich in erster Linie an die ehemaligen Heimkinder aus „Gut an der Linde“ und die anderen Heime der bergische Diakonie, aber auch an die Co Geschädigten, beispielsweise Eltern, die der Diakonie die Werbeversprechen von der tollen Heimerziehung geglaubt haben und Lebensgefährten und Kinder, die teilweise unter der nachteiligen Prägung leiden mussten. Darüber hinaus ist jeder willkommen, der uns bei der geltend Machung unsere Interessen unterstützen kann oder will.”

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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5 Kommentare

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  1. Heimkinder des “Gut an der Linde” bitten um Solidarität und Intervention bei der BDA (Bergische Diakonie Aprath)

    Unter diesem Link ( http://amd.co.at/anti/moitzfeld/BDA_Rundschreiben.pdf ) haben wir einen Allgemeinen Aufruf verfasst und bitten Euch im Sinne des Aufrufes für uns bei der Bergische Diakonie Aprath schriftlich zu Intervenieren..

    Hier ein Link zu einem sehr kleinem Teil der bei uns vorhandenen Akten die das Chaos sowie Missbrauch beschreiben.
    (da geht es um Betrug mit falschen Belegzahlen, Quälereien der Erzieher an Kindern, Sexuellem Missbrauch der Erzieher an Kindern, Eine Heimleiterin eines anderen Kinderheims beschwert sich bei einem Besuch in unser Heim, Einstellungen der Erzieher als z.b Fos Studenten -wurden aber als vollvertige Erzieher geführt, Berichte über Beschwerden der Kinder usw usw ) Lest selber

    http://amd.co.at/anti/index2.php?moitzfeld/privat/

    Wir bedanken uns im vorhinein schon einmal freundlich bei Euch.

    mit freundlichen Grüsssen

    Die Ehemaligen Heimkinder des “Gut an der Linde” aus Bensberg Moitzfeld

  2. NEWS:
    Sept 2010

    Wir ,die Ehemaligen der Diakonie Aprath (Knabenheim Moitzfeld -Gut an der Linde ) fühlen uns von der Diakonie Aprath einfach betrogen !!!!

    Erst halten sie uns ewig hin, dann wollen sie eine Untersuchung aller Vorfälle… dann spielen sie auf Zeit und zu guter letzt beschliesst der Vorstand nur 50000.- Eur für eine Wissenschaftliche Aufarbeitung ,was natürlich viel zu wenig ist.(Zitat des beauftragten Wissenschaftlers )

    …., dass der Aufsichtsrat der Diakonie Aprath beschlossen habe, für die Untersuchung und das Gutachten lediglich 50 000.-€ bereit zu stellen. Ich halte es für ausgeschlossen, innerhalb dieses finanziellen Rahmens eine seriöse und den Interessen der ehemaligen Heimkinder gerecht werdende Untersuchung durchzuführen. Daher sind die Verhandlungen der Universität S***** mit der Diakonie Aprath über dieses Projekt beendet. ….

    Beispielhaft für die Hinhalte Taktik der Bergischen Diakonie Aprath wird von uns gesehen ,das die ersten von uns Ehemaligen Heimkinder vor rund einem Jahr an die Diakonie heran getreten sind um Akten einsicht zu erhalten.
    Angeblich hatte die Diakonie keine Akten mehr von uns und dem Heim.
    Jetzt ,nach fast einem Jahr tauchen nach und nach kurioserweise doch Akten auf ,sowie Personenbezogene Unterlagen die uns ehemaligen Heimkindern teilweise auch zur Verfügung gestellt wurden.

    Das zum derzeitigen Stand der Dinge (Sept 2010 )

  3. Öfter mal was neues.. Heute in der Rundschau / Köln- bergisches Land

    http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1281431214305.shtml

    Hohe Untersuchungskosten
    Bleibt Skandal um Heimkinder im Dunkeln?

    Von Walter K. Schulz, 27.08.10, 07:06h
    Scheitert die wissenschaftliche Aufarbeitung der schwerwiegenden Übergriffe gegen Moitzfelder Heimkinder in den 60er und frühen 70er Jahren an finanziellen Aspekten? 200.000 Euro soll eine etwa zwei Jahre währende Analyse kosten.
    MOITZFELD – Der Siegener Professor für Sozialpädagogik, Dr. Klaus Wolf, ist von der Bergischen Diakonie Aprath ausgewählt worden, um die Vorwürfe gegen die Kinderheime des Trägers in Moitzfeld zu untersuchen.

    Dessen Kostenberechnungen liegen für eine etwa zwei Jahre währende Analyse bei rund 200.000 Euro, wie er gestern der BLZ erklärte.

    Pfarrer Peter Iwand, Vorstandsvorsitzendender der Bergischen Diakonie Aprath, bestätigte, diese Summe, die er selbst auch noch bei „200.000 Euro plus“ einordnete, sei für den Verein nicht zu stemmen: „Das ist zu viel für uns und übersteigt unsere Möglichkeiten.“ Deshalb suche die Diakonie nach Co-Finanzierern.

    Reiner Gläser, Sprecher der ehemaligen Zöglinge, ist äußerst skeptisch, dass der Auftrag an Professor Wolf zustande kommt: „Man will ihm nach meinen Informationen nur 18.000 Euro bezahlen, obwohl man Reingewinne bis zu drei Millionen macht.“

    Wolf erklärte gestern, es werde in Kürze eine gemeinsame Presseerklärung zusammen mit der Diakonie Aprath geben. Nach der Auseinandersetzung um das Honorar versteht Reiner Gläser derweil die Meldung der Diakonie auf ihrer Internetseite nicht. „Der Aufsichtsrat der Bergischen Diakonie hat in seiner Sitzung am 11. Mai 2010 beschlossen, die Vorwürfe von Missbrauch und Misshandlungen, die ehemalige Heimkinder des Bensberger Knabenheims ,Gut an der Linde’ geschildert haben, von einem unabhängigen Wissenschaftler aufklären zu lassen.“ Gläser: „Das hört sich nach einer Beauftragung an, die es aber nicht gegeben hat und wahrscheinlich auch nicht geben wird. Es ist alles völlig in der Schwebe.“ Wolf sollte, so die Absicht der Diakonie, die Hintergründe der schwerwiegenden Übergriffe erforschen und aufzeigen, wie solche Missstände entstehen konnten und verhindert werden können.

    „Die Diakonie war sehr überrascht, als siemein Angebot und Konzept erhielt“, sagt Wolf. Doch anders gehe es nicht. Es seien zwei Jahre notwendig, um die aufwendige Arbeit durchzuführen. Jeder Einzelne müsse befragt werden. Es handele sich dabei nicht um einfache Interviews.Es entwickle sich dabei ein „langer, dichter Erzählfluss“. Dabei müsse bedacht werden, dass sich die Befragten in einer „ziemlich kritischen persönlichen Situation befinden“. Es habe bei solchen Befragungen schon Suizidabsichten gegeben. Da müssten entsprechende Vorkehrungen getroffen werden.

    Die ehemaligen Heimbewohner seien sehr skeptisch, so der Professor: „Sie haben teilweise den Verdacht, dass das Ganze ausgesessen werden soll.“ Dagegen sagte Pfarrer Iwand, dass der Träger des früheren Heims alles dafür tun wolle, um die furchtbaren Vorfälle aufzuarbeiten. Man werde in jedem Fall dafür sorgen, dass ein „unabhängiger Dritter“ die Vergangenheit aufarbeite, und am 7. September mit Betroffenen den Landschaftsverband aufsuchen, um Unterlagen einzusehen.

    Reiner Gläser hat derweil viele „glasklare Unterlagen“ gesammelt, die er in Kürze alle im Internet präsentieren will: „Von Österreich aus. Da kann uns keiner etwas.“

    mfg

    p.s
    Gute zerede taktik